Eiskalte Fährte

Ein Hundekrimi
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 229 Seiten
 
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E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-277-1 (ISBN)
 
Eine Stadt im Jagdfieber: Der spannungsgeladene Hundekrimi "Eiskalte Fährte" von Christine Lehmann jetzt als eBook bei dotbooks. In ausweglosen Situationen werden die zu Helden, denen man es am wenigsten zugetraut hätte ... Eine Stadt in Angst: In Kynopolis schlägt ein heimtückischer Giftmörder zu, der Jagd auf Vierbeiner macht - aber auch vor Menschen nicht zurückschreckt. Die junge Hunde-Dame Füchschen, die gerade erst von einer Bilderbuchfamilie aus dem Tierheim gerettet wurde, hofft inständig, in Sicherheit zu sein. Aber dann taucht der Streuner Gris auf, den Füchschen aus dem Zwinger kennt. Und sie weiß: Wo er auftaucht, wird es gefährlich! Gibt es gar einen Zusammenhang mit dem Mörder? Füchschen beginnt, ihre Spürnase unter Beweis zu stellen. Aber bringt sie sich damit in tödliche Gefahr? Spannend wie der Bestseller FELIDAE, mitreißend wie die Erfolgsserie von Spencer Quinn: Ein einmaliges Erlebnis für Krimifreunde und Hundeliebhaber - hier geben die Spürnasen den Ton an! Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Eiskalte Fährte - Ein Hundekrimi" von Erfolgsautorin Christine Lehmann. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 1,14 MB
978-3-96148-277-1 (9783961482771)
Christine Lehmann, geboren 1958 in Genf, wuchs in Stuttgart auf. Heute pendelt sie zwischen ihrer Heimatstadt und Wangen im Allgäu. Christine Lehmann ist Nachrichtenredakteurin beim SWR und schreibt seit vielen Jahren erfolgreich in den verschiedensten Genres - von Krimis und historischen Romanen über Jugendbücher bis zu romantischen Liebesgeschichten. Außerdem arbeitet Sie an verschiedenen Sachbüchern und Hörspielen. Mehr Informationen über Christine Lehmann finden sich auf ihrer Website: www.christine-lehmann.blogspot.de Von Christine Lehmann erscheinen bei dotbooks ebenfalls die Romane "Der Winterwanderer", "Die Liebesträumerin", "Die Strandträumerin", "Die Liebesdiebin", "Der Bernsteinfischer" und "Die Rache Engel". Unter Ihrem Pseudonym Madeleine Harstall erscheinen bei dotbooks "Die Töchter der Heidevilla" "Die Brückenbauerin"

1


Wenn sie kamen, merkte ich das, lange bevor sie an meiner Tür schnüffelten. Die Plattnase am Eingang fing an zu heulen, das Pseudoäffchen im Zwinger neben ihm quietschte, der Rattenfänger jaulte auf. Das Geschrei setzte sich fort bis zu mir. Jeder von uns verhielt sich so, wie er glaubte, daß er am besten die Aufmerksamkeit der Besichtiger auf sich lenken konnte. Plattnase maunzte mit faltigem Gesicht, legte die Ohren an und wackelte mit seinem stumpfen Hintern, jede Faser demütige Erregung. Das kleine aprikosenfarbige Äffchen hüpfte und sprang wie ein Ball, schüttelte die langen Ohren und kreischte. Still stand neben ihr in seinem Zwinger der alte, hüftlahme Schäfer, schlug mit dem Schweif und verfolgte mit geblähten Nüstern und scharfem Blick die Hochnasen, die an seiner Tür vorbeigingen. Die beiden flauschigen Welpen beneidete ich um ihre Unbefangenheit. Sie bettelten. Sie kugelten sich vor Freude und leckten alles, was durch den Maschendraht langte. Andere trappelten aufgeregt hin und her oder schmiegten sich an den Zaun, in der Hoffnung gestreichelt zu werden. Struppi warf sich tobend gegen den Draht. Die Langhaarige riß den schmalen Kopf in den Nacken und heulte. Sie war eine Beißerin, aber so schön, daß manche Besichtiger lange vor ihrem Zwinger verweilten. Stummelbein kläffte rauh. Nur meinem Nachbarn, dem Wilden, war der Rummel gleichgültig. Er blieb zusammengerollt in der hintersten Ecke seiner Kammer liegen und hob nicht einmal den Kopf.

Und ich? Es ist mir peinlich, es zuzugeben. Beim ersten Mal, ich war gerade erst eingeliefert worden und voller Zorn und Bitterkeit, bellte ich, was meine Lunge hergab. Erst nach einer Weile begriff ich, daß wir nicht lärmten, um die Eindringlinge, die an unseren Zellen vorbeischnüffelten, zu vertreiben. Nein, es war ein wütendes und verzweifeltes allgemeines Betteln und Winseln. Und jedesmal, wenn die Abholer kamen, ergriff mich dieselbe beschämende Erregung. Ich konnte nicht liegen bleiben wie der Wilde neben mir. Das Getöse spülte über mich hinweg, und ich tobte mit.

Dabei fürchtete ich mich vor den fremden Hochnasen. Zwar war auch das Heim mit seinen engen Zellen kein Ort, an dem ich freiwillig geblieben wäre. Aber diese Fremden, diese skeptischen Besichtiger, diese strengen, anspruchsvollen Abholer, von denen so viele nach Unverstand, nach klebriger Tierliebe, nach Herrschsucht, Leinen, Maulkörben, Prügel oder nach flüchtiger Begeisterung, nach Besitzgier, Gefängnis und Vereinnahmung stanken, waren mir nicht geheuer.

Ich wartete auf meine alte Dame. Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Wohnung im dritten Stock. Am Teppich meiner Dame habe ich meine Zähne ausprobiert. Jeden Tag ging sie mit mir stundenlang in den Wald. Pünktlich servierte sie mir mein Futter. Und abends schmusten wir auf dem Sofa. Sie hatte mir versprochen, mich niemals zu verlassen. Aber sie hatte es nicht gehalten. Zuerst legte sie sich tagelang ins Bett, dann verschwand sie, und ihre Tochter kam, um mich rauszuschaffen und zu füttern. Dann brachten sie mich hierher ins Heim. Sie gehörten zu den Verächtern.

Unter den Hochnasen gibt es so viele verschiedene Sorten wie unter uns Nasen. Sie lassen sich nicht nur in Halter und Verächter einteilen. Unter den Verächtern gibt es Hasser, Schläger, aber auch Gleichgültige und Ängstliche. Und auch die Halter sind verschieden. Am schlimmsten sind die Unverständigen. Sie werden euch immer dann streicheln, wenn ihr es nicht wollt, nie verstehen, was euch interessiert, euch vom schönsten Dreck fortreißen, mit Schokolade füttern und parfümieren. Sie werden euch auf den Arm nehmen, wenn ihr einem anderen Anuben guten Tag sagen wollt. Und sie werden euch mit ihrer Liebe an allem Wesentlichen hindern. Die Herrscher werden von euch bedingungslosen Gehorsam fordern und euren Gehorsam immer dann verlangen, wenn gerade ein guter Duft euer Interesse fordert. Ihr werdet euch euer Leben lang überwinden und selbstverleugnen müssen. Dagegen ist es ein Glück, einem Gleichgültigen zu gehören. Er läßt euch laufen. Ihr könnt streunen. Dafür könnt ihr nie sicher sein, daß ihr regelmäßig zu fressen kriegt. Zuweilen ist die Haustür den ganzen Tag verschlossen und alles Betteln vergeblich. Niemand hört euch. Ihr werdet nicht gebürstet und nicht zum Tierarzt geschafft. Schön, denkt jetzt vielleicht so mancher von euch: Der Tierarzt ist die schlimmste Variante der Hochnasen. Aber wenn ihr Husten habt oder einen verkorksten Magen, werdet ihr schnell begreifen, daß der Tierarzt eine Notwendigkeit ist. Und wenn euch erst der Speichel aus den Lefzen fließt und eure Pfoten euch nicht mehr gehorchen, dann wißt ihr, was eine Tollwutimpfung wert ist. Vor den Schlägern müßt ihr davonlaufen. Ich weiß, daß das nicht so einfach ist. Niemand von uns kann sich seinen Halter aussuchen. Und wenn er euch erst einmal hat, dann müßt ihr ihm treu sein. Die meisten von uns haben so viel Angst, ihre Futtergeber zu verlieren, daß sie selbst dann bei ihnen bleiben, wenn sie gedrillt werden, wenn man ihnen an den Ohren zieht, sie tritt, an den Pfoten durch die Luft wirbelt, ins Wasser wirft, sie anbrüllt, ihnen mit der Leine eins überzieht, auch wenn sie sich längst auf den Rücken geworfen haben.

Ich versuchte, den beiden Welpen beizubringen, daß sie sich nicht allen Abholern anbiedern durften. Sie sollten erst einmal in Ruhe schnüffeln, was sie wert waren. Aber die Welpen lachten nur und hängten sich in mein Fell. Ich warnte sie: »Die Hochnasen holen euch nicht beide. Ihr werdet getrennt.« Aber die Bälger japsten nur übermütig und verbissen sich in meine Rute. »Was macht das schon? Es wird bestimmt lustig werden.« O unschuldige Jugend, für euch erzähle ich meine Geschichte.

Das Heim hatte etwa dreißig Zwinger. Manche Zellen waren doppelt belegt. Die Zwinger umschlossen eine kleine Wiese. Die meisten von uns wurden vormittags nach dem Füttern auf die Wiese gelassen. Nur die Beißer blieben in ihren Zellen. Es gab keine Möglichkeit zu entkommen. Ein zweifacher Zaun ging um das Gelände. Das Tor, durch das die Heimleiterin und die Besichtiger kamen, war doppelt ausgelegt. Zu den Häusern und Stuben jenseits der Zäune kamen wir nie. Auch nie in den Wald auf der anderen Seite, aus dem der Duft nach Wild und anderen Köstlichkeiten in den Zwinger wehte.

Am Anfang war ich so blöd wie alle, die hierherkommen und bis dahin behütet bei ihren Damen, Riesen oder Familien gelebt hatten. Ich dachte, wir seien alle Freunde. Erst als ich nur knapp den Zähnen der großen, langhaarigen Beißerin entgangen war, begriff ich, daß wir bestenfalls Leidensgenossen, eigentlich aber Konkurrenten waren. Jeder war auf den eigenen Vorteil bedacht. Die täglichen Besichtigungstouren der Abholer schafften einen Wettbewerb um die Gunst der Hochnasen, der unser Leben vollständig beherrschte. Wenn die Heimleiterin kam, galt es, ihre Hände für sich zu gewinnen. Denn ihr Wohlwollen konnte die Entscheidungen der Abholer beeinflussen. Und obwohl ich, wie schon gesagt, keinen besonderen Wert darauf legte, von irgendwem abgeholt zu werden, drängelte ich genauso wie alle anderen um die Beine der Leiterin, sprang an ihr hoch, wedelte sie an, quietschte herum, schubste andere weg, die ebenfalls um ihre Gnade warben. In einer solchen Situation der persönlichen Ungewißheit beherrscht uns gewissermaßen das Anubische in einem viel größeren Maß, als wenn die Verhältnisse klar sind. Die Leiterin war die einzige Konstante in unserem Leben. Und darum fühlten wir uns alle von ihr abhängig.

Aber schlimmer noch als dieses Gedrängel und die unwillkürliche Erregung, in die wir uns mehrmals täglich im Werben um die Hochnasen versetzten, war für mich die Zelle. Ein Geviert aus Beton, glatt und versifft, darin ein hölzerner Unterschlupf, in dem der geballte Gestank von Fell, Violensekret, Stroh und Mißmut wucherte. Das erste, was mein Nachbar, der Wilde, nach meiner Einlieferung tat, war, daß er das Bein hob und -durch den Maschendraht in meine Zelle pinkelte. Er blickte mich mit seinen gelben Augen an und grinste. Auf der anderen Seite, die mit einem vollgeschifften Brett verschalt war, knurrte eine Gefleckte, die sich offenbar an die alte Regel hielt, wonach Fähen einander immer hassen. Ich konnte sie nicht sehen, aber ihr Geifer quoll förmlich durch alle Ritzen. Der einzige Platz, der mir anfangs einigermaßen sicher schien, war der an der Zwingertür, durch die nachts ein kalter Wind blies. Die ersten Tage verbrachte ich dort. Das Futter schlang ich in meiner Angst vor den Nachbarn so schnell herunter, daß ich es mehrmals auskotzen und neu schlingen mußte.

Ich bin nicht besonders mutig, das gebe ich zu. An die Gefleckte traute ich mich nie heran. Sie wurde zum Glück auch nie mit uns auf den Hof gelassen. Aber den Wilden, der seinen Freigang stets damit zubrachte, die Zäune nach Lücken abzusuchen, stellte ich eines Tages zur Rede. Das heißt, ich versuchte es. Er war ein struppiger Graubart, nicht viel größer als ich, aber drahtig und von einer Wolke rüder Verachtung umgeben, die es einer guterzogenen Fähe wie mir schwermachte, sich ihm zu nähern. Ich stellte mich ihm dennoch in den Weg und sagte um eine Nuance zu aufgeregt: »Würde es dir etwas ausmachen, nicht immer in meinen Zwinger zu pinkeln?«

Der Wilde hob den Schädel und schaute mich mit seinen gelblichen Augen an. Ich blinzelte sofort beiseite, um ihm keinen Anlaß zum Angriff zu bieten.

»Ja«, sagte er.

»Aber mir macht es auch etwas aus«, sagte ich schrill.

Er hob die Nase nicht vom Boden und grunzte: »Reg dich nicht auf, du wirst sowieso bald geholt, du hübsches Füchschen. Wie heißt du?«

Mini.«

Er grinste. »So hat dich deine Dame gerufen, was? Hast nicht mal einen Anubennamen, Füchschen.«

»Und wie heißt...

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