Die Eishexe

Kriminalroman
 
 
Ullstein (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. Januar 2018
  • |
  • 752 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1596-6 (ISBN)
 

"Die erfolgreichste Schriftstellerin Schwedens." Brigitte

Als die kleine Linnea Berg vermisst gemeldet wird, starten die Bewohner von Fjällbacka eine Suchaktion in den umliegenden Wäldern. Schon einmal wurde ein Mädchen dort getötet. Dreißig Jahre ist das nun her. Damals fand man Stella Strand an dem einsam gelegenen Waldsee. Zwei 13-Jährige bekannten sich zur Tat - um wenig später ihr Geständnis zu widerrufen. Der Fall wurde nie geklärt. Kurz darauf beging der Chef der Polizeistation Tanum Selbstmord.

Hauptkommissar Patrik Hedström findet keine Ruhe. Und plötzlich reden alle von der Eishexe. Dem bodenständigen Kommissar widerstrebt es, dass eine Legende um ein misshandeltes Mädchen aus dem 17. Jahrhundert die Ermittlungen beeinflusst. Doch im Ort herrscht Hysterie. Nur seine Frau, Schriftstellerin Erika Falck, scheint einen kühlen Kopf zu bewahren. Schon lange recherchiert sie in dem alten Fall. Gemeinsam versuchen sie, Licht in das Dickicht aus Geschichten und Gerüchten zu bringen.

Der neue Fjällabacka-Krimi, der Nummer eins-Bestsellererfolg aus Schweden!

1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 4,44 MB
978-3-8437-1596-6 (9783843715966)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Camilla Läckberg, Jahrgang 1974, stammt aus Fjällbacka - der kleine Ort und seine Umgebung sind Schauplatz ihrer Kriminalromane. Weltweit hat Läckberg inzwischen über zwölf Millionen Bücher verkauft, sie ist Schwedens erfolgreichste Autorin. Heute lebt Camilla Läckberg in einer großen Patchworkfamilie in Stockholm.

Katrin Frey, geboren 1972, hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Schleswig und Berlin. Sie hat u. a. Stefan Ahnhem, Karin Alvtegen, Camilla Läckberg und Håkan Östlundh übersetzt und ist Mitglied der Jungen Weltlesebühne. 2002 hat sie das Berliner Übersetzerstipendium und 2009 ein Aufenthaltsstipendium für das Baltic Centre for Writers and Translators in Visby bekommen.

Niemand konnte wissen, wie das Leben des Mädchens ausgesehen hätte. Wer sie geworden wäre. Welchen Beruf sie ergriffen, wen sie geliebt, um wen sie getrauert, wen sie verloren hätte und wen erobert. Ob sie Kinder bekommen hätte und zu was für Menschen diese wiederum geworden wären. Auch wie das Mädchen als erwachsene Frau ausgesehen hätte, ließ sich nicht sagen. Im Alter von vier Jahren war alles noch unfertig. Die Augen changierten zwischen grün und blau, das bei der Geburt noch dunkle Haar war nun hell, aber das Blond hatte einen leichten Rotstich und konnte sich bestimmt wieder ändern. Im Moment war es besonders schwer zu erkennen. Sie lag mit dem Gesicht auf dem Grund des Sees. Ihr Hinterkopf war mit geronnenem Blut bedeckt. Nur die wogenden langen Strähnen vorne am Haaransatz wiesen hellere Nuancen auf.

Man konnte nicht behaupten, dass eine unheimliche Stimmung über der Szenerie lag. Nicht unheimlicher, als wenn das Mädchen nicht im Wasser gelegen hätte. Die Geräusche des Waldes klangen genauso wie immer. Das Licht wurde durch die Bäume gefiltert, wie immer, wenn um diese Tageszeit die Sonne schien. Das Wasser, das sie umgab, bewegte sich kaum, und nur wenn hin und wieder eine Libelle auf der Oberfläche landete, breiteten sich Ringe auf dem Wasserspiegel aus. Die Verwandlung hatte eingesetzt, und allmählich würde das Mädchen ein Teil des Waldes und des Wassers werden. Wenn niemand sie fand, würde die Natur das Ihre tun und sich das Kind wieder aneignen.

Noch wusste niemand, dass sie nicht mehr da war.

»GLAUBST DU, DEINE Mutter heiratet in Weiß?« Erica drehte sich im Doppelbett zu Patrik um.

»Sehr witzig, echt«, sagte er.

Erica knuffte ihn lachend in die Seite.

»Wieso belastet es dich so, dass deine Mutter heiratet? Dein Vater ist schon lange wieder verheiratet, und das findest du doch auch nicht seltsam.«

»Ich weiß, es ist albern von mir.« Patrik schüttelte den Kopf, schwang die Beine aus dem Bett und zog sich die Socken an. »Ich mag Gunnar und freue mich, dass Mama nicht allein sein muss .«

Er stand auf und schlüpfte in seine Jeans.

»Wahrscheinlich ist es nur ein wenig ungewohnt für mich. Mama war allein, seit ich denken kann, und wenn man das gründlich analysiert, spukt bestimmt irgendein Mutter-und-Sohn-Ding in mir herum. Ich finde es nur so . merkwürdig . meine Mutter hat ein . Liebesleben.«

»Du findest es also merkwürdig, dass sie und Gunnar miteinander schlafen?«

Patrik hielt sich die Ohren zu.

»Hör auf!«

Erica warf ihm lachend ein Kissen an den Kopf. Es flog umgehend zurück, und kurz darauf herrschte Krieg. Patrik stürzte sich auf sie, aber die Rauferei ging schnell in Zärtlichkeiten und tiefe Atemzüge über. Sie strich sanft über seine Hosenknöpfe und öffnete den oberen.

»Was macht ihr?«

Majas helle Stimme ließ sie innehalten. Sie schauten zur Tür. Dort stand nicht nur Maja, sondern sie wurde flankiert von ihren kleinen Zwillingsbrüdern, die genau wie sie belustigt die Eltern im Bett beobachteten.

»Wir haben uns nur ein bisschen gekitzelt.« Außer Atem stand Patrik auf.

»Reparier endlich diesen Haken!«, zischte Erica und zog die Bettdecke über ihren nackten Oberkörper.

Dann setzte sie sich auf und zwang sich, die Kinder anzu­lächeln.

»Geht schon mal runter und deckt den Frühstückstisch, wir kommen gleich.«

Patrik, der sich mittlerweile vollständig angezogen hatte, scheuchte die Kinder vor sich her.

»Wenn du es nicht schaffst, diesen Haken anzubringen, frag doch Gunnar. Der ist doch allzeit bereit mit seiner Werkzeugkiste. Falls er nicht gerade an deiner Mutter rumschraubt .«

»Es reicht.« Lachend ging Patrik aus dem Zimmer.

Mit einem Lächeln auf den Lippen legte Erica sich wieder ins Bett. Sie konnte es sich erlauben, sich mit dem Aufstehen noch ein wenig Zeit zu lassen. Dass sie nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo erscheinen musste, war einer der Vorteile daran, sein eigener Chef zu sein, konnte aber auch als Nachteil betrachtet werden. Die Arbeit als Schriftstellerin erforderte Charakterstärke und Selbstdisziplin, und manchmal fühlte man sich etwas einsam. Trotzdem liebte sie ihren Beruf, sie liebte das Schreiben, und sie liebte es, den Geschichten, die sie erzählte, Leben einzuhauchen, tief in die menschlichen Schicksale einzutauchen und herauszufinden, was eigentlich wirklich passiert war und warum. Den Fall, an dem sie zurzeit arbeitete, hatte sie lange im Auge gehabt. Dass die kleine Stella entführt und anschließend von Helen Persson und Marie Wall getötet worden war, bewegte noch immer ganz Fjällbacka.

Und nun war Marie Wall wieder da. Der gefeierte Hollywoodstar spielte die Hauptrolle in einem Film über Ingrid Bergman. Im Ort brodelte die Gerüchteküche.

Jeder hatte eine von beiden oder zumindest ihre Familien gekannt, und alle waren gleich bestürzt gewesen, als an diesem Julinachmittag 1985 Stellas Leiche in dem Waldsee gefunden wurde.

Erica drehte sich auf die Seite und fragte sich, ob die Sonne damals auch so schön geschienen hatte. Wenn sie so weit war, die wenigen Meter zu ihrem Arbeitszimmer hinüberzugehen, würde sie das sofort überprüfen. Aber das musste noch ein bisschen warten. Sie schloss die Augen und döste noch einmal ein, während sie unten in der Küche die Stimmen von Patrik und den Kindern hörte.

Helen beugte sich vor und sah sich um. Sie stützte sich mit den schweißnassen Händen auf den Knien ab. Obwohl sie später als sonst gelaufen war, hatte sie einen persönlichen Rekord aufgestellt.

Das Meer lag blau und still vor ihr, aber in ihr tobte ein Sturm. Helen richtete sich auf und schlang sich die Arme um den Leib, sie konnte nicht aufhören zu zittern. »Da ist jemand über mein Grab gegangen«, hatte ihre Mutter immer gesagt. Und vielleicht stimmte das auch ein bisschen. Nicht, dass jemand über ihr Grab gegangen wäre. Aber über ein Grab.

Die Zeit hatte ihren Schleier über die Vergangenheit gelegt, die Erinnerungen waren diffus. Am deutlichsten waren ihr die Stimmen im Gedächtnis geblieben, die genau wissen wollten, was geschehen war. Sie sagten so lange immer wieder das Gleiche, bis sie nicht mehr wusste, was deren Wahrheit war und was ihre eigene.

Damals war es ihr ausgeschlossen erschienen, hierher ­zurückzukehren und sich ein Leben aufzubauen. Doch sowohl das Getuschel als auch die Rufe wurden mit den Jahren verhaltener, verwandelten sich in ein leises Murmeln und verstummten schließlich ganz. Sie hatte das Gefühl gehabt, wieder ein ganz normales Mitglied der Gesellschaft zu sein.

Nun würde wieder geredet werden. Alles noch einmal ans Licht gezerrt werden. Und wie so oft im Leben kamen mehrere Dinge zusammen. Nach dem Brief von Erica Falck, in dem diese schrieb, dass sie an einem Buch arbeite und sich gern mit Helen treffen wolle, hatte sie wochenlang kein Auge zugetan. Am Ende musste sie sich ein neues Rezept für die Tabletten, auf die sie seit Jahren verzichten konnte, ausstellen lassen. Die nächste Neuigkeit hätte sie ohne das Medikament nicht verkraftet: Marie war wieder da.

Dreißig Jahre waren vergangen. Still und unauffällig hatten sie und James ihr Leben gelebt, James wollte es nicht anders, das wusste sie. Irgendwann wird das Gerede aufhören, hatte er gesagt. Und recht behalten. Bald lagen die finsteren Zeiten hinter ihnen, und sie brauchte nur noch dafür zu sorgen, dass alles seinen geregelten Gang ging. Und ihre Erinnerungen hatte sie in ein Versteck verbannt. Bis jetzt. Bilder blitzten in ihr auf. Ganz deutlich sah sie Maries Gesicht vor sich. Und Stellas fröhliches Lachen.

Helen wandte sich wieder dem Meer zu und versuchte, den Wellen mit dem Blick zu folgen. Doch die Bilder ließen ihr keine Ruhe. Marie war wieder da und mit ihr der Untergang.

»Entschuldigung, wo finde ich hier die Toilette?«

Sture aus der Kirchengemeinde sah Karim und die anderen, die in der Flüchtlingsunterkunft in Tanum zusammengekommen waren, um Schwedisch zu lernen, aufmunternd an.

Alle wiederholten den Satz, so gut sie konnten. »Entschuldigung, wo finde ich hier die Toilette?«

»Was kostet das?«, fuhr Sture fort.

Erneut im Chor: »Was kostet das?«

Krampfhaft versuchte Karim, die Laute, die Sture vorne an der Tafel von sich gab, mit dem Text vor ihm in Zusammenhang zu bringen. Alles war so anders. Die Buchstaben, die sie entziffern, und die Laute, die sie bilden sollten.

Er sah sich im Raum um. Außer ihm hatten sich sechs Personen aufgerafft. Die anderen waren entweder draußen in der Sonne und spielten Ball, oder sie lagen in ihren Hütten im Bett. Einige versuchten, den Tag und ihre Erinnerungen zu verschlafen, während andere an Freunde und Verwandte in der Heimat mailten, die noch erreichbar waren, und einige verfolgten ständig Onlinenachrichten. Nicht dass viele Informationen verfügbar gewesen wären. Die Regierung verbreitete lediglich Propaganda, und die internationale Presse hatte Schwierigkeiten, Korrespondenten dorthin zu schicken. Karim war in seinem früheren Leben selbst Journalist gewesen und wusste, wie schwierig es war, sich aus einem im Krieg befindlichen Land, das innerlich und äußerlich so stark zerstört war wie Syrien, korrekte und aktuelle Nachrichten zu beschaffen.

»Danke für die Einladung.«

Karim rümpfte die Nase. Für diesen Satz würde er niemals Verwendung haben. Wenn er eins blitzschnell gelernt hatte, dann, dass Schweden reserviert...

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