Alles Land

Roman
 
Jo Lendle (Autor)
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 5. September 2011 | 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06217-0 (ISBN)
 
Ein fesselnder Abenteuerroman über den letzten großen Helden der Polarforschung

Alfred Wegener ist ein Getriebener. 1930 bricht er auf, um der Menschheit zu zeigen, dass es möglich ist, am einsamsten Punkt der Erde, im grönländischen Inlandeis, zu überwintern. Aber es gibt Schwierigkeiten - er schafft es nicht mehr zurück zur Küste. Von Wegeners eisigem Grab aus blickt Jo Lendle zurück auf das Leben dieses letzten großen Helden der Polarforschung und verharrt überall dort, wo sich Geschichten darin finden: wie Wegener unfreiwillig einen Rekord aufstellt, indem er 52 Stunden mit einem Heißluftballon in der Luft bleibt, oder wie er von der versammelten Wissenschaftsgemeinde für seine verwegene Theorie der Kontinentaldrift ausgelacht wird, für die er erst drei Jahrzehnte nach seinem Tod Anerkennung findet.

Alfred Wegener verschrieb sein Leben der Forschung, war voll der Faszination für Abwegiges, aber auch ein Zweifler mit einer großen Sehnsucht nach Einsamkeit. Ein Leben wie ein Abenteuerroman - den Jo Lendle jetzt erzählt.



Jo Lendle wurde 1968 geboren und studierte Kulturwissenschaften und Literatur in Hildesheim, Montréal und Leipzig. Bisher sind bei DVA erschienen: 'Was wir Liebe nennen' (2013), 'Alles Land' (2011), 'Mein letzter Versuch, die Welt zu retten' (2009) und 'Die Kosmonautin' (2008).
Deutsch
0,43 MB
978-3-641-06217-0 (9783641062170)
3641062179 (3641062179)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Die äußere Hörbarkeitsgrenze (S. 252-253)

Es war früher Morgen, als Georgi sie weckte. Ein unwirklicher, zauberhafter Lichtschein drang durch die Decke. Wegener zog sich die leidlich getrockneten Kleidungsstücke an: die Tuchhose, das gebügelte Unterhemd, die Hundefellhose, seine dicken, ausgestopften Pelzstiefel, das Skihemd, die blaue Weste. Nach einem Frühstück aus Haifischstücken in Brotsuppe versorgte Wegener noch einmal Loewes Wunden. Über Nacht waren einige kleinere Knochenteile herausgeeitert.

Da sie kein weiteres Verbandsmaterial hatten, zupfte er mit der Pinzette die Splitter aus der Gaze und verwendete den Rest erneut. Die Wolljacke, darüber den Anorak aus Hundefell, seine wollene Windjacke, den Kopfschützer, dazu die Pulswärmer, seine Mütze, die Pelzhandschuhe. Georgi sah ihn an. Ob er sich ausreichend erholt fühle für die lange Reise. Wegener winkte ab. Je früher sie hinauskämen, desto mehr Zeit blieb ihnen, bevor es endgültig dunkel wurde. Außerdem fühle er sich stark wie selten zuvor, er könnte Bäume ausreißen. Georgi lächelte: »Das lässt sich hier draußen schwerlich beweisen.«

Wieder die steile Treppe. Wie der Überdruss in Wegener hochstieg, als er ins Freie trat, hinaus in Sturm, Schnee, Licht und Kälte, in Leere, Frost und Lebensfeindschaft. All das begrüßte ihn mit einer trostlosen, unveränderlichen Maßlosigkeit, der er ohnmächtig gegenüberstand. Ein auf beiden Seiten bewegter Abschied, die Umarmungen vielleicht noch einen Moment länger als bei der Begrüßung. Georgi schien von ihrem kleinen Disput über die Ausrüstung der Station tatsächlich keinen Gram zurückbehalten zu haben. Und auch Wegeners eigener Ärger war verzogen. Worüber sollte er sich ärgern?

Sosehr man daheim am Schreibtisch bei der Vorbereitung hoffte, alles im Voraus berechnen zu können – kein Reisender in diesen Gebieten hatte einen Anspruch darauf, verschont zu bleiben: von Fehlern, von Missgeschick, von der Unwägbarkeit, in der sie alle lebten. Wegener spürte, dass ihr Abschied für Georgi und Sorge härter war als für sie selbst. Immerhin konnten sie nun etwas unternehmen, sie konnten sich retten. Georgi sah aus, als müsste er sich nach ihrem Verschwinden erst einmal auf den Abort zurückziehen, um seine Fassung wiederzufinden.

Vor dem Aufbruch schlachteten sie die drei schlechtesten Hunde. Einer wurde an die verbleibenden Tiere verfüttert, zwei blieben dort, als Fleischreserve für den Winter. Die Skier unterbinden. Die Stöcke greifen. Hinausgehen. Die Augen zu Schlitzen schließen und einen Fuß vor den anderen setzen. Wegener lief hinter dem Hundeschlitten her, stolperte über Windfurchen. Innerhalb von Minuten hatte er Rasmus aus den Augen verloren, auch wenn er wahrscheinlich direkt neben ihm lief."
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