Eine andere Vorstellung vom Glück

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Juli 2018
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19615-8 (ISBN)
 
Wenn ein gewöhnliches Leben außergewöhnlich wird.
Zwei Frauen, fünf Tage und viele Träume, die wahr werden ...


Philadelphia, Frühjahr 2010: Nach dreißig Jahren Haft flieht Agatha aus dem Gefängnis, obwohl sie nur noch fünf Jahre zu verbüßen hat. An einer Tankstelle steigt sie einfach zu einer jungen Frau ins Auto und zwingt sie, nach San Francisco zu fahren. Zuerst erschrocken, findet Milly, die bisher ein eher langweiliges Leben führte, Gefallen an der geheimnisvollen Agatha. Aus der Geisel wird eine Komplizin. Fünf Tage lang fahren sie quer durch die USA. Bei jedem Halt treffen sie jemanden aus Agathas Vergangenheit, kommen ihrem Geheimnis näher - und auch ihrer großen Liebe. Für Milly, die noch das ganze Leben vor sich hat, stellt sich die Frage: Wie weit darf man auf der Suche nach dem Glück gehen? Und sie lernt, dass man nie aufgeben darf.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,96 MB
978-3-641-19615-8 (9783641196158)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Marc Levy ist 1961 in Frankreich geboren. Mit achtzehn Jahren engagiert er sich beim französischen Roten Kreuz, für das er sechs Jahre tätig ist. Gleichzeitig studiert er Informatik und Betriebswirtschaft an der Universität in Paris. Von 1983 bis 1989 lebte er in San Francisco, wo er sein erstes Unternehmen gründete. 1990 verließ er die Firma und eröffnete mit zwei Freunden ein Architektenbüro in Paris. Er entdeckte schon früh seine Liebe zur Literatur und zum Kino und schrieb mit siebenunddreißig Jahren seinen ersten Roman, »Solange du da bist«, der von Steven Spielberg verfilmt und auf Anhieb ein Welterfolg wurde. Seitdem wird Marc Levy in neunundvierzig Sprachen übersetzt, und jeder Roman ist ein internationaler Bestseller. Marc Levy, der mit seiner Familie in New York lebt, ist mit 40 Millionen verkauften Büchern der erfolgreichste französische Autor weltweit.

Kapitel 1

Wer Milly begegnet, könnte sie für ein Rock'n'Roll-Girl halten. Das liegt an ihrem Aussehen, das an die junge Patti Smith erinnert, aber es ist nur ein Anschein, den sie sich gibt. Millys Leben hat überhaupt nichts von Rock'n'Roll an sich. Wenn sie allein ist, was häufig vorkommt, hört sie in voller Lautstärke klassische Musik, weil es nur Bach, Grieg und Glenn Gould gelingt, den Widerhall der Einsamkeit zum Schweigen zu bringen.

Milly Greenberg hatte Santa Fe verlassen, nachdem sie ein Stipendium für die Universität von Philadelphia erhalten hatte. Zweitausendzweihundert Meilen und sechs Bundesstaaten trennten ihren Geburtsort von der Stadt, in der sie nun lebte. Diesen Abstand hatte sie absichtlich zwischen ihr Leben als junges Mädchen und als Frau gelegt. Und dennoch hatte Milly sich in den Jura-Vorlesungen in Pennsylvania beinahe ebenso gelangweilt wie während ihrer Kindheit in New Mexico. Die drei Dinge, die sie dazu bewogen hatten, ihr Studium fortzusetzen, waren das Leben, das sich ihr auf dem Campus bot, die Tatsache, dass sie einen echten Freund gefunden hatte, und dass die Professoren sie trotz ihres nicht immer einfachen Charakters geschätzt hatten. Milly hatte sich nie in diese Gruppen junger Mädchen integriert, die von morgens bis abends kokettierten, sich in jeder Pause nachschminkten, die, um immer auf dem Laufenden zu sein, die Geschichten der jeweils wichtigsten Promis verfolgten und deren Eskapaden und Enttäuschungen spannender fanden als das Schicksal der Welt. Sie hatte auch kaum Kontakt zu den jungen Männern mit den breiten Schultern gehabt, die ihren Testosteron-Überschuss ausschwitzten und die Sportkappen und Farben des amerikanischen Footballteams trugen. Milly war eine unauffällige und fleißige Studentin gewesen und hatte, obwohl sie Jura sterbenslangweilig fand, eine Entschiedenheit an den Tag gelegt, wirklich etwas aus ihrem Leben zu machen. Was das sein würde, wusste sie noch immer nicht, aber es erwartete sie ein Schicksal, ein Schicksal, das eines Tages an ihre Tür klopfen würde.

Nach Abschluss ihres zweiten Studienabschnitts hatte die Universität das Stipendium nicht verlängert, ihr jedoch einen Deal vorgeschlagen, den Mrs. Berlington als »Austausch auf Gegenseitigkeit« bezeichnet hatte. Dabei sollte sie als Praktikantin im juristischen Dienst mitarbeiten - wobei diesem ausschließlich Mrs. Berlington angehörte - und im Gegenzug fünf Dollar Entlohnung pro Stunde, eine Krankenversicherung und eine Dienstwohnung dafür erhalten. Milly hatte das Angebot sofort angenommen. Nicht aus Interesse und natürlich auch nicht wegen der Bezahlung, sondern um weiterhin den Campus aufsuchen zu können. Sie hatte dort bereits ihre Orientierungspunkte und ihre Gewohnheiten.

Noch immer frühstückte Milly gerne im Tuttleman Café, lief um 8 Uhr 53 über die große Wiese, um 8 Uhr 55 an der Buchhandlung Gutman vorbei, bevor sie das Verwaltungsgebäude betrat, wo ihr Arbeitstag um 8 Uhr 57 begann. Um 11 Uhr 50 bestellte sie von ihrem Computer aus ein Pastrami-Sandwich für Mrs. Berlington. Um 12 Uhr 10 ging sie in umgekehrter Richtung über die Wiese zum Café des Kambar Campus Center, holte das Sandwich für Mrs. Berlington und einen Frühlingssalat für sich selbst ab und kehrte über die Ringallee zurück, sodass sie wieder an der Buchhandlung vorbeikam. Während sie ihrer Chefin gegenübersaß, nahm sie ihre Mahlzeit ein und kehrte um 12 Uhr 30 an ihren Arbeitsplatz zurück. Um 15 Uhr 55 legte sie den Block mit den Diktaten von Mrs. Berlington wieder in die Schublade ihres Schreibtischs und darauf den versilberten Fotorahmen, aus dem ihre Großmutter sie anlächelte, schloss die Schublade ab und verließ das Büro um 16 Uhr.

Es folgte für diesen Tag die letzte Überquerung des Campus Richtung Parkplatz, wo Milly wieder von etwas Besitz ergriff, das bewies, dass sie eine eher unkonventionelle Angestellte war: ein Oldsmobile-Cabriolet von 1950. Es hatte ihrer Großmutter gehört, die es ihr einige Jahre, bevor sie Santa Fe verlassen hatte, geschenkt hatte. Dieses Fahrzeug, das sie mit der Hingabe eines Sammlers pflegte, musste heute rund achtzigtausend Dollar wert sein. Das Cabriolet, das die Automobilfabrik Oldsmobile drei Jahrzehnte vor ihrer Geburt verlassen hatte, stellte im Notfall eine echte Lebensversicherung dar. Ein Leben, das ihr kurz vor ihrem einunddreißigsten Geburtstag perfekt zusagte.

Um 16 Uhr 06 nahm Milly am Steuer Platz, schaltete das Autoradio ein und löste ihr Haar, bevor sie den Motor anließ, und hörte, wie das Dröhnen des 6,6-Liter-V8 einer Fuge von Bach, einer Symphonie von Mendelssohn oder einem anderen klassischen Musikstück einige Basstöne hinzufügte.

Von diesem Augenblick an glich Milly dann doch eher einem Rock'n'Roll-Girl. Bei jeder Temperatur - Regen ausgenommen - fuhr sie mit flatternden Haaren zur Tankstelle 7-Eleven, wo sie ihren Durst mit einer Cola für zwei Dollar siebzig stillte und ihr Auto mit 7,5 Liter Benzin für sieben Dollar dreißig auffüllte. Jeden Abend, während sie die Ziffern im Sichtfenster der Tanksäule durchlaufen sah, zählte sie die Minuten, die sie damit verbracht hatte, Mrs. Berlingtons Berichte zu tippen. Zehn Dollar ausgegeben in fünf Minuten, das entsprach dreitausend Zeichen, die sie vormittags auf ihrer Tastatur getippt hatte. Mit dem Rest ihres Lohns bezahlte sie ihr Abendessen - da das Sandwich von Mrs. Berlington auf Kosten des juristischen Dienstes ging, hatte Milly sich mit dem Angestellten des Kambar Café sehr schnell darauf geeinigt, dass der Preis für ein Pastrami-Sandwich um den Betrag für einen Frühlingssalat erhöht wurde -, kaufte sich einige Kleidungsstücke, erweiterte ihre CD-Sammlung, gönnte sich samstags einen Kinobesuch und unterhielt vor allem ihren Oldsmobile.

Der Angestellte des Kambar Cafés hieß Jo Malone. Einen solchen Namen kann man nicht erfinden. Sein echter Vorname lautete Jonathan, aber »Jonathan Malone« klang nicht so gut, das hatte Milly mit ihrem unfehlbaren musikalischen Ohr befunden. Jo, der ihr seinen eines Gangsterfilms würdigen Namen verdankte, war ein junger Mann von hochgewachsener Statur, den die Natur mit einem poetischen Talent bedacht hatte. Gelang ihm nicht das Kunststück, zu jeder Jahreszeit einen wunderbaren Frühlingssalat zusammenzustellen?

Jonathan Malone war leidenschaftlich in eine gewisse Betty Cornell verliebt, die ihren Blick niemals auf dem Angestellten einer Cafeteria hätte ruhen lassen, selbst wenn dieser das Gesamtwerk von Corso, Ferlinghetti, Ginsberg, Burroughs und Kerouac verschlungen hätte, deren Prosa Jo beinahe auswendig kannte. Jo Malone bemühte sich, in die Sandwichs und Salate zu fünf Dollar fünfzig etwas Poesie zu legen, immer in der Hoffnung, eines Tages sein Studium fortsetzen zu können und die wunderbare Welt der Wörter jungen Mädchen nahezubringen, deren Vorbilder Britney Spears, Paris Hilton und magersüchtige Models waren. Milly hatte oft zu ihm gesagt, er habe die Seele eines Missionars, der die Literatur zur Religion erhoben habe.

Nachdem sie die Tankstelle verlassen hatte, raste Milly über den Highway 76 bis zur folgenden Ausfahrt, die in Richtung ihres Zuhauses führte.

Milly wohnte in einem kleinen Holzhaus in der Flamingo Road, direkt hinter dem Wasserreservoir des Vororts. Es war ein einfaches Viertel, dem man jedoch einen gewissen Charme nicht absprechen konnte. In dieser Straße endete die Stadt, und der Wald forderte wieder sein Recht ein.

Abends las Milly, abgesehen von freitags, wenn Jo zum Essen kam. Sie schauten die neue Folge einer Fernsehserie an, die sie beide liebten: das Leben einer Anwältin, Ehefrau eines künftigen Senators, das ins Wanken geriet, als die Affäre ihres Mannes mit einem Callgirl von der Presse aufgedeckt wurde.

Nach dem Ende der Episode las Jo laut die Gedichte vor, die er während der Woche geschrieben hatte. Milly hörte ihm aufmerksam zu und bat ihn anschließend um eine zweite Lesung, dieses Mal untermalt von einem Musikstück, das sie anhand von Jos Texten ausgewählt hatte.

Die Musik war das Bindeglied zwischen ihnen, und das seit ihrer ersten Begegnung, für die sie letztlich auch die Ursache gewesen war.

Jo spielte in der Kirche Orgel, um am Monatsende über die Runden zu kommen. Da die musikalischen Aufgaben pauschal mit fünfunddreißig Dollar abgegolten wurden, liebte er Beerdigungen.

Hochzeiten dauern wahnsinnig lange, die Gäste zaudern, bevor sie Platz nehmen, die Braut lässt auf sich warten, die Glückwünsche ziehen sich in die Länge, und es muss immer weitergespielt werden, bis die Eheleute und ihre Gäste den Vorplatz verlassen haben. Trauerfeiern haben den Vorteil, dass die Toten unfehlbar pünktlich sind. Da der Pfarrer zudem ein fürchterliches Grauen vor Särgen hatte, übersprang er munter ganze Passagen seines Breviers, um die Messe in genau fünfunddreißig Minuten zu beenden.

Ein Job für einen Dollar pro Minute war Gold wert, und Jo, der nicht der einzige Musiker war, auf den der Pfarrer zurückgreifen konnte, versäumte es nie, die in der Sonntagszeitung erscheinenden Todesanzeigen zu studieren, um sich als Erster in den Wochenplan eintragen zu können.

Bei einer Trauerfeier an einem Mittwochmorgen, als er soeben mit einer Fuge von Bach begann, bemerkte Jo, wie eine junge Frau die Kirche betrat. Die Zeremonie ging zu Ende, die Gemeindemitglieder erhoben sich, um Mrs. Ginguelbar die letzte Ehre zu erweisen. Zu Lebzeiten war sie Lebensmittelhändlerin gewesen und dummerweise durch Kisten mit Wassermelonen zu Tode gekommen, die auf die doppelte Höhe ihrer Körpergröße...

»Ein lebenspralles Roadmovie [.]. Herrliche Sommerlektüre!«
 
»Zwei Frauen, fünf Tage -und viele Träume, die wahr werden ...«
 
»Wir fühlen uns irgendwie an die Begegnung zwischen Thelma und Louise im Film von Ridley Scott erinnert.«
 
»Der Roman ist spannend, nachdenklich und hinterlässt einen lang anhaltenden Eindruck.«
 
»Dies ist ein wunderbarer Roman für alle Menschen, die das Fernweh plagt.«
 
»Die perfekte Sommerlektüre.«
 
»Interessante Lebensgeschichte.«
 
»Ein wunderbarer Roman für alle Menschen, die gelegentlich das Fernweh plagt. Eine absolute Leseempfehlung aus.«

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