Ein Kuss wie ein Feuerwerk

 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. Oktober 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-030-0 (ISBN)
 
Eigentlich hatte Drew alles so gut eingefädelt: Zum Schein wird er für ein Jahr seine hübsche Assistentin Deanna heiraten. Denn nur als solidem Ehemann wird ihm die Leitung der Familienfirma anvertraut - sein Vater kennt da kein Pardon! Zu Silvester spielen Drew und Deanna das frischverliebte Paar. Doch als er sie zum ersten Mal küsst, um seine Rolle glaubwürdig zu machen, gerät das Spiel völlig außer Kontrolle: Aus einer Pflichtübung wird ein Feuerwerk der Gefühle! Drews Verstand setzt aus, aber sein Herz weiß auf einmal ganz genau, was es will!

1. KAPITEL

"Guten Rutsch, Deanna. Amüsier dich gut heute Abend."

Deanna Gurney stieß einen leisen Seufzer aus, als die letzten drei Kollegen das Trendforschungsbüro Fortune Prognosen verließen. Sie schaute auf ihre Armbanduhr.

Es war fast acht Uhr. In vier Stunden konnte sie einen Schlussstrich unter das alte Jahr ziehen.

Zerstreut klopfte sie mit dem roten Kugelschreiber auf ihren Schreibtisch und starrte blicklos auf den Artikel, den sie korrigieren musste.

Das Klopfen klang wie das Ticken einer Uhr.

Bedeutete ein neues Jahr nicht den Beginn von etwas Neuem?

Gut möglich aber auch, dass das Neue noch schlimmer als das Alte war.

Deprimiert schüttelte sie den Kopf und konzentrierte sich wieder auf den Artikel. Ihr Chef hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er alles erledigt haben musste, bevor das Büro um den Jahreswechsel für ein paar Tage schloss.

Wenn Andrew Fortune einen kreativen Schub hatte, nahm er keinerlei Rücksicht auf seine Angestellten. Die mussten dann eben Überstunden machen.

Deanna korrigierte einen Rechtschreibfehler und sah hoch. Ihr Blick fiel auf die offene Tür, die zum Büro ihres Chefs führte.

Drew saß nicht an seinem Schreibtisch. Stattdessen lief er auf und ab und blieb nur gelegentlich stehen, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen, von dem man tagsüber einen atemberaubenden Blick auf fast ganz San Diego hatte - manchmal sogar bis zur Küste.

Im Moment gab es allerdings außer dem nächtlichen Himmel und den Lichtern der Stadt nicht viel zu sehen.

Jetzt lief er schon wieder an der offenen Tür vorbei. Den ganzen Tag über - genauer gesagt, seit er verkündet hatte, dass er dieses Projekt vor dem langen Wochenende um den Jahreswechsel abschließen wollte - schien er über irgendetwas nachzugrübeln.

Die Schirmmütze, die er über die braunen Haare gestülpt hatte, saß tief in seiner Stirn. Ein sicherer Hinweis auf seine schlechte Laune - ebenso wie sein verbissener Gesichtsausdruck.

Wenn er gut drauf war, setzte er die Kappe nämlich andersherum auf. Dann zeichneten sich auf seinen Wangen kleine Grübchen ab, und seine dunkelbraunen Augen blitzten spitzbübisch. Manchmal hatte er einen Golfschläger in der Hand und übte Abschläge auf dem dicken beigefarbenen Teppichboden seines Büros. Im Moment umklammerte er allerdings einen Baseballschläger.

Deannas Handy auf dem Schreibtisch summte. Sie griff danach und schaute aufs Display.

Gigi.

Seufzend legte sie das Telefon beiseite, ohne das Gespräch entgegenzunehmen.

Ihre Mutter hatte sie heute schon mehr als ein halbes Dutzend Mal angerufen.

Deanna hatte keine Lust, mit ihr zu reden. Nicht schon wieder. Die Unterhaltungen mit ihr waren in letzter Zeit ziemlich unerfreulich gewesen. Am Ende war sie jedes Mal wütend, ratlos und frustriert. Es gab also genügend Gründe für Deanna, nicht in festlicher Stimmung zu sein.

Im Gegensatz zu Drew Fortune. Der hatte doch keinen Grund zum Jammern. Er war vierunddreißig - acht Jahre älter als sie - und sah verflixt gut aus. Außerdem würde er bald die Leitung der äußerst erfolgreichen Firma übernehmen, die sein Vater vor einigen Jahrzehnten gegründet hatte und die sich mit Trendanalysen beschäftigte. Wenn er an diesem Tag nicht nach Texas fliegen würde, hätte er Silvester bestimmt mit einer seiner umwerfend aussehenden Blondinen verbracht, die ihm gewiss einen unvergesslichen Jahreswechsel beschert hätte.

Energisch strich Deanna einen überflüssigen Satz rot durch.

"Himmel, Dee, die Seite sieht ja aus, als würde sie bluten."

Sie schaute ihren Chef nicht an. "Dafür bezahlen Sie mich ja." Sie korrigierte einen weiteren Fehler.

Intelligent war er zwar, aber mit der Rechtschreibung stand er auf Kriegsfuß.

"Genau wie gewisse andere Leute, die eigentlich noch hier sein müssten." Drew setzte sich auf die Kante ihres Schreibtischs und griff wie selbstverständlich nach ihrem Handy. Dabei klopfte er mit dem Baseballschläger gegen seinen Schuh.

"Sie haben ihre Arbeit getan. Warum also sollten Sie noch bleiben?" Jeder hatte seinen Teil zu dem Bericht beigetragen, und ihr blieb es nun überlassen, ihn zu korrigieren und per E-Mail an ihre zahlreichen Kunden und die Zeitung zu schicken, die ihn in der Samstagsausgabe des neuen Jahres veröffentlichen wollte.

Missbilligend schnalzte er mit der Zunge. "Und Sie haben sie eigenmächtig nach Hause geschickt?"

"Hätten Sie etwa bleiben sollen, um mir beim Korrekturlesen zuzusehen?"

Missbilligend verzog er das Gesicht.

"Außerdem ist Silvester", erinnerte Deanna ihn. "Da haben die Kollegen etwas Besseres zu tun, als hier herumzuhängen."

Drew verlor das Interesse an ihrem Handy und widmete sich dem Tacker. "Sie dagegen haben nichts vor?"

Seufzend legte sie den Kugelschreiber beiseite und faltete die Hände auf dem Schreibtisch. "Doch."

"Ein Date, nehme ich an." Seine dunklen Augen waren unter der heruntergezogenen Baseballkappe kaum zu sehen. Mit dem Schirm nach vorn trug er sie immer, wenn er schlecht drauf war. "Wie heißt er doch gleich? Mike?"

Deanna blieb gelassen. Nach vierjähriger Tätigkeit als seine Assistentin ließ sie sich nicht mehr von Drew Fortune provozieren. Außerdem war sie Gigis Tochter. Das erforderte fast noch mehr Geduld und Nachsicht. "Mark", korrigierte sie ihn. Drew wusste es ganz genau, denn er hatte den Mann, mit dem sie neun Monate lang zusammen gewesen war, schon ein paar Mal getroffen. "Und wir haben Schluss gemacht."

Er zog die Augenbrauen zusammen. "Wann?"

Als es meiner Mutter nicht mehr passte. Doch sie verkniff sich die verbitterte Antwort. Ihre Probleme mit Gigi gehörten nicht hierhin. "Vor ein paar Monaten."

Drew verzog die Lippen. "Es geht doch nichts über wahre Liebe", frotzelte er, stellte den Tacker zurück und stieß sich von der Schreibtischkante ab. "Und wer ist heute der Glückliche?"

Warum interessierte er sich plötzlich für ihr Liebesleben? Aber bei ihm wusste man nie. Am einen Tag war er unnahbar, und am nächsten strich er ständig um ihren Schreibtisch herum, als wollte er etwas von ihr, das nichts mit ihrer Arbeit zu tun hatte.

"Die Glücklichen", verbesserte sie ihn mit einem zuckersüßen Lächeln.

Erstaunt riss er die Augen auf.

"Es sind drei Freundinnen", fügte sie hinzu. "Sie brauchen also gar nicht so beeindruckt auszusehen. Wir wollen ein Wellnesswochenende machen."

Wieder klingelte ihr Handy, und sie schaltete es auf stumm. "Also keine Männer." Und keine nervenden Anrufe von Gigi.

Wie üblich erwartete ihre Mutter von ihr, dass ihre kleine Deedee alles stehen und liegen ließ und sich um sie kümmerte - sogar an Silvester. Oft genug hatte sie ihrer Tochter klargemacht, dass sie es als Hochverrat empfand, wenn Deanna andere Dinge wichtiger waren. Ihre Tochter war dazu da, die Bedürfnisse ihrer Mutter zu befriedigen.

Gigi hatte schon immer einen Hang zum Melodramatischen gehabt.

"Wo soll's denn hingehen?"

"Nach La Jolla." Sie nannte ihm den Namen des Hotels. "Eigentlich wollten wir schon vor zwei Stunden zusammen losfahren. Aber das hat ja nicht geklappt." Sie rechnete nicht mit einer Entschuldigung von Drew. Das war nicht seine Art. Und so weit entfernt war La Jolla auch nicht. Gerade einmal ein paar Meilen. "Jetzt treffen wir uns eben dort."

Mit ausdrucksloser Miene drückte Drew den Baseballschläger in den weichen Teppichboden. Sein dichtes braunes Haar wirkte immer ein bisschen zerzaust. Nur bei wichtigen Konferenzen kämmte er es zurück und sah dann noch besser aus als sonst. Breite Schultern, hochgewachsen, tadellos sitzende Anzüge - im Büro war er genauso beeindruckend wie mit nacktem Oberkörper am Strand, wohin er seine Kunden manchmal führte, wenn der geschäftliche Teil der Unterredung vorüber war.

Ja, Drew Fortune war wirklich ein stattlicher Anblick.

Aber nicht zum Anfassen, wisperte eine leise Stimme in ihrem Ohr.

Deanna hütete sich davor, Privates und Geschäftliches zu vermischen. Was daraus werden konnte, hatte sie oft genug bei ihrer Mutter erlebt. Und sie erlebte es immer noch.

Nicht, dass sie befürchten musste, Drew könnte sie so einschätzen. Sie erledigte ihren Job, und sie machte ihn gut. Das war das Einzige, worauf es ihm ankam.

Und genauso wollte sie es. Niemals würde sie den Respekt, den sie sich im Beruf erworben hatte, für einen heißen Flirt oder gar eine Affäre aufs Spiel setzen.

Die Arbeit bei Fortune Prognosen gefiel ihr, und normalerweise machte es ihr auch Spaß, für Drew Fortune zu arbeiten. Angesichts von Gigis jüngsten Fluchtversuchen aus der Realität brauchte sie diese Ablenkung sogar dringender denn je.

Sie nahm ihren Kugelschreiber und konzentrierte sich wieder auf die Seite. "In zehn Minuten bin ich fertig", versprach sie. "Dann können Sie auch gehen." Und sie konnte sich endlich mit ihren Freundinnen treffen und versuchen, ihre Mutter für ein paar Tage zu vergessen.

Seit dem Fiasko...

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