Stockholm Secrets

Ein Fall für Solveig Berg 1
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Dezember 2016
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19497-0 (ISBN)
 
Nach einem Fehler in einem ihrer Artikel hat sich die aufstrebende Journalistin Solveig Berg selbst ins Aus katapultiert. Nun kämpft sie mit einem Blog namens "Stockholm Secrets" um die Rückkehr ins Berufsleben, immer auf der Suche nach der großen Story. Und diese glaubt sie gefunden zu haben, als nach einer wilden Clubnacht die Leiche eines bekannten Models aus dem Hafenbecken geborgen wird. Solveig setzt alles daran, herauszufinden, was mit Jennifer passiert ist, und taucht tief in Stockholms Glamourwelt ein - nicht ahnend, welche Abgründe sich hinter der glänzenden Fassade verbergen ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 1,11 MB
978-3-641-19497-0 (9783641194970)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Hanna Lindberg ist Journalistin in Stockholm. Nach Stationen bei Aftonbladet und Metro arbeitet sie nun für Bonnier Magazines, einem der führenden Medienhäuser Schwedens.

2.

Donnerstag, 11. Mai

Nachmittag

Lennie Lee war nervös, da er es nicht gewohnt war zu warten. Der bekannte Fotograf und verantwortliche Chefredakteur seiner eigenen Zeitschrift Glam Magazine hatte einen Punkt in seiner Karriere erreicht, an dem er bestimmte, wo's langging. Jetzt saß er alleine mit einem fast leeren Bierglas vor sich an einem Tisch im Boqueria, dem Tapas-Restaurant in der Mood-Galeria in der City.

Wieso kam er nicht?

Lennie ließ den Blick durch das Lokal schweifen. Gekachelte Wände, dunkler Boden. Köche mit weißen Mützen bereiteten das Essen vor den Augen der Gäste zu. Die Gäste waren durch die Bank schick, elegant gekleidete Bänker vom Stureplan, die ihre ausgedehnten Lunchpausen mit einem Espresso abschlossen. Jüngere Männer und Frauen mit kreativen Berufen in ausgesucht lässigen Kleidern. Modevolk aus dem Haupthaus des schwedischen Kleiderriesen in der Mäster Samuelsgatan.

Lennie leerte sein Glas.

Wenige Stunden zuvor war er in Morgenrock und Pantoffeln durch seine Wohnung geschlurft. Ausschlafen mitten in der Woche. Das war Freiheit. Er liebte es, über seine Zeit zu verfügen. Ein gewöhnlicher Neun-bis-vier-Uhr-Job wäre für ihn undenkbar, weil er für all das stand, vor dem er damals geflohen war, als er Tranås gegen Stockholm eingetauscht hatte. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit seiner Lebensgefährtin Marika Glans hatte er ein paar britische Magazine heruntergeladen und es sich mit seinem iPad auf dem Sofa gemütlich gemacht. Als er gerade beschlossen hatte, dass die aktuellen Cover von Maxim und GQ nicht annähernd so gut wie das vom Glam Magazine waren, klingelte das Telefon. Unterdrückte Nummer, aber Lennie antwortete trotzdem.

Eine dunkle Männerstimme teilte ihm mit, dass Jakob Adler ihn treffen wollte.

Aus den Lautsprechern plätscherte gedämpfte Loungemusik. Die Lunchgäste verabschiedeten sich nach und nach. Lennie nahm einen Zahnstocher aus dem Behälter auf dem Tisch, zerbrach ihn und nahm noch einen.

Jakob Adler.

Er musste an ihre erste Begegnung vor jetzt bald zehn Jahren denken. Lennie hatte an einer Reportage über das organisierte Verbrechen in Stockholm gearbeitet und Kontakt zu dem Mann aufgenommen, der laut Gerüchten ein wachsendes Netzwerk an Berufskriminellen unter sich hatte: Jakob Adler, zu dem Zeitpunkt dreißig Jahre jung, aufgewachsen in Hässelby. Aus unerfindlichen Gründen war Lennie davon ausgegangen, dass es schwer sein würde, ihn zum Sprechen zu bringen, aber Jakob war überraschend offen gewesen. Höflich und eloquent. In einem Maße, dass Lennie kurz zögerte wegen der Lokalität, die er für das Fotoshooting ausgesucht hatte. Aber Jakob hatte nichts dagegen, in dem versifften Keller-Fitnessstudio in Vasastan abgelichtet zu werden. Lennie hatte die Fotos grobkörnig-dokumentarisch bearbeitet, als wären sie zwanzigmal durch den Kopierer gegangen. Das Resultat: ein unberechenbarer Gangster. Den man nicht zum Feind haben wollte.

Die Erinnerung entlockte Lennie ein Lächeln.

In den letzten Jahren hatte Adler sich aus dem kriminellen Milieu verabschiedet und war Unternehmer geworden. Es wurde gemunkelt, er sei als Finanzier in die Restaurantbranche eingestiegen, aber das wusste Lennie nicht so genau. Vielleicht deshalb die Verabredung, weil er neue repräsentative Fotos in passender Umgebung brauchte. Ein gediegener Salon. Getränkewagen. Schwere Chesterfieldmöbel. Wie in DI Weekend, der prestigeträchtigen Wochenendbeilage von Dagens Industri.

Eine Kellnerin stellte Weingläser für die abendlichen Sitzungen auf die Tische. Sie hatten sich um zwei Uhr verabredet, aber Lennie war zwanzig Minuten früher da gewesen. Obgleich er normalerweise immer einen Tisch bekam, wollte er dieses Mal ganz sichergehen. Ginge es um das Übliche, Frauen für irgendwelche geheimen Privatpartys, hätte Adlers finnischer Assistent sich gemeldet. Adler führte selten persönlich solche Verhandlungen.

Lennie schaute aus dem Fenster. Die Leute hetzten die Jakobsbergsgatan entlang. Sein Bierglas war noch immer leer. Er zählte mit, wie oft eine Bedienung vorbeikam, ohne zu fragen, ob er noch was wollte. Was war hier los? Erkannten sie ihn nicht wieder? Plötzlich fielen ihm überall Schlampereien auf. Krümel auf dem Boden. Flecken auf den Lampen. Fettgeruch. Er als Inhaber würde dafür sorgen, dass sein Personal in den ruhigeren Phasen ordentlich aufräumte und sich nützlich machte.

Es ging auf drei Uhr zu.

War Jakob Adler etwas anderes dazwischengekommen?

Lennie überlegte, was das sein könnte.

Stau. Wichtigere Kontakte oder Geschäfte.

Die Tür flog auf.

Ein elegant gekleideter Mann betrat das Entree. Die Aktentasche und der Gürtel passten zu den Oxfordschuhen von John Lobb.

Lennie erhob sich so hastig, dass der Stuhl quietschend über den Boden fuhr.

»Schön, Sie zu sehen, Lennie.« Jakob Adler drückte seine Hand und klopfte ihm auf den Rücken.

»Ganz meinerseits. Alles im grünen Bereich?«

»Danke, bestens«, sagte Jakob mit einem amüsierten Blick auf das leere Bierglas. »Hatten Sie Durst?«

Jakob Adler nahm auf dem Sofa Platz mit Blick ins Restaurant, Lennie auf der gegenüberliegenden Tischseite in einem Sessel. Die Breitlinguhr knallte auf die Platte, als Jakob die Hände vor sich auf den Tisch legte. Die ehemaligen Tätowierungen auf Handrücken und Armen, am Hals und im Nacken waren nur noch als hellgraue Schatten zu erahnen. Das pomadeglänzende Haar hatte er sich in einem Seitenscheitel nach hinten gekämmt, der Bart war sorgfältig getrimmt und der Anzug von Corneliani wie auf den Leib geschneidert. Kein Zweifel, Jakob Adler war jetzt Geschäftsmann.

Eine Bedienung kam an den Tisch. Lennie hatte genügend Zeit gehabt, die Speisekarte zu studieren, und wusste, was er bestellen wollte. Gegrillte Riesengarnelen und Pimientos de Padrón, kleine spanische Paprika, als Vorspeise. Danach Spanferkel vom Drehspieß mit zweifach frittierten Pommes frites und Trüffelaioli. Jakob Adler nickte zustimmend, wählte dasselbe, allerdings mit einer Extraportion rauchiger Sauce.

Die Bedienung sah ihn verunsichert an.

»Eigentlich wandeln wir die Gerichte nicht ab.«

»Ist das möglich oder nicht?«, fragte Jakob Adler.

»Ich frage den Koch, das wird sich schon arrangieren lassen. Was möchten Sie trinken?«

»Ein gutes Bier.«

»Puttin' in Hours. Amerikanisches Pale Ale, gebraut aus vier Sorten schwedischem Malz und .«

»Fein«, sagte Jakob und zog die Anzugjacke aus. »Hauptsache, es ist gut.«

»Ich nehm auch so eins«, sagte Lennie.

Die Bedienung bedankte sich für die Bestellung.

Es wurde still.

Zum Glück beherrschte Lennie die anstrengende Kunst des Smalltalks. Ohne dieses soziale Talent hätte er es niemals so weit gebracht. Er hatte die Frauen auf seiner Seite, sie lachten über seine Witze, während die Männer ihn eher als guten Kumpel denn als Bedrohung wahrnahmen. Alle fühlten sich Lennie Lee nahe.

»Wir geben grad Vollgas. Die Redaktion sitzt an der aktuellen Nummer, Deadline, Sie wissen schon. Danach gehen wir auf Tour. Bräute und Bier, die Leute sollen kriegen, was sie verdienen .«

Jakob Adler beugte sich vor.

Lennie verstummte.

»In drei Wochen werde ich vierzig, am 25. Mai«, sagte Adler.

»Glückwunsch im .«

»Das muss gefeiert werden. Aber kein gewöhnliches Fest. Keine Familienveranstaltung.«

Jakob Adler klang feierlich.

»Ich will Ihre fünfundzwanzig besten und elegantesten Mädchen.«

Lennie nickte. Die Mädchen waren das Fundament seiner Redaktion, auf dem sein Leben aufbaute. Er hatte bereits Mädchen für Hunderte von Arrangements gecastet, für geschlossene Herrenabende mit Wirtschaftsspitzen über Junggesellenabschiede von Milliardärssöhnen und Feste saudischer Geschäftsmänner auf exklusiven Jachten im Schärengarten. Die schrumpfende Auflage des Magazins machten seine Nebeneinkünfte immer wichtiger. Es ging darum, dort zu sein, wo die Leser sich befanden, Köder auszuwerfen. Themenpartys, Männerreisen und Aufreißerseminare mit exklusiver Beischlaf-Garantie.

»Ich will ein Schloss«, fuhr Adler fort. »Meine Gäste sollen sich wie Könige fühlen. Es wird alles geboten, Hummer und nur das beste Fleisch. Champagner, Spirituosen, Zigarren. Und ich will, dass Sie das Ganze für mich arrangieren.«

Er sah Lennie aufmerksam an.

»Kriegen Sie das hin?«

»Selbstverständlich«, sagte Lennie.

Die Bedienung kam mit der Vorspeise. Gambas mit schwarzen Grillrändern und ölige, mit Käse gefüllte Pimientos in runden Tonschalen. Jakob biss die Spitze einer Padrón ab und kaute nachdenklich.

»Verstehen wir uns, wenn ich sage, ich erwarte .«

Er schaute durch das Fenster auf ein unvorschriftsmäßig geparktes Auto.

»Weltklasse?«

»Absolut.«

»Sie kriegen fünf.«

»Fünf was?«, fragte Lennie.

Jakob Adler grinste so breit, dass die Füllungen der hinteren Backenzähne im Oberkiefer zu sehen waren.

»Millionen.«

Lennie schluckte. Fünf Millionen Kronen. Das war mehr als alle Gewinne zusammen, die er seit Gründung des Magazins gemacht hatte. Zumindest die Summe, die er beim Finanzamt angegeben hatte. In seiner cleveren Buchführung lief so viel wie möglich schwarz; Eventmanagerinnen, Restauranttouren...

»Ein sehr starkes Debut, dass auf viele weitere Fälle für die Journalistin hoffen lässt.«

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