Unersättlich

Thriller
 
 
Piper ebooks (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97866-8 (ISBN)
 
Stockholm wird von einer grauenhaften Mordserie erschüttert: Völlig unbescholtene Menschen fallen im Drogenrausch über ihre Angehörigen her und verspeisen sie. Drei solcher »Kannibalenmorde« muss Amanda Paller, inzwischen alleinerziehende Mutter von Zwillingen, aufklären. Gleichzeitig wird Amanda von ihrer Vergangenheit und ihren Verbindungen zum kriminellen Milieu eingeholt. Denn auch Adnan, der Vater ihrer Kinder, ist wieder in der Stadt ...
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,26 MB
978-3-492-97866-8 (9783492978668)
3492978665 (3492978665)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Anna Karolina Larsson wuchs in Finspång auf, ging aber 2001 nach Stockholm um dort als Polizistin zu arbeiten. 2010 zog sie nach Malmö, wo sie auch heute noch mit Mann und zwei Kindern lebt. In Malmö begann sie, neben ihrer Arbeit bei der Polizei, zu schreiben.

1

»Hast du gehört, was passiert ist?«

Amanda war noch nicht einmal ganz aus dem Aufzug getreten, als Crippe ihr die Frage schon aus dem Flur entgegenrief. Sie ahnte, dass er unterwegs zum Pausenraum war. Der Kaffeeduft erfüllte das halbe Treppenhaus.

»Guten Morgen.«

Crippe schüttelte den Kopf. »So etwas Krankes. Wir beide sollen das Verhör übernehmen. Komm.« Er ging weiter, und sie folgte ihm. Es musste etwas Außergewöhnliches geschehen sein. Crippe regte sich nicht so leicht auf. Er hatte schon einiges miterlebt. Genauso wie sie und alle anderen im fünften Stock des Polizeigebäudes von Västerort.

Crippe hatte sich bereits Kaffee eingegossen. Amanda öffnete einen Schrank und holte ihre eigene Tasse hervor, auf der zwei lächelnde Gesichter prangten, deren gute Laune sogleich auf sie abfärbte. Ihr wurde ganz warm innerlich, als sie ihre Zwillinge erblickte. Die beiden fehlten ihr schon, obwohl sie die Kleinen erst vor einer Viertelstunde in der Krippe abgegeben hatte.

»Erzähl«, sagte sie.

»Sie haben heute Nacht eine Frau verhaftet. Sie hat ihre sechsjährige Tochter verspeist.«

»Was hat sie getan?!«

»Der Nachbar hat es gemeldet. Er hat die Frau blutüberströmt aufgefunden und Alarm geschlagen. Dachte, dass sie die Verletzte sei. Als die Streife ankam, stießen sie auf ein Mädchen im Wohnzimmer. Es sah aus wie in einem Schlachthaus. Die Jungs sind noch in der Station, falls wir mit ihnen reden wollen. Sie haben eine Nachbesprechung mit den Sanitätern. Aber ich hab alles schriftlich. Das kannst du lesen«, sagte Crippe.

Sie blätterte den Stapel durch. Festnahmeprotokoll, Anzeige, Vernehmung der Nachbarn, die Liste der beschlagnahmten Gegenstände.

»Die Techniker sind im Moment dort«, fuhr Crippe fort, »und die Kripo hat schon die Nachbarn vernommen, aber das scheint nichts gebracht zu haben.«

Amanda blickte wieder auf das Protokoll: Nina Liljedahl. Fünfunddreißig Jahre alt. »Woher wissen sie, dass sie es war? Hat sie gestanden?«

»Bis jetzt konnte sie noch nicht vernommen werden. Offenbar war sie völlig zugedröhnt. Aber sie kaute an einem Ohr, als die Streife eintraf.« Crippe verzog das Gesicht. »Wir sollen es jetzt probieren, der Wärter meinte, dass sie wieder halbwegs zu sich gekommen ist und die ganze Zeit fragt, was passiert ist.«

»Weiß sie das nicht?«

Crippe zuckte die Achseln. »Wir werden sehen, was sie uns erzählt. Was sie mit ihrer Tochter getan hat, ist doch vollkommen krank. Die Drogen müssen ihr den Verstand geraubt haben.«

Amanda ging in den Umkleideraum, um ihre Sachen zu holen. Eigentlich war es ein Büro, in dem provisorisch einige alte Holzschränke untergebracht waren, in denen sie ihre persönliche Ausrüstung aufbewahrten. Sie zog ihre schwarze hüftlange Lederjacke und den Schal mit dem Leopardenmuster aus und fädelte einen schwarzen Gürtel mit dem Aufdruck POLIZEI durch die Ösen ihrer Jeans. Daran hingen die Handschellen und ein Holster. Mehr konnte sie nicht tragen, ohne dass es zu sehr auffiel. Sie ging zu ihrem Schreibtisch, der an einer Wand in der Bürolandschaft stand, und loggte sich in ihren Computer ein. Während er hochfuhr, zog sie die Gardinen ein wenig zur Seite, um etwas von dem grauen Tageslicht hereinzulassen. Crippe wartete ungeduldig. Amanda hatte bemerkt, dass er sich seit einiger Zeit bewusster kleidete. Heute trug er ein armeegrünes T-Shirt, das sich über seinen Brustkorb spannte. Er befand sich in einem Scheidungsverfahren und hatte plötzlich rund zehn Kilo abgenommen. Jeden Tag ging er in den Kraftraum und achtete sehr auf seine Ernährung. Oft aß er Thunfisch oder Hühnchen. Amanda holte erneut das Festnahmeprotokoll hervor und suchte nach Nina Liljedahls Personennummer in der Datenbank. Sie stockte, als sie das Ergebnis las.

Sie schnappte sich die Ermittlungsakte und ging zu Crippe. Im Aufzug auf dem Weg ins Erdgeschoss vereinbarten sie, dass Amanda die Gesprächsführung übernehmen sollte. Micke, der Wärter, wirkte erleichtert, als sie zu ihm kamen. Offenbar schlug Nina seit einer Stunde ununterbrochen gegen die Tür und schrie hysterisch. Micke wollte eine Pause einlegen und frühstücken. Doch nun führte er sie erst einmal durch den langen Korridor. Schon von Weitem hörten sie Nina schreien, und als sie die Tür öffneten, sank eine zierliche Frau zu Boden. Sie weinte und fragte immer wieder, warum man sie eingeschlossen habe. Amanda und Crippe versuchten, sie auf dem Weg zum Vernehmungsraum zu beruhigen. Sie nahmen Platz. Ein Schreibtisch stand zwischen ihnen und Nina. Amanda verzichtete auf Notizblock und Stift. Sie wollte erst einmal so mit der Frau sprechen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass sie ein reguläres Verhör führten.

»Wissen Sie, warum Sie hier sind?«

Nina sah auf und schüttelte den Kopf. Schluchzend sagte sie: »Als ich aufgewacht bin, war ich hier eingeschlossen. Ich habe Panik bekommen. Warum will mir niemand sagen, warum ich hier bin? Und wo ist Olivia? Um Himmels willen! Johan ist ja weg. Wer kümmert sich um Olivia?«

»Wir haben Johan erreicht, und er ist auf dem Nachhauseweg.«

Ninas Unterlippe zitterte. »Aber warum bin ich hier? Ich kann mich an nichts erinnern. Ich habe einen totalen Blackout.«

»Nina, sehen Sie mich an.« Amanda blickte ihr in die Augen und erkannte Verzweiflung und Angst. Sie würde gezwungen sein, das alles noch schlimmer zu machen. »Ich werde Sie jetzt vernehmen.« Sie schluckte. »Sie werden verdächtigt, Ihre Tochter umgebracht zu haben.«

Stille. Der Stuhl, auf dem Nina saß, bebte.

Tränen stiegen Amanda in die Augen, und mühsam hielt sie sie zurück. Sie starrte auf eine Büroklammer, die auf dem Schreibtisch lag, und dachte, welch schöne Form sie doch hatte. Welch eine intensive blaue Farbe. Sie versuchte, sich abzulenken, nur damit sie nicht losweinte.

Dann nahm sie all ihre Kraft zusammen und blickte wieder in Ninas Gesicht. »Der Mord geschah in Ihrem Haus in der Nacht von gestern auf heute, also zwischen dem fünften und sechsten April. Sie sollen wissen, dass Sie ein Recht auf einen Verteidiger während der weiteren Vernehmung haben. Möchten Sie das?«

Nina umklammerte die Tischkante und sah aus, als könnte sie jeden Augenblick in Ohnmacht fallen. »Das muss ein Irrtum sein«, stammelte sie.

»Sollen wir warten, bis ein Verteidiger da ist, bevor wir weitermachen?«

»Nein! Ich will wissen, was passiert ist!« Nina schlug mit den Fäusten auf den Tisch. »Was ist passiert? Was ist passiert?«, schrie sie. Das braune Haar blieb an den mit Tränen überströmten Wangen kleben.

»Ganz ruhig. Bleiben Sie ruhig.« Es kam nicht infrage, jetzt irgendwo einen Anwalt aufzutreiben, der erst noch aus Stockholms Innenstadt zum Polizeirevier von Solna fahren musste. Sie würde es kurz machen. Es war ja trotz allem nur eine einleitende Vernehmung. »Können Sie uns sagen, was Sie gestern Abend gemacht haben?«

»Ich weiß es nicht! Ich erinnere mich an nichts!« Dann, plötzlich, verstummte Nina mit angsterfülltem Blick. Sie schob die Ärmel ihres viel zu großen Pullovers hoch und betrachtete ihren Arm. »Ich hatte Blut an den Armen. Oh Gott, ich hatte Blut an den Armen! Und in den Haaren!« Sie packte eine tränendurchnässte Strähne. Ihre Finger nahmen ein schwaches Rosa an. »Ich habe noch immer Blut in den Haaren! Was ist bloß passiert?! Wo ist Olivia?!« Sie sprang voller Entsetzen auf, und der Stuhl fiel um.

Crippe legte ihr den Arm um die Schultern. »Wie wir Ihnen schon gesagt haben: Ihre Tochter wurde ermordet. Es tut uns schrecklich leid.«

Nina sackte in sich zusammen. Sie zitterte und gab jammernde unkontrollierte Laute von sich, die Amanda erschaudern ließen. Crippes beruhigende Worte erreichten sie nicht.

»Wir beenden die Vernehmung an dieser Stelle«, sagte er schließlich.

Amanda wollte sich wieder auf die Büroklammer konzentrieren, um sich selbst zu beruhigen. Aber ihre Sicht verschwamm. Mit dem Zeigefinger fuhr sie über ihre Lider, atmete tief durch. Sie versuchte, die Mascara nicht zu verschmieren. Dann erst folgte sie Crippe und Nina in Richtung Zelle.

Nina protestierte nicht. Sie war verstummt. Ihr Körper glich einem ausgewrungenen Lappen. Sie ging in die Zelle und setzte sich auf das Bett mit der Gummimatratze.

Crippe schloss hinter ihr die Tür ab. Er drehte sich zu Amanda und stieß schließlich einen gequälten Seufzer aus. »Was denkst du?«

»Sie sagt die Wahrheit.« Amanda räusperte sich, um ihre Stimme zu festigen. »Sie erinnert sich wirklich an nichts.«

»Ich habe gespürt, dass wir nicht weiterkommen würden. Deshalb habe ich abgebrochen. Wie geht es dir?«

»Alles okay. Doch man sollte sie in die Psychiatrische bringen.«

Crippe nickte. »Ich bespreche das mit der Einsatzleitung.«

Sie gingen durch den Korridor zurück, in dem nun vollkommene Stille herrschte. Niemand schrie mehr. Der Wärter befand sich vermutlich noch immer im Pausenraum. Amanda dachte nach. Ja, das war das Angenehme an der Arbeit mit Crippe, sie schuldete ihm nie eine Entschuldigung oder Erklärung. Seit sie selbst Kinder hatte, war sie dünnhäutiger geworden. Der Hebamme zufolge lag das an einem Hormonschub, der sie ihr restliches Leben begleiten würde. Das hatte etwas Gutes und Schlechtes, fand Amanda. Sie hasste es allerdings, in Situationen zu geraten, in denen sie unprofessionell reagierte. Aber Nina Liljedahl war keine gewöhnliche Verdächtige. Sie hatte ihre Tochter verspeist. Und sie erinnerte sich an nichts, weil sie unter starkem Drogeneinfluss stand. Seltsam war auch, dass sie im Polizeiregister nicht im Zusammenhang mit Drogendelikten auftauchte. Nina Liljedahl war ein unbeschriebenes Blatt. Dasselbe galt...

»Rasant, spannend und nichts für schwache Nerven!«, OK!, 01.08.2018

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