Diese Nacht gehört der Lust

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-1817-6 (ISBN)
 
Endlich hat Adam seine Leidenschaft entdeckt - er fällt regelrecht über Olivia her! Bis jetzt war ihr Fast-Verlobter spröde, doch nach dem Ball gehört die Nacht nur der Lust. Und der Morgen einer bösen Wahrheit: Der Mann hinter der Maske zeigt plötzlich sein wahres Gesicht ...

1. KAPITEL

13 Jahre später

"Du wirst heute Abend die Schönste auf dem Ball sein." Beth zog eine Packung Haartönung hervor.

Olivia blickte von dem Bügelbrett auf, wo sie gerade ihr Kleid für das Kostümfest mit Spühstärke einsprühte. "Die Schönste will ich ja gern sein, aber nur, wenn ich dabei mein natürliches Braun behalten darf. Weshalb sollte ich meine Haare flammend rot färben, nur um wie ein Flittchen auszusehen?"

Beth streckte sich auf Olivias breitem Bett lang aus. "Du könntest dich aufmachen, wie du willst, du würdest nie wie ein Flittchen aussehen, glaub mir. Aber wir könnten versuchen, dass du nicht mehr wie die Prüderie in Person aussiehst. Ein bisschen Haartönung, Kontaktlinsen und schicke Kleidung, das würde schon reichen, damit du umwerfend aussiehst."

Beth begriff in ihrer extrovertierten Art einfach nicht, worauf es Olivia ankam. Sie wollte nicht umwerfend aussehen. Dass die Leute sie für unnahbar hielten, konnte ihr nur recht sein. "Du weißt genau, dass ich keine Kontaktlinsen vertrage." In Gedanken ging sie ihre Garderobe durch. "Und ich kleide mich wie eine neunundzwanzigjährige Bibliothekarin mit gutem Geschmack."

"Vielleicht kannst du dir etwas von Tammy leihen."

"Eher friert die Hölle zu." Ihre ältere Schwester folgte bei ihrer Kleidung dem Grundsatz: so wenig Stoff wie nötig, so viel Haut wie möglich. Und Tammy hatte genau den richtigen Körper, um viel Haut zu zeigen. Olivia schüttelte den Kopf und blickte an sich hinunter. "Kannst du dir vorstellen, wie ich einem von Tammys Oberteilen aussehe? Selbst wenn ich viel Dekolleté zeigen wollte, da ist doch nichts. Aus dem Stoff, der dann übrig ist, könnte ich mir gleich noch einen Rock schneidern." Und der Spott der ganzen Stadt wäre ihr auch noch gewiss.

Beth musste lachen. "Zugegeben, aber wenn Tammy in das Alter kommt, wo die Schwerkraft sich auswirkt, wirst du noch unbekümmert Trampolin springen können. Aber jetzt mal ein paar Worte zu dieser Farbe."

Olivia schob ihre Brille wieder nach oben und sah zu der Packung mit der Haartönung. Sie verwendete viel Zeit und Energie darauf, geschmackvoll und konservativ gekleidet zu sein. Denn ständig hatte sie das Gefühl, die ganze Stadt würde nur darauf lauern, dass sie etwas Unpassendes sagte oder tat.

Einen kurzen Moment wünschte sie, unbekümmerter zu sein, doch dieser Wunsch verflog sofort wieder. "Vergiss es. Ich will auf keinen Fall billig aussehen. Adam will heute Abend etwas Wichtiges mit mir besprechen." Bei dem Gedanken musste sie unwillkürlich lächeln.

"Wie bitte?" Beth runzelte misstrauisch die Stirn.

Sofort legte Olivias gute Laune sich wieder. "Ich weiß nicht, worum es geht, aber es klang wichtig."

"Seit einem Monat geht ihr miteinander aus. Vielleicht will er heute mit dir schlafen. Sex ist Männern immer wichtig. Kommt gleich nach atmen, essen und fernsehen." Seufzend legte Beth die Packung mit der Haartönung wieder weg.

"Du denkst immer das Schlimmste, Beth."

"Was ist daran schlimm? Ihr wart sechs Mal miteinander aus, und er hat dich doch schon geküsst, oder?"

"Ja, das weißt du doch." Genau zwei Mal. Beide Male zum Abschied nach einer Verabredung. Zunächst hatte sie Adam nur als sehr gut aussehenden und einflussreichen Freund betrachtet, aber in letzter Zeit bekam ihre Beziehung einen intimeren Charakter. Allerdings immer noch in Grenzen.

"Er hat ein paar Mal von der Geburtstagsparty seiner Großmutter gesprochen, und ich glaube, er will mich dazu einladen. Das ist wahrscheinlicher, als dass er Sex mit mir will." Olivia begutachtete das gebügelte Kleid. Jede Falte saß perfekt. "Sieht gut aus." Sie schaltete das Bügeleisen aus und hielt sich das Kleid an. Das dunkle Violett harmonierte wundervoll mit ihrer hellen Haut und den dunklen Haaren. Jedenfalls fand sie das, aber sie war schließlich nur Buchhalterin.

"Tja." Beth blickte zu dem Saum des bodenlangen Kleids. "Das passt zu dem förmlichen Adam. Ihm gefällt's bestimmt."

Olivia hängte das Kleid an die Schranktür und setzte sich aufs Bett. Sofort sprang Hortense auf ihren Schoß und rollte sich schnurrend zusammen. Olivia kraulte ihre Katze hinter den Ohren, während sie Beth anblickte. Normalerweise sprach ihre Freundin immer offen und direkt aus, was sie dachte. Das mochte sie an ihr, auch wenn es manchmal wehtat. Aber jetzt gab Beth schon seit Wochen in Bezug auf Adam nur schnippische Kommentare von sich.

"Wenn du ihn nicht magst, warum sagst du es dann nicht?"

"Ich mag ihn nicht."

Als wolle sie dem zustimmen, miaute Hortense.

"Und wieso magst du ihn nicht?"

Beth zählte die Gründe an den Fingern ab. "Er ist hochnäsig, er ist eingebildet, und er gefällt sich auch noch dabei."

Olivia hatte schon geahnt, dass Beth nicht viel von Adam hielt, aber so ein strenges Urteil hatte er nicht verdient. "Das ist unfair. Er hat mir sehr geholfen, das Geld für den Ausbau der Bücherei zu beschaffen. Und ihm habe ich die Einladung zum Kostümball heute Abend im Country Club zu verdanken. Da bekomme ich bestimmt noch ein paar Hunderter zusammen." Außerdem glaube ich, ist er der Richtige für mich, fügte sie in Gedanken hinzu. Allerdings war jetzt wohl nicht der passende Zeitpunkt, um Beth diese Neuigkeit mitzuteilen.

Beth schnippte mit den Fingern. "Ich hab's! Dein Urteil ist getrübt, weil er dir beim Spendensammeln geholfen hat. Du würdest auch Frankensteins Monster lieben, wenn es dir bei der Bücherei geholfen hätte."

"Es stimmt, dass ich Adams Hilfe zu schätzen weiß. Hast du überhaupt eine Ahnung, wie die neue Abteilung mit den Kinderbüchern aussehen wird, wenn ."

"Natürlich weiß ich das, du hast es mir oft genug erzählt. Aber weißt du denn auch, dass er in jeder Schaufensterscheibe sein Spiegelbild bewundert?" Beth verzog das Gesicht.

"Na und?" Olivia wusste nicht genau, was sie dazu sagen sollte.

"Er ist von sich begeistert. Bestimmt erregt ihn sein eigener Anblick."

Tadelnd schüttelte Olivia den Kopf. "Wenn du jetzt ekelig wirst, hör ich nicht mehr zu."

Beth hob die Hände. "Aber das ist doch abartig."

"Wie bitte? Du nennst mich abartig?" Olivia musste lachen. "Dann muss es wirklich schlimm um mich stehen."

"Es ist doch nicht normal, wenn du mit dem Kerl ausgehst und es eklig findest, wenn er erregt ist."

"Nein, ich finde es nur eklig, wenn du darüber sprichst. Wahrscheinlich hat er nur geprüft, ob seine Krawatte richtig sitzt." Allerdings war es Olivia bei ihren Verabredungen mit Adam selbst schon aufgefallen, dass er sich gern im Spiegel betrachtete. "Sein Äußeres ist ihm eben wichtig." Sie hob Hortense von ihrem Schoß und griff nach dem Fläschchen Nagellack auf dem Nachttisch. "Manchmal frage ich mich ohnehin", fügte sie hinzu, "warum er mit mir ausgeht." Sorgfältig fing sie an, ihre Nägel zu lackieren.

"Bist du verrückt? Du bist klug, humorvoll, erfolgreich und attraktiv, auch wenn du das in keiner Weise betonst. Du bist zehn Mal so viel wert wie er."

Olivia warf Beth, die immer gern übertrieb, einen zweifelnden Blick zu. "Zehn Mal? Wirklich?"

"Wer hat denn die Abschlussrede unserer Jahrgangsstufe gehalten?"

Olivia lackierte weiter ihre Fußnägel. "Und wer hatte keinen Partner für den Abschlussball?"

"Wer hat den Lesezirkel ins Leben gerufen?" Beth deutete mit dem Finger auf Olivia.

"Und mit wem hat Deke Richards sich verabredet, nur weil er hoffte, über ihren älteren Bruder an Bier zu gelangen?"

"Olivia, du musst endlich aufhören, dich ständig kleinzumachen."

"Ach, Beth. Ich werde ewig die Tochter des Säufers bleiben." In einer Kleinstadt wie dieser konnte man wenig ausrichten, wenn fast alle eine vorgefasste Meinung von einem hatten.

Manchmal sehnte Olivia sich nach einem Ort, an dem man sie nicht kannte, aber ein Umzug würde für sie zu sehr danach aussehen, dass sie aufgegeben hätte. So hatte sie sich schon vor Langem geschworen, zu bleiben und zu beweisen, dass auch ein Cooper ein nützliches Glied der Gesellschaft sein konnte.

Beth lächelte mitfühlend und setzte sich in den Schneidersitz. "Da wir gerade von deiner Familie sprechen: Marty ist vorgestern Nacht wegen Trunkenheit und Ruhestörung eingesperrt worden?"

Olivia seufzte. "Stimmt. Mein Bruder gibt sich alle Mühe, die Tradition der Coopers aufrechtzuerhalten. Sie hatten ihn sogar in Daddys alte Zelle gesteckt. Daddy hat ihm seine Ausnüchterungszelle im Knast vererbt. Soll ich darauf etwa stolz sein?"

"Du hast wieder die Kaution bezahlt, damit er raus durfte?"

"Natürlich. Und dann habe ich ihn zu Darlene gebracht. Sie musste mir versprechen, ihn nicht mehr aus dem Haus zu lassen." Ihre Schwägerin hatte ihr dieses Versprechen schweren Herzens gegeben. "Marty ist ein guter Kerl, wenn er nüchtern ist. Aber anscheinend ist er die Hälfte seines Lebens betrunken und die andere Hälfte verkatert."

"Und was ist mit Tammy? Hat sie Earl wirklich wegen Tim verlassen? Diese Frau wechselt ihre Männer fast so oft wie ich die Unterwäsche."

Olivia zuckte mit den Schultern. Tammy traf oft unkluge Entscheidungen, und jetzt hatte sie ihren dritten Mann offenbar wegen seines besten Freundes verlassen. "Ich weiß es nicht. Mir erzählt sie so was nicht, weil sie weiß, was ich davon halte."

"Du,...

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