Gott der Bosheit - Roman

 
 
Verlag DeBehr
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. August 2020
  • |
  • 414 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95753-799-7 (ISBN)
 
Paris. Nach Enttäuschungen und der Trennung von ihrer großen Liebe fühlt sich die junge, attraktive Anna wohl in ihrem neuen Domizil. Ihre zahlreichen Männerbekanntschaften enden allerdings meist in einem Desaster. Erst die Bekanntschaft mit Luc, einem charismatischen Arzt, scheint eine überraschende Wendung zu bringen. Die lang ersehnte Liebe hält endlich erneut Einzug in ihr Leben. Anna nimmt eine Auszeit auf Gomera. Doch der Urlaub endet in einer Tragödie. Eine Geschichte von zerbrochenen Träumen, Sehnsucht und Hoffnung.
  • Deutsch
  • Radeberg
  • |
  • Deutschland
  • 1,06 MB
978-3-95753-799-7 (9783957537997)
weitere Ausgaben werden ermittelt

 

Kapitel 2

Louis hat mir am Anfang unserer, im Nachhinein betrachtet, doch sehr kurzen Beziehung, wirklich gutgetan. Er strahlte diese unbekümmerte Leichtigkeit des Seins aus. Er lebte einfach so in den Tag hinein und war auch nahezu rund um die Uhr verfügbar. Mit der Zeit wurde er aber anstrengend, richtig nervig war er, wenn ich malen wollte und er Lust auf Sex hatte.

Er hatte immer Lust auf Sex und es gefiel ihm auch, dass er bei mir so einiges dazulernte.

Aber zum Leben gehört auch der Ernst und nicht ausschließlich Spaß, ich  w i l l  malen. Es gehört zu meinem Leben, wie atmen, essen, schlafen und natürlich auch ficken. Aber nicht ausschließlich ficken! Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Louis mich als das Ende einer unendlich langen Durststrecke ansah, oder er mit seinem Leben so unzufrieden war, dass Sex seine einzige Befriedigung darstellte. Wie auch immer, mit der Zeit schwand meine Lust und ich wurde richtig zickig. Das entsprach aber so überhaupt nicht meinem Naturell.

"Was willst du in deinem Leben erreichen, Louis?"

"Wie meinst du das? Was soll ich erreichen wollen? Ich habe dich und wir haben doch ein schönes Leben. Haben jeden Tag Sex, mehrmals .", er grinst . "und es geht uns doch gut. Oder etwa nicht? Ich bin rundum zufrieden."

Dann hat er mich meistens unglaublich lieb angesehen und ich bin wieder schwach geworden.

Potent war er ja, aber .

Und da war auch die Sache mit dem Zusammenziehen. Ich weiß bis heute nicht, ob alles nur Berechnung war, aber plötzlich hat er nicht nur übernachtet bei mir . wir  w o h n t e n  zusammen und der Übergang von "Darf ich heute bei dir übernachten" bis zum kommentarlosen Einziehen und einfach immer da sein, war fließend.

Genüsslich ziehe ich an meiner Zigarette und verfolge weiterhin das Naturschauspiel, das sich vor meinem Fenster abspielt. Ich weiß nicht einmal, wo Louis gewohnt hat, bevor er sich bei mir eingenistet hatte. Wo er jetzt wohl wohnt? Obdachlos war er aber mit Sicherheit auch damals nicht, dazu hatte er eine viel zu gepflegte Erscheinung und außerdem roch er unverschämt gut. Ich kenne keinen Obdachlosen, der gut riecht und so schöne Zähne hat. Louis hatte das perfekte Gebiss. Nicht eine einzige Plombe oder Krone und schon gar nicht fehlte ihm ein Zahn. Was mir schon auffiel, er wollte nicht über seine Eltern sprechen. Er erzählte mir kaum etwas über seine Familie, nur dass er keine Geschwister hatte und er mit seinem Vater keinen Kontakt mehr pflegte. Den Grund wollte er mir nicht nennen. Damals war mir auch seine Familiengeschichte ziemlich egal, ich wollte gevögelt werden und das tat er. Er erfüllte zwar nicht immer mein Verlangen, aber er war ein äußerst gelehriger Schüler und befriedigte mich. Bis er mir langweilig wurde. Zum Schluss wollte ich ihm wirklich schon wehtun. Ich hasste sein hübsches Gesicht, seinen tollen Körper, alles . sein Zahnpasta-Lächeln. Ich wollte ihm seine schöne Nase brechen oder zumindest ohrfeigen. Er widerte mich an, aber ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich mich für ihn verantwortlich fühlte. So ein Scheiß!

Das Fatale an der Geschichte war, ich wusste nicht mehr, wann die Sache kippte? Am Anfang riss er mich wirklich mit und er faszinierte mich, wegen seiner Art. Dann kotzte er mich an, auch wegen seiner Art. Er war, was seine Kunst anbelangte, unglaublich talentiert und er vergeudete sein Talent. Das machte mich nach einer gewissen Zeit rasend. Natürlich auch, dass er sich so mir nichts dir nichts bei mir eingenistet hatte und überhaupt nichts dazu beitrug. Weder finanziell noch anderweitig. Er war einfach da.

Ich stecke mir eine weitere Zigarette an und fühle mich wie eine Kettenraucherin. Kaum ausgedrückt, schon die nächste angezündet. Was wird er wohl bei diesem Wetter tun? Shit, warum mache ich mir noch immer Gedanken über ihn? Ich sollte jubilieren und Freudentänze veranstalten, aber ich spüre eine innere Leere und das irritiert mich. Er war und ist ja kein schlechter Mensch und . und er hat mich sicher  n i e  betrogen. Wann hätte er das auch tun sollen, er ist mir ja nicht von der Pelle gerückt? Ich springe vom Fensterbrett und schlendere mit der brennenden Zigarette in mein Atelier. Louis hat mich gemalt. Ein Porträt, so wie er mich gesehen hat.

Ich stelle es auf eine freie Staffelei und betrachte es. Mein Gott, er hat so viel Potenzial.

Werde ich ihn je wieder sehen? Zum Abschied hat er mir gesagt, dass ich ihm das Herz gebrochen hätte und er Paris verlassen würde. Noch heute. Das war gestern, also wird er, seinem Reden nach, schon über alle Berge sein und ich werde ihn nie wieder sehen. Louis. Lieb war er schon, aber so konnte es nicht mehr weitergehen.

Ich beschließe, ihn aus meiner Erinnerung heraus zu malen.

Während ich mich in einen wahren Farbenrausch hineinsteigere, geht draußen die Welt unter. Das Unwetter nimmt noch einmal an Fahrt auf. Es donnert und blitzt und ich habe das Bedürfnis, mich an eine starke Männerbrust anzuschmiegen, um beschützt werden. Louis. Du hast mir auch das Herz gebrochen, weil du dich nicht als der entpuppt hast, für den ich dich gehalten habe.

Sind meine Erwartungen, eine Beziehung betreffend, zu hoch? Ich will doch nur eine Schulter zum Anlehnen, einen Mann, mit dem ich auf Augenhöhe bin. Ist das zu viel verlangt?

Louis auf Leinwand gebannt, es ist ein Meisterwerk geworden. Ich lobe mich sehr, sehr selten selbst, aber in diesem Fall klopfe ich mir imaginär auf die Schulter. Ich habe ihn genau getroffen. Wunderschön, verletzlich, gedankenlos, antriebslos, irgendwie verspielt, verträumt, geil . Ich werde dieses Bild genauso behalten, wie jenes von Theo. Ich stelle beide nebeneinander an die Wand und träume vor mich hin. Dr. Frankenstein hat sich sein Monster auch aus verschiedenen Leichenteilen zusammengestellt. Wenn Louis den einen oder anderen Zug von Theo gehabt hätte . Shit, schon wieder dieses Konjunktiv. Was wäre wenn? Was wäre die Welt ohne Konjunktive? Ich mache mir eindeutig zu viele Gedanken.

Mein Telefon vibriert. Während ich male, ist mein Handy immer auf lautlos geschaltet.

Fabienne. Ich habe sie durch Louis kennengelernt. Sie ist die Freundin eines Freundes von ihm und besitzt ein kleines Antiquitätengeschäft in der Rue de l'Abbé-Patureau, auch im 18. Arrondissement, nicht weit von mir entfernt. Sie ist auch erst Ende zwanzig, aber eine sehr erfolgreiche Geschäftsfrau und mit Pierre seit gefühlten hundert Jahren zusammen. Die beiden kannten sich schon seit ihrer Kindheit und sind für mich wirkliche Vorbilder, was das Beziehungsproblem betrifft. Ich habe noch nie ein Paar kennengelernt, das so unglaublich liebevoll miteinander umgeht. In ihrer Gegenwart muss man sich einfach wohlfühlen. Fabienne und ich sind Freundinnen geworden. Alleine dafür bin ich Louis sehr dankbar.

"Salut, Anna. Wie geht es dir? Möchtest du alleine sein, oder soll ich auf einen Sprung bei dir vorbeikommen?"

Diese Frage kann nur rhetorisch gemeint sein. Ich wurde noch nie Zeugin eines solchen Unwetters.

Unmöglich, das Haus zu verlassen, außer es handelt sich um einen absoluten Notfall.

"Ich habe das von Louis und dir gehört. So ein Scheißkerl, wie konnte er nur . Aber du hast ja Freunde und ."

Moment? Habe ich da irgendetwas verpasst?

"Fabienne, wovon sprichst du? Warum ist Louis ein Scheißkerl? Was soll das?"

"Na, er hat dich doch verlassen. Wegen Lolá, seiner Ex."

Ich verstehe überhaupt nichts mehr und kläre Fabienne auf.

"Er war gestern mit Pierre zusammen. Sie haben sich die ganze Nacht lang volllaufen lassen und er hat felsenfest behauptet, dass er wieder zu Lolá zurückgegangen ist.

Pierre hat die beiden sogar heute ganz zeitig in der Früh zum Bahnhof gebracht.

"Wir brauchen erst einmal eine kleine Luftveränderung", hat er zu Pierre gesagt.

"Und angeblich wollten sie nach Lissabon. Frage mich bitte nicht, warum gerade Lissabon?"

Das zu "Du hast mir das Herz gebrochen, Anna."

Ich fasse es nicht. Von Fabienne erfahre ich auch noch, dass ihr Pierre erzählt hatte, Louis hatte schon längere Zeit wieder sehr intensiven Kontakt zu dieser Lolá, von der ich heute das erste Mal überhaupt Kenntnis erhalte.

Wann zum Teufel hatte er überhaupt Zeit und Gelegenheit, diese Schlampe zu treffen?

Er klebte doch förmlich an mir?

"Und du hattest von Lolá keine Ahnung?"

"Ich höre diesen Namen zum ersten Mal von dir. So ein Arsch. Und ich hatte bis jetzt echt ein schlechtes Gewissen. Er hat mir total leidgetan, obwohl die letzten Wochen bereits die Hölle für mich gewesen sind und ich versucht habe, mir die Beziehung schön zu reden. Ich konnte ihn nicht mehr atmen hören, wenn du verstehst, was ich meine? Dann hat er mich also nur benutzt und ."

"Ja, ausgenützt. Wahrscheinlich hat er keinen Cent bezahlt, seit er bei dir eingezogen ist. Habe ich recht?"

Oh ja und wie recht sie hat.

"Ich habe mit Pierre oft darüber gesprochen, aber wir wollten uns nicht einmischen. Ich bin ja nie so richtig klargekommen mit Louis, aber er ist halt ein Freund von Pierre und ."

"Hey, du...

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