Die Jagd

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Dezember 2011
  • |
  • 528 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07862-1 (ISBN)
 
Jody ist ziemlich clever für eine Sechzehnjährige. Nur deshalb ist sie noch am Leben - bis jetzt. Sie war zu Besuch im Haus ihrer Freundin Evelyn, als eine Bande junger Killer sie überfiel. Sie sah ihre Freundin aufgespießt auf einem Speer, aber es gelang ihr zu fliehen, zusammen mit Evelyns jüngerem Bruder Andy. Doch einer der Mörder hat sie gesehen und ist jetzt auf der Jagd nach ihr.


Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren und studierte in Kalifornien englische Literatur. Er arbeitete als Lehrer, Bibliothekar und Zeitschriftenredakteur, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete und zu einem der bestverkauften Spannungsautoren aller Zeiten wurde. 2001 gestorben, gilt Laymon heute in den USA und Großbritannien als Horror-Kultautor, der von Schriftstellerkollegen wie Stephen King und Dean Koontz hoch geschätzt wird.
  • Deutsch
  • 2,16 MB
978-3-641-07862-1 (9783641078621)
3641078628 (3641078628)
weitere Ausgaben werden ermittelt
TEIL ACHT Simons Geschichte (S. 267-268)

34

Entschuldigt, dass ich so plötzlich unterbrochen habe. Ich hatte gerade mit Ranch telefoniert. Seitdem ist eine Menge passiert. Viel Blut ist geflossen. Jetzt habe ich etwas Zeit, also fangen wir an. So schnell ich konnte, fuhr ich zu Ranchs Haus. Mit seinem Cadillac holten wir Dusty ab, und dann ging’s nach Indio. Wir kamen ziemlich flott durch. Aber nicht flott genug. Sobald wir da waren, hielt Ranch an der Tankstelle an. Er brauchte sowieso Benzin, also sprang ich aus dem Auto, um für ihn vollzutanken. Dabei konnte ich den Parkplatz vor dem Motel genau in Augenschein nehmen.

Der Typ am Telefon – Frank – hatte gesagt, dass Fargo in einem blauen Ford unterwegs war. Der Parkplatz war so gut wie leer. Ich konnte nur ein paar Lieferwagen, einen Jeep und drei normale Autos erkennen, von denen jedoch keines blau war. Kein Wunder. Es war schon fast elf, und sie waren bestimmt schon losgefahren. Wir hatten sie verpasst. Ich fühlte mich ganz elend. Ich war übrigens immer noch Simone, nur dass ich die blonde Perücke abgelegt hatte. Als Blondine erregt man viel zu viel Aufsehen. Brünett dagegen wirkte ich auch sehr weiblich, aber nicht zu aufdringlich.

Mein Gesicht war eine Katastrophe (ihr erinnert euch doch an Henry, diesen verdammten Hurensohn), also hatten wir in einem Kaff namens Desert Hot Springs angehalten, und Ranch hatte mir Heftpflaster und Make-up besorgt. Während der Fahrt versuchte ich, mich wieder einigermaßen zurechtzumachen. Ein großes Pflaster reichte, um die Bisswunde zu verdecken (zum Glück war Henry kein Scheißdobermann gewesen), und mit dem Make-up überdeckte ich die blauen Flecken. Ich hatte eines von Jodys T-Shirts angezogen. Sie schien einen Großteil ihrer Garderobe an den Souvenirständen von Disneyland erworben zu haben, und ich hatte ziemlich lange suchen müssen, bis ich ein rosa T-Shirt fand, auf dem keine Comicfiguren abgebildet waren.

Dazu trug ich einen weißen Faltenrock. Ich sah toll aus, wie aus dem Ei gepellt und viel jünger als vierundzwanzig – so alt bin ich nämlich in Wahrheit. Ranch war das auch sofort aufgefallen. Die Fahrt von Jodys Haus zu ihm hatte etwa eine Viertelstunde gedauert. Als ich dort ankam, öffnete er mir die Tür und drückte mich an sich. »Oooooh, Schätzchen«, sagte er und befummelte eine meiner Brüste durch das T-Shirt hindurch. Ranch wog etwa 175 Kilo. Das meiste war Fett, aber da er regelmäßig trainierte, hatte er auch ordentlich Muskeln. Glücklicherweise habe ich keine echten Brüste, sonst hätte er sie mir glatt zerquetscht.

»Ach Scheiße«, sagte er, als er bemerkte, dass er nur Taschentücher in der Hand hielt. »Was ist mit meiner Traumfrau passiert?« »Die wartet in Indio auf uns«, sagte ich. »Und wir werden sie verpassen, wenn wir nicht bald unsere Ärsche hochkriegen. Also, lass mich runter.« Die ganze Fahrt über alberte er herum, versuchte, mit mir zu flirten und die Hand unter meinen Rock zu schieben. Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich nur Spaß gemacht hat. Vielleicht wünschte er sich insgeheim, dass ich mich wirklich in die Frau verwandelte, die ich darstellen wollte. Das ist, wie wenn man sich einen Film ansieht, den man schon kennt, und vergeblich darauf hofft, dass er ein anderes Ende nimmt.

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