Dunkler Schatten über Blackthorn Hall

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Mai 2020
  • |
  • 264 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-4920-0 (ISBN)
 
Schottland, 1755: Hat der mysteriöse Duke of Montrose wirklich seine Gattin ermordet? Jede junge Dame geht dem geheimnisvollen Adligen bei gesellschaftlichen Ereignissen so angstvoll aus dem Weg, als könnte sie die Nächste sein. Aber nicht die mutige Catriona Mackenzie! Aus den Highlands ist sie in die Stadt gekommen, um den Sommer bei ihrem Onkel zu verbringen. Und nun ist sie entschlossen, das Geheimnis des schottischen Aristokraten auf dem Nachbaranwesen zu lüften! Doch dabei gerät die neugierige Schönheit in den gefährlich maskulinen Bann des vermeintlichen Mörders - der so verwegen gut küssen kann ...
Julia London hat sich schon als kleines Mädchen gern Geschichten ausgedacht. Später arbeitete sie zunächst für die US-Bundesregierung, sogar im Weißen Haus, kehrte aber dann zu ihren Wurzeln zurück und schrieb sich mit mehr als zwei Dutzend historischen und zeitgenössischen Romanzen auf die Bestsellerlisten von New York Times und USA Today. Sie lebt mit ihrer Familie in Austin, Texas.

1. KAPITEL

Kishorn Lodge, schottische Highlands, 1755

Die Mackenzies hatten einen lebhaften Streit darüber gehabt, wo die sterblichen Überreste der ehrwürdigen Griselda Mackenzie begraben werden sollten. Arran Mackenzie, ihr geliebter Cousin, wollte, dass sie zusammen mit allen anderen Mackenzies beerdigt wurde, die in den vergangenen zweihundert Jahren auf Balhaire, dem Familiensitz des Clans, gelebt hatten. Aber seine jüngste Tochter Catriona - die ihrem "Tantchen" Zelda so nahegestanden hatte wie ihrer eigenen Mutter - wollte, dass sie auf Kishorn Lodge beerdigt wurde, wo Griselda den größten Teil ihres bemerkenswerten Lebens verbracht hatte.

Am Ende hatten sie sich auf einen Kompromiss geeinigt. Tante Zelda wurde in der Familiengruft auf Balhaire beigesetzt, aber einen Monat später fand ihr zu Ehren auf Kishorn eine féill statt. Damit war Catriona zufrieden, weil es die passende Feierlichkeit für eine Frau war, die ihr Leben immer nach ihren eigenen Regeln gelebt hatte.

Leider spielte das Wetter am Abend der féill nicht mit. Kishorn lag weit oben in den Highlands und war eigentlich nur mit einem Boot zu erreichen. Deswegen konnten nur die engsten Familienmitglieder des Mackenzie-Clans teilnehmen. Sie ruderten von Balhaire aus hinüber, an den Landsitzen Arrandale und Auchenard vorbei, die ebenfalls der Familie gehörten, und über den Loch Kishorn bis zu der Stelle, an der der Fluss in den Loch mündete, nach dem dieser benannt war.

So weit oben in den Highlands gab es sonst fast nichts und niemanden. Früher hatte es ein Dorf und ein hervorragendes Jagdrevier direkt am Flussufer gegeben, aber die waren beide längst aufgegeben. Ein Vorfahr der Mackenzies hatte ein Jagdhaus auf den Ruinen des Dorfes gebaut. Zelda war ihre Freiheit immer wichtiger gewesen als eine Ehe. Ihr Vater hatte ihr ihren Willen gelassen, und so war sie als junge Frau in das verlassene Jagdhaus gezogen. Sie hatte es über die Jahre liebevoll instand gesetzt und durch einen Anbau vergrößert und so zu ihrem Zuhause gemacht.

Das Einzige, was von dem ehemaligen Dorf geblieben war, war die Ruine einer Abtei, die auf einer Anhöhe stand, von der aus man das ganze Flusstal überblicken konnte. Sie war klein für eine Abtei, und niemand wusste, wem sie gehört hatte. Zelda hatte beschlossen, dass sie ihr gehörte und die Hälfte des ursprünglichen Gebäudes wieder bewohnbar gemacht. Die andere Hälfte - die früher einmal den Altarraum beherbergt hatte - hatte keine Wände und nur ein paar Balken und Bögen aus Stein, die von der Dachkonstruktion übrig geblieben waren. Sie hatte keinen praktischen Nutzen, nur die Kühe, die sich hin und wieder dort hinauf verirrten, fanden eine Atempause vom Wetter.

Wenn sie doch bloß auch eine Atempause von dem eiskalten Regen gehabt hätten, der am Tag der féill gegen die Fensterscheiben trommelte!

Catriona war deswegen am Boden zerstört - sie hatte ein Fest geplant, das noch viele Jahre lang alle anderen Feierlichkeiten in den Schatten stellen sollte. "Das hatte ich mir wirklich anders vorgestellt, das könnt ihr mir glauben", sagte sie zu den Frauen, die sich um das lodernde Feuer im Kamin versammelt hatten. Dazu gehörten ihre Mutter, die Herrin von Balhaire, und Catrionas Schwester Vivienne. Auch ihre Schwägerinnen Daisy, Bernadette und Lottie waren gekommen. "Es hat geregnet, als wir sie beerdigt haben, und jetzt regnet es schon wieder. Sie hat was Besseres verdient", fuhr Catriona fort, während sie vorsichtig ihr Weinglas hob, damit ihr nachgeschenkt werden konnte.

"Zelda wäre der Regen völlig egal gewesen, Cat", erwiderte ihre Mutter. "Sie hätte nur gewollt, dass die féill trotzdem stattfindet. Hörst du nicht, wie sie lacht? Sie würde sagen: 'Hast du vielleicht gedacht, dass Engel und Rotkehlchen singen, wenn ich komme? Nein, Mädchen, der Himmel wird weinen, wenn ich an die Tür klopfe.'"

"Mama", meinte Catriona bedrückt, aber sie musste trotzdem lächeln. Zelda hätte in der Tat ganz bestimmt so etwas in der Art gesagt.

"Ich vermisse die kauzige Alte", sagte ihre Mutter liebevoll und hob ihr Glas zu einem traurigen Gruß. "So eine gibt es kein zweites Mal."

Das war ein besonderes Lob aus dem Mund von Margot Mackenzie. Das Verhältnis zwischen ihr und Zelda war immer schwierig gewesen. Sie waren sich nie ganz grün gewesen, und Catriona verstand noch immer nicht so genau, warum. Sie wusste, dass Zelda es ihrer Mutter nicht nachsehen konnte, dass sie Engländerin war, womit sie allerdings unter den Highlandern nicht die Einzige war. Aber Zelda schien auch an der absurden Überzeugung festzuhalten, dass ausgerechnet ihre Mutter eine Spionin wäre. Einmal hatte Catriona ihren Vater gefragt, warum Tante Zelda ihre Mutter als Spionin bezeichnete, und daraufhin hatte er sie seltsam angesehen. "Manchmal muss man die Vergangenheit einfach ruhen lassen, aye?", hatte er geantwortet. "Du darfst nicht alles glauben, was Zelda sagt, Mädchen."

Catriona war aufgefallen, dass er es nicht abgestritten hatte.

Trotz der alten Missstimmung zwischen den beiden war Catrionas Mutter in den letzten Monaten von Zeldas Leben, als sie sich öfter krank als gesund gefühlt hatte, jede Woche von Balhaire hierhergekommen und hatte ihr Gesellschaft geleistet. Dann hatten sich die beiden über Ereignisse gestritten, die im Laufe ihrer langen Leben geschehen waren, aber sie hatten auch gelacht und gemeinsam über ihre Geheimnisse geflüstert.

Eins der Dienstmädchen schenkte Catriona Wein nach. Sie trank, als wäre es Wasser.

Da sich alle Mackenzies in das Jagdhaus quetschten, war kaum Platz für die Spiele, die Catriona geplant hatte, und sonst gab es wenig zu tun. Wenn sie ehrlich war, war Catriona angetrunken. Nein, das stimmte nicht - sie war sturzbetrunken, und bei diesem Gedanken fing sie an zu kichern.

"Es sollte getanzt werden", beklagte Lottie sich und fasste sich an den Babybauch, der ihr zu schaffen machte. Schon wieder ein Junge. "Irgendwas."

"Wie stellst du dir das vor?", fragte Vivienne. "Du kannst doch gar nicht tanzen, Lottie." Sie wies mit einem Nicken auf das Baby. Lottie hatte gerade erst Carbrey zur Welt gebracht, und seit der Geburt seines zweiten Sohnes stolzierte Catrionas Bruder Aulay wie ein verdammter Pfau auf Balhaire herum.

"Aye, aber ihr könnt tanzen", sagte Lottie und stieß Vivienne mit dem Ellenbogen in die Seite. "Und dann könnte ich schön zugucken."

"Ich? Dafür bin ich zu alt und zu dick", beklagte Vivienne sich, sank auf ihrem Stuhl zusammen und tätschelte sich den Bauch. Nachdem sie vier Kinder zur Welt gebracht hatte, war ihre Figur voller als früher. "Bernadette kann tanzen."

"Ganz allein?" Bernadette, die Frau von Catrionas Bruder Rabbie, beugte sich vor, um das Feuer im Kamin zu schüren. "Und soll ich dazu vielleicht auch selbst singen?"

"Und was ist mit mir?", fragte Daisy. Sie war mit Cailean verheiratet, Catrionas ältestem Bruder. "Ich bin nicht zu alt für einen Reel."

"Und auch nicht zu dick", stimmte Lottie ihr zu.

"Nein, aber dein Mann ist zu alt", sagte Vivienne und nickte in Caileans Richtung. Er saß neben ihrem Vater vor einer Feuerschale und hatte die Beine weit ausgestreckt. Mit zwei Fingern hielt er einen Krug mit Ale fest.

"Wirklich schade, dass Ivor MacDonald nicht hier ist, um mit unserer Cat zu tanzen", sagte Catrionas Mutter und schenkte ihrer Tochter ein teuflisches Lächeln.

Catriona hatte ihre Zurückhaltung im Wein ertränkt und stöhnte verärgert. "Du gibst auch erst auf, mich ordentlich zu verheiraten, wenn du irgendwann nicht mehr bist."

"Und was ist daran schlimm, frage ich dich?", erwiderte ihre Mutter in sanftem Ton.

"Ja, was ist daran schlimm?", fragte auch Daisy. "Warum kannst du dich nicht auf Mr. MacDonald einlassen, Cat? Ich finde ihn sehr nett. Und er ist weiß Gott verrückt nach dir."

Ivor war ein dicklicher Kerl, genauso groß wie Catriona. Sein Haar hing ihm immer ins Gesicht. In den Wochen nach Zeldas Tod hatte er ihr so oft sein Beileid ausgesprochen, dass sie irgendwann aufgehört hatte zu zählen. "Der kann sich verrückt machen so viel er will, aber ich bin viel zu rastlos, um mich an einen Schiffsbauer zu binden", sagte Catriona hoheitsvoll und trank den Rest aus ihrem Weinglas aus. In Wirklichkeit hatte sein Beruf nichts mit ihrer Ablehnung zu tun - es lag eher daran, dass er keinen Hals hatte.

"Ich glaube, das stimmt nicht", sagte Lottie und sah verwirrt zu, wie Catriona schon wieder ihr Glas hob. "Er hat sich nicht verrückt gemacht, sondern du hast ihn verrückt gemacht, oder nicht?"

Catriona schnalzte mit der Zunge und sah sie an. "Du weißt doch ganz genau, was ich meine, aye?"

"Aye, ich weiß es genau", stimmte Lottie ihr zu. "Aber du bist dreiunddreißig, Cat. Früher oder später musst du einsehen, dass das letzte Schaf auf dem Markt den Preis nehmen muss, der geboten wird, wenn es nicht als Braten enden will."

"Lottie!" Bernadette stöhnte. "Wie kannst du nur so etwas sagen?"

Catriona winkte geringschätzig ab. "Aye, aber sie hat doch recht, oder? Ich bin ohne Umwege dabei eine alte Jungfer zu werden. Ich habe mich mit dem Gedanken abgefunden, dass es in meinem Leben keinen Mann und keine Kinder geben wird, aye? Das war bei Zelda auch so, und sie hat es sich selbst ausgesucht. Ich weiß, was ich...

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