Was ist nur los mit mir?

Krankheitssymptome und Familienstellen
 
 
myMorawa von Dataform Media GmbH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. April 2020
  • |
  • 180 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99093-843-0 (ISBN)
 
Ein neues Verständnis von organischen Erkrankungen und Symptomen. Familienstellen als sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin. Mit zahlreichen Beispielen! "Der Körper beginnt zu schreien, wenn seelische Bedürfnisse ignoriert werden." Diese Beobachtung hat Ilse Kutschera, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, im Laufe ihrer langjährigen Praxis immer wieder gemacht. Sie interessierte daher die Frage, welchen Sinn körperliche Symptome haben können. Sie fand in der von Bert Hellinger begründeten Methode des Familienstellens eine neue Perspektive, die die schulmedizinische Sichtweise ideal ergänzt.
  • Deutsch
Morawa Lesezirkel GmbH
  • 3,34 MB
978-3-99093-843-0 (9783990938430)
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Dr. med. Ilse Kutschera, geb. 1936 ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und für psychotherapeutische Medizin in München. Sie bietet Seminare, Einzel- und Paartherapie sowie Coaching mit NLP und Familienstellen an. www.ilse-kutschera.de

Die Grundannahmen beim Familienstellen

Bindung

Das Wesentliche an der Bindung ist, dass sie existiert, ob wir es wollen oder nicht. Mit dem Augenblick der Zeugung entsteht die Bindung zwischen den Eltern und dem Kind. Trennen wir uns räumlich von den Eltern, dann wird, auch wenn der Kontakt abbricht, die Bindung zu den Eltern trotzdem bleiben und auf unser Leben eine Wirkung haben. Diese Wirkung können wir mit unserem Bewusstsein nicht beeinflussen.

Bindung besteht zwischen allen Mitgliedern einer Sippe, zwischen Kindern und Eltern ist sie am stärksten. Sie ist eine Kraft, die stärker ist als die Angst vor dem Tod. Das kann dazu führen, dass Kinder aus Liebe zu ihren Eltern »in den Tod gehen«. (Siehe das Beispiel von Anna, S. 144.) Diese Bindungsliebe ist auch eine Erklärung für die Treue von misshandelten Kindern zu ihren Eltern. Sie geben niemals die Loyalität zu ihren Eltern auf. Werden sie dazu gezwungen, zum Beispiel in Gerichtsverfahren oder im Zuge von Ermittlungen, zerbrechen sie daran. Denn »die Bindung zum System ist stärker als die Angst vor dem Tod«, wie Bert Hellinger sagt.

Ordnung

Den Begriff Ordnung zu erklären, scheint einfach. Er bedeutet: Der Erste kommt an erster Stelle, der Zweite kommt an zweiter und der Dritte kommt an dritter Stelle.

In der heutigen Zeit ist diese Ordnung von besonderer Bedeutung, da viele Frauen und Männer mehrere Partnerschaften eingehen. Die zweite, spätere Partnerschaft kann nur gelingen, wenn die erste - als erste - anerkannt und gewürdigt wird.

Bei Geschwistern gilt, das älteste Kind ist das erste in der Rangfolge: »Der Älteste übernimmt den Hof.« Damit waren traditionell Rechte und Pflichten verbunden. Diese Ordnung hatte über viele Jahrhunderte hinweg Gültigkeit und wurde von allen akzeptiert. Wird die Reihenfolge der Geschwister verletzt, zum Beispiel durch ungerechtes Erbe, bringt sie als Folge oft dem Begünstigten Unglück.

Zur Realität der Ordnung gehört auch, dass Eltern ihre Kinder niemals gleich behandeln können, da sie in unterschiedliche Situationen hineingeboren wurden. Der Zeitpunkt und die Rangfolge ihrer Geburt bestimmen die Stellung innerhalb der Familie. In modernen Familienstrukturen könnte durch »hinzugekommene« Stiefgeschwister die Rangfolge unter den Kindern verändert werden. Der ursprünglich erstgeborene Sohn bekommt eine ältere Stiefschwester und würde so scheinbar »degradiert«. Wichtig ist, dass dieser Sohn für seine Mutter der Erstgeborene bleibt, auch wenn mit der Stiefschwester ein älteres Geschwister auftaucht. Oft verschwinden Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, wenn die Rangfolge in einer Familienaufstellung geklärt ist. Dieses Bewusstmachen der Rangfolge kann in alltäglichen Situationen, wie der Sitzordnung am Esstisch, praktisch umgesetzt werden.

Anders verhält es sich zwischen zwei Systemen: Hier hat das jüngere, aktuelle System Vorrang gegenüber dem vorhergegangenen System. Somit hat die Gegenwartsfamilie Vorrang vor der Herkunftsfamilie. Bei Konflikten hat der Partner, beispielsweise die vielstrapazierte Schwiegertochter, Vorrang vor den Eltern. Hält der Ehemann in dieser Situation nicht zu seiner Frau, sondern zur Mutter, wird der Vorrang des neuen Systems gegenüber dem alten verletzt, dann ist die Ehe ernsthaft gefährdet. Biologisch lässt sich diese Regel des Systems damit erklären, dass der Sohn erwachsen ist und nur mit seiner Frau den Fortbestand der Familie erhalten kann.

Bei mehreren Partnerschaften mit Kindern hat das jüngste System Vorrang vor den früheren. Bekommt ein verheirateter Mann mit einer Freundin ein Kind, dann hat diese neue, wenn auch außereheliche Familie Vorrang gegenüber der bestehenden Ehe. Es mag als Widerspruch erscheinen, dass die früheren Partner oder Partnerinnen und Kinder als die früheren gewürdigt werden müssen und in der Rangfolge den früheren Platz behalten. Entgegen den gängigen Mustern, die ehemaligen Partner schlecht zu machen, um das eigene Gewissen zu beruhigen, liegt die Lösung im Würdigen dieser Partner: »Ich danke dir für das, was du mir gegeben hast.« Dann kann die neue Beziehung aus systemischer Sicht gelingen.

Besonders sensibel ist die Beziehung zwischen Kindern aus früheren Partnerschaften und neuen Partnern. Kinder aus einer früheren Beziehung haben Vorrang vor dem späteren Partner. Meiner Erfahrung nach lassen sich Konflikte zwischen neuen Partnern und deren Stiefkindern vermeiden, wenn die leiblichen Eltern ihren Kindern die Sicherheit vermitteln, dass sie ihren Platz in der Rangfolge behalten.

Die Entscheidung für eine neue Beziehung muss von Kindern respektiert werden. Sie haben kein Recht dazu, diese zu sabotieren. Sie werden es umso weniger tun, je klarer die Mutter oder der Vater zu dem neuen Partner steht.

Hilfreich zur Beschreibung der Ordnungen innerhalb des Familiensystems sind die Regeln von Bert Hellinger. Mit diesen umzugehen erfordert von allen Beteiligten Feingefühl und Respekt. Werden sie verletzt, bringen sie Streit, Eifersucht und Leid. Mir ist klar, dass diese scheinbar starren Regeln Widerspruch hervorrufen. Meiner Erfahrung nach sind sie sehr heilsam und friedenstiftend, wenn sie beachtet werden. Oftmals ist dies aber nur mit therapeutischer Unterstützung möglich.

Ausgleich

Am wesentlichsten ist der Ausgleich von Nehmen und Geben. Hier ist die Reihenfolge wichtig. Zuerst kommt das Nehmen und nur, wenn ich genommen habe, kann ich auch geben. Dies gilt insbesondere für das Nehmen des Lebens von den Eltern unter den gegebenen Bedingungen. Dieser Ausgleich wirkt in allen Beziehungen wie Familie, Freundschaft und beruflichen Beziehungen.

Geld ist eine »Währung« des Nehmens und Gebens, ebenso wie Zuwendung, Versorgung und Anerkennung. Wenn der Ausgleich von Nehmen und Geben nicht beachtet wird, kann dies eine Beziehung zerstören. Dabei ist Ausgleich unbedingt wörtlich zu verstehen. Gibt jemand zu viel, beispielsweise ein teures Geschenk, dann hat der andere das Gefühl, er kann das niemals ausgleichen, und dieses Gefühl zerstört die Beziehung. Dem Beschenkten ist es unangenehm, in der Schuld des Schenkenden zu stehen, und er zieht sich zurück.

Anders verhält es sich zwischen Eltern und Kindern. Eltern geben immer mehr und Kinder nehmen immer mehr. Hier erfolgt der Ausgleich über die Generationen der Familie. Kinder nehmen von ihren Eltern und geben an ihre Kinder weiter, so ist der Ausgleich über das Familiensystem wiederhergestellt.

DER GOLDENE BALL

Was auch an Liebe mir vom Vater ward,

ich hab's ihm nicht vergolten, denn ich habe

als Kind noch nicht gekannt den Wert der Gabe

und ward als Mann dem Manne gleich und hart.

Nun wächst ein Sohn mir auf, so heiß geliebt

wie keiner, daran ein Vaterherz gehangen,

und ich vergelte, was ich einst empfangen

an dem, der mir's nicht gab noch - wieder gibt.

Denn wenn er Mann ist und wie Männer denkt,

wird er, wie ich, die eigenen Wege gehen,

sehnsüchtig werde ich, doch neidlos sehen,

wenn er, was mir gebührt, dem Enkel schenkt.

Weithin im Saal der Zeiten sieht mein Blick

Dem Spiel des Lebens zu, gefasst und heiter,

den goldenen Ball wirft jeder lächelnd weiter

und keiner gab den goldenen Ball je zurück.

Börries von Münchhausen

Ausgleich funktioniert in Familiensystemen noch auf einer anderen, sehr wichtigen Ebene. Für die Schuld, die ein Familienmitglied auf sich geladen hat (beispielsweise eine Kriegsschuld), müssen oft andere Familienmitglieder in irgendeiner Form leiden. Aber auch, wenn ein Familienmitglied ein schlimmes Schicksal erlitten hat, geschieht der Ausgleich durch Leiden. So werden Leid und Schuld innerhalb eines Familiensystems über die Generationen hinweg ausgeglichen. Betroffen davon sind alle Mitglieder der Sippe.

Sehr viele psychische und körperliche Symptome, auch schwere Krankheiten, sind eine Form von systemischem Ausgleich. Ich habe Klienten mit schweren Depressionen erlebt, die ohne Erfolg die verschiedensten Therapieformen ausprobiert hatten. Ihre Familiengeschichte war ähnlich: ein Familienmitglied musste ein schlimmes Schicksal erleiden oder ein anderes war schuldig geworden. Die Erfahrung zeigt, dass die Nachkommen von Tätern und Opfern, also die Kinder und Enkel, an ähnlichen Symptomen und Krankheiten leiden. Übernommene Schuld oder übernommenes Leid zeigt sich entweder in körperlichen Krankheiten wie Krebs, multipler Sklerose, Herzkrankheiten oder in psychischen Erkrankungen, wie therapieresistente Depressionen. Dazu ein Beispiel:

In einer meiner Therapiegruppen war eine Frau, die politisch sehr engagiert war, wie ihre Mutter und ihre Großmutter. Dieses politische und soziale Engagement zog sich durch die drei Frauengenerationen wie ein roter Faden. Die Klientin kam wegen massiver, unbehandelbarer Rückenschmerzen. In der Familienaufstellung wurde klar, dass in früheren Generationen etwas »Schlimmes« passiert sein musste. Auf Nachfragen...

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