Eíhlin

Phantomschmerz
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Februar 2021
  • |
  • 850 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7529-3461-8 (ISBN)
 
Stelle dich deiner wahren Herkunft. Umarme deine Dämonen. Wähle dein Schicksal. Alles oder nichts. Das Schicksal treibt Ayleen einen Sturm entgegen, den sie niemals hätte kommen sehen können. Verzweifelt sucht sie endlich nach Antworten - und versinkt dabei immer tiefer zwischen Mächten, die sie nicht beherrschen kann. Nie hätte sie es ahnen können, niemals darauf vorbereiten... ... dabei hat ihr Herz doch nur einen einzigen Wunsch, nach so langer Zeit. Woher sie noch die Kraft für einen Kampf nehmen kann und für das einzutreten, was einmal ihr größtes Ziel gewesen ist, das weiß sie nicht, denn Ayleen muss schließlich erkennen, dass der Feind, gegen den sie bestehen muss, in ihr selbst verborgen ist...
  • Deutsch
  • 3,54 MB
978-3-7529-3461-8 (9783752934618)
Was ist es, das am Ende wirklich von uns übrig bleibt? Alles muss einmal vergehen auf dieser Welt, doch was ist es, das am Ende noch Bedeutung hat von den vielen Dingen, die wir tun und die wir hinterlassen? Es ist von Bedeutung, wenn es für jemanden Bedeutung hatte. Ich möchte mit meinen Geschichten vor allem Eines: die Menschen berühren. Und wenn sie das geschafft hat, dann weiß ich, dass es Bedeutung hat.

Ein neuer Morgen dämmert

 

 

 

 

 

 

Schmerz. Brennend, glühend, stechend. Unsägliche Gier, mit der er an die Tür des Wahnsinns klopfte. Er pochte immer heftiger, verschaffte sich Einlass in die tiefsten und entlegensten Winkel; immer weiter drang er vor mit unablässigen Schritten, langsam, aber stetig, fast gelassen und mit genüsslichem Hohn. Irgendwann legte er sich nieder auf ihr Innerstes, wie eine heiße, gewaltsame Hand hielt er ihre Seele gepackt und pulsierte qualvoll überall dort, wo er sie berührte.

Ayleen schrie. Zuerst trug ihre Stimme einen angsterfüllten, panischen Klang, ehe sich ihr Tonfall derartig aufbäumte, dass er weit über die Wiesen fiel, als könnte sie den Schmerz dadurch zurückdrängen. Verzweifelt zuckten ihre Beine und ihre Stiefel gruben sich tief in die kalte, feuchte Erde, auf der sie lag. Doch die Kraft verließ sie schneller, als sie dagegen ankämpfen konnte, und so erstickte ihr leidvolles Brüllen plötzlich und ihre Augen starrten wirr in die vorbeiziehenden Wolkentürme hoch am Himmel. Keine Luft entwich mehr durch ihre starr geöffneten Lippen. Ihr Atem stand in ihrer Lunge und verharrte dort krampfhaft.

Sie hatte ihn gar nicht bemerkt - erst jetzt fiel ihr auf, dass er da war. Doch seinen Griff spürte sie dennoch nicht, mit dem er ihren Arm festhielt. Als wären ihre Nerven abgestorben und das Blut in ihren Adern verdickt. Als hätte sie jegliches Gefühl in ihrem Körper verloren, der vor solch ungeheuren Lasten kapitulierte.

»Wie lange hat sie das schon?«, hörte sie ihn dann. Sie konnte es kaum wahrnehmen, als wären ihre Sinne taub geworden. Deshalb vermochte sie auch nicht zu sagen, mit welchem Ton er diese Worte sprach.

»Eine Weile«, antwortete eine zweite, unglaublich angenehme Stimme, die es selbst in ihrem abgeschirmten Zustand schaffte, klar und verständlich in sie vorzudringen und ihrem sich nervös überschlagenden Herz einen beruhigenden Stoß zu versetzen.

Er sagte nichts weiter. Dann fühlte sie einen Ruck. Alles drehte sich noch mehr und der kalte Boden unter ihr war gewichen. Stattdessen hatte dort nun eine intensive Wärme seinen Platz eingenommen - eine Wärme, die sie nur allzu gut kannte. Nein, nicht kannte - dafür war sie viel zu selten - aber sie war ihr tief vertraut. Mehr als irgendetwas anderes auf dieser Welt. Hektisch versuchte sie, sie ganz in sich aufzunehmen, um auch den letzten Tropfen davon zu genießen, doch der Schmerz versperrte ihr den Weg.

So sank ihr Kopf nur kraftlos gegen seine Schulter, als ihr Vater sich mit ihr in seinen Armen erhob.

»Wo willst du hin?«, drängte sich Johnathens schneidender Einwurf dazwischen, doch er erwiderte noch immer nichts. Sie meinte nur, ein tiefes Knurren wahrgenommen zu haben, da es irgendwo unter seiner breiten Brust vibrierte. Sie zitterte heftig und drückte sich so fest sie konnte an ihn, und die Bewegung brannte unerträglich. Als stünden ihre Muskeln in Flammen. Ayleen schloss die Augen und merkte, wie sie rasch in eine weite, empfindungslose Schwärze hinüber glitt.

 

Sie fühlte sich seltsam gereizt. Jede Regung kostete sie ungeheure Anstrengung. Schlaff hielt sie die Finger in die weiche Decke gekrallt, die er über ihre Schultern gezogen hatte. Und obwohl sie von der mächtigen geistigen Kraft, die sie vorhin überkommen hatte, noch immer erschöpft und gelähmt war, waren ihre Augen dennoch überraschend wach und aufmerksam auf ihren Vater gerichtet, wie er da mit ihrem Gedichtbuch in den Händen neben ihrem Bett saß und kein Wort sprach.

Ayleen wusste, sie sollte schlafen. Er hatte es ihr schließlich verordnet. Doch sie wollte es nicht. Sie sehnte sich so sehr nach ihm und die Gelegenheit war gerade so günstig wie nie.

»Tut mir leid, dass ich dir deinen Hochzeitstag vermiest habe«, murmelte sie. Freudig stellte sie fest, dass er den Blick hob und sie ausdruckslos ansah.

»Hast du nicht«, gab er knapp zurück und widmete sich wieder dem Buch.

»Doch. Ich hab mich wieder nicht benommen.« Sie biss sich fest auf die Unterlippe. Sie hatte keine Ahnung, warum sie sich bei ihm entschuldigte. Schließlich hatte sie dieses Mal tatsächlich nichts dafür gekonnt. Dieses Gefühl, diese Magie - sie war beim Tanz mit Aedín einfach da gewesen und hatte die Kontrolle über sie gehabt. Sie hatte doch nicht wissen können, dass gleich so etwas passieren würde, bloß, wenn sie das Fenhrì sang. Selbst Aedín schien ziemlich betroffen und überrascht gewesen zu sein, obwohl er es ja gewesen war, der sie dazu aufgefordert hatte. Trotzdem bat sie Veloron nun um Verzeihung. Denn irgendwie hatte sie den Eindruck, dass er seit diesem Erlebnis anders war. anders zu ihr. Da war nicht mehr diese Kälte, nicht mehr diese kühle Zurückhaltung. Nicht mehr diese abweisende Verschlossenheit. Gewiss, er sagte noch immer nichts und sein Tonfall war so dunkel wie eh und je, doch - Ayleen kannte ihn gut genug, um die winzigen, kaum merklichen Zeichen bei ihm zu deuten; und sein Blick war anders als sonst, mit dem er sie betrachtete. Aber sie kam nicht darauf, was es war, das in seinen blau glühenden Augen lag.

»Du kannst nichts dafür«, antwortete er schließlich doch. Anschließend hüllten sie sich beide in einvernehmliches Schweigen, das zwischenzeitlich nur davon unterbrochen wurde, dass sie sich an ihrer verletzten Schulter kratzte und Veloron sie anherrschte. Irgendwann drehte sie ihm dann unwillkürlich den Kopf zu und starrte ihn an.

»Was ist da vorhin mit mir passiert?«, fragte sie leise.

Veloron reagierte zunächst gar nicht. Er schien wohl davon ausgegangen zu sein, dass sie längst eingeschlafen war. Betont langsam löste er sich dann von den Buchseiten und sah ihr entgegen.

»Etwas, das nie hätte geschehen dürfen«, erwiderte er gleichermaßen kurz angebunden wie rätselhaft und ließ das Buch in seinen Schoß sinken. Doch er machte keine Anstalten, das Gesagte weiter auszuführen, obwohl er sie noch immer anblickte.

»Warum nicht?«, hauchte sie kaum hörbar. »Es war. ein wundervolles Gefühl. diese Magie.« Sie schluckte. »Wenn ich doch nur mehr davon erfahren könnte. wenn ich doch nur all das lernen könnte. all das verlorene Wissen der Elfen, unserer Vorfahren. ich. ich weiß, du willst das nicht. Ismira will es nicht. aber ich wünsche es mir doch so sehr. ist das allein etwa ein Verbrechen? Was ist so falsch daran, dass du mich dafür so verachtest, Vater?«

Ayleens Stimme zitterte plötzlich. Sie hatte keine Ahnung, warum sie auf einmal so direkt war. Sie vermied es - genauso wie er - für gewöhnlich konsequent, ihm irgendwelche Empfindungen und Gedanken zu offenbaren. Denn dann würden sie sowieso nur seine Kälte und seine Gleichgültigkeit treffen wie ein eisiges Messer in ihrer Brust. So war es stets gewesen, die ganzen vergangenen Jahre lang. So viele Fragen schwirrten jeden Tag in ihrem Kopf, doch eigentlich wagte sie es nicht, sie ihm zu stellen. Aber heute Nacht war etwas anders, und sie musste das einfach ausnutzen. musste diese Gelegenheit ergreifen.

Innerlich stellte sie sich bereits auf eine niederschmetternde Antwort seinerseits ein. Fast reflexartig schloss sie daher die Lider. Doch was dann kam, zerriss ihre Seele.

»Ich verachte dich nicht, Ayleen.«

Wie versteinert verharrte sie unter der Decke. Die Luft war ihr entwichen und sie schaffte es nicht, auch nur einen weiteren Atemzug zu tun. Sie musste träumen. das war die einzig logische Erklärung. Oder wollte er ihr absichtlich weh tun mit diesen Worten, weil sie überhaupt nicht aufrichtig waren? Eine. süße Lüge? Aber. das würde er nicht tun, er hatte noch niemals gelogen.

Sie schlug die Augen auf und sah in das unergründliche, eiskalte Blau der seinen zurück.

»Was. warum.«, stammelte sie, noch immer unsicher, ob das Ganze tatsächlich passierte, oder ob sie nicht doch schon schlief. »Warum kommt es mir dann so vor?«

Beinahe flehend krallte sich ihr Blick in seinen. Er bräuchte nur ein einziges Wort zu sagen, nur eine einzige Berührung, nur ein winziges Zeichen. es wäre genug, um die Qualen ihrer Seele für alle Zeit vergessen zu machen und die tiefen Narben mit einem warmen Verband zu bedecken.

Doch das tat er natürlich nicht. Stattdessen stand er auf und legte das Buch neben sich auf ihren Schreibtisch. Er sah sie nicht an, sondern wandte sich ab und blieb stumm. Ayleen beobachtete bebend, wie seine Brust sich ein Mal hob und senkte, ehe er sprach.

»Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.«

». die du mir aber nicht mitteilen wirst«, schloss sie brüchig.

Veloron drehte sich schweigend halb zu ihr hin und senkte seine stechenden Augen auf sie nieder. Aber er war nicht mehr kalt, war nicht mehr gleichgültig - in seinem Gesicht zeichnete sich plötzlich etwas ab, das sie noch nie bei ihm gesehen hatte: Traurigkeit.

»Nein, Ayleen«, sagte er dann unumstößlich fest und dunkel, ganz so, wie sie es von ihm kannte. »Das kann ich nicht.«

Erst als er ihr den Rücken zugekehrt und ihr Zimmer verlassen hatte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Sie musste träumen, das konnte nicht real sein, das konnte er nicht getan haben. Sie hatte es doch gewusst, sie hatte es immer gewusst - da war etwas hinter seinem Hass und seiner abschätzigen Haltung. Sie hatte immer gehofft, gespürt, geglaubt, dass da noch etwas in ihm war, denn in blasser Erinnerung sah sie die Vergangenheit manchmal vor sich, wie sie in frühen Tagen einmal glücklich gewesen war. Glücklich mit ihm. Das konnte sie sich doch nicht alles nur einbilden? Gab es wirklich einen anderen Grund für...

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