Lehrer werden!?

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 11. Mai 2020
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  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-6369-5 (ISBN)
 
Deutschland braucht dringend Lehrer. Viele Lehrer. Ambitionierte Lehrer. Gute Lehrer. Ein grundsätzlich sicherer, interessanter und gut bezahlter Job. Stellen gibt's genug. Also: Lehrer werden!
Die Arbeitsbedingungen an den deutschen Schulen erscheinen vielen Lehrern heutzutage als unzumutbar. Häufig katastrophale Schulausstattungen, zunehmend Probleme mit Schülern, steigende Gewaltbereitschaft, zu große Klassen, Migration, Inklusion, Dokumentationspflichten und und und. Also: Lehrer werden?
Nach einer umfassenden Darstellung des Lehreralltages warnt der Verfasser vor den politischen wie sozialen Folgen eines weiterhin zunehmenden Lehrermangels für die `Bildungsrepublik Deutschland¿ und begründet hiermit seine dringenden Forderungen an die Politik.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,59 MB
978-3-7519-6369-5 (9783751963695)
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Der Realschullehrer i.R. Rainer Löwe unterrichtete über viele Jahre Englisch, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie Politik an zwei NRW-Schulen. Als Ratsmitglied im Schulausschuss einer münsterländischen Mittelstadt engagierte er sich zudem über Jahre im schulpolitischen Bereich erfolgreich für eine sozial gerechtere kommunale Schulstruktur. Das vorliegende Buch basiert auf den umfangreichen Erfahrungen als Pädagoge und den Inhalten eines Skripts, das der Autor als Mitglied einer schulpolitischen Arbeitsgruppe im NRW-Landtag verfasst hat.

Hauptteil I.


Lehrer werden!


Der Imperativteil des Buchtitels steht zunächst einmal für die Aufforderung der Politik an angehende Studenten, sich für ein Lehramtsstudium und damit für den »schönsten Beruf der Welt« [Gisa Neumann: Beruf und Berufung - 40 Jahre im schönsten Beruf der Welt, 2013; vgl. auch Dietrich von Horn: 111 Gründe, Lehrer zu sein - Eine Hommage an den schönsten Beruf der Welt, Berlin 2013] zu entscheiden; denn hier ist man sich durchaus darüber bewusst, dass sich der gegenwärtige Lehrermangel mittel- bis langfristig für die Bildungsrepublik Deutschland* ohne eine dringend notwendige - aber welche? - Gegensteuerung sowohl zu einem gesellschaftlichen (Stichwort: der politisch mündige Bürger in der Demokratie) wie auch wirtschaftlichen Problem (steigende Qualifikationsanforderungen an die nachfolgenden Generationen) entwickeln wird. Als nunmehr negativer Höhepunkt dieser Entwicklung zeigen sich mittlerweile »Unterrichtsausfälle, als Stillarbeit getarnte Vertretungsstunden, größere Klassen und viel schlimmer: versäumter Lehrstoff. Manchmal so viel, dass Noten auf dem Zeugnis fehlen« [t-online tagesanbruch vom 10.08.2018] - katastrophale Voraussetzungen für eine auch weiterhin wirtschaftlich prosperierende Bundesrepublik Deutschland.

*) Weit über ein Jahrzehnt ist es jetzt her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem sog. Qualifizierungsgipfel (dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern in Dresden ab dem 22.10.2008) das Ziel formulierte: »Deutschland wird wieder Bildungsrepublik« [www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/rundbrief-ausbildung/bildungsrepublik-deutschland-7741 84]. Doch von der erfolgreichen Umsetzung dieses ambitionierten Vorhabens der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Buches noch amtierenden Kanzlerin ist die BRD offensichtlich - auch oder besonders aufgrund des akuten Lehrermangels - noch immer weit entfernt.

Für den besagten Lehrermangel (landesweit konnten bspw. in NRW zum Schuljahr 2018/19 lediglich 61,6 Prozent der offenen Lehrerstellen besetzt werden, an meinem Schulstandort Krefeld waren es gar lediglich 47 Prozent [vgl. WZ vom 20.09.2018]) und den damit verbundenen übermäßigen Stundenausfall (im Schuljahr 2017/18 laut Schulministerin Gebauer [21.12.2018] bspw. in NRW 5,1 Prozent) gibt es offenbar drei Hauptgründe:

a) der seitens der einstellenden Landesregierungen häufig unterschätzte Geburtenanstieg (die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes [DPhV], Susanne Lin-Klitzing, kritisiert die Länder, sie hätten »die Entwicklung verschlafen« [WN vom 12.10.2018]), b) der steigende Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund (so auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes [DL] Heinz-Peter Meidinger im WZ Jobmagazin vom 26.05.2018; gem. Klemm/Zorn [s.o.] »nicht nur in Folge der Flüchtlingsbewegungen«) und zudem c) die zu geringe Zahl an Lehramtsbewerbern im Verhältnis zum Bedarf, zumindest »unterhalb« des Gymnasial- bzw. Sekundarstufen II-Bereiches an Gesamtschulen. »Es klingt zunächst ganz gut: Stellen, um kleinere Klassen zu ermöglichen oder Stellen, um die Integrationsarbeit an Schulen zu stärken. Das große Problem ist jedoch, dass es auf dem Markt zu wenige Lehrkräfte gibt, gerade für den Sekundarbereich I und für die Grundschulen« [Stefan Behlau, NRW-Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), WZ vom 27.09.2018] - und genau um die Gründe für diesen mitentscheidenden Aspekt, der im Nachhinein (in Verbindung mit einer Erleichterung des Studienzuganges durch Absenkung des NC) die noch einzige verbleibende von außen (heißt: politisch) beeinflussbare Variable darstellt, geht es in diesem Buch: Warum gibt es auf dem von Herrn Behlau hier wie u.a. auch von der NRW Schulministerin (s.o.) angesprochenen »Markt« eine derart geringe Nachfrage? Da muss doch auf der Angebotsseite etwas nicht stimmen!

Als ein weiterer, jedoch aufgrund der voraussetzungslosen Antragstellungsmöglichkeit auf Teilzeitarbeit wohl auch weiterhin unabänderlicher Grund mag in der Tatsache begründet sein, dass mit Stand 09/2019 bspw. in NRW etwa jeder dritte Lehrer in Teilzeit arbeitet - im Grundschulbereich mit 22.458 von 48.285 gar fast jeder zweite [vgl. WZ vom 10.09.2019]. Dieser zusätzliche Aspekt sei lediglich der Vollständigkeit halber angemerkt. Hier eine Gesetzesänderung mit dem Ziel einer (künftig) eingeschränkten Teilzeitgenehmigung wäre gleichwohl sicher nicht zielführend; möglicherweise gar kontraproduktiv.

Das aktuelle Missverhältnis von Bewerberüberhang im Sek. II-Bereich auf der einen Seite und der eklatanten Bedarfsunterdeckung bei den übrigen Schulen lässt zumindest die Vermutung zu, dass bei den Sek. II-Bewerbern die inhaltlichen Aspekte (Anspruchsniveau), finanzielle Kriterien (höheres Gehalt) und/oder die hier zu erwartenden geringeren »Problemfälle« ein herausragendes Entscheidungskriterium darstellen (zu Letzterem vgl. Pkt. 3.: insbesondere Motivationsmängel, Verhaltensauffälligkeiten, höhere Zahl an Schülern mit Migrationshintergrund wie auch deutlich höhere Gewaltbereitschaft [gem. einer repräsentativen Studie zu Bedarfen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, veröffentlicht in 07/2019; vgl. www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB_Children_s_Worlds_2019.pdf, hier: S. 37f]). Möglicherweise zählt hier bisweilen auch die geringere Wochenstundenzahl, welche gleichwohl durch einen höheren Korrekturaufwand (zumindest bei den Hauptfächern und hier insbesondere bei den Abiturkorrekturen) kompensiert wird. Um diesem Missverhältnis entgegenzuwirken, hat die NRW-SPD im Oktober 2018 einen Gesetzentwurf zur finanziellen, schulformunabhängigen Gleichbehandlung aller Lehrer in den Landtag eingebracht [vgl. z.B. https:// philipp-fuer-duisburg.de/duisburger-spd-landtagsabgeordnete-gleicherlohn-fuer-gleiche-arbeit-gleiche-besoldung-aller-lehrerinnen-und-lehrerunabhaengig-von-der-schulform] (unberücksichtigt bleibt hierbei jedoch die Ungleichbehandlung der verbeamteten und nicht verbeamteten Lehrer). Ansatzweise wird dieses Ziel bereits in Berlin und Brandenburg umgesetzt, wo zum Beginn des Schuljahres 2019/20 die höhere Besoldungsstufe zumindest auch für Grundschullehrer eingeführt werden soll [WZ vom 05.10.2018].

Dass der Lehrermangel in den nächsten zehn Jahren die Schulen ganz unterschiedlich treffen wird, zeigen neue Modellrechnungen der Bundesländer dahingehend, als »je nach Land und Schultyp einerseits drastische Lücken und andererseits ein Überangebot an Lehrern erwartet werden. Die zentralen Befunde: Durchgängig bis 2030 sind vor allem Engpässe an Berufsschulen und Schulen der Sekundarstufe I (Haupt- und Realschulen) zu erwarten. Ebenfalls durchgängig ist deutschlandweit mit einem Überangebot an Gymnasiallehrern zu rechnen« [dpa, zit. nach WZ vom 06.12.2019].

Die Sinnhaftigkeit der diesem Phänomen entgegenzuwirkenden Maßnahmen, begleitet von einer medialen Lehrerwerbekampagne (s.u.: idealistisches Motiv), wie seinerzeit von der NRW-Landesregierung geplant (junge Lehrkräfte, die auf Sek. II studiert haben, sollen für zwei Jahre an einer Grundschule tätig werden, verbunden mit der Zusage, im Anschluss an eine Schule entsprechend ihrer Lehramtsbefähigung versetzt zu werden), bleibt insbesondere unter pädagogischen Gesichtspunkten zu bestreiten, denn die Sek. II-Ausbildung setzt auf diesem Gebiet ganz andere Schwerpunkte, so dass den entsprechend konzessionsbereiten Kandidaten hier sodann das notwendige pädagogische Werkzeug fehlt. Frustration und Versagen vorprogrammiert - mit den entsprechenden Negativfolgen für Lehrer wie vor allem auch für Schüler. Auch die weiteren Vorhaben wie die (gleichermaßen fragwürdige) Förderung von Quereinsteigern (aufgrund des Lehrermangels seien »schon Kräfte eingestellt worden, die nie ein Lehramtsstudium absolviert haben«, so der DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger [ZDF heute vom 11.10.2018]) oder die Reaktivierung von Ruheständlern zeigen, wie sehr der Lehrermangel der Politik unter den Nägeln brennt. Erschwerend hinzu kommt in NRW (Stand: Dez. 2018) die Zusage der Schulministerin, für den für das kommende Schuljahr geplanten Schulversuch 'Talentschule' in insgesamt 149 Schulen 400 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung zu stellen. Wie dieses Vorhaben bei dem bereits bestehenden eklatanten Lehrermangel umgesetzt werden soll, bleibt offen.

Schule als »Schaltstelle unserer Zukunft«, wie sie anlässlich der Bildungsmesse DIDACTA im Februar 2018 von der Bildungsagentur enduversum nur zu treffend bezeichnet wurde, gerät mangels geeigneten Personals zunehmend ins Straucheln, was durch die am 02.05.2018 veröffentlichte repräsentative bundesweite Forsa-Umfrage des VBE [s.u.] dahingehend bestätigt...

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