Die Bergklinik 17 - Arztroman

Die Bergklinik
 
 
Martin Kelter Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Januar 2018
  • |
  • 128 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7409-2502-4 (ISBN)
 
Die Arztromane der Reihe Die Bergklinik schlagen eine Brücke vom gängigen Arzt- zum Heimatroman und bescheren dem Leser spannende, romantische, oft anrührende Lese-Erlebnisse. Die bestens ausgestattete Bergklinik im Werdenfelser Land ist so etwas wie ein Geheimtipp: sogar aus Garmisch und den Kliniken anderer großer Städte kommen Anfragen, ob dieser oder jener Patient überstellt werden dürfe.
  • Deutsch
  • 0,27 MB
978-3-7409-2502-4 (9783740925024)

Als Laura Lorenzen an jenem Freitag nachmittag aus dem Wagen stieg, kam Clemens Stolzenbach aus dem Haus, um sie zu begrüßen. Laura war ein außerordentlich hübsches Mädchen, und sie und der Chefchirurg der Bergklinik waren jetzt seit einem knappen Jahr ein Paar.

Stolzenbach nahm sie in die Arme, drückte sie kurz an sich und küßte sie dann zweimal sehr zärtlich auf die Lippen.

»Hallo, Kleines«, sagte er mit gefühlvoller Stimme, »Ich freu' mich, daß du da bist.«

Laura sah den Chirurgieprofessor einen Augenblick irritiert an, denn als sie sich das letzte Mal gesehen hatten, waren sie zwar nicht gerade in Unfrieden geschieden, aber als Clemens ihr erzählt hatte, daß er sich mit seiner früheren Beziehung Monika ausgesprochen habe, hatte Laura allen Grund, an seiner Treue zu zweifeln. Denn Clemens hatte ihr berichtet, daß die Aussprache mit Monika darin gipfelte, daß diese ihn gebeten habe, sie in dieser Nacht nicht alleine zu lassen, und als Krönung hatte sie mit Clemens schlafen wollen.

»Nur das eine Mal noch«, hatte Monika laut Clemens zu ihm gesagt.

Monika hatte ihm vorher gestanden, ihn zum Ende ihres Medizinstudiums mit einem anderen Mann betrogen zu haben. Danach war ihre Beziehung zu Clemens in die Brüche gegangen, ohne daß er den eigentlichen Grund kannte. Monika, so hatte es sich herausgestellt, hatte danach mit großen Schuldkomplexen zu kämpfen, woraufhin sie im Umgang mit Clemens sehr rüde gewesen war. Möglicherweise hatte Monika mit Clemens schlafen wollen, um sicher zu sein, daß er ihr verziehen hatte.

Als Laura von Clemens hatte wissen wollen, was in jener Nacht zwischen ihm und Monika passiert war, war Stolzenbach ausgewichen und hatte keine Antwort gegeben, jedenfalls keine, die so eindeutig gewesen wäre, wie Laura es sich gewünscht hätte. Sie hatte einfach wissen wollen, woran sie war. Auch in der Hoffnung, daß an diesem Wochenende alles geklärt werden würde, war Laura aus Erlangen angereist. Außerdem hatte sie große Sehnsucht nach Clemens.

»Wie geht's dir?« fragte der, als sie sein Haus betreten hatten. »Du schaust aus, als hättest du zwei anstrengende Wochen hinter dir.«

Laura fühlte sich in der Tat wie in einer Zwangsjacke, vermied es jedoch, Clemens anzusehen, und dachte ständig an ihre Vorgängerin Monika. Sie hatte sich fest vorgenommen, mit Clemens über die Sache zu reden, schließlich wollte sie wissen, worauf sie sich einzurichten hatte.

Daß in Erlangen, wo sie studierte, der Assistent ihres Anatomieprofessors ihr inzwischen mehr als eindeutige Avancen machte, und daß sie nicht wußte, wie sie sich verhalten sollte, stand auf einem anderen Blatt, über das sie mit Clemens sehr gerne geredet hätte.

Jetzt fühlte sie sich in einer Zwickmühle, denn vordergründig wollte sie wissen, was in jener Nacht in München zwischen Monika und Clemens passiert war.

»Du schaust mich die ganze Zeit schon an, als wolltest du mich etwas fragen«, sagte Clemens im selben Moment. »Hast du was auf dem Herzen?« Dann lächelte er Laura betont lieb an und küßte sie auf die Stirn.

Laura wollte zurücklächeln, aber es gelang ihr nicht, schließlich schüttelte sie den Kopf.

»Magst du einen Orangendrink?« Clemens Stolzenbach hatte bereits begonnen, Orangen auszupressen. »Mit Gin Tonic oder Mineralwasser?«

»Clemens.?«

»Ja?«

»Wir müssen miteinander reden.« Laura spürte ihr Herz bis zum Hals herauf schlagen.

»Du hast also doch was auf dem Herzen«, antwortete der Chefchirurg der Bergklinik.

»Ich hab' die ganze Zeit in Erlangen immer wieder an unsere letzte Unterredung gedacht«, erwiderte Laura. »Meinst du nicht, wir müßten darüber reden?«

»Um was ging's denn bei unserer letzten Unterredung?« fragte Stolzenbach, während er die Drinks mit Eis servierte.

Laura starrte ihn entgeistert an. Das gab's doch gar nicht! Clemens tat so, als wisse er nicht, was sie berührte? Sie verstand die Welt nicht mehr.

»Du weißt nicht mehr, worüber wir uns unterhalten haben?« Lauras Stimme klang dabei derart vorwurfsvoll, daß Clemens sie erstaunt ansah.

Er schüttelte den Kopf. »Nein, ich weiß momentan nicht, was du meinst.«

»Deine Aussprache mit Monika«, erwiderte Laura daraufhin. »Du hast mir erzählt, was sie dir alles gestanden hat, und daß sie dich gebeten hat, die Nacht bei ihr zu bleiben.«

Clemens Stolzenbach sah Laura offen an und sagte: »Ja und? Was ist daran dramatisch?«

»Hast du ihren Wunsch erfüllt und mit ihr geschlafen?« Laura spürte, wie ihr Gesicht langsam rot wurde. »Du hast mir erzählt, daß sie dich darum gebeten hat. Du solltest mit ihr schlafen. Das eine Mal noch.!«

»Das habe ich dir erzählt?« Stolzenbach schüttelte den Kopf. »Daran erinnere ich mich gar nicht. Es erstaunt mich, daß ich dir davon erzählt habe.«

Laura spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. »Clemens, bitte.!«

Er sah sie kurz an und beschäftigte sich dann wieder mit seinem Orangendrink.

»Was erwartest du von mir?« fragte er. »Soll ich dir jede Einzelheit meiner Unterhaltung mit Monika schildern? Was möchtest du besonders gewürdigt wissen?«

»Was ist nur mit dir los?« Laura hatte Tränen in den Augen. Clemens, der sonst immer so ausgeglichen war, und immer sehr respektvoll mit ihr umgegangen war, hatte sie noch nie derart herablassend behandelt. War in der Zwischenzeit etwas passiert, wovon sie keine Ahnung hatte?

»Wie kannst du mich nur fragen«, erwiderte er, »ob ich mit Monika geschlafen habe? Ich dachte, das Thema hätten wir beim letzten Mal abgehandelt. Ich hab' dir von meiner Unterredung mit Monika erzählt, habe aber nicht damit gerechnet, daß du daraus ein Tribunal machen würdest.«

»Aber Clemens.« Laura begann zu weinen. »Du hast mir doch selbst gesagt, daß Monika dich gebeten hat.!«

»Ja und?« Stolzenbach war zornig, das sah man ihm deutlich an. »Springst du ins Wasser, wenn es dir einer sagt? Wenn deine Fragen dein Verhalten beschreiben, dann muß ich mir ernsthaft Sorgen um das machen, was man Treue nennt. Wenn du es für möglich hältst, daß ich mal so eben mit einer Frau schlafe, nur weil sie mich darum gebeten hat, was soll ich dann von dir denken? Du wirst von deinen Kommilitonen doch bestimmt jeden Tag angemacht. Oder einer der Assistenten? Wenn da einer sagt, Frau Lorenzen, wie wäre es, was tust du dann?«

Laura verstand nicht, wie die Unterhaltung eine derartige Wendung hatte nehmen können.

»Wenn ich dich jedesmal, wenn du zu mir kommst, fragen würde, hast du mit dem oder mit dem irgendwas angefangen?« Clemens Stolzenbach ging in der Bibliothek auf und ab, blieb schließlich am Fenster stehen und sah hinaus. Dann drehte er sich um und sah Laura geradewegs an. »Würde dich das freuen? Zu Recht würdest du zumindest an meinem Vertrauen zweifeln dürfen.«

»Aber Clemens.!«

»Ich möchte nicht mehr darüber reden.«

In der Tat hatte Clemens Stolzenbach in diesem Ton und dieser Ausschließlichkeit noch nie mit Laura geredet. Sie war gewohnt, daß er verständnisvoll und zärtlich war, heute war von beidem nicht viel zu spüren gewesen, jedenfalls nicht, seitdem Laura gesagt hatte, daß sie miteinander reden müßten.

Laura hatte schon ein ganz schlechtes Gewissen deswegen und wollte gerade auf Clemens zugehen, um sich an ihn anzulehnen, als er auf die Uhr sah und sein halbvolles Glas auf den Tisch stellte.

»Ich fahre noch mal in die Bergklinik«, sagte er im Hinausgehen, »du mußt beim Zubettgehen nicht auf mich warten.!«

*

Professor Clemens Stolzenbach hatte in der zurückliegenden Woche mehrere sehr schwere Fälle auf den OP-Tisch bekommen, aber am meisten Sorgen machte ihm der alte Lois. Der lebte als Kräuter-Sammler auf der Predigtstuhl-Alm und war vor wenigen Wochen in der Bergklinik von ihm selbst und einem auch aus anderen Kliniken zur Unterstützung herbeigeholten Team an der Aortenklappe operiert worden.

Nachdem die Genesung des Alten anfangs allerbestens fortgeschritten war, gab es in den letzten Tagen Probleme. Lois' Differentialblutbild zeigte plötzlich ein paar nicht erklärbare Abweichungen, und darüber machte Clemens Stolzenbach sich mehr Gedanken, als um alles andere zusammen.

Der Chefchirurg der Bergklinik mochte den alten, ein wenig kauzig wirkenden Kräutersammler nämlich sehr. Daß der gleichzeitig der Großvater seiner ehemaligen Freundin Monika war, spielte dabei keine Rolle.

Stolzenbach fuhr an jenem Abend tatsächlich zurück in die Bergklinik, um die neuesten Laborwerte des Alten selbst in Augenschein zu nehmen, und wieder gefielen ihm einige Werte nicht, es waren außerdem Hinweise auf eine Infektion zu erkennen, was Clemens Stolzenbach in Alarmstimmung versetzte.

Er telefonierte, um mit Vinzenz Trautner, dem Chef der Bergklinik, zu reden, denn der und der Lois waren Freunde seit ihrer Jugend, und Trautner besuchte den alten Lois jede Woche mindestens einmal auf seiner Alm.

Dr. Trautner war bereits in seinem Privatbungalow hinten im Park.

»Herr Kollege«, sagte er, als man das Gespräch zu ihm durchgestellt hatte, »womit kann ich Ihnen dienen?«

»Ich würde gern mit Ihnen über den Lois reden«, antwortete Stolzenbach.

»Wieso«, erwiderte Dr. Trautner. »Was ist mit ihm?«

»Genau darüber würd' ich gern mit Ihnen reden«, sagte Stolzenbach, worauf Vinzenz Trautner ihn zu sich einlud.

»Kommen Sie herüber zu mir«, sagte er, »wir können ein Flascherl Wein trinken und uns ein bissel unterhalten. Dabei können Sie mir dann auch sagen, was mit dem Lois ist.«

Der Chef der Bergklinik sah seinem...

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