Notizen von unterwegs

2007 - 2019
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 260 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-6756-9 (ISBN)
 
Von den traumhaften Pulverstränden Kubas zu den Gletschern der Antarktis; von den Häuserschluchten des Big Apple zu den Weiten der sibirischen Tundra und Taiga. Vera Lengsfeld ist in viel gereist und stehts hielt sie die Augenblicke fest und spürte den Geschichten ihrer Reisezeile nach - den schönen wie auch den grausamen. Die Reiseberichte in diesem Büchlein erzählen von Bemerkenswertem aus aller Welt und geben einen ganz persönlichen Rückblick auf die vergangene Dekade.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,27 MB
978-3-7504-6756-9 (9783750467569)
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Vera Lengsfeld, geb. 1952, ist Bürgerrechtlerin, ehemalige Politikerin und freihe Autorin. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Thüringen.

Reise in die Antarktis


19. März 2007

Wer in die Antarktis möchte, muss zuerst nach Chile oder Argentinien reisen. Ich flog nach den undurchschaubaren Regeln der Billiganbieter erst über Island und Grönland nach Newark, um dann über Houston nach Buenos Aires zu gelangen. Die Bewohner der Hauptstadt Argentiniens stammen wie im ganzen Land zu 80% von Immigranten ab

- und zwar von erfolgreich Integrierten. Drei Immigrationswellen aus Deutschland haben das Land geprägt: Wirtschaftsflüchtlinge der zwanziger Jahre, den Nazis entkommene Juden und Kommunisten und schließlich Nazis, denen nach der Niederlage ihres Regimes der Boden unter den Füßen zu heiß wurde. Wie zuvorkommend Fremde hier behandelt werden, erlebte ich schon bei meinem ersten Kneipenbesuch. Der Ober brachte mir zum bestellten Gin Tonic eine kleine Platte mit Leckereien, weil ich neu war. Die Männer am Nebentisch schickten mir einen Willkommensdrink, als sich mein Glas geleert hatte, als wäre ich zwanzig.

Als er das zweite Mal an meinen Tisch kam, stellte sich Daniel vor und erzählte, dass er von Deutschen der ersten und zweiten Einwanderungswelle abstamme. Er war über das Geschehen im Land seiner Eltern gut informiert und empfahl mir, mich in Argentinien niederzulassen, wenn ich genug vom neurotischen Deutschland hätte. Sein Land sei viel entspannter und auf einem guten Weg. Am nächsten Morgen flog ich nach Ushuaia - der südlichsten Stadt der Welt. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts befanden sich hier nur ein Dorf mit 800 Einwohnern und eine Strafkolonie. Als damals ganz in der Nähe ein Passagierschiff in Seenot geriet und evakuiert werden musste, fanden sich im Dorf nicht genügend Betten für die 1200 Passagiere. Die Bewohner räumten kurzerhand das Gefängnis und brachten die Schiffbrüchigen in den Zellen unter. Dieser Pragmatismus prägt die die Stadt bis heute.

In den Siebzigern erklärte die Regierung den Ort zum Freihafen und befreite ihn von allen Steuern. Damals lebten hier 1200 Menschen. Dreißig Jahre später ist Ushuaia eine boomende Stadt mit 60000 Einwohnern, Tendenz immer noch steigend. Die Zugezogenen bauen ihre Häuser ohne Genehmigung auf staatliches Land, dafür aber mit einer schlittenähnlichen Unterkonstruktion versehen. Beansprucht der Staat das Land für ein Bauvorhaben, schieben die Eigentümer das Haus einfach weiter. In jüngster Zeit siedelte sich wegen der Steuerprivilegien vor allem elektronische Industrie an. Zusätzlich kam der Tourismus in Schwung. Über 50000 Besucher ziehen im antarktischen Sommer durch die Stadt. Als ich mich einschiffte, verließ gerade die Yacht von Bill Gates den Hafen. Auf seinem Weg nach Kap Horn hatte Gates in seiner südlichsten Konzern-Dependance nach dem Rechten geschaut. Wer nicht geschäftlich hier ist, kann den südlichsten Nationalpark der Welt besuchen. In den vierziger Jahren hatten die Häftlinge der Strafkolonie ganze Hänge vollständig abgeholzt. Dadurch entstanden riesige Sukzessionsflächen, die auf denen jetzt Südbuchen wachsen.

Weil die Nationalparkgründer anfangs das Gefühl hatten, ihren Gästen mehr bieten zu müssen, als die karge Natur Patagoniens, importierten sie Biber und Hasen. Was den Touristen spitze Entzückensschreie entlockt, ist für die Nationalparkbetreiber längst zum Problem geworden: Die Nager haben sich rasant vermehrt und richten viel Schaden an. Die Verantwortlichen diskutieren schon über Maßnahmen zur Populationskontrolle. Immerhin hat man aus dem Debakel gelernt. Inzwischen dürfen weder Tiere noch Pflanzen, weder Samen noch Früchte nach Patagonien eingeführt werden, um das empfindliche Ökosystem nicht weiter zu stören.

20. März 2007

Die Drakepassage ist die einsamste und gefährlichste Wasserstraße der Welt. Hier treffen sich Atlantik und Pazifik. Hier verläuft die sogenannte antarktische Konvergenz, die Grenze des antarktischen zirkumpolaren Wasserrings, der Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean zu einem globalen System verbindet. Es herrschen ganzjährig heftige Winde. Diese Winde trieben den Entdecker Francis Drake auf seiner Weltumsegelung 1577 weit in den Süden und so befuhr er unfreiwillig als Erster die nach ihm benannte Wasserstraße zwischen Südamerika und den noch zu entdeckenden Südkontinent.

Es vergingen fast dreihundert Jahre, ehe der britische Kaufmann William Smith auf seinem Schiff - wieder durch einen Sturm weit nach Süden getrieben - die dem antarktischen Festland vorgelagerten Südshetlandinseln entdeckte. Als er jedoch den britischen Behörden von seiner Entdeckung berichtete, brachte ihm das keine Anerkennung ein, sondern die Degradierung zum Lotsen auf seinem eigenen Schiff. Woran man sieht, dass auch in früheren Jahrhunderten abweichende Meinungen oft Feindseligkeit hervorriefen.

Smith ließ sich davon nicht von seinen Forschungen abbringen. Unter seinem neuen Kapitän Bransfield suchte er weiter nach dem unbekannten Südland und entdeckte es schließlich. Auf der Rückkehr begegneten sie den russischen Schiffen Vostok und Mirnyi des baltendeutschen Kapitäns Thaddeus von Bellingshausen, der am 27.01.1820 als erster Mensch das antarktische Festland gesichtet hatte. Das wurde allerdings erst in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt, als die Angaben Bellingshausens, der sich als russischer Offizier an den Julianischen Kalender gehalten hatte, in den Gregorianischen Kalender übersetzt wurden. Wegen eben dieser Kalenderdifferenz spricht man von der Oktoberrevolution genannt, obwohl sie im November stattfand.

Die Südshetlandinseln geben einen Vorgeschmack auf die spektakuläre antarktische Küste, mit ihren Gletschern und felsigen Bergen. Auf Half Moon Island sehen wir die erste Pinguinkolonie. Hier sind Zügelpinguine beheimatet. Sie wirken so zerbrechlich, es erscheint, dass sie beim Verschwinden der Dinosaurier vor 60 Millionen Jahren schon genauso dastanden. Sie waren schon fertig, als die Evolution gerade begann, die Voraussetzungen für die Entstehung der Menschen zu schaffen.

Wir müssen unsere Landung leider nach kurzer Zeit abbrechen. Eigentlich ist noch Sommer, aber der Herbst macht sich in diesem Jahr ungewöhnlich früh bemerkbar, mit Schneestürmen und Kälte. Die Wellen werden binnen kurzem so hoch, dass sie die Rückkehr zum Schiff für Stunden unmöglich machen könnten. Wenn das Wasser nicht so bewegt wäre, würde sich eine Eisdecke bilden, die in der unglaublichen Geschwindigkeit von 48 qkm/min entsteht. Auf der Weiterfahrt zum Lemairekanal flaut der Wind ab und wir können werden Zeugen dieses Phänomens. Seefahrer entdeckten den Lemairekanal schon 1873, doch es dauerte noch 25 Jahre bis das erste Schiff ihn durchquerte.

Die Passage ist schwierig, denn der 11 km lange Kanal hat nur eine Breite von 1,6 km, ist von steil aufragenden Felswänden begrenzt und voller Untiefen. Als wir uns seiner Einfahrt nähern, liegt ein Band von Eisschollen davor, wie ein Polizeikordon, als ob uns die Natur davor warnen wollte, in ihn einzufahren. Zusätzlich behindert dichter Nebel die Sicht. Aber unser Schiff tastet sich so vorsichtig durch die Hindernisse, dass wir am Ende der Durchfahrt mit Sonnenschein und klarer Sicht belohnt werden.

Unser Ziel ist die ukrainische Forschungsstation Vernadskiy. Ursprünglich errichteten die Briten sie auf der Galindezinsel und benannten sie nach Faraday. Hier entdeckten Wissenschaftler 1982 erstmals das Ozonloch. Im Jahr der Unabhängigkeit der Ukraine übergab Großbritannien die Station an den jungen Staat. Die Ukrainer halten die Tradition ihrer Vorgänger aufrecht und widmen sich vor allem der Klimaforschung. Ihre Ergebnisse sind überraschend.

21. März 2007

Die ukrainischen Klimaforscher auf der Vernadskiy-Station müssen es wissen: Für langfristige Wetterprognosen muss man sich gut in polarer Meteorologie auskennen, denn die Pole sind maßgeblich für das Wetter in beiden Hemisphären.

Es herrscht ein ständiger kalter Luftstrom von den Polen zum Äquator. Oberhalb davon kehrt ein warmer Gegenstrom in die Polargebiete zurück. Dieser ständige Austausch hinterlässt seit Jahrmillionen Rückstände im ewigen Eis. Da die Antarktis eines der reinsten Gebiete der Erde ist, kann man an den aus anderen Weltgegenden hereingetragenen Verschmutzungen gut die erdgeschichtliche Klimaentwicklung ablesen. Die seit mehreren Jahrzehnten vorgenommenen Kerneisbohrungen ergeben ein eindeutiges Bild: Das Erdklima ist im Laufe der geologischen Zeitalter der Erde keineswegs konstant geblieben.

Die Klimaaufzeichnungen zeigen, dass Eiszeiten regelmäßig vorkommen und etwa 90 000 Jahre dauern. Ihnen folgt eine schnelle Erwärmung. Diese Veränderungen vollziehen sich im Zusammenhang mit der relativen Bewegung der Erde zur Sonne. Diese Bewegung reguliert die Energie, die der Planet im Laufe der Jahrtausende von der Sonne empfängt. Es handelt sich hierbei um eine natürliche Fluktuation. Kein Wunder, dass die Ergebnisse der Kernbohrungen in der aktuellen Klimadiskussion praktisch keine Rolle spielen. Sie stützen die These der menschengemachten Klimakatastrophe nicht gerade. Natürlich kann man an den Eismessungen auch...

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