Der Mann im Park

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2013
  • |
  • 560 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09906-0 (ISBN)
 
Ein herausragendes Debüt - fesselnd, originell und stilistisch brillant

Die achtjährige Ingrid wird ermordet aufgefunden. Kommissar John Stierna verspricht der verzweifelten Mutter, den Mörder zu finden. Jahre später hat Stierna dem Kriminaldienst den Rücken gekehrt. Doch der Mord an der kleinen Ingrid hat sich in sein Gedächtnis gefräst. Als ihn ein Journalist kontaktiert, der über den Fall schreiben will, entflammt Stiernas Spürsinn erneut. Was ist damals wirklich passiert?

Stockholm 1928: Auf einer verlassenen Werft wird die achtjährige Ingrid Bengtsson grausam zugerichtet aufgefunden. Der Fall sorgt für Aufsehen, und der junge Kommissar John Stierna wird mit den Ermittlungen betraut. Es beginnt die Jagd nach einem Mörder, der so gut wie keine Spuren hinterlassen hat. Doch Stierna ist sich seiner Sache sicher, und er verspricht der verzweifelten Mutter des Mädchens, den Mörder ihrer Tochter zu finden.

Gotland 1953: John Stierna hat dem Kriminaldienst den Rücken gekehrt. Den Mord an der kleinen Ingrid hat er jedoch niemals vergessen, und als er von einem Journalisten kontaktiert wird, der an einem Artikel über spektakuläre Mordfälle arbeitet, beginnt Stierna sich erneut mit dem Fall zu beschäftigen. Doch die Zeit drängt, in wenigen Tagen verjährt der Mord an dem Mädchen, und der Täter könnte für immer entkommen.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,43 MB
978-3-641-09906-0 (9783641099060)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1953

3

John Stierna versuchte sich zu konzentrieren, um das Fünkchen Inspiration nicht verlöschen zu lassen, doch das war nicht so einfach. Für einen Polizeibeamten konnte er gut schreiben, und immer war er derjenige, der die Texte für die Schaukästen des Kriminalmuseums verfasste.

Der Schreibtisch war staubig geworden, es schien, als würden die Putzfrauen nicht bis zum Dachgeschoss in dem riesigen neuen Polizeigebäude in der Bergsgatan finden. Was eigentlich auch kein Wunder war, das Museum lag wirklich versteckt.

Stierna saß hinter seiner Schreibmaschine. Er feilte an den Formulierungen, doch die Arbeit ging ihm nicht so recht von der Hand.

Der Text handelte vom Sabbatsaboteur. Er hatte damals nichts mit den Ermittlungen zu tun gehabt, dennoch konnte er sich noch sehr genau an die Silvesternacht 1947 erinnern. In der Nacht wurde ein Achtzehnjähriger am Tatort festgenommen, nachdem in Observatorielunden eine Sprengladung explodiert war und zwei weitere bei der Stadtbibliothek. Das war das Ende einer Terrorwelle gewesen.

Eine gewaltige Dynamitladung war anderthalb Monate zuvor auf dem Stockholmer Hauptbahnhof hochgegangen, eine andere beim Polizeirevier Klara. Insgesamt hatte es sich um neun Explosionen gehandelt.

Auf dem Schreibtisch lagen einige Gegenstände verstreut. Neun Dynamitstangen, fünfundachtzig Zündhütchen, gut sieben Meter Lunte und die Zange, die der Sabbatsaboteur bei sich gehabt hatte, als er festgenommen wurde. Und es gab ein Foto des damals Achtzehnjährigen, der heute kurz vor seinem vierundzwanzigsten Geburtstag stand, und seiner beiden Komplizen. Alle mit einem schwarzen Balken vor dem Gesicht. Damit die Anonymität gewahrt blieb.

Der Attentäter war nicht der Typ, den man erwartet hatte. Er war kein Wahnsinniger, der von inneren Stimmen getrieben wurde, wie die Psychiater geglaubt hatten. Menschenleben waren ihm nicht gleichgültig, die Wahrheit lag weit entfernt von dem düsteren Raunen der Presse. Es hatte sich um einen jungen Mann gehandelt, der nie eine Chance bekommen hatte, der in so ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war, dass er trotz seiner Begabung nicht hatte studieren können, und der weniger begabte, aber reiche junge Männer gesehen hatte, die an ihm vorbei nach oben strebten. Der Täter hatte die Grenze überschritten, hatte auf gewaltsame Art und Weise gegen die Gesellschaft revoltiert. Und er war von den Hetzartikeln der Presse weitergetrieben worden, hatte jedoch immer darauf geachtet, dass kein Blut an seinen Händen klebte.

Auf Långholmen hatte man dem Sabbatsaboteur eine Chance gegeben. Dort hatte er sich zum Ingenieur ausbilden lassen. Stierna überlegte, ob er wohl jemals wieder von dem Mann hören würde. Er nahm es nicht an, nicht, nachdem der junge Mann die Möglichkeit bekommen hatte, etwas Besseres zu machen. Aber es gab viele, die nie diese Möglichkeit bekamen.

Stierna zog das Blatt Papier aus der Schreibmaschine und stand auf.

»Guten Tag, Chef. Wie geht's?«

Stierna drehte sich um. Ein Mann war ins Zimmer gekommen. Er war groß, hatte graues Haar und trug eine helle Hose und ein kurzärmliges blaues Hemd.

»Danke, gut, Gösta.«

Gösta Berg war jetzt seit mehr als drei Jahren im Kriminalmuseum. Berg war ein paar Jahre älter als er und hatte im siebten Polizeirevier in der Smålandsgatan gearbeitet; trotzdem konnte Stierna sich nicht daran erinnern, jemals im Dienst auf ihn gestoßen zu sein, bis zu dem Tag, an dem er ihm das erste Mal hier oben auf dem Dachboden in der Bergsgatan begegnete, im Frühling 1950.

»Wann machst du Feierabend?«

»Weiß ich noch nicht«, antwortete Stierna. »Aber wohl nicht so spät, ich muss ja die Fähre kriegen. Spätestens um vier muss ich hier los.«

»Du weißt, ich werde immer ganz nervös, wenn du nicht da bist. Und jetzt kommst du gar nicht mehr.«

Stierna konnte nicht sagen, wie oft Berg genau diesen Satz von sich gegeben hatte: »Ich werde immer ganz nervös, wenn du nicht da bist.« Er hatte nie sagen können, ob der Kollege es ernst meinte oder nicht. Hatte sich aber auch nie die Mühe gemacht, das herauszufinden.

»Wir können die Vitrine mit dem Sabbatsaboteur zurechtmachen«, sagte Stierna. »Ich habe den Text fertig, und das Archiv hat genau das geschickt, was wir haben wollten. Die Dynamitstangen, die Lunte und die Fotos.«

»Gut«, sagte Berg. »Ich werde dafür sorgen, dass das heute noch gemacht wird.«

Stierna setzte sich wieder an seinen Schreibtisch und verschränkte die Hände im Nacken.

»Gibt es heute noch weitere Führungen? Ich meine mich zu erinnern, dass eine Gruppe von Jurastudenten aus Uppsala noch kommen sollte.«

»Ja, stimmt«, nickte Berg. »Für drei Uhr sind sie angemeldet. Eigentlich sollte Ljungman sie übernehmen, aber er ist noch nicht aufgetaucht.«

»Ist er noch nicht zurück? Wann ist er denn gefahren? Doch schon vor zwei Stunden, oder?«

»Mindestens«, bestätigte Berg.

Gösta Berg, Allan Ljungman und ich, dachte Stierna. Ein merkwürdiger Haufen.

Allan Ljungman war dreiundsechzig, der älteste der drei, und Stierna war ihm gegenüber immer misstrauisch gewesen. Vielleicht lag es daran, dass Ljungman in den Vierzigern für den Geheimdienst gearbeitet hatte. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass es Gerüchte gab, wonach er im Zweiten Weltkrieg Listen über politische Abweichler geführt habe. Auf jeden Fall hatte Stierna das Gefühl, dass er den Kollegen nicht so richtig fassen konnte.

An diesem Tag, seinem letzten im Kriminalmuseum, seinem allerletzten im Polizeidienst, hatte Stierna Ljungman gebeten, Akten aus dem Archiv zu holen. Was eigentlich nicht länger als zwanzig Minuten dauern durfte. Aber Ljungman war nach gut zwei Stunden immer noch nicht zurück.

»Kannst du das übernehmen, wenn er noch nicht wieder da ist?«, fragte Stierna. »Ich möchte heute nicht nach Hause hetzen.«

»Natürlich«, nickte Berg.

Stierna stand wieder auf. Er musste trotz allem noch einmal nachsehen, wie es mit den Uniformen stand.

Er ergriff den Stock, der neben dem Schreibtisch stand. Humpelnd verließ er das große Zimmer. Er ging durch den unangenehmsten Raum des Museums, in dem Mord, Selbstmord und Verkehrsunfälle gezeigt wurden. Vorbei an der Abteilung der Geheimpolizei und an einem Raum mit verschiedenen Kunstfälschungen.

Während er die Säle durchschritt, fiel ihm eine Begebenheit ein, die sich vor knapp einem Jahr ereignet hatte. Da war Gösta Berg zu ihm gekommen und hatte ihm erzählt, warum er seine Polizeikarriere in einem Museum beenden wollte. Fast so nebenbei, beim Mittagessen. Stierna war das merkwürdig vorgekommen, später war ihm klar geworden, dass es eine Geste des Kollegen gewesen war. Eine Bestätigung dafür, dass sie wirklich befreundet waren.

Stierna war lange davon überzeugt gewesen, dass es mit dem Alter zu tun hatte, doch da irrte er sich. Es ging um Angst.

An einem Tag Ende Februar 1950 waren Berg und zwei Kollegen in eine Wohnung in der Grevgatan gerufen worden. Ein gesuchter Verbrecher war in einer Wohnung im Erdgeschoss gesehen worden. Berg hatte den Einsatz geleitet. Die Wohnung gehörte einer jungen Frau, von der sie wussten, dass sie den Gesuchten kannte und Kontakt mit ihm hatte. Sie hatten gewartet, bis die Frau die Wohnung verlassen hatte, dann waren sie eingedrungen, schnell und ohne Probleme.

Der Mann hatte mit einem Messer in der rechten Hand im Flur gestanden. Der jüngste der Kollegen war gleich getroffen worden, im Schenkel. Als der Mann noch einmal zustoßen wollte, hatte Gösta Berg auf ihn geschossen. Die Kugel durchschlug den Unterarm und flog weiter ins Wohnzimmer. Der Schuss war nicht lebensgefährlich gewesen, aber der Verdächtige war zu Boden gegangen, nicht mehr in der Lage, Widerstand zu leisten, dazu waren die Schmerzen zu groß.

Es hatte einige Sekunden gedauert, bis die Kinderschreie kamen. Zuerst leise, fast gurgelnd. Dann in voller Lautstärke.

Berg hatte gewusst, dass die Frau einen kleinen Sohn hatte. Er hätte daran denken müssen, hätte sich vergewissern müssen, dass sich kein Kind in der Wohnung befand, als sie eindrangen. Der Junge war fünf Jahre alt, er hatte im Zimmer hinter dem Flur gestanden. Sie hatten seine Anwesenheit gar nicht bemerkt. Bergs Kugel hatte ihn in der Seite getroffen.

Gösta Berg hatte den stark blutenden Jungen selbst zum Sabbatsberg gefahren. Noch nie in seinem Leben war er so schnell gefahren.

Ein paar Minuten später, und der Fünfjährige wäre gestorben. Doch er war durchgekommen.

Einen Monat später reichte Gösta Berg sein Gesuch um Versetzung ein, so weit weg von der Arbeit auf Stockholms Straßen wie nur möglich. Die Angst, in Zukunft noch einmal in eine derartige Situation zu geraten, war zu groß. Er hatte einen Fehler gemacht, der einen kleinen Jungen fast das Leben gekostet hatte. Berg wusste, es konnte ein nächstes Mal geben, bei dem er vielleicht nicht das Glück auf seiner Seite haben würde.

Er hatte sich fürs Kriminalmuseum beworben.

Wir haben alle unsere Gründe, dachte Stierna. Berg. Ich selbst. Ljungman sicher auch.

Die Uniformen hingen ganz hinten in dem großen Saal, gleich bei der...

"Ein toller Erstling, dem Pontus Ljunghill hoffentlich bald weitere Krimis folgen lässt."
 
"Mit Pontus Ljunghill ist ein neuer Star am Thrillerhimmel erschienen, der sich mit den Besten messen kann."
 
"Der großartig geschriebene Roman eines vielversprechenden Schriftstellers."
 
"Dieser Roman ist um ein Vielfaches besser als die meisten anderen schwedischen Krimis. Ein exzellent geschriebenes Buch."
 
"Dieser brillante Debutroman ist eine wahre Freude. Pontus Ljunghill schreibt einfach großartig!"
 
"'Der Mann im Park' stellt einen erfreulichen Neuzugang im oft sehr durchwachsenen Thrillergenre dar. Man möchte dringend mehr über Johan Stierna und seine Welt erfahren und wartet sehnsüchtig auf die Fortsetzung."

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