Der Sturz von Lenshee

 
 
Novo Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Juli 2019
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96127-188-7 (ISBN)
 
Die Vorgeschichte
Nach Jahrhunderten der Sternenforschung findet die Menschheit endlich einen Planeten, auf dem Leben existiert. Doch dann der Schock: Nicht weltraumreisende Aliens erwarten die Terraner, sondern eine in mittelalterlicher Entwicklung stagnierende Zivilisation, die für einen Erstkontakt nicht bereit ist. Irdische Wissenschaftler und andere Personen bereisen den Planeten, um die einheimische Bevölkerung zu erforschen und sie für den Kontakt mit Menschen von der Erde vorzubereiten. Doch bald sind nicht nur Wissenschaftler auf dem Planeten Aria unterwegs, sondern auch zwielichtige Elemente, die herausgefunden haben, dass man dort perfekt untertauchen kann.

Inhalt:

1. Der Sturz von Lenshee: Nicki Polish, Agentin der Erdregierung und Sicherheitskraft eines Botschafters, hat das Interesse des Stadtkönigs Gordin von Khaal erregt. Gordin wendet sich mit einer lebensgefährlichen Aufgabe an Nicki, die zu einer Zerreißprobe für ihre Fähigkeiten wird.

2. Essay: Was ist Science Fantasy?

3. Der Griff des Lichts: Der Sportler Troy Terrance weilt auf Aria um zu trainieren. Bei einem Vergnügungsflug über das Land ergreift ihn plötzlich ein Lichtstrahl, entreißt ihn seiner Umgebung und transportiert ihn viele Meilen weit weg. Als er erwacht, steht er furchterregenden fremden Wesen aus dem All gegenüber. - Gleichzeitig wird die Biologin Anne Radsek von einem Riesen verschleppt. Während die eine Entführung hochtechnisiert abläuft, findet die andere auf archaische Weise statt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Isny
  • |
  • Deutschland
vss-Verlag
  • 0,10 MB
978-3-96127-188-7 (9783961271887)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Nicki Polish, Agentin und Kämpferin von der Erde, hatte Weltraummonstern Auge in Auge gegenübergestanden und kannte nur eines: draufhalten und verwursten.
Ebendiese Nicki Polish, Agentin und Kämpferin von der Erde, fühlte sich derart unwohl unter den neugierigen Blicken der fünfzig Soldaten der Coll-Kaserne, dass sie am liebsten alles hingeworfen und sich in ihrer Kammer versteckt hätte.
»Wir nennen sie Nadelstrahler«, stieß sie hervor. (Wem gehörte diese heisere Stimme? War das wirklich ihre eigene? Oder sprach diese Worte eine neben ihr stehende Person, die keine Probleme damit hatte, vor so vielen fremden Männern zu referieren?) Nicki hielt den Nadelstrahler hoch, sodass jeder ihn sehen konnte, konnte aber - Verdammt! - nicht verhindern, dass ihre Hand dabei zitterte.
»Es ist eine thermische Feuerwaffe, deren Wirkungsweise der von Thermostrahlern entspricht.«
Sämtliche ungläubigen Blicke der gutaussehenden, durchtrainierten Burschen auf dem Kasernenhof ruhten auf Nicki.
Es war kurz nach zehn. Seit die Sonne vor ein paar Minuten über die Zinnen der Steinmauer gestiegen war, begann die Hitze lästig zu werden. Ein Schweißtropfen kroch unter dem Helm heraus und lief Nicki übers Gesicht. Es fühlte sich an, als krabble eine freche Ameise direkt auf ihren Mund zu. Sie tastete mit ihrer Zunge danach, verfehlte jedoch den Tropfen.
»Die Bedienung des Nadelstrahlers ist einfach. Man drückt nur auf diesen Abzug, und schon erfolgt der Schuss. Die Waffe muss zuvor natürlich entsichert werden. Dies geschieht, indem man den Daumen auf diesen Taster legt.«
Der Tropfen glitt weiter zu ihrem Kinn, wobei er unheimlich kitzelte.
»Wenn ihr euren Gegner trefft, fügt ihr ihm damit furchtbare Verbrennungen zu oder tötet ihn, indem ihr ihn in Teile schneidet. Die Kerntemperaturen des Nadelstrahls liegen bei zirka 48.000 Grad Celsius. Weil eine Dauerleistung für den elektromagnetischen Generator zu belastend wäre, werden immer nur kleine Impulse ausgestoßen, vergleichbar mit kleinen Würmchen, die die Mündung ausspuckt. Da jedoch die Impulsfrequenz auf 5000 Impulse pro Minute eingestellt ist, nimmt das menschliche Auge nur eine geschlossene Linie wahr.«
Nicki wusste, dass sie ihre Zuhörerschaft einschließlich des Kommandanten mit ihren Ausführungen überforderte. Die Soldaten waren das Kämpfen mit Schwertern, Dolchen, Speeren, Schilden, Pfeilen und Steinschleudern gewöhnt. Dennoch konnte sie nicht anders, als ihnen das zu erzählen, was sie über die Waffe wusste.
Botschafter Kendrick hatte den idiotischen Vorschlag gemacht, diese Leute etwas von der irdischen Technologie zu zeigen, damit sie für seine Verhandlungen aufgeschlossener wurden. Nicki hatte seine Bitte, zu den Soldaten zu sprechen, nicht ablehnen können. Die Idee mag im Grunde gut gemeint gewesen sein, doch konnten die Arianer nicht - aber rein gar nichts! - mit diesen Informationen anfangen, denn die Erdregierung würde sich natürlich weigern, ihnen solche Waffen zur Verfügung zu stellen.
»Es liegt also in eurem Ermessen, den Nadelstrahler klug einzusetzen«, fuhr Nicki fort. »Es ist nicht leicht, einen Menschen zu töten. Doch genauso schlimm ist es, ihn zu verstümmeln, ihn eine Hand, einen Arm, ein Bein verlieren zu lassen.«
Auf ganz Aria gibt es insgesamt elf Nadelstrahler, von denen zehn im Besitz der Leibwächter Botschafter Kendricks waren. Der elfte befand sich im Privatgepäck einer Soldatin namens Madison Valor, die als Touristin auf Aria weilte.
»Ihr könnt diese Waffe nun zu Übungszwecken benutzen. Tauscht sie untereinander aus, damit jeder einmal zum Zug kommt. Nach dem Üben veranlasst euer Kommandant, dass der Strahler zum Gebäude des Botschafters gebracht wird.«
Die Soldaten in ihrer mittelalterlich wirkenden Schutzkleidung nickten, und der Befehlshaber, der neben Nicki stand, gab dem Ersten in der Reihe den Befehl, vorzutreten und sich den Nadelstrahler zu nehmen. Anschließend gingen die Soldaten in den hinteren Teil des Kasernenhofs, in dem Pappkameraden aufgebaut waren, und die Übungen begannen.
Schon bald drang das Sirren der Nadelstrahler-Energie durch die Luft. Die Soldaten fanden es leicht, die Waffe zu bedienen, zu zielen und zu treffen. Die ersten Freudenrufe wurden laut, als die Pappkameraden zerschnitten wurden.
Der Kommandant, ein grauhaariger Mann von vielleicht fünfzig Jahren, der auf den Namen Kolan hörte, sah seinen Männern zufrieden zu.
»Wie viele dieser Waffen könnt ihr uns liefern?«, fragte er. »Sie würde uns ein ganzes Stück weiterbringen. Du wirst es vielleicht nicht glauben, Nicki Polish, weil du noch nicht lange auf Aria bist und noch nicht davon gehört hast, aber wir haben mächtige Feinde, die uns sehr schaden wollen.«
»Die Riesenspinnen?«
»Nein. Die Riesenspinnen sind ein natürlicher Zustand, mit dem wir uns arrangiert haben. Doch gibt es Völker, die uns feindlich gesonnen sind. Auf diesem Kontinent gibt es zahlreiche Stadtkönigreiche wie Khaal, die untereinander in Feindschaft leben. Mal verbünden sich zwei oder drei gegen einen, mal ändern sich die Bündnisse und die Machtkonstellationen. Gordin, unser König, hat sich in der Vergangenheit aus Ränkespielen herausgehalten. Er möchte das Beste für sein Volk, und dazu passt es nicht, sich in die politischen Querelen anderer hineinziehen zu lassen.«
»Eine kluge Entscheidung. Hat Gordin mächtige Feinde?«
»Hin und wieder meint einer der anderen Stadtkönige, mit ihm einen Streit anfangen zu müssen. Nun, wir haben die Riesenspinnen auf unserer Seite.« Als Kolan lächelte, sah Nicki plötzlich ein feines Netz von Falten in seinem Gesicht und um seine Augen. »In anderen Ländern leben keine Spinnen, und die Leute dort können mit der Gefahr nicht umgehen. Die Riesenspinnen haben uns schon oft gegen unliebsame Angreifer geholfen.«
Nicki erinnerte sich an eine Attacke der Riesenspinnen, die sie vor ein paar Tagen vor der Stadtmauer beobachtet hatte, und gab Kolan Recht. Es war ein unbestreitbarer Vorteil, die Teufelsviecher kontrollieren zu können und sie auf seiner Seite zu haben.
»Unsere schlimmsten Feinde waren die Lenshee«, fuhr Kolan fort. »Aber König Gordin hat seine Tochter mit dem jetzigen Lenshee-König verheiratet, und so haben wir auch mit ihnen Frieden gefunden.«
Nickis Augenbrauen stiegen in die Höhe. »Wirklich? Genauso schamlos wie auf der Erde.«
»Was meinst du damit?«
»Nun, dass er seine Tochter aus politischen Gründen mit einem anderen Machthaber verheiratet. Auf der Erde wurde diese Tradition jahrhundertelang angewandt ohne Rücksicht auf die Liebe oder die Wünsche der Frauen. Sie waren Spielbälle in den Händen der Mächtigen und gezwungen, sich den Wünschen der Väter und Ehemänner zu beugen.«
»Oh, aber so war das gar nicht. Dolan Rayna hat sich mit Dolan Chruul aus Liebe vermählt. Der Streit bestand zwischen den Vätern, und dieser kam daraufhin zur Ruhe.«
»Also so eine Art Romeo-und-Julia-Geschichte.«
»Was für eine Geschichte?«, fragte Kolan.
»Entschuldige, ich vergaß. Irdische Schriftsteller sind auf Aria natürlich unbekannt. Zwei junge Menschen aus zerstritten Familien verlieben sich und versuchen den Streit zu überwinden, um eine Zukunft zu haben. Ihre Namen sind Romeo und Julia. In der Erzählung scheitern sie und sterben am Ende für ihre Liebe.«
»Klingt wie eine spannende Geschichte. Du musst sie mir bei Gelegenheit ausführlich erzählen.«
Nicki lächelte gezwungen. Natürlich kannte sie »Romeo und Julia«, aber eben nur so oberflächlich, wie sie sie Kolan gerade geschildert hatte. Sie wusste nicht einmal, ob die Liebenden wirklich gemeinsam in den Tod gegangen waren, oder ob nur einer der beiden gestorben war. Der Stoff war in den vergangenen Jahrhunderten Grundlage zahlreicher Adaptionen in Roman und Film gewesen, und die Ursprungsversion von Shakespeare, in einem uralten, schwülstigen Englisch geschrieben, kannte heute bis auf ein paar Sprachwissenschaftler niemand mehr. Bestünde Kolan auf eine detailliertere Story, würde sie Anleihen aus irgendwelchen Holovideos nehmen müssen, die sie gesehen hatte.
Ein Wachsoldat kam über den Kasernenhof gelaufen. An seiner roten Schärpe war erkennbar, dass er zur Palastwache gehörte. Er blieb vor Kolan und Nicki stehen, begrüßte den Hauptmann militärisch und wandte sich an Nicki.
»Nicki Polish, du möchtest bitte sofort in den Palast kommen. Der Stadtkönig möchte dich sehen.«
Dass der Befehl als Bitte vorgetragen wurde, machte den Anwesenden deutlich, dass Nicki nicht unter der Befehlsgewalt Gordins stand.
»Ich werde kommen«, sagte sie. Sie verabschiedete sich von Kolan und der Kompanie mit einem erhobenen Arm und eilte dem Wachsoldaten nach.
»Weißt du, was er von mir möchte?«, fragte sie.
»Ich weiß nur, dass ein Bote eingetroffen ist.«
Den restlichen Weg, der sie durch enge Gassen und überdachte Arkaden und über Treppenaufgänge führte, legten sie stumm zurück.
Als Nicki Minuten später die zweiunddreißig breiten Stufen des Palasts hinaufstieg, spürte sie wieder dieses ehrfürchtige Kribbeln in ihrem Nacken. Sie hatte eine Zeit lang in der Nähe des Palasts leben dürfen, war dort in der Sprache der Arianer unterrichtet worden und hatte für den Stadtkönig zwei kleinere Aufträge ausgeführt. Seit etwa einer Woche lebte sie in ihrer eigenen kleinen Wohnung über einer Schneiderei im Stadtviertel Jinta. Es hatte sich irgendwie von selbst ergeben, dass sie vom hiesigen Militär vereinnahmt worden war. Für den Stadtkönig war sie immer so etwas wie eine Kriegerin gewesen, und seinen Hauptmännern hatte er entsprechende Befehle gegeben.
Außer Palastwachen und Kasernensoldaten befehligte der Stadtkönig als Hochherrscher in Khaal eine Reihe von Fährtenlesern und Kundschaftern sowie zahlreiche Diplomaten und Botschafter an den Höfen anderer Stadtkönige.
Der Soldat geleitete sie in den Audienzsaal, in dem Stadtkönig Gordin auf seinem Thron saß und ein Gespräch mit mehreren Männern führte. Viele Menschen standen in Grüppchen beisammen und warteten, zum Stadtkönig vorgelassen zu werden.
Gordin war zweiundfünfzig, hochgewachsen und besaß grüne Augen. Ein sympathisches Lächeln umspielte seine Mundwinkel und hatte entsprechende Falten hinterlassen. Sein Haar war schwarz und glatt und bedeckte seinen Nacken. Tagsüber und bei seinen Verrichtungen, so wie jetzt, trug er die kleine Goldspange mit der Inschrift »Herrsche für das Volk«, die seinen Status eindrucksvoll verdeutlichte. Nur bei Staatsempfängen wurde ihm die fünf Kilogramm schwere große Goldkrone mit Edelsteinbesatz aufgesetzt.
Als er Nicki eintreten sah, bedeutete er ihr sogleich vorzutreten.

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