Der Wald

Roman
 
 
Heyne Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. September 2011
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05729-9 (ISBN)
 
In diesen Wäldern lauert das Grauen

Eigentlich sollte es ein entspannter Campingausflug werden. Zwei Familien aus Los Angeles trampen durch die Wälder und erzählen sich am Lagerfeuer Gruselgeschichten. Bis eine dieser Geschichten Wirklichkeit wird und der Urlaub ein jähes Ende nimmt: Nach einem brutalen Überfall von Hinterwäldlern gelingt die Flucht - doch die Großstädter werden verflucht, und das Böse sucht sie auch in L.A. heim.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • Breite: 135 mm
  • 1,31 MB
978-3-641-05729-9 (9783641057299)
3641057299 (3641057299)
weitere Ausgaben werden ermittelt

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Meg taumelte ins Wohnzimmer. Ein Träger des Nachthemds war ihr über die Schulter gerutscht. »Meine Güte, Süße, wie spät ist es?«

»Mitten in der Nacht«, sagte Karen.

»Sag mal, nennst du das wirklich Urlaub?«

»Aber sicher.«

»Ja, das hab ich mir gedacht.« Sie warf sich in einen Sessel, hängte ein Bein über die gepolsterte Armlehne und streckte sich nach einem Päckchen Zigaretten. »Wann holt er dich ab?«

»Um halb sechs.«

»Wahnsinn. Soll ich dir einen Kaffee kochen?«

»Ich will nicht ständig pinkeln müssen.«

»Scheiße. Mit den ganzen Kindern im Auto müsst ihr sowieso alle fünf Minuten anhalten.« Sie zündete sich eine Zigarette an.

»Sie sind eigentlich keine Kinder mehr«, sagte Karen. »Julie ist sechzehn. Benny ist dreizehn oder vierzehn.«

»Noch schlimmer. Verdammt, du kannst dich auf was gefasst machen.«

»Sie sind in Ordnung.« Karen lehnte den Rucksack gegen das Sofa und stopfte ihren Schlafsack hinein.

»Und wer ist diese andere Familie?«

»Die Gordons. Ich hab sie auch noch nie gesehen.«

»Haben die auch Kinder?«

»Drei.«

»Du wirst dich bestimmt prächtig amüsieren. Hoffentlich hast du nicht vor, mit dem Typen ins Bett zu steigen.«

»Mal sehen.« Karen schnallte den Rucksack zu, trug ihn zur Haustür und lehnte ihn dort an die Wand.

»Das klingt nach einer Menge Spaß. Ich wünschte, ich könnte mitkommen.«

»Du warst eingeladen.«

»Hör bloß auf. Einen Campingausflug brauche ich ungefähr so dringend wie eine dritte Titte.«

Karen ließ sich aufs Sofa sinken und begann, ihre Wanderstiefel zu schnüren. Es waren abgenutzte und zerkratzte Schuhe von Pivetta. Sie hatten seit ihrer Magisterprüfung vor vier Jahren ungetragen hinten im Wandschrank gestanden, aber sie waren bequem und fühlten sich so vertraut an wie gute alte Freunde, die Geschichten von staubigen Serpentinen, dem kalten Wind der Bergpässe, einsamen Seen, eisigen Flüssen und dem Rauch der Lagerfeuer erzählten. Karen band die Schnürsenkel zu und schlug sich auf die nackten Knie. »Das wird klasse.«

»Du bist eine Masochistin«, sagte Meg, während sie ihre Zigarette ausdrückte.

»Du hast keine Ahnung, was du verpasst.«

»Doch, allerdings. Zeit fürs Bett.« Sie stemmte sich aus dem Sessel hoch, gähnte und dehnte sich. »Also, amüsier dich gut, falls du es schaffst.«

»Klar. Bis nächsten Sonntag.«

»Grüß mir die Streifenhörnchen.« Sie wackelte mit den Fingern, drehte sich um und ging hinaus.

Karen warf einen Blick auf die Armbanduhr. Fünf Uhr achtundzwanzig. Sie lehnte sich zurück und streckte die Beine aus. Ihre karierte Bluse stand am Bauch weit offen. Sie schloss den Knopf und überprüfte den Reißverschluss ihrer abgeschnittenen Cordhose. Alles in Ordnung. Sie gähnte. Vielleicht hätte sie Megs Angebot den Kaffee betreffend annehmen sollen. Sie atmete tief ein, und eine leichte, angenehme Müdigkeit breitete sich in ihrem Körper aus. Dann atmete sie mit geschlossenen Augen langsam aus.

Eine ganze Woche mit Scott in den Bergen. Kinder hin oder her, es würde herrlich werden. Sie würden Zeit finden, miteinander allein zu sein, wenn auch nur nachts. Es würde kalt sein, und sie würden sich aneinanderschmiegen, während der Wind gegen die Zeltwände blies .

Das Läuten der Klingel riss sie aus dem Schlaf. Sie sprang vom Sofa auf, eilte zur Tür und öffnete.

Scott stand unter der Verandalampe und lächelte sie durch das Fliegengitter an.

»Nimm deinen Wachturm und schieb ab.« Karen schloss die Tür. Als sie wieder aufmachte, hatte er sein Gesicht gegen das Gitter gepresst.

»Ich will dich vernaschen«, flüsterte er.

Einen Moment lang wirkte er wegen des zusammengepressten Gesichts wie ein Fremder. Karen spürte einen Kitzel der Angst. Dann trat er zurück und war wieder der freundlich lächelnde Scott. »Bist du startklar?«, fragte er.

»Ja.« Beim Öffnen des Fliegengitters beugte sie sich hinaus und warf einen Blick auf seinen Wagen in der Einfahrt. »Sind die Kinder da drin?«, fragte sie.

»Das war nicht einfach. Julie aus dem Bett zu holen, war der reinste Horror. Benny konnte es kaum erwarten loszufahren. Ich bin nicht sicher, ob er überhaupt geschlafen hat. Dann fiel ihm ein, dass wir unmöglich ohne seinen Feldstecher fahren konnten, aber wir wussten nicht, wo das verdammte Ding rumlag.«

»Habt ihr es noch gefunden?«

»Ja, aber deshalb sind wir so spät dran.«

»Ich verzeihe euch.«

»Danke.« Scott nahm sie in die Arme. Er roch nach Kaffee und Aftershave. Mit seinen Lippen auf ihrem Mund fühlte sie sich so geborgen, dass sie das Gefühl hatte, gleich wieder einzunicken. Bis seine Hände unter ihre Bluse drangen. Karen war hellwach, als sie an ihrem Rücken nach oben wanderten, durch die Achselhöhlen strichen und sich sanft über ihren Brüsten schlossen. Sie umkreisten sie. Sie streichelten sie. Ihre Brustwarzen versteiften sich unter der Berührung.

»Ich glaub, ich schicke die Kinder wieder nach Hause«, murmelte er.

»Mhmm. Ich hab dich vermisst.«

Er küsste sie noch einmal und umarmte sie fest. »Wir sollten lieber in die Gänge kommen. Hast du alles gepackt und so?«

»Alles bereit.«

Sie bückte sich, um ihren Rucksack aufzuheben. »Lass mich das machen«, sagte Scott. Während er den Rucksack nahm, ging Karen schnell zum Wohnzimmertisch, schnappte sich ihre Handtasche sowie den weichen Filzhut und folgte ihm dann zur Tür.

Die Morgenluft umschloss ihre nackten Arme und Beine und sickerte durch die Bluse wie kaltes Wasser. Schaudernd winkte sie dem Gesicht zu, das aus dem Heckfenster blickte. In dem blaugrauen Licht war es nur undeutlich zu erkennen, und sie hätte nicht sagen können, ob es Julie oder Benny war.

»Du kannst schon mal einsteigen«, sagte Scott.

Karen zuckte mit den Achseln. Sie wollte lieber warten und mit ihm zusammen einsteigen, deshalb folgte sie ihm zum Kofferraum. Dort stand sie mit hochgezogenen Schultern, verschränkten Armen und zusammengepressten Beinen und musste sich beherrschen, um nicht mit den Zähnen zu klappern.

Scott lächelte sie an, während er den Kofferraum aufschloss. »Die Heizung ist an.«

»Die frische Luft tut gut.«

Er lachte und legte ihren Rucksack auf die anderen. Dann schlug er die Klappe zu. »Hast du noch was vergessen?«

»Wahrscheinlich.«

Er lehnte sich entspannt gegen den Kofferraum und schien überhaupt nicht zu frieren. Allerdings trug er eine lange Hose und ein Flanellhemd. »Sonnenbrille?«, fragte er.

»Hab ich.«

»Jacke?«

»In meinem Rucksack. Ich wünschte, ich hätte sie an.«

»Lass uns fahren.«

Karen ging zur Beifahrerseite und ließ sich Zeit, bis Scott eingestiegen war, ehe sie die Tür öffnete. Sie beugte sich in den Wagen und lächelte über den Sitz nach hinten. »Morgen«, sagte sie.

»Hallo, hallo«, antwortete Benny und zwinkerte ihr dabei mit einem Auge zu. Er hob eine geschlossene Hand an den Mund, als hielte er ein Mikrofon. »Einen wunderschönen guten Morgen und danke, dass Sie unseren Sender eingeschaltet haben. Sie werden hören und staunen!«

»Hör auf, du Affe«, sagte Julie. Sie warf Karen ein kurzes, schmallippiges Lächeln zu und sah dann aus dem Fenster.

Karen stieg ein. Sie schlug die Tür zu. Die Heizung blies gegen ihre Beine. Sie seufzte und lehnte sich in der angenehmen Wärme zurück, während Scott rückwärts aus der Einfahrt fuhr.

»Was dagegen, wenn ich fahre?«, fragte Nick.

Sein Vater schlug die Heckklappe des Kombis zu. »Schaffst du es, nicht schneller als hundert zu fahren?«

»Wenn es dir egal ist, wann wir ankommen.«

»Unsere fahrplanmäßige Ankunftszeit ist vierzehn Uhr dreißig. Ich glaub, dazu müssen wir keinen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Aber wenn du müde wirst, sagst du mir Bescheid.«

»Klar.«

Sie stiegen ein. Nick ließ den Motor an.

Sein Vater drehte sich nach hinten. »Muss jemand noch schnell einen Boxenstopp machen?«

»Igitt«, sagte Heather auf dem Rücksitz.

»Fies«, stimmte Rose ihr zu.

»Ich glaub, wir sind alle bereit«, sagte ihre Mutter.

»Sonnenbrillen? Hüte? Tampons?«

»Dad!«, stießen die Zwillinge im Chor aus.

»Arnold!«

»In großen Höhen«, sagte er, ohne die Miene zu verziehen, »treten schon mal Blutungen auf.«

»Nasenbluten«, sagte Rose.

Heather kicherte.

»Was auch immer«, sagte ihr Vater. »Man kann nicht vorsichtig...

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