Die Kathedrale des Lichts

Historischer Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. Januar 2018
  • |
  • 590 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-4990-0 (ISBN)
 
Eine Kathedrale, die zum Himmel wächst. Ein Steinmetz, der seiner Bestimmung folgt. Und eine Liebe, die nicht sein darf.

Anno 1215. Dem Waisenjungen Moritz widerfährt großes Leid. Nur, wenn er Skulpturen aus dem Stein haut, vergisst er alle Schmerzen. Jahre später erkennt ein reisender Baumeister Moritz' Talent und nimmt ihn mit nach Magdeburg, wo eine Kathedrale gebaut wird. Rasch macht sich Moritz einen Namen unter den Steinmetzen. Doch nicht jeder auf der riesigen Baustelle bewundert den jungen Künstler. Vor allem Gotthart, ein bekannter Bildhauer, neidet Moritz den Erfolg. Als Moritz sich ausgerechnet in die Frau verliebt, um die auch Gotthart wirbt, verfolgt dieser nur noch ein Ziel: die Vernichtung seines Rivalen, um jeden Preis.

1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,88 MB
978-3-7325-4990-0 (9783732549900)
3732549909 (3732549909)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ruben Laurin ist das Pseudonym eines preisgekrönten Autors, der vor allem phantastische und historische Romane verfasst. Seine Faszination für die Geschichte der Stadt Magdeburg und die mittelalterliche Kirchenarchitektur brachten ihn auf die Idee, einen Roman über den Bau des Magdeburger Doms zu schreiben: Die Kathedrale des Lichts. Ruben Laurin lebt in der Nähe von Wismar.

Prolog


Gallische Alpen, Sommer 285 n. Chr.

Der Kamm blieb hinter ihnen zurück. Und mit ihm die letzte Steigung. Endlich. Ab jetzt ging es nur noch bergab. Die Pferde fielen in einen leichten Trab. Erste Bäume standen am Wegesrand. Tief atmete der Centurio die deutlich wärmere Luft ein. Er glaubte, schon die Nähe des Flusstales und des Sees zu riechen. Noch war er guter Dinge, noch erfüllte ihn Zuversicht, noch brannte er darauf, seinem Kaiser und Feldherrn gegenüberzutreten.

Der Weg führte in ein Wäldchen. Die Schneefelder in den Hängen rechts und links waren höher gerückt, ihre weißen Zungen im Geröll schmaler geworden. Das Gras wuchs dichter hier. Der Centurio entdeckte Schafskot am Wegesrand. Daneben hatte sich eine Silberdistel der Morgensonne geöffnet.

Der Standartenträger hielt sein Pferd an. »Schaut euch das an, Brüder!« Mit der Standarte zeigte er auf zwei Silberdisteln.

Alle brachten ihre Pferde zum Stehen, alle betrachteten die silbrig-weißen Distelblüten. »Wie schön«, sagte der Centurio, der unter dem Namen Mauritius bekannt war. »Wie wunderschön!« Er drehte sich im Sattel um und blickte zurück. »Warten wir auf die Männer.«

Gut die Hälfte der Marschkolonne hatte den Kamm bereits überquert. Im Laufschritt kamen die Legionäre näher, der rhythmische Lärm ihrer Schritte schwoll an. Immer neue Reihen von Lanzenspitzen und behelmten Köpfen schoben sich über die Bergkuppe.

Der Anblick seiner Kohorte erwärmte das Herz des Centurios. Mauritius liebte seine Soldaten. Schon schlossen die ersten Marschreihen zu ihm und den Reitern auf. Der Centurio sah in schweißnasse, aber strahlende Gesichter. Die Nähe des Ziels beflügelte die Männer.

Noch glaubten sie, das kaiserliche Feldlager bei Octodurus sei ihr Ziel; noch rechneten sie damit, Rom bald im Kampf gegen gallische Rebellen dienen zu können. Auch Mauritius glaubte das zu dieser Stunde noch.

Nicht mehr lange, und alles würde sich ändern. Zwei Botschaften nämlich warteten auf Mauritius von Theben. Die erste gleich am Pass, von dem aus die alte Straße aus dem Hochgebirge ins Flusstal hinunterführte, die zweite kaum eine Wegstunde später jenseits des Passes. Die eine Botschaft sollten erst nachfolgende Generationen verstehen; die andere würde den Centurio wie aus heiterem Himmel treffen.

Tatsächlich wölbte sich zu jener Stunde ein strahlend heiterer Himmel über der Marschkolonne zwischen den Silberdisteln und dem Gebirgskamm. Die Schneegipfel leuchteten im Licht der aufgehenden Sonne. Sah es nicht aus, als würden sie in Flammen stehen? Mauritius konnte sich kaum sattsehen an diesem Lichtspektakel.

Im Norden erhoben sich keine Gipfel mehr, im Westen und Osten jedoch ragten die letzten Bergriesen der gallischen Alpen in den blauen Spätsommerhimmel.

»Schau dir diese Bergriesen an, Centurio!« Mauritius' Standartenträger Innocentius geriet schier außer sich vor Entzücken. »Sehen sie nicht aus wie glühende Hörner himmlischer Drachen?« Innocentius schwenkte den Legionsadler in alle Himmelsrichtungen. »Schaut euch das an, Brüder!« So viel erhabene Schönheit machte ihn fassungslos. Innocentius gehörte auch sonst zu den leicht entflammbaren Naturen.

»Es gibt keine Drachen im Himmel!«, raunzte Candidus, der Zweite Centurio, in der ihm eigenen Barschheit. »Dort unten aber, hinter dem Wäldchen, gibt es einen Pass. Unseren Pass, schätze ich. Eine halbe Wegstunde noch. Höchstens.«

Mauritius legte die Hand über die Augen und spähte über die Baumwipfel hinweg nach Norden, wo nach einer sanften Bodensenke ein Gebäude zu erkennen war. Candidus hatte recht: Das war ihr Pass.

Exuperius, der Ausbildungsoffizier, lenkte sein Pferd herum und ritt die ersten Marschreihen der Kohorte ab. »Bald erreichen wir den Pass!«, rief er. »Danach geht's hinunter zum Strom und in mildere Gefilde!« Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht unter den knapp siebenhundert Legionären und Pferdesklaven.

»Rhône« nennt man den Strom heute; damals hieß er »Rhodanus«. An seinem Lauf, ungefähr auf halbem Weg zum See, lag die Siedlung Octodurus, heute Martigny. Dort hatte der Kaiser und Feldherr Maximian mit seiner Legion Quartier bezogen.

Mauritius trieb sein Pferd an. Die Marschkolonne hinter ihm setzte sich wieder in Bewegung. Sie durchquerten das Wäldchen. Der Pass rückte näher, vor dem steinernen Gebäude am Weg konnte Mauritius schon Lasttiere, Kleinvieh und Menschen erkennen. Die Aussicht, das nächste Nachtlager im wärmeren Flusstal aufschlagen zu können, hob seine Stimmung beträchtlich.

»Ein Adler!« Der Waffenwart deutete in den Himmel über dem Pass, wo ein gewaltiger Greifvogel seine Kreise zog. »Und was für ein Biest! Hat einer von euch jemals so einen großen Adler gesehen?«

»Ein gutes Omen, Exuperius!«, rief der Dritte Centurio aus der vorderen Marschreihe, einer der wenigen unter Mauritius' Legionären, die nicht getauft waren. »Der römische Adler kreist schon über dem ruchlosen Rebellen und seinem verfluchten Pack! Bald wird er auf sie herabstoßen!« Er stieß die Faust in den Himmel.

Der Dritte Centurio sprach von jenem Verräter, der sich selbst zum Kaiser der Provinz Gallien hatte ausrufen lassen. Sogar Münzen wagte er zu prägen. Um ihn zu vernichten, hatte Kaiser Maximian Mauritius und seine Thebäische Kohorte über die Alpen und an den Rhodanus rufen lassen.

Später, als geschehen war, was zu dieser Stunde noch keiner erwarten konnte, als das Ungeheuerliche schon den Weg in die Erzählungen erschütterter Zeugen und in die Schriften staunender Chronisten gefunden hatte, später pflegten die Leute von der »Thebäischen Legion« zu sprechen und zu schreiben. Doch nicht sechstausend Soldaten führte Mauritius an den Rhodanus, keine Legion also, sondern eine Kohorte: sechshundert Legionäre, dazu etwa zweihundertfünfzig Frauen und Pferdesklaven. Die meisten stammten wie Mauritius selbst aus der Wüstenregion rund um das ägyptische Theben. Und die meisten waren wie ihr Centurio getauft. Das war durchaus ungewöhnlich, denn damals verehrte man im römischen Reich noch die alten Götter.

Am Pass angekommen, winkte Mauritius dem Hornbläser. Der setzte seinen Lituus an die Lippen und stieß hinein. Das Blechhorn erklang, sein Echo brach sich an den Berghängen, die Marschkolonne stand still. Mauritius befahl dem Waffenwart und dem Dritten Centurio, die Legionäre im taunassen Gras am Wegrand zur Rast lagern zu lassen. Befehle wurden laut, und bald darauf erfüllten Gelächter und Stimmengewirr die Luft.

Vom Sattel aus blickte Mauritius sich um. Das langgezogene Gebäude am Weg war aus kaum behauenen Schieferplatten gebaut. Man musste fürchten, dass es jeden Moment zusammenbrach, so krumm stand es zwischen ein paar vom Wind gebeugten Kiefern.

Auf dem Hang dahinter weideten etwa dreißig Schafe. Eine weißhaarige Frau stützte sich auf einen Hirtenstab und sah zu Mauritius herunter. Ein großer schwarzer Hund hockte zu ihren Füßen.

Aus den Eselskarren vor dem Langhaus waren Männer und Frauen in zerschlissenen, sackartigen Kleidern geklettert. Sie luden Körbe, Krüge und prall gefüllte Schläuche ab, trugen sie zu den Legionären. Seltsam zögernd bewegten sie sich, und in ihren Mienen las der Centurio Misstrauen und Scheu. Der Anblick schwarzer Menschen schien sie zu verstören.

»Sieht aus, als wollten sie unseren Männern Quellwasser, Brot, Ziegenkäse und Wein verkaufen.« Candidus war den Leuten ein Stück entgegengeritten und hatte einen Blick auf ihre Waren geworfen.

»Lass uns den Legionären das Essen und den Wein bezahlen!« Mauritius trabte zu seinem Zweiten Centurio. »Sie haben es verdient, Candidus, der Marsch durch die Berge war hart.«

Candidus nickte, nahm den Münzbeutel entgegen, den Mauritius ihm reichte, und lenkte sein Pferd dann zu den Bergbauern. »Wartet!«, rief er auf Lateinisch und winkte. »Ich und der Centurio übernehmen die Rechnung!« Die Legionäre jubelten, und die Frau des Dritten Centurios übersetzte seine Worte den Eingeborenen.

Menschen liefen am Wegesrand zusammen, tuschelten, deuteten zu den Legionären und beäugten Mauritius und sein Gefolge. Römer mit dunkler Haut und krausem Schwarzhaar kannten sie nicht. Ihre Haut war sehr weiß, und etliche hatten blondes Haar.

Elende Gestalten wie sie hatte Mauritius immer wieder gesehen auf dem Weg vom Aostatal durch die Alpen. Und oft hatte er sich gefragt, wie man in solch eisigen Höhen sein Leben fristen konnte. Er lenkte sein Pferd zu den Eingeborenen, wollte sich nach ihrem Ergehen und nach Neuigkeiten erkundigen. Innocentius, Exuperius und zwei Pferdesklaven zu Fuß schlossen sich ihm an.

Oben bei den Schafen bellte der Hund. Die Hirtin konnte Mauritius nirgendwo mehr entdecken. Die Eingeborenen am Wegesrand, zwei Dutzend mochten es inzwischen sein, bildeten eine Gasse. Eine Frau schritt hindurch - die weißhaarige Hirtin.

Kurz blieb sie stehen und lauerte zu Mauritius herüber. »Was ist los mit der Alten?«, murmelte Innocentius.

»Wahrscheinlich ist es das erste Mal, dass sie Afrikaner zu sehen bekommt«, sagte Mauritius.

Die Hirtin packte ihren Stab und lief los. Nicht gebeugt und hinkend wie eine Greisin, sondern leichtfüßig und federnd wie eine junge Frau. Vor seinem Pferd warf sie sich auf die Knie, ließ den Hirtenstab fallen, streckte beide Arme über den Kopf und begann laut zu rufen. Mauritius verstand kein Wort; nur seinen Namen hörte er aus ihrem Wortschwall heraus.

Candidus hatte seinen Handel mit den Bergbauern inzwischen abgeschlossen und ritt zurück zu den Gefährten. Misstrauisch betrachtete er die greise Hirtin. »Jag sie weg, Mauritius. Sie ist irre.«

»Aber woher...

"Ein wunderbarer Roman über das Leben und Lieben im 13. Jahrhundert, über Intrigen und den Alltag in einer mittelalterlichen Stadt. Dabei kommen geschichtliche Hintergründe nicht zu kurz." Karin Lohsa, Ratgeber Frau und Familie, 01.12.2018


"Eine leicht lesbare Geschichte, die bei Freunden der mittelalterlichen Historie großen Anklang finden sollte." Buchprofile / Medienprofile, 07/05/2018

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