Kiel ahoi!

Küsten Krimi
 
 
Emons Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96041-429-2 (ISBN)
 
Humorvoll und locker erzählt.

Kommissar Schneider ist mächtig gefordert: Der Fund einer Toten in der Kieler Förde bringt ihn schnell an seine Grenzen. Kann er dem Gymnasiallehrer trauen, der die Leiche entdeckt hat? Und dessen Frau, bei der die Verstorbene als Putzkraft angestellt war? Und was ist mit dem Ehemann der Toten? Bald hat Schneider mehr Verdächtige, als ihm lieb ist. Als dann noch eine weitere Leiche auftaucht, muss der Kommissar zweifelhafte Maßnahmen ergreifen, um nicht gänzlich den Überblick zu verlieren.
Auflage
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,83 MB
978-3-96041-429-2 (9783960414292)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Cornelia Leymann studierte Pädagogik und Straßenbau in Hannover und lebt seit mehr als 35 Jahren in Kiel. Dort arbeitete sie über 20 Jahre als Software-Testerin. In ihrem Ruhestand widmet sie sich neben ihrer großen Liebe Bridge dem Schreiben und Malen.

Frau Heinze geht tot


Ein Gewässer schreit ja förmlich nach einer Leiche, zumal in einem Krimi. Dass Frau Heinze allerdings im alten Kieler Olympiahafen treibt, ist dann doch ein wenig merkwürdig. Denn die Kieler Förde ist kein Fluss, sondern ein Fjord, wie man sich bei dem Namen schon fast gedacht hätte. Da fließt nix. Da schwappt die Ostsee nur mehr oder weniger träge hin und her, um ein wenig Bewegung in die Sache zu bringen.

Darum schmeißen wir unsere Leichen auch nicht in die Kieler Förde. Zumindest dann nicht, wenn wir sie loswerden wollen, um vor unliebsamen Nachstellungen sicher zu sein. Denn merke: Wo keine Leiche, da kein Mord. Musst du dir also unbedingt hinter die Ohren schreiben: KEINE LEICHEN IN DIE KIELER FÖRDE! Die kriegt man nicht los, die kleben geradezu.

Frau Heinze dümpelt also im alten Olympiahafen, bollert mit dem Kopf immer wieder gegen die Segelyacht von Uwe und jagt ihn schließlich zur Unzeit aus den Federn.

Das wirft natürlich Fragen auf, wobei die Frage, wieso Uwe es überhaupt hört, noch zu den einfachsten zählt: Ein Schiff ist wie ein Resonanzkörper, und selbst ein leichtes Klopfen klingt inwendig wie ein Donnerhall. So hat Uwe die Wanten alle sorgfältig am Mast verzurrt, damit ihr ewiges Klingkling ihm nicht den letzten Nerv raubt, und muss sich jetzt von einem Dongdong am Schlafen hindern lassen. Dabei hat er seinen Schlaf wirklich bitter nötig. Der gestrige Abend war mehr als unschön. Wobei er mit Fug und Recht sagen kann: Er war daran gänzlich unschuldig. Sonja hatte es förmlich darauf angelegt, ihn aus dem Haus zu treiben.

Wie er das hasst. Schon dieses süffisante »Na, war's schön?«, da klingeln bei ihm sämtliche Alarmglocken. Doch was hat er gemacht, der Idiot? Statt klipp und klar zu sagen: »Ja, es war schön, aber nicht wegen Vanessa, sondern trotzdem. Mehr war nicht, und mehr wird auch nie sein, weil ich ihre Art nicht ausstehen kann«, statt also die Karten offen auf den Tisch zu legen, ist er ihren Fragen ausgewichen, in der Hoffnung, er käme drumrum. Hat versucht, Vanessas Anwesenheit auf dem Seminar abzustreiten. Und schon hatte er den Salat. Denn Sonja ist nicht doof, einer der Gründe übrigens, warum er sich damals in sie verliebt hat, und ein Merkmal, das er heute immer noch sehr an ihr schätzt, das aber natürlich auch seine Nachteile hat. Schwuppdiwupp, hat sie ihn im Anschein der Beiläufigkeit in eins ihrer berühmten Kreuzverhöre genommen, langsam, aber gezielt alles Unlogische aus seinen Aussagen herausgepopelt und am Ende glasklar geschlussfolgert: Vanessa war auch da. Er hat mit ihr an der Bar gesessen. Hat sogar mit ihr getanzt! Und dass sie danach nicht gemeinsam in die Kiste gestiegen sind, kann er seiner Großmutter erzählen.

In hohem Bogen ist sein Bettzeug aus dem Schlafzimmer geflogen, ehe die Tür mit lautem Knall ins Schloss fiel. Dann wurde abgeschlossen. Zweimal.

So was kommt nicht häufig vor. Gott sei Dank. Früher nie, aber jetzt, da Sonja zwar immer noch klug, jedoch nicht mehr ganz die Schönheit von einst ist, wird sie dünnhäutig. Als ob ihr Vanessa je das Wasser reichen könnte, dieses Küken, diese Gans! Ihre Figur ist allerdings wirklich einmalig, biegsam, schlank. Und dieser Vorbau! Man sieht ihn - natürlich -, und man fühlt ihn, wenn man mit ihr tanzt. Er hat ihn gesehen, gleich als ihm die neue Kollegin vorgestellt wurde. Er ist schließlich nicht blind - noch nicht -, und gefühlt hat er ihn nun auch. Deshalb hat er mit ihr getanzt. Das wird ja wohl noch erlaubt sein. Außerdem möchte man als Mann doch mal seinen Marktwert testen.

Nur ist es offensichtlich doch nicht erlaubt. Zumindest nicht bei Sonja. Schade. Das Leben könnte so schön sein.

Na, jedenfalls hat er sein Bettzeug zusammengeklaubt und sich aufs Sofa verzogen, dann aber gleich wieder diese Stelle im Rücken gespürt, die ihm bei seinem letzten Rauswurf aus dem ehelichen Schlafzimmer aufs wohnzimmerliche Kanapee schon so viel Kummer bereitet hat. Mit zunehmendem Alter wird das Gehirn zwar immer vergesslicher, der Körper dagegen nachtragender. Der vergisst nicht mehr so schnell.

Also hat er die Bettdecke auf den Rücksitz seines Autos geschmissen und ist zum Boot gedüst. Natürlich hätte er die Decke da nicht gebraucht. Sein Boot ist mit allem Notwendigen ausgerüstet, bis hin zu sündhaft teuren Mikrofaser-Schlafsäcken. Aber im November ist es eben oft schon ein bisschen frisch. Da kann man eine zweite Decke ganz gut gebrauchen. Er hätte sich zwar zusätzlich zu seinem eigenen noch Sonjas Schlafsack überwerfen können, aber nein, da hat er seinen Stolz. Wenn sie ihn rausschmeißt, zumal völlig grundlos, dann nimmt er bestimmt nicht ihren Schlafsack, der obendrein nach ihrem Parfüm riecht.

Jetzt könnte er sich natürlich sonst wohin beißen, dass er nicht alles drangesetzt hat, Vanessa ins Bett zu kriegen - jetzt, da er dafür büßen muss, ohne vorher etwas davon gehabt zu haben. So richtig schwierig wäre es auch gar nicht gewesen. Ihre Avancen waren ziemlich eindeutig. Den Eindruck hatte er zumindest. Vielleicht hat sich die Welt inzwischen aber auch so sehr geändert, dass Frauen sich heutzutage so eindeutig zweideutig benehmen können, ohne dass . na ja. Er ist schon eine ganze Weile nicht mehr im Rennen, da kann man manches missverstehen.

Egal, er hat es nicht gemacht, und die Chance kommt wahrscheinlich nie wieder.

Was tut ein Mann, wenn ihm die Tragweite seines Tuns - beziehungsweise in diesem Falle Nichttuns - in voller Gänze bewusst wird? Richtig. Er lässt sich volllaufen. Für Uwe überhaupt kein Ding. Die Alkoholbestände an Bord sind ausreichend, die könnten eine Sechs-Mann-Kapelle flachlegen.

Damit ist eigentlich alles geklärt. Warum Uwe an Bord ist, als Frau Heinze mit ihrem Kopf an die Bordwand klopft. Warum es die sonst eigentlich bordsunüblichen Federn sind, aus denen sie ihn jagt. Und warum es zur Unzeit ist. Ab einem gewissen Alkoholpegel ist schließlich jede Zeit, zu der man geweckt wird, falsch. Auch dass er sich nach dem häuslichen Desaster die Kante gegeben und die Rumvorräte niedergemacht hat, ist klar. Rum in Anlehnung an die alten Seefahrerbräuche, die ja in jedem zweiten nautischen Lied besungen werden: »Hey, ho und 'ne Buddel voll Rum.«

Ein wenig Klärungsbedarf hat vielleicht noch die Frage, wieso eigentlich das Boot im Wasser ist. Jetzt sagst du womöglich: Wieso das denn? Boote gehören ins Wasser, das ist ihre gottgegebene Bestimmung. Das ist natürlich wahr. Aber nicht um diese Zeit. Und nicht in Kiel. Da gehören Boote spätestens ab Oktober an Land.

Es gibt böse Zungen, die behaupten, es gäbe im Leben eines Seglers eigentlich nur zwei schöne Tage: einen, wenn das Boot im April endlich im Wasser ist, und den zweiten im Herbst, wenn es wieder rauskommt, ohne Schaden genommen zu haben.

Musst du dir unbedingt mal ansehen, wie die Segler in Kiel im Herbst ihre Boote aus dem Wasser aufs Trockene bringen. Das ist ein Schauspiel der ganz besonderen Art. Da wird gezunzelt, gezerrt und gezupft, bis endlich der Mast gelegt und alles sicher verstaut ist. Dann kommt der große Autokran und nimmt das Schiffchen auf den Haken. Also, der Autokran hat einen Haken, das Schiffchen hat keinen. Es bekommt deshalb breite Gurte vor und hinter dem Kiel um den Bauch gebunden, wird aus dem Wasser gehoben und am Kran hängend zum nächsten Parkplatz gefahren. Schau nur so spaßeshalber mal den Eignern in die Augen, wenn sie zusammen mit der Gattin hektisch an Vor- und Achterleine zerren, um das Boot während der Fahrt mit dem Kran am Drehen zu hindern, damit es sich keine Beule an der nächsten Straßenlaterne holt. An der Panik, die du dann siehst, kannst du ungefähr ablesen, was das Boot kostet. Aber nicht, wie du vielleicht denkst, sondern genau andersherum: je billiger das Boot, desto größer die Panik. Erstaunlich, oder? Vielleicht aber auch gerade nicht.

Wenn das vorbei ist, hat das Boot Zeit zu wachsen. Boote wachsen nämlich über Winter. Da wird gewienert, poliert, geschraubt und getan, und alle Unzulänglichkeiten treten überdeutlich zutage. Langsam reift im Eigner die Gewissheit, dass er mit diesem Boot keinen zweiten Sommer überleben kann. Außerdem erinnert er sich an die vielen tausend anderen Boote, die ihn im letzten Sommer überholt haben, was mehr als kränkend, quasi unerträglich ist, und dann erinnert er sich an den alten Spruch: »Länge läuft.« Also muss ein längeres Boot her. Hier tritt die Gattin auf den Plan und stellt Ansprüche an die Küchenausstattung und Bequemlichkeit in der winzigen Nische, die Bad genannt wird, und schon ist das Boot in der Länge um gute neunzig Zentimeter gewachsen. Dazu vierzig in der Breite und zwanzig in der Höhe. Das geht hopp, hopp, so schnell kannst du gar nicht gucken, und aus dem ehemaligen Sportgerät ist ein Dickschiff geworden.

Uwes Boot hat keine Chance, über Winter zu wachsen, denn es liegt im Wasser. Das ist merkwürdig. Eben weil alle Boote des Winters angelandet werden. Wegen Eisgangs. Und siehst du, deswegen liegt uns Uwe sein Boot nicht auf dem Trockenen. Eisgang war gestern, genauer gesagt: In der Kieler Förde gab es seit 1996 keinen mehr, und Uwe ist der Überzeugung, dass dank der Klimaerwärmung der Eisgang in der Förde ein für alle Mal erledigt ist.

Darum hat er entschieden: Für kein Eis auf der Förde wird er sich nicht mehr dem Stress der Landverschickung seines Bootes aussetzen. Und schau: Jetzt hat er gut davon. Auf ein Boot, das zu Lande auf einem Parkplatz steht, wäre er zu nächtlicher Stunde nicht geklettert. Dann wäre er ohne eigenes Bettzeug in den Kieler Yacht-Club gegangen und hätte die Suite mit Meerblick gemietet, scheiß auf die Kosten. Das Geld hätte er Sonja vom nächsten...

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