Monsieur Blake und der Zauber der Liebe

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Juli 2014
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-13078-7 (ISBN)
 
Andrew Blake, erfolgreicher Geschäftsmann aus London, hat den Tod seiner geliebten Frau Diane nicht überwunden. Er braucht dringend eine Veränderung. Und so lässt er sein altes Leben hinter sich und nimmt in einem Herrenhaus in Frankreich inkognito eine Stelle als Butler an. Dort arbeiten mit ihm: die feldwebelhafte Köchin Odile, der exzentrische Gärtner Phillipe und das junge Hausmädchen Manon. Bald schon bringt Andrew die entfremdeten Bewohner des Hauses durch seine weise, humorvolle Art einander näher. Und wer weiß, vielleicht erlebt auch er selbst noch einmal den Zauber der Liebe?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 1,33 MB
978-3-641-13078-7 (9783641130787)
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4

Jedes Mal, wenn Andrew Blake das Browning, ein Restaurant in Saint James, betrat, empfand er die seltene Genugtuung, sich an einem Ort zu befinden, der sich seit seiner Jugend nicht verändert hatte. Dieselben dicken Türen, durchbrochen von kleinen Butzenscheiben mit Randschliff, dieselben blankpolierten Kupferläufe, die höfliche Verbeugung des Oberkellners – Terrence, schon seit acht Jahren da – und dasselbe von rubinrotem Samt und Holzvertäfelung geprägte Ambiente. Hier pflegte Andrew zweimal im Monat mit Richard Ward zu Mittag zu essen, heute aber hatte er um die Gesellschaft des Freundes gebeten, ohne die traditionellen zwei Wochen abzuwarten.

In einem Alter, in dem Männer ihre Gesprächspartner für gewöhnlich in mehr oder weniger selbstgefälligen und verschrobenen Clubs fanden, gönnte sich Andrew den Luxus einer alten Freundschaft, die schon seit der Schulzeit Bestand hatte.

Terrence begrüßte ihn mit einer leichten Verbeugung und verkündete: »Mister Ward ist bereits eingetroffen. Ich führe Sie zu Ihrem Tisch, Mister Blake.«

Dieses seltene Vorkommnis versetzte Andrew in mildes Erstaunen, während er dem Oberkellner folgte, der sich zwischen den bereits besetzten Tischen hindurchschlängelte. Es schien ihm, als wären die Gänge schmaler als früher. Oder hatte ihn das Alter unbeholfener gemacht?

Das Browning zeichnete sich durch eine Besonderheit aus: In seiner Mitte befand sich ein weitläufiger freier Raum, um den herum kleine Nischen angeordnet waren. In diesen konnten die Gäste in Ruhe speisen und waren dennoch nicht von der Atmosphäre abgeschnitten. In einer der Buchten wartete sein Freund.

Die beiden Männer umarmten sich zur Begrüßung.

»Und«, fragte Blake, »wie ist der Abend gelaufen?«

»Als ich auf dem Podium stand, kam ich mir vor, als würde ich eine Grabrede auf dich halten. War ein komisches Gefühl. Du hättest wirklich kommen sollen …«

»So, eine Grabrede? So bald würde ich nicht damit rechnen. Wenn es wahr ist, dass die Guten zuerst gehen, werde ich bestimmt bis zum Ende übrig bleiben.«

»Du bist ja heute wieder ein kleiner Sonnenschein«, kommentierte Ward, »aber ich freue mich trotzdem, dich zu sehen.«

Sie setzten sich.

»Wie geht es Melissa?«, fragte Blake, während er die Speisekarte aufschlug.

»Sie ist in New York mit einer Freundin, ich weiß nicht mehr, mit welcher. Die beiden klappern Galerien ab und hoffen, irgendwelche Kunstwerke aufzutreiben, mit denen sie ein Landhaus dekorieren können. Soll mir recht sein, solange es nicht unseres ist … Sie werden sowieso wieder nichts finden außer Schuhen. Und du? Warum habe ich das Vergnügen, dich schon heute wiederzusehen? Willst du mir etwa von einem Besuch beim Onkel Doktor erzählen, der dir die gleichen schlechten Neuigkeiten verkündet hat wie dem Rest von uns? Willkommen im Klub, Kumpel!«

Blake zeigte keine Reaktion. Ward neigte sich zu ihm vor und sagte mit einem süffisanten Lächeln: »Sag nicht, dass du beim Proktologen warst. Das wäre zu schön! Ich habe mit Sommers um eine Flasche Wein gewettet, dass es noch in diesem Jahr endlich so weit sein würde.«

Blake sah seinen Freund mit ernstem Blick an.

»Richard, ich habe mich entschieden.«

Ward brauchte einen Moment Zeit, um die Information zu verdauen.

»Hast du mit Sarah darüber gesprochen?«

»Meine Tochter ist 10 000 Kilometer weit weg, und der einzige Mann, der ihr etwas bedeutet, ist ihr angetrauter Ingenieur. Was bei mir los ist, interessiert sie nicht.«

»Und trotzdem hat sie sich eingehend nach dir erkundigt, als ich sie letzten Monat gesehen habe. Ich bin nur ihr Patenonkel, bekomme sie aber komischerweise öfter zu Gesicht als ihr eigener Vater …«

Blake wandte seine Augen ab und vertiefte sich wieder in die Speisekarte. Ward stimmte stillschweigend zu, das Thema zu wechseln.

»Mach dir keine Umstände«, sagte er leichthin, »ich habe schon für dich bestellt.«

»Wieso?«

»Weil du immer drei Stunden brauchst, bevor du dann doch das Gleiche nimmst wie ich. Ich habe mir gedacht, wir könnten das Ganze ein bisschen abkürzen.«

Andrew nahm es unbeeindruckt hin. Er sah wieder zu seinem Freund, mit spürbarer Unruhe.

»Hat alles geklappt, worum ich dich gebeten habe?«

Ward antwortete, die Stimme mit Absicht erhoben: »Es wird nicht leicht werden, dein Gesicht und deinen Körper so hinzukriegen, dass du Marylin ähnlich siehst. Selbst mit Brustimplantaten wirst du am Ende vermutlich eher so aussehen wie ihre Wachsfigur nach einem Brand …«

Einige Herren im Raum drehten sich nach ihnen um.

»Richard, ich meine es ernst.«

»Ich weiß. Das ist ja das Traurige. Natürlich hat es geklappt. Aber ich bin nach wie vor nicht überzeugt, dass es eine gute Idee ist. Ein bisschen Abstand zu deiner Arbeit tut dir bestimmt gut, aber nach Frankreich zurück …«

»Es ist mein Wunsch. Man könnte sogar sagen, es ist das Einzige, was mich noch ein wenig reizt.«

»Ja, gut, aber du könntest die Sache anders angehen. Denk noch mal darüber nach.«

»Du bist jetzt schon der Zweite, der mir sagt, ich solle nachdenken. Wollt ihr mir alle weismachen, dass ich senil werde?«

»Fahr zu Sarah, und bleib für den Rest des Sommers bei ihr. Sie hat sich dort wirklich nett eingerichtet. Und sie hat ein Gästezimmer.«

»Ich bin kein Gast.«

»Andrew, wie soll ich sagen … Wenn du nach Frankreich zurückgehst …«

Richard zögerte einen Moment, dann rang er sich durch: »Verzeih mir, wenn ich so offen bin, aber dass du dich in deinen Erinnerungen vergräbst, wird Diane auch nicht zurückbringen.«

»Das ist mir bewusst. Glaub mir. Jeden einzelnen Tag.«

»Warum willst du es dann?«

»Ich fühle mich hier fehl am Platz. Ständig stelle ich mir die Frage, warum ich überhaupt zur Arbeit gehe. Die ganze Zeit über grüble ich, bedauere dies und das. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mich jeden Abend vor dem Schlafengehen frage, wozu ich eigentlich noch am Leben bin.«

»Jeder von uns hat solche Phasen. Ab und zu muss man da eben durch – und dann geht es plötzlich wieder. Fang mit Golfspielen an. Besuch uns mal wieder. Melissa beklagt sich schon, dass sie dich kaum noch sieht. Sie hat ihre Leidenschaft für die italienische Küche entdeckt und wäre entzückt, wenn sie ein neues Versuchskaninchen hätte … Versuch auf andere Gedanken zu kommen, dann wird es schon wieder besser. Es ist ja nicht das erste Mal, dass du deprimiert bist.«

»Diesmal ist es anders.«

»Und nun? Alles, was dir einfällt, um deine Krise zu überwinden, ist diese versponnene Idee? Abgesehen davon, dass ich sie nicht gutheiße, bin ich nicht im Geringsten überrascht. Ich weiß noch, dass du schon nach dem Studium alles hinschmeißen wolltest. Erinnerst du dich noch? Du hast dir ein Segelboot gekauft, um dann festzustellen, dass du zur Seekrankheit neigst und dass sich das Ding doch nicht so einfach wie ein Tretboot fahren lässt. Seamaster – was für ein pompöser Name – liegt sicher immer noch auf dem Grund der Reede von Portsmouth, aus der du es nicht einmal hinausgeschafft hast.«

Bei der Erinnerung an das Desaster fing Richard an zu lachen, wurde aber sofort wieder ernst, als er in Blakes Gesicht sah.

»Was versprichst du dir eigentlich davon? Da, wo ich dir die Stelle organisiert habe, wissen sie nichts über dich. Ich habe dichtgehalten. Diese Leute nehmen das alles ernst.«

»Das ist mir klar.«

»Mein Lieber, ich mache mir Sorgen um dich. Du solltest ausgehen und dich unters Volk mischen, statt dich zu verstecken. Du bist in der glücklichen Lage, bei guter Gesundheit zu sein, in einem Alter, in dem viele andere Dauergast beim Arzt oder gar im Krankenhaus sind.«

»Du hast doch gar keine Ahnung, wie es mir wirklich geht.«

»Jetzt spiel mir mal nicht den Tattergreis. Ich darf dich daran erinnern, dass wir nur vier Monate auseinander sind.«

»Ja, aber du hast Melissa. Ich bin allein. Außer dir gibt es in meinem Leben niemanden mehr. Sarah ist weit weg und lebt ihr eigenes Leben. Ich bin nicht von Bedeutung, für niemanden.«

»Jetzt hör aber auf! Wie dem auch sei, dein Plan, nach Frankreich zurückzugehen, ist mehr als unausgegoren. Ich weiß nicht, womit ich das verdient habe, dass ich schon wieder in eines deiner Abenteuer hineingezogen werde. Wie wird die Sache diesmal ausgehen? Bei wem werde ich mich entschuldigen dürfen? Das war schon immer so, beim ersten Mal waren wir noch keine zwölf. Du hattest mich überredet, mit dir zusammen in einen Müllcontainer zu klettern, um die alte Mrs Morrison zu erschrecken.«

»Das war aber auch eine Hexe! Jemand musste etwas gegen sie unternehmen. Die alte Schreckschraube hat jeden...

»Betörend«
 
»Am Ende dieses Buches werden Sie sich wünschen, es hätte noch mehr Seiten, denn die Figuren sind so liebenswert, sie werden Ihnen ans Herz wachsen.«
 
"Monsieur Blake und der Zauber der Liebe ist ein charmantes Lesevergnügen mit viel Wärme und einer mitreißender Leichtigkeit."
 
"Eine humorvolle, lebendige, leichte Geschichte - eine ideale Wochenend- oder Urlaubslektüre."

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