Crazy Rich Problems

 
 
Kein & Aber (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 608 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-0369-9423-9 (ISBN)
 
Nicks Großmutter und schwerreiches Familienoberhaupt Su Yi liegt im Sterben. Um sich von ihr zu verabschieden, reist er nach Singapur - zurück in die Welt der Superreichen, in der einem täglich die Schnürsenkel gebügelt werden, in der man seine Koi-Fische zum Schönheitschirurgen bringt und in der mit allen Mitteln um das ausstehende Milliardenerbe gekämpft wird.
1. Auflage, neue Ausgabe
  • Deutsch
  • Zürich
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  • Schweiz
  • Neue Ausgabe
  • 3,49 MB
978-3-0369-9423-9 (9783036994239)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Kevin Kwan wurde 1973 in Singapur geboren und zog als Kind mit seiner Familie in die USA. Von der TIME wurde er auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten gesetzt. Die Bände seiner Crazy Rich Asians-Trilogie standen in den USA monatelang auf der Bestsellerliste und wurden in 35 Sprachen übersetzt. Kevin Kwan lebt in New York.

3


RADIO CITY MUSIC HALL, NEW YORK


Patti Smith gab gerade »Because the Night« zum Besten, als Nicholas Youngs Handy plötzlich aufleuchtete und vibrierte. Nick ignorierte es und schaute erst nach der letzten Zugabe des Konzerts drauf. Zu seiner Überraschung entdeckte er nicht nur eine Nachricht von seiner Cousine Astrid auf der Mailbox, sondern auch noch eine von seinem besten Freund Colin Khoo und fünf Textnachrichten von seiner Mutter. Seine Mutter schrieb ihm nie Nachrichten. Er war erstaunt, dass sie überhaupt wusste, wie das geht.

eleanor young: 4?z Nicky#

ey: Ruf micj bitte soforr sn! Wo jisz du

ey: wieso gejsz dz nicht ans handy

ey: Ah Ma hatte einen Heezinfakr

ey: ruf micj an!

Nick reichte das Handy wortlos seiner Frau Rachel und sank in sich zusammen. Nach der guten Stimmung während des Konzerts waren die Nachrichten jetzt wie ein Schlag in die Magengrube. Rachel sah ihn erschrocken an.

»Dann ruf sie mal schnell zurück!«

»Ich glaub, ich brauch erst einmal frische Luft.«

Sie verließen die Radio City Music Hall und eilten auf die andere Seite der Sixth Avenue, um nicht inmitten der Menschenmenge zu bleiben, die sich unter der berühmten Leuchtschrifttafel angesammelt hatte.

Nick wählte die Nummer seiner Mutter und tigerte vor dem Time & Life Building auf und ab. Wie immer herrschte kurz Stille, bevor das typische Singapurer Rufzeichen ertönte, aber diesmal nahm seine Mutter ab, bevor er damit gerechnet hatte.

»Nicky? Nicky, bist du das?«

»Ja, Mum. Hörst du mich?«

»Aiya, wieso rufst du denn jetzt erst zurück? Wo steckst du?«

»Ich war bei einem Konzert.«

»Ein Konzert? Warst du im Lincoln Center?«

»Nein, bei einem Rockkonzert in der Radio City Music Hall.«

»Was, du warst bei den Rockettes? Die Can-Can tanzen und so?«

»Nein, ich war bei einem Rockkonzert, Mum.«

»Ein Rockkonzert? Na, ich hoffe, du hattest Ohrstöpsel drin. Ich hab gelesen, dass immer mehr junge Leute schwerhörig werden, weil sie Rock 'n' Roll hören. Diese Hippies mit den langen Haaren sind wohl mittlerweile schon komplett taub. Geschieht ihnen recht!«

»Es war nicht zu laut da, keine Sorge. Die haben eine fantastische Akustik in der Radio City. Wo bist du eigentlich?«

»Ich war bis eben im Mount Elizabeth, Ahmad fährt mich aber gerade zu Carol Tai, die veranstaltet eine Chili-Crab-Party. Ich musste einfach aus dem Krankenhaus raus, da gehts drunter und drüber. Felicity kommandiert wieder mal alle rum, sie meinte, ich darf nicht zu Ah Ma, weil schon zu viele bei ihr waren. Also hab ich erst eine Weile rumgesessen und war dann mit Astrid am Büfett. Ich wollte auf jeden Fall gesehen werden, damit hinterher niemand sagen kann, ich wäre meinen Pflichten als Frau des ältesten Sohns nicht nachgekommen.«

»Und wie gehts Ah Ma nun?« Nick wollte es sich selbst nicht recht eingestehen, aber es löste doch eine gewisse Panik in ihm aus, nicht zu wissen, ob seine Großmutter noch lebte oder nicht.

»Sie konnten sie stabilisieren, es besteht also erst mal keine akute Gefahr mehr.«

»Es geht ihr ganz okay«, flüsterte Nick seiner Frau zu.

»Sie bekommt Morphium über einen Tropf«, fuhr Eleanor fort. »Sie hat also im Moment keine Schmerzen und ist auch ziemlich benebelt. Aber die Frau von Professor Oon hat mir gesagt, dass es nicht allzu gut aussieht.«

»Professor Oons Frau ist auch Ärztin?«, fragte Nick überrascht.

»Nein, lah! Aber sie ist eben seine Frau, sie weiß aus erster Hand, dass Ah Ma nicht mehr lang zu leben hat. Alamak, wie auch, sie leidet an Herzinsuffizienz und ist sechsundneunzig, da operieren sie natürlich nicht.«

Nick schüttelte missbilligend den Kopf. Schweigepflicht wurde bei Francis Oon anscheinend nicht gerade großgeschrieben. »Wieso ist Mrs Oon denn überhaupt da?«

»Wusstest du nicht, dass Mrs Oon die Nichte von Singapurs First Lady ist? Die hat sie mitgebracht, und Großtante Rosemary T'sien und Lillian May Tan sind übrigens auch hier. Sie haben das gesamte Stockwerk für die Öffentlichkeit gesperrt und für Ah Ma, Mrs Lee Yong Chien und die Witwe des Sultans von Perawak zur VVIP-Etage erklärt. Erst gabs ein bisschen Hin und Her wegen der Royal Suite15, der malaysische Botschafter meinte nämlich, dass die Sultana unbedingt reinmüsste. Aber dann hat sich die First Lady eingeklinkt: >Shang Su Yi bekommt natürlich die Royal Suite, Ende der Diskussion.<«

»Moment mal, Mrs Lee und die Witwe des Sultans von Perawak sind auch da?«

»Aiya, hast du das nicht mitbekommen? Isabel Wu hatte einen Nervenzusammenbruch und hat ihre Kinder nach Singapur entführt. Da ist sie bei Rosalind Fungs Christian-Fellowship-Bankett reingeplatzt und hat eine Schüssel laksa nach Astrid geworfen. Sie hat sie aber verfehlt und stattdessen Mrs Lee, die Sultana und Felicity erwischt. Letztere hatte zum Glück eins von ihren pasar malam16-mäßigen Polyesterkleidern von diesem Maßschneider in Tiong Bahru an, ihr ist gar nichts passiert, die Suppe ist an dem Stoff einfach abgeperlt. Dafür haben die arme Mrs Lee und die Sultana umso mehr abgekriegt und liegen jetzt mit Verbrennungen ersten Grades im Krankenhaus.«

»Also jetzt bin ich völlig verwirrt.« Nick sah Hilfe suchend zu Rachel.

»Na, ich dachte, wenn einer Bescheid weiß, dann du! Isabel Wu meinte, Astrid würde regelmäßig für ihren Mann Charlie die Beine . also dass die beiden eine Affäre hätten. Vor allen Leuten hat sie das gesagt, sogar Bischof See Bei Sien hat es gehört! Aiya, was für eine Schande, jetzt wissen es alle, ganz Singapur spricht bestimmt schon drüber. Stimmt das denn eigentlich? Ist Astrid wirklich so ein Flittchen, dass die sich Charlie an den Hals wirft?«

»Also, ein Flittchen ist sie ganz sicher nicht, das steht mal fest«, sagte Nick vorsichtig.

»Du und deine Cousine, immer habt ihr irgendwelche Geheimnisse vor mir! Die arme Astrid war vorhin im Krankenhaus immer noch wie in Schockstarre und hat sich trotzdem solche Mühe gegeben, höflich zu allen Gästen zu sein. Na ja. Wann kommst du nun eigentlich?«

Nick zögerte einen Moment, erwiderte dann jedoch mit fester Stimme: »Ich komme nicht zurück.«

»Jetzt red keinen Unsinn, Nicky, du musst nach Hause kommen! Alle kommen. Dein Vater ist schon auf dem Weg von Sydney hierher, Onkel Alfred kommt in ein paar Tagen, Auntie Alix und Onkel Malcolm fliegen aus Hongkong ein, sogar Auntie Cat reist extra aus Bangkok her. Und weißt du was? Angeblich kommen sogar deine Cousins aus Thailand! Dieser Etepetete-Haufen würde sich sonst unter keinen Umständen herablassen, nach Singapur zu kommen, aber ich sag dir .« Eleanor verstummte kurz, warf einen Blick zum Chauffeur und sprach dann mit der Hand halb über dem Handy weiter: ». ich sag dir, die gehen alle davon aus, dass Ah Ma bald stirbt. Und da wollen sie sich natürlich sehen lassen, damit sie auch ja im Testament mitbedacht werden.«

Nick verdrehte die Augen. »Auf so was kommst auch nur du, Mum. An das Testament denkt bestimmt gerade niemand.«

Eleanor lachte spöttisch. »Du meine Güte, jetzt sei doch nicht so naiv. Das ist garantiert das Einzige, woran die alle denken! Die Geier kreisen schon, also setz dich ins nächste Flugzeug! Das ist die letzte Gelegenheit, dich mit deiner Großmutter zu vertragen. Und wenn du es richtig anstellst .« Sie senkte die Stimme zu einem Flüstern. »dann kriegst du Tyersall Park vielleicht doch noch!«

»Der Zug ist wohl schon lange abgefahren. Glaub mir, von den Leuten da will mich ganz sicher niemand sehen.«

Eleanor stöhnte entnervt auf. »Genau da liegst du eben falsch, Nicky. Ah Ma wird die Augen erst zumachen, wenn sie dich ein letztes Mal gesehen hat, das weiß ich.«

Nachdem Nick Rachel auf den neuesten Stand gebracht hatte, setzte er sich erschöpft auf den Rand des Reflexionsbeckens neben dem Plaza. Er hatte das Gefühl, gerade alle Kraft verloren zu haben. Rachel hockte sich neben ihn und streichelte ihm beruhigend den Rücken. Sie sagte nichts. Sie wusste genau, wie angespannt die Situation zwischen seiner Großmutter und ihm war. Früher hatten sie eine sehr enge Beziehung gehabt, Nicks Großmutter vergötterte ihren einzigen Enkel, der den Namen Young trug, und hatte ihn als einziges ihrer Enkelkinder in Tyersall Park wohnen lassen. Mittlerweile hatten sie jedoch seit über vier Jahren nicht mehr miteinander gesprochen. Und alles nur wegen ihr, Rachel.

Su Yi hatte sie und Nick während eines Wochenendtrips in den malaysischen Cameron Highlands sozusagen überfallen und von Nick verlangt, die Beziehung zu beenden. Der hatte sich daraufhin nicht nur geweigert, sondern - was überhaupt nicht zu ihm passte - seine Großmutter vor allen Anwesenden schwer beleidigt. Das hatte diese Frau, die sonst überall verehrt wurde, sicher noch nie erlebt. Nachdem die Hochzeit von Nick und Rachel dann auch noch ohne den Großteil der weit verzweigten Familie in Kalifornien stattgefunden hatte, war der Graben noch breiter geworden.

Das Mädchen stammt nicht einmal aus einer anständigen Familie!, hatte Rachel noch die aufgebrachte Su Yi im Ohr. Bis heute bekam sie jedes Mal Gänsehaut, wenn sie daran dachte. Hier in New York ließ sich das Geschehene jedoch...

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