Notstand und Strafe

Grundlinien einer Revision des Schuldbegriffs
 
 
Duncker & Humblot (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. Februar 2019
  • |
  • 313 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-428-55640-3 (ISBN)
 
Die Untersuchung entwickelt eine Theorie des entschuldigenden Notstands (§ 35 StGB). Die in der Literatur vorhandenen Begründungen dieses Rechtsinstituts weisen eine 'gnadenähnliche' Struktur auf und sind letztendlich kollektivistischer Art: Sie verweisen auf die 'Sozialverträglichkeit' der Entschuldigung des Täters und nicht auf die Rechte der involvierten Personen. Nach einer Auseinandersetzung mit den bisher entwickelten Ansätzen wird eine Revision des normbezogenen Schuldbegriffs vorgeschlagen: Schuld wird als strafbezogene normative Ansprechbarkeit definiert. Die entschuldigende Notstandslage ist dadurch charakterisiert, dass der Täter die Strafe nur vermeiden kann, indem er ein 'angeborenes' Recht aufgibt (Leben, Leib, Freiheit). Strafe führt aber ihrerseits ebenfalls zum Entzug eines angeborenen Rechts. Der Täter kann also das Übel der Strafe nicht vermeiden. Der entschuldigende Notstand erweist sich somit als genuines Schuldproblem.
 
'Necessity and Punishment'

The book intends to provide a theoretical foundation for the necessity defense in Criminal Law. The reasons for the exculpation in necessity depend on the concept of culpability. The author proposes to rethink the traditional approach: culpability means the possibility to avoid punishment, which is understood as the suppression of 'innate' rights. These new approach leads to a new concept of necessity in Criminal Law.
  • Dissertationsschrift
  • |
  • 2018
  • |
  • Universität München
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 1,65 MB
978-3-428-55640-3 (9783428556403)
10.3790/978-3-428-55640-3
weitere Ausgaben werden ermittelt
Alaor Leite beendete das Jurastudium in Brasilien im Jahr 2008. 2009 bis 2011 absolvierte er das LL.M-Studium unter der Betreuung von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin an der LMU München. Für seine Abschlussarbeit ('Unrechtszweifel als Verbotsirrtum') erhielt er den Preis für herausragende LL.M.-Abschlüsse. 2018 fertigte er, ebenfalls unter der Betreuung von Prof. Roxin, seine Dissertation zum Thema 'Notstand und Strafe'. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Luís Greco (LL.M.) an der Humboldt-Universität zu Berlin.
A. Einführung

Die positivrechtliche Regelung des § 35 StGB - Die wissenschaftliche Aufgabe: Die Bestimmung des Kerns des entschuldigenden Notstands - Ziel und Gang der Untersuchung

B. Die grundlegenden Probleme: Die Revisionsbedürftigkeit des herrschenden Schuldbegriffs

Methodisches: Rechtsphilosophie und Strafrechtssystem - Vorfrage: Kapitulation der Rechtsordnung? - Die grundsätzliche Unzulänglichkeit des Ausgangspunkts des herrschenden strafrechtlichen Schuldbegriffs - Ein Gedankenexperiment: Das Hinwegdenken des entschuldigenden Notstands

C. Theorie des entschuldigenden Notstands

Die Aufarbeitung des Rechtsstoffes: Die Phänomenologie der Fälle - Die normativen Fragen: Drei Anforderungen an die Theorie des entschuldigenden Notstands - Die Ansätze in der Lehre - Der Notstand, ein Schuldproblem - Grund und Grenzen des entschuldigenden Notstands

D. Der Irrtum beim entschuldigenden Notstand

Zur Relevanz der Problematik - Die ratio der Irrtumsregelung beim entschuldigenden Notstand - Die konkreten dogmatischen Fragen im Bereich des Irrtums beim entschuldigenden Notstand

E. Ergebnisse der Untersuchung

Literatur- und Sachwortverzeichnis

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