Jenseits auf Rezept

Kriminalroman
 
 
Haymon Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. April 2018
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7099-3832-4 (ISBN)
 
MORD AN DER SCHÖNEN BLAUEN DONAU - EIN VERZWICKTER FALL FÜR MAJOR PAUL EIGNER
Sonja König, Männermagnet des neuen Therapiezentrums im Dorf, verdreht nicht nur zahlreichen Wachauern den Kopf, sondern weckt auch REICHLICH EIFERSÜCHTELEIEN. Als man sie schließlich TOT AUS DER DONAU FISCHT, hat Major Paul Eigner einiges zu tun. War es ein Verbrechen aus Leidenschaft? Hat sie einer ihrer Verehrer auf dem Gewissen? Oder ist alles doch ganz anders? Einen UNFALL kann der Major jedenfalls AUSSCHLIESSEN. Denn die Spuren an der Donau deuten eindeutig darauf hin, dass Sonja nicht ohne Kampf auf der Böschung ausgerutscht ist.

KRIMIVERGNÜGEN MIT DER RICHTIGEN PORTION ATMOSPHÄRE
Umsichtig und klug ermittelt Major Eigner zwischen rivalisierenden Liebhabern, zerbrochenen Lebensträumen und den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Hausarztes, der Sonja mehr als nur Chef war. HINTER DER blankpolierten FASSADE des neuen Therapiezentrums RUMORT ES nämlich KRÄFTIG, denn nicht nur Sonja war in ihren Chef verliebt. Und dessen Mutter will von Problemen ihres Sohnes partout nichts wissen .

Ein Krimi aus dem Herzen des dörflichen Lebens, verpackt in eine SPANNENDE HANDLUNG mit zahlreichen Verdächtigen - ein BEHAGLICHES LESEVERGNÜGEN!

Weitere Bücher bei HAYMON tb:
- Mord im besten Alter
- Faule Marillen

********************
"Ein Krimi, bei dem alles passt. Schreibstil, österreichischer Lokalkolorit, trockener Humor, durchgehender Spannungsbogen, netter Ermittler."
Leserstimme

"Genialer Krimi, der mir sehr viel Lesespaß bereitet hat."
Leserstimme
  • Deutsch
  • Österreich
  • 5,61 MB
978-3-7099-3832-4 (9783709938324)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lisa Lercher lebt in Wien, seit 2001 schreibt sie dort auch Kriminalromane und Kurzkrimis. Für sie sind Krimis eine gute Möglichkeit, um wichtige sozialpolitische Themen in spannende Geschichten zu verpacken. Der 2006 erschienene Roman "Die Mutprobe" wurde von ORF und MDR mit Fernsehlieblingen wie Heio von Stetten, Simon Schwarz, Elisabeth Lanz und Peter Weck verfilmt. Zuletzt erschien von ihr der Wachau-Krimi "Faule Marillen" (HAYMONtb 2015).

Roman


Sie umklammert den Griff ihres Gehstocks. Was war das? Ein Stoß? Der Blick ihres Gegenübers ist kalt. Eine Hand greift nach ihr, packt sie am Arm. Sie öffnet den Mund, will protestieren, verschluckt sich am Schrei. Nur ein ängstliches Winseln entweicht ihren Lippen, als sie beim nächsten Stoß den Boden unter den Füßen verliert. Sie schlittert über glitschige Stufen in die modrige Kellerluft. Ihre Finger schrammen über raues Mauerwerk, die Schulter schlägt gegen die Wand. Vom Aufprall zur Seite geworfen, trudelt und kollert sie wie weggeworfenes Spielzeug hinunter zum gestampften Erdboden. Das Bewusstsein längst in tiefe Nacht entschwunden, kommt sie endlich zur Ruhe. Durch den geschundenen Körper geht ein sachtes Zittern, als mit dem letzten Lebenshauch auch ihr Geist erlischt.

Ihre Begleitung, eben noch als Gast bewirtet, zögert noch einen Moment lang, bevor sie sich vorsichtig in die Tiefe tastet.

Die Stille hat sich verändert, ist endgültig geworden. Aber vielleicht spiegelt dieses dichte Nichts, das ihr entgegenkriecht, auch nur die archaische Angst wider. Vor dem eigenen Verschwinden, der Auflösung, die folgt, wenn das Herz zu schlagen aufhört, die Organe versagen. Der Gast schüttelt die morbide Stimmung ab. Dafür ist jetzt keine Zeit. Es gibt Wichtigeres zu tun.

Der Körper der Toten liegt gekrümmt auf dem kalten Boden. Ein feiner Blutfaden kriecht aus dem Ohr und verliert sich unter dem Ohrläppchen in einer Halsfalte. Die Finger der linken Hand sind zur Faust geballt. Die geblümte Kleiderschürze und der beige Rock sind nach oben gerutscht und geben den Blick auf seidig glänzende Stützstrümpfe frei. Der Gast muss Gewissheit haben. Er beugt sich über das Opfer, stößt es sacht mit der Schuhspitze an. Bückt sich schließlich hinunter, legt zwei Finger auf den Hals, forscht nach verräterischem Puls. Vergeblich. Auch die Handfläche vor dem Mund erspürt keine Atemluft. Der Schein der Taschenlampe zerstreut den letzten Rest von Zweifel. Der Blick der Toten ist gebrochen, die eben noch aufblitzende Gier aus den Augen verschwunden.

Der Gast kann einen leisen Seufzer der Erleichterung nicht unterdrücken. Ihm ist wohler, die Frau geborgen im Jenseits zu wissen. Er ist sich nicht sicher, ob er sie verletzt hätte liegen lassen können. Vielleicht hätte ihn dann ihr Geist heimgesucht, ihm Vorwürfe gemacht, dass sie noch hatte leiden müssen . Dann streift ihn kurz ein anderer Gedanke, seine Schultern verkrampfen sich. Nein, er hätte sie nicht einfach lebend zurücklassen können. Das Risiko, dass sie gefunden würde, mit ein paar Brüchen und Quetschungen davonkam und sich an die letzten Minuten erinnerte, wäre zu groß gewesen. Er hätte in jedem Fall . Er schiebt die Bilder, die sich ihm aufdrängen, energisch zur Seite und richtet sich auf.

Er sieht sich um, erneut erleichtert, dass es so einfach gewesen ist, beinahe unspektakulär. Es war weder Zeit für Panik, noch für einen Fluchtimpuls. Nur ein verwirrtes Staunen, der Mund, der hatte protestieren wollen, die Hand, die keinen Halt fand. Dann ein unkontrolliertes Kollern, das wirbelnde Muster der Kleiderschürze - als ob man durch ein Kaleidoskop schaute, der dumpfe Aufprall im Finale vor der unheimlichen Stille, die ihn noch immer umfängt.

Er hat sofort gewusst, dass sie den Köder schlucken würde. Er kannte die Sorte. Solche wie sie bekamen den Hals nie voll genug.

Der Besucher wirft einen letzten Blick auf sein Opfer, gibt acht bei den Stufen. Sie sind rutschig, die Kanten scharf. Trotzdem muss er sich beeilen, sämtliche Spuren beseitigen. Alles soll auf einen Unfall hindeuten. Er schließt die knarrende Holztür, öffnet sie dann doch einen Spalt. Die Vorstellung, was streunende Katzen, Marder oder Ratten mit der Leiche anstellen werden, lässt Gänsehaut über seinen Rücken rieseln.

***

Major Paul Eigner brühte seinen Shincha auf. So viel Zeit musste sein. Lieber hätte er den Grüntee vor dem Haus in der Morgensonne genossen. Der Wecker hatte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er hatte gestreikt und Eigner damit einen hektischen Aufbruch beschert. Dabei war ihm Stress zuwider, erst recht gleich nach dem Aufstehen.

Seine Kollegin, Beate Ringelmoser, hatte den Schauraum bereits geöffnet, als er mit einer Viertelstunde Verspätung eingetroffen war. Sie hatte sich jeden Kommentar verkniffen, ihn stattdessen freundlich gegrüßt. Inzwischen wusste sie, dass er kein Morgenmensch war.

Während der Major das Sieb mit den Blättern in der hellgrünen Flüssigkeit schwenkte, bimmelte die Türglocke. Er seufzte. Nicht einmal der erste Schluck war ihm in Ruhe vergönnt. Die alte Frau, die an den Türen mit den Sicherheitsschlössern und an der Stellage mit den einbruchshemmenden Beschlägen vorbei in seine Richtung wuselte, begrüßte ihn mit einem gehetzten: "Guten Morgen Herr Inspektor! Ich hab Ihnen etwas mitbracht!" Eigners Kollegin, die mit gerunzelter Stirn von ihren Unterlagen aufgeschaut hatte, flüchtete mit einem entschuldigenden Lächeln in den Nebenraum.

Der Major stellte seine Teeschale zur Seite. Die Aussicht auf ein paar beschauliche Minuten, die er mit seinem Sincha hatte verbringen wollen, war nun endgültig dahin. "Die Frau Gebetspichler. Was verschafft uns die Ehre?", begrüßte er das kleine Weiblein, das ihn mit ihren flinken Bewegungen an eine Maus erinnerte. Er erhob sich halb aus seinem Schreibtischsessel. Vielleicht konnte er ihren Besuch ja abkürzen, wenn er ihr entgegenging?

"Bleiben S' ruhig sitzen!" Schneller, als er reagieren konnte, hatte sich die Frau auf dem Besuchersessel an der Seite seines Schreibtisches niedergelassen, kramte in der geräumigen Einkaufstasche und beförderte ein in Papier und Plastiksackerl gewickeltes Paket auf den Schreibtisch.

"Ich hab gestern Krapfen gebacken. Sie sind mit Rosenmarillenmarmelade gefüllt. Die hab ich voriges Jahr bei Ihrer Schwester gekauft. Der Teig ist so schön aufgegangen, sonst muss ich mich nämlich oft einmal ärgern. Sie wissen eh, da hat man die Schüssel an einen warmen Platz gestellt, freut sich, dass der Germteig so gut aufgeht, und dann reißt einer die Tür auf und schon ist das Malheur passiert. Sie glauben nicht, wie schnell das ."

Wann holte die Alte Luft?

". dann hat mich die Marianne angerufen und gesagt, dass die Rosl tot ist, und dann sind Sie mir eingefallen." Die hellen Äuglein im faltigen Gesicht der Greisin blinzelten ihn abwartend an.

"Welche Rosl?", fragte er.

"Die Nienführ Rosl. Die werden S' nicht kennen. Die wohnt drüben, a bisserl außerhalb von Rossatz, Richtung Rossatzbach. Wissen S' wo ich mein?"

Eigner nickte, obwohl er keineswegs sicher war.

"Jedenfalls ist die Rosl über ihre Kellerstiege g'stolpert und hat sich dabei den Hals gebrochen, hat die Marianne gesagt." Der Tonfall der Gebetspichlerin nahm eine Klagenuance an. "Es ist ein Jammer. Die Marianne kann einem wirklich leidtun. Als ob sie nicht schon genug eigene Sorgen hätt."

Eigner interessierten die vielen Probleme der Frau Marianne, die er noch dazu nicht kannte, herzlich wenig. "Ein Unfall?", vergewisserte er sich.

"Na freilich. Oder glauben S', weil ich da bin .?", die Alte schüttelte tadelnd den Kopf. "Nein, nein. Der Doktor hat g'sagt, dass es wahrscheinlich ein Schwächeanfall war, und deswegen wird sie sich derhaspelt haben. Dabei hab ich ihr öfters gesagt, dass sie sich feste Schuhe anziehen soll, wenn sie im Garten draußen unterwegs ist. Sogar eure Broschüre über die Stolperfallen im Haushalt hab ich ihr vorbeigebracht. Dann hat sie eh den Teppich im Badezimmer weggeräumt und im Vorhaus nur mehr im Winter einen Fetzen aufgelegt." Frau Gebetspichler hatte den Mantel aufgeknöpft und das Halstuch gelockert. Den Fehler, nachzufragen, ob sie ablegen wolle, hatte Eigner nur einmal gemacht.

"Und was kann ich .", versuchte Eigner nun endlich selbst die Regie zu übernehmen. Die Gebetspichlerin unterbrach ihn mit einer Handbewegung. "Ein Unfall. Gott sei Dank. An was anderes mag ich gar nicht denken. Bei uns passiert sowieso schon genug. Denken S' an den Klein Dürnspitzer Pfarrer, den man vor ein paar Jahren in dem Weingarten ausgegraben hat, oder an den Spitzer Bürgermeister, der mit den Zuckerln vergiftet worden ist ."

Eigner schaltete seine Ohren auf Durchzug und überlegte, wie er seine redefreudige Besucherin loswerden konnte. Er musste noch einige Termine vereinbaren und im Jugendzentrum nachfragen, ob der Sozialarbeiter, der ihn zu den Lehrlingen begleiten sollte, wieder gesund war.

". oder an den Buben, der mitten im Supermarkt erschossen worden ist. Stellen Sie sich vor - die haben einen Film aus der Geschichte gemacht. Die Tochter meiner Nichte hat als Komparsin mitgespielt", die Alte lächelte einen Moment lang verklärt.

"Frau Gebetspichler, ich muss dann .", startete Eigner einen halbherzigen Versuch. Die alte Frau ließ sich nicht unterbrechen. Er sah hilfesuchend zu seiner Kollegin hinüber, die mit einem Packen Handzettel ins Büro zurückgekommen war und diese nun in einen Kasten räumte.

"Drogensüchtige hamma auch genug. Die vielen Nadeln, die im Park herumliegen. Fast hätt sich meine Axi da einmal gestochen, das arme Viecherl. Herr Inspektor, ich kann Ihnen gar nicht sagen, was für eine Lücke so ein Tier hinterlässt. Es vergeht kein Tag .", war die Alte bei einem ihrer Lieblingsthemen angekommen.

"Ich stör ungern", mischte sich Eigners Kollegin nun doch ein. "Aber gleich kommt eine Schulklasse. Wir müssen den Schauraum herrichten und da...

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