Mörderische Spuren - Lisi Badichi ermittelt

Zwei Kriminalromane in einem Band
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 847 Seiten
 
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978-3-96148-677-9 (ISBN)
 
Die Bestseller aus Israel - zwei brandheiße Fälle von Lisi Badichi erstmals in einem Band: "Mörderische Spuren" von Shulamit Lapid jetzt als eBook bei dotbooks. Keine kann's wie Lisi Badichi - und als in ihrer beschaulichen Heimatstadt die Bürgermeisterwahl ansteht, ist die rasende Reporterin mit dem Spezialgebiet Klatsch, Tratsch und Mord darum sofort zur Stelle, um nach Skandalen zu forschen. Ehud Lion ist der Liebling der Wähler - bis Lisi seiner dunklen Vergangenheit im Drogenhandel auf die Spur kommt. Doch damit sticht sie in ein Wespennest: Die Mächtigen der Stadt haben allesamt Leichen im Keller - und sie sind zu allem bereit, um diese dunklen Geheimnisse zu wahren. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den Lisi schon bald zu verlieren droht ... "Lapid hat einen spannenden, vielschichtigen Krimi voller Humor geschrieben. Mit milder Ironie entwirft sie einen Mikrokosmos, bevölkert nicht nur von Bösewichten, sondern auch mit skurrilen, poetischen und versponnenen Menschen." Spiegel "Lisi ist eine verwundbare, wunderbar starke Frau." Die Welt Ausgezeichnet mit dem deutschen Krimipreis: Zwei Kriminalromane der israelischen Bestsellerreihe erstmals im Sammelband "Mörderische Spuren" von Shulamit Lapid - jetzt als eBook bei dotbooks.
  • Deutsch
  • 1,32 MB
978-3-96148-677-9 (9783961486779)
Shulamit Lapid wurde 1934 in Tel Aviv geboren. Sie ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Israels; ihre Werke sind preisgekrönt. Neben Kriminalromanen schreibt sie historische und sozialkritische Romane sowie Kurzgeschichten, Theaterstücke und Kinderbücher. Besonders bekannt ist Lapids Krimireihe über die Journalistin Lisi Badichi. "Lokalausgabe", der erste Teil der Serie, wurde 1996 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Bei dotbooks erscheinen alle fünf Bände der Lisi-Badichi-Reihe: "Lokalausgabe", "Der Hühnerdieb", "Goldstück", "Der tote Bräutigam" und "Die Geliebte auf dem Berg". Diese sind auch in den Sammelbänden "Tödliche Wahrheiten" und "Mörderische Spuren" erhältlich.

1. Kapitel


Der Streik bei Sargon, der Strickwarenfabrik, in der Batscheva Badichi, Lisis Mutter, seit fünfunddreißig Jahren arbeitete, dauerte nun schon fünf Wochen. Die Tore der Fabrik waren verriegelt, und das Bürogebäude wurde von bewaffneten Wachleuten blockiert. Nachts wurden die Rottweiler freigelassen, jedoch nicht in den Hof gebracht. Die Arbeiter sagten, für das, was das Hundefutter kostete, hätte man auch eine dritte Wachschicht bezahlen können.

Es war bereits zehn Uhr. Lisi stand an ihrem Fenster und trank Kakao, schaute der Pappschachtel nach, die auf der Straße herumrollte, und dachte an ihre Mutter. Sie versuchte zu verstehen, was so spannend daran war, Ärmel fertigzustellen, denn das war die Arbeit ihrer Mutter gewesen. Acht Stunden am Tag, manchmal auch zehn, nur Ärmel fertigstellen und das für zehneinhalb Schekel die Stunde.

Lisi wäre liebend gern zu Hause geblieben, von der Küche zum Wohnzimmer und vom Wohnzimmer in die Küche gewandert, hätte sich eine herzzerreißende Serie im Fernsehen angeschaut und dabei Kürbiskerne aus Afula geknackt. Aber sie wußte, daß sich Adolam von der Post bereits in der Stadt herumtrieb und sie sich keine Ruhe gönnen durfte. Seit er eine eigene Sendung beim lokalen Fernsehsender bekommen hatte, war er übereifrig, und von seinen früheren Ausflüchten und typischen Tricks war nichts mehr übrig. Beni Adolam, der Mann, der seine Faulheit zur Lebensphilosophie erhoben und hemmungslos ihre Artikel abgeschrieben hatte, hatte sich in den letzten Monaten zu einer tatsächlichen Bedrohung ihrer Existenz entwickelt.

Im Radio kam die Meldung, daß der Sandsturm, der um drei Uhr nachts begonnen hatte, in vierundzwanzig Stunden vorbei sein würde. Die Luft war braun, Bäume und Zäune schwankten hin und her. Der Sturm zerrte Abfalleimer und Fahrräder mit sich, er glich einem wilden Tier im Dschungel, das seine Beute an einen geheimen Ort bringen will, um sie ungestört zu verschlingen. Im Wetterbericht sagte der Radiosprecher, einen solchen Sturm habe es im Negev seit dreißig Jahren nicht mehr gegeben, doch er werde sich im Laufe der kommenden Nacht legen. Dann wurde von zwei Karawanen berichtet, die vom Sturm in eine Schlucht getrieben worden seien, wo sie jetzt festsaßen, und daß die Blechbaracke eines Beduinen von Lakija mit siebzig Kilometern pro Stunde Richtung Omer fliege, mit einem Esel im Schlepptau, der an einem Pfosten angebunden sei. Ein Augenzeuge erzählte, daß die Tauben aus dem Taubenschlag des Kindergartens im Simek-Bezirk vom Sandsturm verrückt geworden und in den Hundezwinger der Polizei geflogen seien, der nun wie ein Geflügelschlachthaus aussehe. Der Sand zerkratzte die Fenster, und der Wind heulte mit der Hartnäckigkeit brünstiger Hunde. Lisi lief ein Schauer über den Rücken.

Früher oder später würde sie das Haus verlassen müssen, da half gar nichts. Sie wußte, daß die überregionale Zeit an einer Reportage über diesen Sturm sehr interessiert wäre.

Lisi schlüpfte in ihren Regenmantel und band sich die Kapuze fest. So ein Sandsturm bewies, wie zweckmäßig die Kopfbedeckungen der Beduinenfrauen waren, die nur einen schmalen Schlitz für die Augen freiließen. Das Futter der Manteltasche war zerrissen, und als Lisi die Hand in das Loch schob, fand sie die großen runden Ohrringe, die sie von Tante Klara und Onkel Ja'akov zum Geburtstag bekommen hatte. Einen Monat war es nun schon her, daß sie die beiden in ihrem Laden am Busbahnhof besucht hatte. Sie klipste die Ohrringe an und nahm sich fest vor, bald wieder bei Tante Klara und Onkel Ja'akov vorbeizuschauen.

Auch ihr Auto war dick mit Sand bedeckt, und als Lisi die Scheibenwischer anstellte, schoben sie eine braune Schmutzschicht zur Seite. Sie schaltete die Scheinwerfer ein und fuhr mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Stundenkilometern Richtung Sargon. Die Straßen waren leer, der Wind rüttelte an den Bäumen, als wären sie Grasbüschel. Alle Türen und Fenster der Stadt waren verschlossen, die Rolläden heruntergelassen. Die Straßenlaternen brannten. Man hatte das Gefühl, in einer belagerten Stadt zu sein, und nichts deutete darauf hin, daß der Sturm jemals nachlassen würde.

Als sie das Industriegebiet in nördlicher Richtung hinter sich gelassen hatte und sich in dem öden Wüstenabschnitt zwischen der Stadt und der Strickwarenfabrik befand, verschwanden die Konturen der Hügel im wirbelnden Sand, und Lisi wußte manchmal nicht, ob sie noch auf der Straße fuhr oder bereits im Sand daneben. Die brennenden Straßenlaternen, die in zwei Parallelreihen in gleichmäßigem Abstand in der Luft hingen, waren das einzige, woran sie sich halten konnten.

Die demonstrierenden Arbeiter, die seit Wochen zur Fabriklandschaft gehört hatten, waren verschwunden. Kein Auto parkte vor dem Gelände. Immer hatten ein oder zwei Streikende andere mit ihrem Auto zu Hause abgeholt, sie zur Fabrik gebracht und ihre Autos außerhalb des Fabrikzauns, vor dem großen Tor, am Straßenrand geparkt. Das war eine Bedingung der Polizei gewesen: Ihr dürft demonstrieren, aber nicht auf dem Gelände der Strickwarenfabrik. Das Gelände der Fabrik, die der Familie Tarschisch gehörte, umfaßte fast vierzig Dunam und war von einem Zaun umgeben, und das einzige Gebäude, das darauf stand, war die Strickwarenfabrik Sargon.

Im Hof der Fabrik flog das abgerissene Stück eines Rollladens hin und her, knallte gegen die Mauer und fiel wieder herunter. Ein Blitz erhellte plötzlich den grauen Himmel. Durch das Autofenster bemerkte Lisi einen Schatten. Das mußte das Auto der Wachleute sein, die dort Schutz gesucht hatten. Vermutlich hatten sie sich überlegt, daß es zwar ihre Aufgabe sei, den Angriff streikender Arbeiter abzuwehren, es jedoch keinen Paragraphen gebe, der von einem Kilo Sand in den Lungen sprach. Die Fenster des Subaro waren mit Sand bedeckt, wie alles in Be'er Scheva, und Lisi konnte nicht erkennen, welche Wachleute heute Dienst hatten.

Der Wind schlug gegen die Planen des Zelts, das die Arbeiter auf der anderen Seite der Straße als Streikbüro aufgeschlagen hatten, dem Tor genau gegenüber. Lisi stieg aus dem Justy und ging hinüber, mit hochgeklappter Kapuze, um Mund und Nase vor dem Sand zu schützen.

Das Zelt war leer. Batscheva Badichi, die Mutter der Sargon-Belegschaft, hatte zusammen mit ihren Kampfgenossen das Schlachtfeld verlassen. Wo war sie jetzt? Was tat sie? Was würde sie von nun an bis ans Ende ihrer Tage tun, diese Frau, die immer nur gearbeitet, nichts als gearbeitet hatte und die, als man ihr diese Arbeit nahm, gestreikt und demonstriert, gestreikt und demonstriert hatte, bis ihr der Sandsturm auch diese letzte Möglichkeit genommen hatte?

Eine Katze lag mit ihren vier Jungen auf einer alten Luftmatratze in dem Zelt, das während der letzten Wochen der Stützpunkt der Streikenden gewesen war. Die Katzenjungen waren fast durchscheinend, rosafarbene Hautfalten umhüllten die Körperchen, die Augen waren noch geschlossen, und ihre ganze Energie konzentrierte sich in den Mäulchen, die an den Zitzen der Mutter saugten. Die Katze sträubte das Fell, als Lisi näher trat, und stieß einen kurzen Drohlaut aus. Lisi flüsterte: »In Ordnung, in Ordnung, reg dich nicht auf«, und verließ hastig das Zelt. Sand knirschte zwischen ihren Zähnen, ihre Augen brannten, und im Mund hatte sie den Geschmack von Rauch. Wenn die Arbeiter hier wären, hätte längst irgendjemand der Katze Milch oder Wasser gegeben. Und ihr selbst hätte jemand süßen Tee aus seiner Thermosflasche angeboten.

Lisi rief ihre Mutter an, um zu fragen, ob die Arbeiter vielleicht beschlossen hatten, die Demonstration zu beenden. Nein, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Batscheva Badichi. Sie selbst sei nur wegen des Wetters zu Hause geblieben. An so einem Tag gehe kein vernünftiger Mensch auf die Straße.

»Geht es dir gut, Mama?« fragte Lisi.

»Es geht mir prima, Lisi. Wo bist du?«

»Vor der Fabrik. Hier ist kein Mensch. Ich komme heute Nachmittag zu dir.«

»Komm nicht, Lisi«, sagte Batscheva.

»Warum?«

»Ich möchte allein sein.«

»Wir trinken eine Tasse Kaffee«, sagte Lisi, »und dann gehe ich wieder. Ich bin um vier Uhr bei dir.«

»Ich möchte allein sein, Lisi«, entgegnete ihre Mutter. »Komm lieber nicht.«

Lisi hatte das Gefühl, als drehte sich ihr Magen um. Sie haßte diese leise, leidende Stimme, die sie zu einem kleinen Mädchen machte, das gestraft werden mußte. In ihr hatte sich im Laufe der Jahre ein ganzer Sack voller Sünden angesammelt. Da gab es zum Beispiel die Fensterscheibe der Nachbarin, die beim Spielen zerbrochen war, oder die mit Schokoladenmus bestrichenen Brotscheiben, die sie Tag für Tag in den Abfalleimer geworfen hatte; der Lippenstift der Mutter, der auf den Lippen der zehnjährigen Lisi abbrach, der Mann, der sich hinter dem Lebensmittelgeschäft entblößt hatte, der Leutnant, der ihr zwischen die Beine gefaßt hatte, als sie nachts im Jeep nach Hause gefahren waren, und den sie, aus Angst und Scham zur Salzsäule erstarrt, nicht weggestoßen hatte. So viele dumme Fehler, die zu ständigen Schuldgefühlen geführt hatten.

»Bist du böse auf mich, Mama?«

»Nein«, sagte Batscheva. »Habe ich einen Grund, Lisi?«

Neben dem Mülleimer entdeckte Lisi eine leere Plastikdose. Sie beschloß, der Katze und ihren Jungen Wasser zu bringen. Am nördlichen Ende des Geländes, auf der anderen Seite des Zauns, stand der alte Autobus von Oved Hanegbi, dem Verrückten vom Sargon, und daneben fand sich ein Wasserhahn. Lisi entschied sich dafür, mit dem Auto hinzufahren. Es wäre gut, wenn er sich um die Katze und ihre Jungen kümmerte, nun, da die Arbeiter das Gelände...

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