Spur der Rache

Ein Fall für Alexander Bierbrauer
 
 
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Mai 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96817-084-8 (ISBN)
 

Ein kaltblütiger Serienmörder und eine zerstörte Idylle Der spannende Krimi für Fans von Anna Johannssen

An der Mecklenburgischen Seenplatte wird die Leiche von Jens Lehmann gefunden. Von seiner Frau Sina fehlt jede Spur. Fieberhaft suchen die Beamten um Kripochef Thorwald Johannsson nach der Vermissten. Dabei kommt ihnen der Verdacht, dass mehrere Paare oder gar Familien das Schicksal der Lehmanns teilen könnten. Sie sind einem Serientäter zum Opfer gefallen: Die Männer werden erschossen, die Frauen verschleppt, vergewaltigt und gefoltert. Das Soko-Team hofft, die verschwundenen Frauen retten zu können. Doch je näher sie dem Täter kommen, umso gefährlicher wird er - denn plötzlich hat dieser es auch auf sie abgesehen ...

Erste Leserstimmen "Ein sehr vielschichtiger und perfekt konstruierter Kriminalfall - klare Empfehlung!" "Durch die Verstrickungen im SoKo-Team wirken diese sehr authentisch und es war ein Genuss sie beim Ermitteln zu begleiten." "Packender Krimi in toller Kulisse!" "Ein Roman, der nachwirkt. Ich bin dem Mörder zumindest im Kopf noch nicht wirklich entkommen ..." "Die Spannung steigt bei diesem E-Book mit jeder Seite. Am Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen."

  • Deutsch
  • Digitale Ausgabe
  • 0,85 MB
978-3-96817-084-8 (9783968170848)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Doris Litz, geboren in Hachenburg im Westerwald, lebt mit ihrem Mann in Neuwied und arbeitete fast zwei Jahrzehnte für eine regionale Tageszeitung. Heute ist sie Pressesprecherin einer Behörde in Koblenz. Nebenbei engagiert sie sich ehrenamtlich im Tierschutz und schreibt Romane. Mit dem Krimi Spur der Rache liegt ihr Erstling vor.

1


Sie hatten es schon einmal versucht. Vor vier Jahren. Damals, nach ihrer Hochzeit, waren sie mit einem gemieteten Wohnmobil die Ostsee entlanggefahren. Von Warnemünde bis Usedom. Auf dem Rückweg hatten sie die Küste verlassen. Jan wollte unbedingt einen Abstecher zur Mecklenburgischen Seenplatte machen. Außerdem hatte er im Internet von den Steinkreisen gelesen. Der Boitiner Steintanz. Sie waren im Dorf Boitin losmarschiert, hatten jedoch eine Abzweigung verpasst. Als sie merkten, dass irgendetwas nicht stimmte, war es zu spät geworden. Sie mussten einen Stellplatz finden, solange es hell genug war, und hatten aufgegeben.

"Glaubst du, dass wir diesmal richtig sind?" Jan hatte den Wagen in einer Ausbuchtung am Waldrand hinter Tarnow abgestellt.

Sina griff nach der Wanderkarte und drehte sie auf den Kopf. "Also, wenn ich das richtig sehe, müssen wir diesen Weg drei Kilometer geradeaus gehen, dann liegen die Steinkreise rechts und links der Strecke."

Jan stieg aus und ließ die Hunde aus dem Kofferraum, bevor er sie breit angrinste. "Na, dann wollen wir mal sehen, ob du uns diesmal wieder in die Irre führst."

Sina schnappte nach Luft, während sie sich den Rucksack auf den Rücken hievte und ihrem Mann einen vorwurfsvollen Blick zuwarf. "Was soll das denn heißen? Wer wollte damals unbedingt diesen Weg gehen?"

Jan lachte laut auf. "Schon gut, ich ärgere dich nur ein bisschen."

Sina musste ebenfalls lachen. "Schuft!"

Jan pfiff die Hunde zurück, die die ersten Meter des Waldwegs auf eigene Faust erkundet hatten. Balu kehrte sofort zu seinem Herrchen zurück. Asha blieb zögernd stehen und schaute sich unsicher um. Schließlich machte sie kehrt, entschied sich aber wie gewöhnlich für Sina. Im Gegensatz zum schokobraunen Labradorrüden Balu, den sie vor dreieinhalb Jahren als Welpen bei einem Züchter erstanden hatten, kam Asha aus dem Tierheim. Die zierliche weiße Mischlingshündin musste in ihrem früheren Leben einiges ertragen haben, was ihr Vertrauen in Menschen zutiefst erschüttert hatte. Mit viel Geduld hatte Sina sie für sich gewonnen, doch anderen gegenüber blieb sie skeptisch. Jan bildete da keine Ausnahme. Lediglich der ewig gut gelaunte Balu verstand es, seine heiß geliebte Freundin hin und wieder ihre Unsicherheit vergessen zu lassen. Und auch jetzt tapste sie dem gemütlichen Riesen hinterher, nachdem Jan das Kommando zum Rumstreunen gegeben und Asha sich bei Sina vergewissert hatte, dass dies ebenso für sie galt. Ein paar Meter abseits des Pfads war ein Gedenkstein für Emil Jürgensen errichtet worden, einen Förster, der Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Steinkreise rekonstruiert hatte. Sie kamen gerade von dort zurück, als Sina den Pritschenwagen bemerkte, der ihnen folgte. Unsicher fixierte sie die beiden Männer in dem Fahrzeug.

"Was ist?" Jan folgte ihrem Blick.

"Die fahren uns schon eine ganze Weile hinterher." Sinas Ton verriet, dass ihr der Wagen mit den zwei Gestalten nicht gefiel.

"Vermutlich Waldarbeiter, die irgendetwas zu erledigen haben." Jan drehte sich um und setzte seinen Weg fort.

Sina musste sich beeilen, um mitzuhalten. Die Hunde liefen ein ganzes Stück voraus. "Sie fahren Schritttempo ."

Jan schaute sie mit diesem hochmütigen Lächeln an, das sie so an ihm hasste. "Ja und? Sollen sie durch den Wald rasen? Würde es dir besser gefallen, wenn sie unsere Hunde anfahren?"

"Nein, natürlich nicht." Sina war ungehalten. "Aber ich habe kein gutes Gefühl ." Sie drehte sich noch einmal um und sah, wie der Wagen nach rechts in einen Weg abbog und verschwand. Nun kam sie sich albern vor. War sie wirklich so übertrieben ängstlich, wie Jan immer behauptete? Früher hatte sie geglaubt, dass sie untrügliche Instinkte besäße. In letzter Zeit kamen ihr Zweifel.

"Und, sind sie weg?" Jan schaute sie von der Seite an, ohne sich die Mühe zu machen, den Blick nach hinten zu richten.

"Ja", sagte sie kleinlaut. "Nach rechts abgebogen."

Jan schwieg, doch sie spürte, wie er in sich hinein grinste.

Es war nicht mehr weit bis zu den Steinkreisen. Vier sollten es sein. Allerdings entdeckten sie nur drei. Zwei dicht beieinander liegend rechts und einen links des Wegs. Sie waren nicht besonders groß. Kein Vergleich zu dem, was sie schon unzählige Male in Schottland vorgefunden hatten. Darauf kam es jedoch nicht an. Die Steine markierten Energiepunkte, deren Kraft man spüren konnte, war man bereit, sich darauf einzulassen. Sina war bereit. Fast eine Stunde wanderte sie über den feuchten Waldboden zwischen den Steinen umher, berührte jeden mit geschlossenen Augen.

Schließlich sah sie sich um. "Laut Karte müsste es einen vierten Kreis geben. Er kann nicht weit weg sein."

"Mag sein, nur hier ist kein Weg. Und du glaubst nicht ernsthaft, dass ich mit dir durch den Wald stapfe und mich womöglich verirre, hm? Außerdem sieht es schwer nach Regen aus."

Sina konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen, auch wenn Jan recht hatte. Es war zwar außergewöhnlich warm für Juni - letzte Woche war das Thermometer fast auf 30 Grad geklettert -, es hatte in den letzten Tagen aber wie aus Eimern gegossen. Der Waldboden würde ziemlich aufgeweicht sein, und selbst sie hatte keine Lust, sich im Schlamm zu verlaufen, wasserfeste Wanderschuhe hin oder her.

"Gut, dann lass uns zurück zum Auto gehen." Sie hatte sich schon umgewandt, als der Mann wie aus dem Nichts neben ihr stand. Erschrocken fuhr sie zusammen.

"Oh, ich habe Sie erschreckt. Das wollte ich nicht." Sein Grinsen strafte ihn Lügen.

Der Mann war nicht allzu groß, dafür kräftig. Er trug ein kariertes Hemd und eine dunkelgrüne Latzhose. Das Haar war dunkel und schütter, sein Gesicht so nichtssagend, dass sie es vermutlich schon morgen nicht mehr wiedererkannt hätte, wäre sein Blick nicht so ungeheuer gleichgültig gewesen. Er ist ein Mensch ohne Mitleid, wurde Sina im Bruchteil einer Sekunde klar. Ihr lief ein Schauder über den Rücken. Sie hätte schwören können, dass er einer der Kerle aus dem Wagen war. Sie schaute sich um, konnte den zweiten Mann jedoch nirgends entdecken. Stattdessen kam Balu angerannt und schnüffelte neugierig am Hosenbein des Fremden. Asha blieb zurück und knurrte leise vor sich hin, ohne den Mann eine Sekunde aus den Augen zu lassen.

Jan war aufmerksam geworden und schloss zu ihnen auf.

Gut, dachte Sina, das Rudel hat sich versammelt. Selbst wenn der andere Typ irgendwo herumstreifte, waren sie keine leichten Opfer. Jan war zwar schlank, aber groß und konnte unglaublich wütend werden. Sie hatte bereits mehrfach erlebt, wie allein die Macht seines Zorns erwachsene Menschen völlig aus der Bahn geworfen hatte. Sie hatte mehrere Kurse in Selbstverteidigung absolviert, und obwohl ihre Tai-Chi-Kenntnisse nach zwei Jahren Training nicht allzu ausgeprägt waren, hatte sie zumindest gelernt, ihre Kraft optimal einzusetzen. Ihre Lage war also nicht schlecht. Das ungute Gefühl blieb.

"Ist alles in Ordnung?" Jan schaute sie prüfend an. Falls der Typ sie bedrängt hätte, würde er nicht lange fackeln.

Das Grinsen im Gesicht des Fremden wurde breiter und offenbarte eine Reihe schiefer, vom Nikotin gelb gefärbter Zähne. Die blassgrünen Augen blieben kalt. "Kein Problem, Mann. Wollte Ihrer Frau gerade erklären, dass es noch 'nen weiteren Steinkreis gibt. Da drüben im Wald. Is nicht leicht zu finden, dafür is er größer als die." Er hatte zuerst in den Wald zu ihrer Linken und anschließend auf die Kreise gezeigt, die sie schon gesehen hatten.

Jan musterte den Mann. "Ja, das haben wir gelesen." Er wies auf eine der hölzernen Tafeln am Wegrand. "Wir hatten aber Angst, dass wir ihn nicht finden und im Wald herumirren."

"Ach, das is kein Problem. Ich kann Sie hinbringen. Is nur ein paar Minuten von hier." Der Mann hatte die Hände in die Hosentaschen geschoben und schenkte Jan einen Blick, den man für Freundlichkeit hätte halten können.

"Das ist wirklich nett von Ihnen", sagte Jan prompt. "Meine Frau war schon ganz traurig, dass sie auf den vierten Kreis verzichten sollte, nicht wahr, Schatz?" Er lächelte Sina an.

Ihr wurde übel. Sie kannte diesen Ausdruck in seinem Gesicht. Er spürte ihre Unsicherheit - und genau deshalb würde er mit dem Fremden in den Wald gehen. Es war eine seiner schrecklichsten Angewohnheiten, dass er sich hin und wieder als ihren Therapeuten betrachtete. Was immer sie nicht mochte, er bemühte sich rechtschaffen, es in ihr Leben zu bringen. Er drängte sie ständig, Fisch oder Muscheln zu essen, obwohl er genau wusste, dass sie alles verabscheute, was aus dem Meer kam. Er glaubte fest daran, dass das beste Mittel gegen ihre Höhenangst ein Jahresticket für die Achterbahn wäre. Und er würde sie auch in diese Situation zwingen, weil er davon überzeugt war, dass es heilsam wäre, sie mit der Lächerlichkeit ihres Misstrauens zu konfrontieren.

"Du warst zu lange mit diesem paranoiden Polizisten zusammen. Das hat dir nicht gutgetan", war seine Standarderklärung, und manchmal fragte Sina sich, ob es ihm wirklich darum ging, ihr zu helfen, oder ob er sich auf diese Weise lediglich von seinem Vorgänger und vermeintlichen Konkurrenten abheben wollte.

"Nein, ich möchte zurück zum Auto. Es ist spät ." Sie bemühte sich, gelassen zu wirken.

"Ach Unsinn. Du bist ganz verrückt nach diesen Steinkreisen. Hunderte von Kilometern sind wir gefahren, um diese magischen Orte zu finden. Wir glauben nämlich fest daran, dass es an diesen Plätzen eine besondere Energie gibt, müssen Sie wissen." Er wandte sich von dem Fremden ab. "Los, Schatz, dafür brauchen wir uns nicht zu...

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