Gespenster-Krimi 46 - Horror-Serie

Die Gefährtin des Teufels
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Juli 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9927-1 (ISBN)
 
Blitze zerschnitten den violetten Himmel. Die Flutwellen tobten gegen die nackten, grauen Felsen. Die Menschen vor dem offenen Grab zuckten entsetzt zusammen, als der Donnerschlag über sie hinwegdröhnte und sich im Brausen des Meeres verlor. Maureen würde niemals begreifen, warum man ihre Halbschwester Annabell ausgerechnet abends bei strömendem Regen und Gewitter im Familiengrab der Robbins begraben musste. Kläglich bimmelte es aus der armseligen Kapelle zur Andacht. Maureen stand mit gefalteten Händen neben ihrer Stiefmutter am offenen Grab. Sie war Mitte zwanzig, dunkelblond, und schlankes, eine hübsche, selbstbewusste Britin, sehr sportlich und elegant. Immer, wenn die Blitze aufzuckten, kamen ihr die Gesichter der vier Sargträger seltsam bleich und grünlich vor ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,64 MB
978-3-7325-9927-1 (9783732599271)

Die Gefährtin
des Teufels

von Rebecca LaRoche

Blitze zerschnitten den violetten Himmel. Die Flutwellen tobten gegen die nackten, grauen Felsen. Die Menschen vor dem offenen Grab zuckten entsetzt zusammen, als der Donnerschlag über sie hinwegdröhnte und sich im Brausen des Meeres verlor.

Maureen würde niemals begreifen, warum man ihre Halbschwester Annabell ausgerechnet abends um acht Uhr bei strömendem Regen und Gewitter im Familiengrab der Robbins begraben musste.

Der alte Chatelain Barthou riss trotz der Gicht, die er in den Armen fühlte, an der Glockenleine. Kläglich bimmelte es aus der armseligen Kapelle zur Andacht. Maureen stand mit gefalteten Händen neben ihrer Stiefmutter am offenen Grab. Sie war Mitte zwanzig, dunkelblond und schlank, eine hübsche, selbstbewusste Britin, sehr sportlich und elegant.

Immer, wenn die Blitze aufzuckten, kamen ihr die Gesichter der vier Sargträger seltsam bleich und grünlich vor .

Sie wandte den Kopf und warf Fleur einen schnellen Blick zu. Das Puppengesicht ihrer Stiefmutter war wie immer dick geschminkt. Ausdruckslos, fast gleichgültig wirkte ihre Miene.

Es tat Maureen leid um Annabell, auch wenn sie die Siebzehnjährige kaum gekannt hatte.

Einen Herzschlag sollte sie bekommen haben. Genaues hatte Maureen noch nicht erfahren. Ja, man hatte den Sarg schon fest verschlossen, als sie aus London eintraf. Maureen hätte gern Abschied von ihrer Schwester genommen, noch einen letzten Blick in ihr zartes, kindliches Antlitz getan.

Pater Bénoit sprach das Gebet.

Wieso, dachte Maureen, ist nicht der Pfarrer aus Mont-de-Marsan gekommen? Weshalb hält dieser junge Geistliche aus Soustons die Leichenrede? Und wer ist eigentlich der dünne Mann neben Fleur mit den tiefliegenden, dunklen Augen?

Pater Bénoit murmelte lateinische Worte vor sich hin. Maureens Aufmerksamkeit wandte sich den vier Sargträgern zu. Sie starrten in die dunkle Grube, als sähen sie tausend Teufel darin tanzen. Zwischen dem Donner vernahm Maureen das Gestöhne der vier Männer, einer öffnete den Mund zum Schrei, dann ließ er die Leine aus den Händen fallen, wirbelte herum und jagte davon.

Der Sarg, dem nun das Gleichgewicht fehlte, kippte zur Seite. Und während Pater Bénoit, seine Nase in das Gebetbuch vergraben, so tat, als ob er nicht bemerkte, was um ihn herum vorging, sondern leise vor sich hinsang, beobachteten die wenigen Trauergäste, wie sich der Sargdeckel durch die Steillage langsam öffnete.

Das war ein Zeichen für die drei verbliebenen Sargträger, in Panik ebenfalls die Sarggurte fallenzulassen und wie ihr Freund die Flucht anzutreten.

Das dumpfe Poltern aber, das der Sarg beim Aufprall auf den felsigen Boden verursachte, entging keinem, der zu dieser Trauerfeier auf dem Privatfriedhof der Robbins erschienen war. Die Stimme des Paters brach irritiert ab.

Zwischen dem Deckel und dem Sargunterteil klaffte ein breiter Spalt.

Maureen glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sie einen großen Stein bemerkte - er hatte den Umfang eines Tennisballs - der nun langsam in den Spalt rollte und dort liegen blieb.

Es war ungeheuerlich. Warum begriff niemand, was hier geschah? Warum schritt niemand ein?

Sie verlor beinahe den Verstand, als der Pater jetzt wieder zu singen begann.

Was für ein Begräbnis! Mit unverminderter Heftigkeit tobte das Gewitter über dem hohen Felsen, auf dem das Chateau de Robbin thronte. Wie ein Geisterschloss wirkte es im Schrein der grellen Blitze.

Wenn sie auch hier geboren war - Maureen bekam noch immer eine Gänsehaut bei diesem Anblick. Sie legte ihre Hand auf den Arm ihrer Stiefmutter.

»Fleur, wir müssen den Sarg öffnen!«, raunte sie ihr zu.

Fleur wandte nicht den Kopf. Sie schien taub zu sein.

»Fleur .«, drängte Maureen. »Hörst du mich? Wir müssen den Sarg öffnen. Ein Stein hat nichts darin zu suchen . Siehst du den Stein auch?«

»Ein Stein?«, krächzte Fleur de Robbin.

Maureen seufzte. Sie warf einen Blick über die Trauergäste. Es waren außer ihr, Fleur und dem unheimlichen Fremden mit den tiefliegenden Augen noch sieben.

Eine zusammengekrümmte Gestalt, die sich im Hintergrund hielt, langes, blondes Haar hatte und unbestimmbaren Alters war, zählte nicht dazu, Maureen kannte den Mann nicht.

Die sieben Leute, die gekommen waren, um Annabell de Robbin die letzte Ehre zu erweisen, setzten sich aus zwei Küchenmädchen, der alten Jeanne, dem Kutscher und der Mamsell Claudette aus dem Chateau de Robin zusammen. Maureen erkannte in der sechsten Person Monsieur Pigeon, den Krämer aus dem Dorf. Der stehende Trauergast war Maureen unbekannt. Er war hochgewachsen, dunkelblond, und gerade warf er ihr einen Blick zu, der halb amüsiert, halb neugierig war.

Spontan entschloss sich Maureen, ihn um Hilfe zu bitten. Sie verließ ihren Platz an der Seite ihrer Stiefmutter und trat auf den Fremden zu.

»Monsieur«, begann sie, »könnten Sie mir helfen, den Sarg wieder zu verschließen, nachdem wir den Stein herausgeholt haben?«

Sie fand nämlich, dass dieses seltsame Begräbnis lange genug gedauert hatte und dass man Annabell endlich ihre Ruhe gönnen sollte.

Der Fremde verneigte sich. »Charles Romain«, stellte er sich vor. »Verfügen Sie über mich, Madame.«

Sie griff nach seinem Arm und zog ihn hinter sich her bis zur offenen Grube.

Da trat ihr der dünne Mann in den Weg, der die ganze Zeit auf Fleur de Robbins anderer Seite gestanden hatte. Er sah Maureen stumm an. Und sie konnte sich nicht helfen. In seinem Blick war eine offene, ernst gemeinte Drohung.

»Würden Sie bitte aus dem Weg gehen?«

Als er nicht gehorchte, schob Maureen ihn einfach zur Seite. »Kommen Sie, Monsieur Romain«, befahl sie.

Als sie später an diese Szene zurückdachte, wunderte sie sich noch nachträglich darüber, dass ihr niemand zu Hilfe gekommen war.

Wie festgewachsen standen alle auf ihren Plätzen und ignorierten ihre Bemühungen um den Sarg.

Anders Charles Romain: Er packte den Sarg und setzte ihn erst einmal waagerecht hin.

»Aber wir müssen ihn öffnen und den Stein herausnehmen«, drängte Maureen.

Charles Romain hatte verstanden. Er bückte sich mit Maureen und riss den Deckel nach oben.

Plötzlich war es dunkel. Kein Blitz erhellte mehr den Himmel. Das Singen des Paters war verstummt.

Die Stille, die über den Trauergästen lag, ging über in einen einzigen, lauten Atemzug.

»Holt die Toten nicht aus dem Geisterreich zurück, ihr Lebenden .« peitschte eine gellende Stimme über die Köpfe der Menschen hinweg. »Es ist ein Frevel . versündigt euch nicht!«

Da . taghell war es auf einmal. Ein Bündel von Blitzen zerschnitt den Himmel. Donner rollte näher.

Maureen schrie gellend auf.

Der mit weißer Seide ausgeschlagene Sarg war zur Hälfte mit Steinen gefüllt. Für die Leiche der zarten Annabell de Robbin war kein Platz in diesem Sarg.

In Panik liefen die Dienstboten auseinander. Wie durch einen Schleier erkannte Maureen, dass der dünne, unheimliche Mann, der ihr in tiefster Seele zuwider war, ihre Stiefmutter stützte und wegführte.

Maureen fuhr herum zu Pater Bénoit, um von ihm eine Erklärung zu bekommen für das Unglaubliche, das hier vorgefallen war, doch er war verschwunden. Sein Priestergewand und das Gesangbuch lagen am Rande der Grube.

»Verlieren Sie bloß nicht die Nerven«, sagte die Stimme von Charles Romain leise neben ihr. »Es gibt für alles eine logische Erklärung - auch dafür.«

Maureen hob den Kopf und starrte ihn an.

Sogar sein kühnes, männliches Gesicht schien ihr plötzlich verdächtig zu sein. Was wollte er auf diesem Begräbnis? Welcher vernünftige Mensch nahm an einem fremden Begräbnis teil?

»Wer sind Sie?«, fragte sie.

Er lächelte.

Maureen spürte, dass die Angst ihr zum Herzen hochkroch. Sie bemerkte erst jetzt, dass sie mit diesem Mann allein auf dem kleinen Friedhof stand.

Das Gefühl der Gefahr wurde zwingender.

»Gute Nacht!«, murmelte sie und ging schnell auf die Pforte zu. Kam er ihr nach? Wer war er? Sie hatte den Namen Charles Romain noch nie zuvor gehört.

Aufatmend erreichte sie die Freitreppe, die zum Eingang des Schlosses hinaufführte. Erst jetzt blieb sie stehen und warf einen Blick zurück.

Romains hohe Gestalt zeichnete sich gegen den nachtdunklen Himmel ab. Er stand noch immer auf dem kleinen Friedhof nahe dem Klippenrand. Sein Gesicht war im Dunkeln.

Er blickte ihr nach. Er beobachtete sie.

Maureen fröstelte und betrat das Chateau.

Der alte Barthou hatte im Kamin ein Feuer gemacht. Und doch war es im Salon des Schlosses kalt wie in einer Gruft.

Als Maureen eintrat, sah sie ihre Stiefmutter Fleur de Robbin im hohen Lehnstuhl sitzen. Auf der Lehne hockte der dünne Mann mit den tiefliegenden Augen. Er hatte seine langen Finger um Fleurs rechte Schulter gekrallt.

»Beruhigen Sie...

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