Mit schwarzen Flügeln

Non Serviam
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Februar 2020
  • |
  • 407 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7502-2408-7 (ISBN)
 
Hochmut kommt vor dem Fall. Wer wüsste das besser, als der einst strahlende Engelsfürst Luzifer Morgenstern? Als Günstling Gottes genießt der Seraph im Himmel Ruhm und Ehre, wenngleich seine Privilegien zweischneidige Schwerter sind. Doch mit der Erschaffung des Menschen beschreitet er einen verlustreichen Weg, der ihn bis in die tiefste Hölle führt. Wer in die Finsternis fällt, muss lernen, wieder zum Licht aufzusteigen. Und Luzifer wäre nicht er selbst, wenn er dies nicht im großen Stil täte.
  • Deutsch
  • 0,72 MB
978-3-7502-2408-7 (9783750224087)
Geboren und aufgewachsen im kleinen Wurzen/Sachsen, verschlug es die Legion als (mehr oder weniger freie) Künstlerin nach Leipzig. Gegen alle Widerstände beschäftigt sie sich mit Schreiben, Zeichnen, Fotografie und dem Nähen von Stoffdrachen. Ihr Interesse gilt Mythen, Legenden, Sagen und Märchen aller Art. Sie mag Monster, Geister, Lichtwesen und Dämonen, sowie Tiere mit Fell, Federn und Schuppen.

1



Wieder diese Vision. Lästig.

Die tief ins Hirn eingepflanzte Erinnerung an eine Zeit vor der Zeit, im Moment der Entstehung, vom blanken Nichts zum Sein.

Als wenn Gott es bitter nötig hätte, ihn jedes Mal, wenn er die Augen schloss, mit der Nase darauf zu stoßen, wie alles seinen Anfang nahm. Er wusste es doch am besten.

Der Beginn der gesamten Schöpfungsgeschichte, allen vor­an mit der Erschaffung der ersten Engel, schlicht Erzengel ge­nannt. Mit ihm an der Spitze folgten noch sieben weitere aus dem Sternenfeuer der verschiedensten Himmelskörper und ihre Aufgabe war es gewesen, all die übrigen, niederen Engel zu beseelen.

Oh, und natürlich Gott zu dienen.

Verständlich, denn was sollten die Engel auch sonst ande­res tun? Die Rolle der Geflügelten war klar definiert, keiner stellte sie infrage. Also wieso immer dieser Wink mit dem Zaunpfahl?

Die Botschaft sagte stets aus: "Sieh, was du mir verdankst und sei mir auf ewig treu. Denn so, wie ich dich geformt habe, so schnell kann ich dich auch vernichten."

Unterschwellig könnte er das als Drohung auffassen.

Das Dumme dabei war, dass er wirklich mehr als jeder an­dere Engel bei Gott in der Kreide stand. Gott verdankte er sei­nen glorreichen Ruhm, seinen hochrangigen Titel, seine un­gewöhnliche Macht und seinen außergewöhnlichen Charme, der jeden anderen - obgleich alle Engel davor sprühten - an die Wand spielte. Kein Zweiter konnte sich mit ihm messen und so war er für den Großteil der Hierarchie unantastbar. Ei­gentlich hätte ihm - laut Gott - jeder Geflügelte Respekt zol­len müssen.

Doch war es nicht verwunderlich, dass eben einige seiner fast gleichgestellten Kollegen ihm den Sonderstand übel nah­men? Gegen kleingeistige Missgunst war er nicht gefeit.

Aber sonst war er Engelsfürst Luzifel Morgenstern, oberste Befehlsgewalt der Weißen Garde, rechte Hand Gottes, Seraph, Ratsmitglied und goldene Eminenz der weißen Stadt Azilut im siebten Himmel Araboth.

Was beneideten ihn die gewöhnlichen Engel der untersten Triade um diesen ansehnlichen Ruf?

Allerdings kam in ihm häufiger der Wunsch auf, er wäre weniger wert. Denn dann würde ihm so manches kleine Ge­heimnis, das Gott ihm anvertraute, oder was mit seiner Positi­on einherging, schlicht unbekannt sein. Unwissenheit war doch gar nicht schlimm. Jedenfalls hätte er sie schon gern ge­gen die Last auf seinen Schultern eingetauscht.

Seufzend öffnete er die blauen Augen.

Die Pflicht seines Lebens konnte er ja nicht aussperren, nur weil er beschlossen hatte, liegen zu bleiben und zu dösen. Richtiger Schlaf war für einen Engel sowieso ein Unding.

Gott hatte es ja eingerichtet, dass ihre geflügelte Diener­schaft keine Erholung brauchte. Wozu auch, wenn die Sonne im Himmel nie unterging? Immer fleißig, immer emsig be­müht, der holden Gottheit zu Diensten. Springen, wenn man springen soll und - selbst wenn es in einen piesackenden Na­delhaufen geht - sollte der Engel stets lieb dabei lächeln und kein Widerwort verlieren.

Auf, auf! Frisch ans Werk!

Zu den Teufeln mit der verdammten Motivation. Er kam nicht auf die Beine. Starrte frustriert von der weichen, weiß betuchten Liege auf zur weißen, mit Gold verzierten Stuckde­cke.

Sein großzügiges Anwesen in Azilut war eine weitere Ker­be in Gottes Anschlagtafel. Der letzte Rückzugsort von all den Dingen, die sein Gemüt so schwer machten, war auch nichts anderes als ein Mahnmal dafür, dass er - Herr Unantastbar-Überflieger - ein Knecht war. Vom ersten Tag der Existenz an bis in die Äonen der Ewigkeit.

Runde um Runde ...

Mutlos und gelangweilt von seinem goldenen Käfigleben, atmete er tief durch und fragte sich nicht zum ersten Mal, was wohl wäre, wenn er seinen Kopf gegen den weißen Marmor­boden schlüge ...

Wie ist das Sterben?

Es wäre zumindest eine Abwechslung.

Und Gott könnte ihm dann auch nichts mehr anhaben, denn das Reich der Toten entzog sich ihrer doch sonst so allge­genwärtigen Macht.

Er musste grinsen. Lachte gar verzweifelt.

Wartete irgendwo ein spannenderes Abenteuer? Dort, wo sein Geist ursprünglich herkam? Dass Gott seine Seele ge­formt hatte, bezweifelte er stark. Weit fern von dieser Welt war sein Herz, sein Denken, sein Wille entstanden und vielleicht konnte er durch einen Tod in der jetzigen Realität dieser ent­fliehen.

Neu anfangen. Ein anderer sein.

Je länger er darüber nachdachte, desto verlockender wurde die Vorstellung. Es gab mehr als diese schäbige Kulisse von Gottes Werk. Viel, viel mehr ...

"Mein Fürst!"

Ich bin nicht da, ich bin nicht da, ich bin nicht da ...

Aber das Klopfen an der goldenen Zimmertür nervte.

Schwerfällig schaffte er es, einen Fuß auf den weißen Par­kettboden zu setzen. Das zweite Bein wollte sich nicht bewe­gen. Dagegen wurde das Hämmern an der Tür fortwährend dringender.

Dem Störenfried rief er lustlos zu: "Du kannst reinkom­men, die Tür ist offen."

"Oh", kam es peinlich berührt von der anderen Seite. Die glänzende Klinke wurde gedrückt und ein Engel betrat seinen geliebt-verdammten Privatraum. Wer auch sonst?

Hier stand nun also einer dieser niederen Engel, die ihn ja so umschwärmten. Samael war von einem sorgsam behüteten Hain aus nicht zur militärischen Garde gegangen, nein. Statt­dessen hatte er seine intellektuellen Fähigkeiten genutzt, um jetzt als sein persönlicher Sekretär und höriger Laufbursche herzuhalten. Und diese Aufgabe erledigte der Blondschopf strebsamer als gefordert.

Suchte Luzifel ein wichtiges Dokument, war Samael sofort zu Stelle und hatte bereits den Stift zur Unterzeichnung parat. Stand in seinem Terminkalender ein wichtiges - oder auch ba­nales - Ereignis, tat Samael alles, damit er diesen Zeitpunkt auch einhielt. Gab es gesellschaftliche oder berufliche Neuig­keiten, flitzte Samael sofort los, um ihn genaustens zu unter­richten.

Der Bursche war scheinbar das Musterbeispiel eines loya­len Idioten. So auch die anderen Geflügelten. Umso mehr fühlte sich da ein eigenständig denkender Geist haushoch ver­lacht. Ein gutes Leben hatten nur diejenigen, die sich fügten.

Eigentlich konnte er Samael nichts vorwerfen - außer, dass sein Arbeitseifer Luzifel noch mehr in der Falle sitzen ließ.

Freiheit. Einfach mal einen Augenblick nur das machen, wonach ihm selbst der Sinn stand. Tun, was er selbst tun woll­te, und dazu zählte auch mal faul sein ...

Ist wohl zu viel verlangt.

"Mein Fürst, es gibt -"

Luzifel hob die Hand, um ihn zu unterbrechen. Doch statt etwas zu sagen, atmete er erneut auf der Liege tief durch, fuhr mit den schlanken Fingern durch sein welliges Haar und schloss die Lider. Genoss die Stille, bevor ein Sturm es wagte, loszubrechen.

"Ähm ... Geht es Euch nicht gut, Herr?", fragte Samael schließlich leise mit winselndem Blick.

"Wenn gut gehen bedeutet, dass ich fröhlich aufjauchzen soll, nur weil du hier bist, um mir zu sagen, dass ich mal wie­der auf Gottes Befehl hin die Drecksarbeit machen darf, dann geht es mir Tatsache nicht gut, kleiner Malach.

Wie nannte Michael mein Denken doch kürzlich?"

Als wenn das eine Frage wäre. Er wusste, was hinter sei­nem Rücken gewitzelt wurde ...

"Sch-Schwermütig?", stammelte der Engel zögerlich. "Ich glaube nicht, dass Euer Bruder es böse gemeint hat, mein Fürst."

"Und dennoch hat er recht. Heute kannst du mich verges­sen, Sam. Also sag mir, dass du bloß gekommen bist, um zu berichten, dass die Weiße Garde einwandfrei marschiert und ich in nächster Zeit keinen weiteren Fuß nach draußen setzen muss."

"Ich ... Bedaure Herr, so ist es leider nicht."

Luzifel seufzte und fragte, nach kurzem, bedächtigem Schweigen und ohne eine Miene zu verziehen, ernster: "Nun, was verdirbt mir meine ohnehin schlechte Laune?

Und wen muss ich töten, um sie zu bessern?"

"Im Hades wurde eine Gruppe Dämonen von unseren Spä­hern gesichtet. Sie sind auf den Weg zum Höllentor. Der Hohe Rat lässt nach Euch schicken, um mit der Garde loszuziehen, die Dämonen zu vernichten, bevor sie das Höllenreich betreten und Satan -"

"Hab keine Lust, lass sie weiterziehen", wand er sich sa­lopp raus.

Tja ja, die Dämonen. Von Gott verstoßene Kreaturen, die eine dritte, unbekannte Welt bevölkerten. Nach Himmel und Hades war da die Ebene Gehenna, die ihnen eine Zuflucht bot und dort herrschte ein Großdämon namens Satan.

Es war zig Zeitrechnungen her, dass Satan und seine Man­nen Gott und die Engel zum Kampf herausforderten. Es kam zu einem Großen Krieg, dessen Auswirkungen bis heute an­halten. Luzifel selbst war es damals gewesen, der Satan schlug und die verhassten Dämonen zum Rückzug zwang. Seitdem gab es nie wieder eine ernstzunehmende Herausforderung für ihn.

Dieser friedlichen Tage wurde er nur noch losgeschickt, um vereinzelte Gruppen anzugreifen, die durch den Hades wanderten, um nach Gehenna zu kommen.

Wie es dort unten aussehen mag? Muss trostlos sein, wenn die Dämonen von da so oft ins gefährliche Grenzland gehen. Ansonsten würde ihn auch interessieren, was seine ewigen Feinde dazu veranlasste, einen noch trostloseren Ort wie den Himmel erobern zu wollen. Vielleicht sollte er einen der armseligen Teufel fragen, ehe er ihm den hässlichen Kopf ab­schlug ...

"Mein Fürst, wollt Ihr Euch etwa dem Befehl des Hohen Rates widersetzen?", fragte der...

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