Hitlers Double. Tatsachenroman

 
 
Saga Egmont (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. April 2020
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-87-26-48235-5 (ISBN)
 
Ein Tatsachenroman, der die Frage weiterspinnt, was hätte sein können, wenn Hitler überlebt hätte: Auf Grundlage von Interviews mit alten Nazis hat Laufenberg ein Szenario beschrieben, in dem Hitler mit Hilfe eines Doppelgängers den Zweiten Weltkrieg überlebt hat und in Kanada lebt. Ein junger kanadischer Fernsehreporter trifft 1966 auf einen alten Mann, der Hitler sein könnte, und begibt sich auf die Suche, um diese unheimliche Vermutung zu bestätigen... Der 1935 geborene Walter Laufenberg ist ein deutscher Schriftsteller und Blogger. Als studierter Jurist und Volkswirtschaftler sowie promovierter Sozialwissenschaftler hat er in unterschiedlichen Berufen gearbeitet, u.a. als Verlagslektor, Filmemacher, Fernsehredakteur und Werbeleiter. Er hat eine Vielzahl an Büchern veröffentlicht, darunter "Hitlers Double", "Die Triangel" und "Die Sünderin. Wien 1683".
  • Deutsch
  • 0,56 MB
978-87-26-48235-5 (9788726482355)

2


Der Mann kann ja nicht vom Mond gefallen sein. Und einer aus dem Okanagantal war er nicht, das hatten die von der Presse schon eruiert. Alle Hotels und Pensionen hatten sie abgefragt. Da wurde kein Gast vermißt. Also bleibt die Frage: Wie kommt einer anders hierher als mit dem Wagen?

Im Büro von Mark Evans, dem Starreporter der Regionalzeitung Kelowna Morning, fühle ich mich beinahe wie zuhause. Zumindest rede ich mir das ein. Um nicht allzu unsicher zu sein. Wer bin ich denn? Ich bin einer von ihnen. Ein Reporter wie dieser Mark Evans, nur noch nicht ganz so lange in den schnellen Stiefeln. Gerade erst ein paar Monate. Aber dafür habe ich mehr jugendlichen Elan als Evans, der offensichtlich nicht mehr der jüngste ist. Dagegen ich mit meinen dreißig Jahren. Und mit meinem Aussehen. Alle Frauen fliegen auf mich. Na, sagen wir, fast alle. Ich bin einfach der Typ der Zeit, groß dunkelhaarig und mit wachen Augen. Okay, die etwas zu sehr abstehenden Ohren. Dafür bin ich früher viel ausgelacht worden. Aber das war früher. Dazu sagt kein Mensch mehr was. Kann auch keiner was sagen. Ich bin ein Reporter. Der Typ der Zeit, der die Zeit selbst im Griff hat. Ja, bei uns in den Redaktionszimmern, da sieht es nicht viel anders aus als hier. In der Hochburg der Ereignisse. Nein, der Berichterstattung. Könnte man das so nennen? Dieses aufregende Durcheinander von Papieren und Schreibmaschinen, von Telefonen und Kameras, Blitzlichtgeräten, Tonbändern, Diktiergeräten, auf dem Boden gestapelten Büchern, durchgesessenen Sesseln, vollen Aschenbechern. Und dazwischen der zappelige Mann, schon leicht ergraut, mit den Augen, die einen ansehen, als versuchten sie, mit einem Blick den ganzen persönlichen Hintergrund aufzuhellen.

Daß ich das sehr zu schätzen wüßte, daß er Zeit hat für mich, den Anfänger, sage ich ihm. "Zur Sache, Mann", ist seine Antwort. Berufsmäßige Schnoddrigkeit. Das kann mich nicht irritieren.

"Sie wissen, es geht um den unbekannten Toten neben der Straße Nr. 33. Wie kommt einer anders her, Mister Evans, um sich hier erschießen zu lassen, als mit dem Wagen? Hat dann aber weder einen Wagen noch Papiere noch einen Wagenschlüssel bei sich."

"Um sich hier erschießen zu lassen, ist gut gesagt."

"Na, ich meine nur so."

"Vielleicht meinen Sie gerade das Richtige. - Könnte doch sein, daß der Mann damit gerechnet hat, hier erschossen zu werden." Dabei kramt Evans in den Zeitungsstößen auf dem Boden neben seinem Schreibtisch und zieht die Meldungen von damals heraus. Ich wage nicht, etwas zu sagen. Sein Gesicht ist so spitz geworden wie ein Hundegesicht, das einen bekannten Geruch entdeckt hat.

"Vielleicht wußte der Mann von seiner Gefährdung und war deshalb nicht allein. Habe ich ja auch so geschrieben. Hier ist es. Es wartete vermutlich noch jemand im Wagen in seiner Nähe."

"Und der fährt dann seelenruhig ab, mit der Brieftasche des Toten, und läßt den Mann einfach im Wald liegen? Spricht ja nicht für eine allzu herzliche Verbindung."

"Gratuliere, Mister Harrison, Sie sind auf der richtigen Spur."

"Sie meinen, es kann sich nicht um ein Familienmitglied gehandelt haben, nicht einmal um einen Freund."

"Genau."

"Vielleicht um einen Geschäftspartner?"

"Vielleicht."

"Der seinen Sozius mit einem Schuß erledigt und sich schnell heim begibt, weil das Geschäft ruft? - Wäre schon möglich. Aber es sind ja keinerlei Spuren gefunden worden. Der Tote war allein."

"Als Toter ja. Aber vorher nicht unbedingt. Der Mann ist nicht aus der Nähe, nicht mit einer Pistole, sondern mit einem Gewehr erschossen worden. Mit einer speziellen Scharfschützenmunition. Der Schütze kann also über hundert Meter weit weg gewesen sein. Da sind die Spurensucher der Polizei überfordert."

"Das haben Sie schon rausgekriegt?" Ehrliche Bewunderung zeigen. Mal sehen, ob ein Mann wie Mark Evans sich hinreißen läßt, mehr zu verraten als er eigentlich verraten möchte.

"Nicht nur das. Opfer und Begleiter waren weder Verwandte noch Geschäftspartner. Sie gehörten bloß ein und derselben Organisation an."

"Das haben Sie in Ihrem Artikel aber nicht gebracht."

"Stimmt."

"Und - darf man wissen, warum nicht?"

"Sie dürfen, junger Freund. Obwohl - eigentlich sind Sie zu jung, um Kopf und Kragen zu riskieren. Ich kann Sie nur warnen."

"Ein kurzes, aber erfolgreiches Leben ist doppelt soviel wert wie ein langes Leben voller Langeweile. - Also bitte! Warum hat ein bekannter Mann wie Mark Evans, dem alle Türen offenstehen und der immer für eine Sensation gut ist, den Schwanz eingezogen?"

Er zuckt kaum merklich zusammen, bleibt aber ganz der überlegene Star. "Wenn Sie es so sehen wollen, nun gut. Mein Verleger hat mich ultimativ aufgefordert, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Keine weiteren Recherchen oder aber Rauswurf!"

"Genau das ist mir gesagt worden."

"Dann wissen Sie ja, wo Sie dran sind."

"Nein, das weiß ich erst, wenn Sie mir sagen, um was für eine Organisation es sich handelt."

"Kein Kommentar - und Gott mit Ihnen, junger Freund!" Damit geleitet der Starreporter den jungen Fernsehmann zur Tür. "Den Weg hinaus kennen Sie ja."

Verflucht. Wenn jetzt schon die Reporter das dumme Gerede der Politiker - kein Kommentar - übernehmen, wie sollen wir dann noch weiterkommen. Apropos Politiker. Na klar. Es handelt sich um was Politisches. Deshalb die Angst der Bonzen.

Schon in der halbgeöffneten Tür: "Jedenfalls besten Dank. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Was Politisches, nicht wahr? Darf ich gelegentlich wieder auf Sie zukommen, Mister Evans?"

"Nein, Mister Wiesenthal - eh pardon, Mister Harrison. Lieber nicht."

 

Er hat sich nicht einfach versprochen. Ein Mann wie Mark Evans verspricht sich nicht. Was der sagt, ist druckreif. Der weiß doch, daß es auf jedes Wort ankommt. Das war ein versteckter Hinweis. Er wollte mir was sagen, was er mir nicht sagen durfte ...

"Du spinnst mal wieder herum", ist alles, was Maggy dazu zu sagen hat.

Warum nur immer dieser Abstand, wenn ich neben ihr sitze? Warum können wir nicht auf derselben Wellenlänge senden und empfangen?

"Du hast so einen wunderschön geformten Kopf. Du hast so hellwache Augen, Maggy, so süße kleine Öhrchen, doch ist das für mich alles wie ein Vorwurf. Als ob es nur an mir liegen könnte, daß wir uns nicht verstehen."

"Das verstehe ich jetzt aber nicht."

"Mensch, Maggy, er hat mich Wiesenthal genannt. Das muß doch was zu bedeuten haben. Wiesenthal, Wiesenthal, das ist ein typisch jüdischer Name. Ich bin aber kein Jude, das steht fest. Und kein Mensch hat mich bisher für einen Juden gehalten. Ich hätte ja nichts dagegen. Wäre fast so was wie ein Kompliment. Denn an Intelligenz sind diese Leute uns meist weit überlegen."

"Wiesenthal - ist das nicht der Name von dem Mann, der den deutschen Nazi Eichmann in Argentinien aufgespürt hat? Den er dann dem israelischen Geheimdienst in die Hände gespielt hat. Den die dann in Jerusalem aufgeknüpft haben. Ich habe doch mal so was in einer Magazinsendung gesehen."

"Ja, das ist es! Maggy, du bist eine Bombe. Jetzt brauche ich was zum Nachschlagen. Ich bin weg, Maggy, zur Stadtbibliothek. Wenn Pineladder nach mir fragt, sagst du ihm, daß ich mich über Verbesserungsmöglichkeiten des Regionalverkehrs informiere."

Simon Wiesenthal, österreichischer Publizist, ehemals Architekt, bekannter Nazijäger. 1908 geboren, von den Nazis seit 1941 in verschiedenen Konzentrationslagern gefangengehalten, überlebte als einziger einer großen Familie den Genozid, wurde 1945 von den alliierten Truppen aus dem Konzentrationslager Mauthausen befreit, gründete dann zusammen mit anderen Naziopfern zunächst 1947 in Linz, dann neu 1961 in Wien ein Dokumentationszentrum über die Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft in Europa. War maßgeblich beteiligt an der Entdeckung Adolf Eichmanns in Argentinien, hat 1961 ein Buch veröffentlicht "Ich jagte Eichmann".

 

Und wieder unterwegs in dem Wagen mit den stolzen Schriftzügen Kelowna TV. Zu einer Straßeneinweihung diesmal, unten bei Keremeos. Gestern war es die Zuchtschau der Kaninchenzüchter von Kelowna. Vorgestern ein Veteranentreffen in Armstrong. Na und? Was mir erst so wichtig war, was mich beinahe atemlos stolz machte, das ist mir jetzt schon lästig. Das immer andere und doch immer gleiche Bild der Aktualität. Wie kann man nur für die Aktualität leben? Wie können sich die Leute nur für die Aktualität erwärmen? Was heute wichtig zu sein scheint, ist morgen kalter Kaffee. Da kann ich es doch gleich heute als kalten Kaffee abtun. Aber nein, das ist interessant, sagen die Leute. Das ist alles so interessant, was Ihr da bringt. Ja, so wird einem allmählich klargemacht, daß interessant kein Lob ist, sondern im Gegenteil - ein Schimpfwort. Was keine Bedeutung über den Tag hinaus hat, das ist für die Leute interessant. In den Mülleimer damit!

Aber ich bin wer. Ich bin Fernsehreporter. Ich bin einer von den wichtigen Zeitgenossen, ein Mann von heute. Wie war das noch mit der Zeit? Da hat doch ein kluger Mensch mal gesagt: Die...

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