Der geschenkte Urlaub

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. September 2018
  • |
  • 97 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7448-8557-7 (ISBN)
 
Was könnte passieren, wenn Sie auf Einladung eines Unbekannten Urlaub mit ihm verbringen würden? Würd es gut gehen? Die Frage ist nicht, ob es scheitern wird, sondern wie. Lesen Sie den spannenden Bericht einer Frau, die dieses Experiment gewagt hat.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,67 MB
978-3-7448-8557-7 (9783744885577)
Alice Kurzweil war in den Bereichen Personalberatung und Kommunikation tätig. Ihr größtes Interesse gilt der Kultur und dem Zeitgeschehen. Die Kurzgeschichte "Der geschenkte Urlaub" ist ihre Erstveröffentlichung.

Kapitel 1: Das Kennenlernen


"Es muss doch mit dem Teufel zugehen, dass dich nicht irgendjemand in den Urlaub mitnimmt", dachte sie. Zugegeben, es ist schon nicht einfach, als Empfängerin von staatlichen Leistungen auch nur eine Woche am Meer zu verbringen. Und Erholung hatte sie bitter nötig. Vielleicht nicht so sehr die Erholung an sich, viel mehr einen wenigstens kurzen Wechsel der Umgebung und vor allem die positiven Emotionen und die Gesundheitsstärkung, die ein Aufenthalt am Meer mit sich bringt.


Es gab da diesen Telefondienst, bei dem man anrufen und Männer kennenlernen konnte. Und zum Glück war es für Frauen kostenfrei. Sie hat schon früher einige Male versucht, jemanden darüber kennenzulernen, aber auf etwas Ernsthaftes waren die Männer dort nicht aus. Viele von ihnen meinten, sie hätten sie wegen ihrer erotischen Stimme angesprochen, weil sie in Wirklichkeit nur an einer unverbindlichen Entspannung am Telefon interessiert waren und nicht an einem richtigen Kennenlernen. Darauf ging sie nicht ein, schließlich war sie nicht beim Telefondienst angestellt und auch sonst hätte es ihr nichts gebracht.

Sie hörte sich die Auswahl der Männer auf dieser doch zwielichtigen Telefon-Hotline an und plötzlich war es da, ein Intro mit dem Angebot einer gemeinsamen Reise nach Spanien. Und das bei einer kompletten Kostenübernahme. Sie hatte sofort auf die betreffende Mailbox gesprochen, sich vorgestellt und ihr Interesse bekundet, aber ohne zu große Erwartungen zu hegen. "Schließlich gibt es genügend Frauen, die eine solche Gelegenheit gern nutzen würden", dachte sie. Aber der Erholungsbedarf war zu groß, um es unversucht zu lassen und zu verlieren hatte sie auch nichts.

Als sie sich am nächsten Tag wieder auf der Hotline einwählte, befand sich auf Ihrer Mailbox die Nachricht vom betreffenden Mann mitsamt seiner Telefonnummer und der Bitte um Rückruf. "Oh Gott", dachte sie, "bestimmt bin ich nicht die Einzige, aber ich bin im Rennen". Konkurrenz scheute sie nicht . Nicht, weil sie sich so toll fand, sondern weil sie sich auf ihre Stärken besann und wusste, dass sie nicht beliebig war: Entweder gefiel sie oder nicht.

Sie war knapp über vierzig, sah aber dank ihrer schlanken Figur und der mädchenhaften Attitüde höchstens wie Mitte dreißig aus, hatte schöne Augen und eine charismatische Ausstrahlung. Und nicht zuletzt punktete sie mit ihrer guten Allgemeinbildung und der Tatsache, dass sie eine studierte Frau war. Insbesondere auf der Hotline stach sie damit deutlich aus dem restlichen Feld hervor, wie die Männer am anderen Ende des Hörers berichteten. Die Hoffnung, das Rennen zu gewinnen, schien ihr also durchaus berechtigt.

Sie sendete ihm eine SMS mit der Bitte um Austausch von Fotos per E-Mail. Es konnte nicht schaden, erst mal zu schauen, mit wem sie es zu tun hatte, schließlich würden sie eine Woche lang ein Zimmer teilen. Außerdem besaß sie kein Smartphone und auch keine Flatrate, ihr Handy war nur für Notfälle und nicht für längere Gespräche gedacht. Also sollte er sie anrufen, falls ihr Foto ihm gefallen würde.

Sie bekam sein Foto, das der Beschreibung in seinem Intro entsprach, begleitet von einem höflichen kurzen Text. Ein eher durchschnittlicher Mann schaute sie an, seine Haare waren gegelt und nach hinten gekämmt. Sie mochte diese Frisur bei Männern überhaupt nicht und schon gar nicht bei solchen, wie er: Sie unterstrich eher seine Einfachheit, anstatt wie beabsichtigt, ihm ein weltmännisches Flair zu verleihen. Aber es war okay, das Ziel war der Urlaub, sie plante nicht, ihn zu heiraten. Sie sendete ihr Foto zurück und musste nicht lange warten. Er rief sie noch am selben Tag an, sagte, sie gefalle ihm und er habe sich für sie entschieden, es gäbe keine weiteren Anwärterinnen.

Aus seinem ziemlich ausführlichen Intro waren ihr die Eckpunkte über die Reise und ihn selbst bereits bekannt. Es ging um die Einzelheiten, die bei einem Treffen geklärt werden sollten, und nicht zuletzt um den gegenseitigen persönlichen Eindruck. Er wollte sich direkt an diesem Tag treffen, es war Sonntag. Sie ging davon aus, dass er in ihre Stadt kommen würde, um sie kennenzulernen. Er dagegen lud sie zu sich nach Hause ein mit der Begründung, in seiner "natürlichen Umgebung" könne sie sich am besten ein Bild von ihm machen. Man könne ja viel erzählen, aber so hätte sie die Möglichkeit, mit eigenen Augen zu sehen, wie er lebt und wer er wirklich ist.

Die Einladung galt inklusive der Fahrkarte, aber schon bei dem Fahrziel fingen die Ungereimtheiten an. Die Stadt, in der er wohnte, war nicht die Landeshauptstadt, wie er in seinem Intro angab, sondern eine kleinere Stadt, die dennoch nicht unbekannt war. Es war eine seltsame und zudem unnötige Lüge, die sich durch seine Einladung sofort herausstellte. Sie brachte es gleich zur Sprache:

"Warum sagtest du, du wohntest in der Hauptstadt?"

"Die Stadt, in der in lebe, kennt so gut wie keiner", antwortete er, "da war es einfacher, die nächstgelegene Großstadt zu nennen."


Ihr fiel auf, dass die Erklärung sehr schnell kam und es ihm in keinster Weise peinlich war, beim Lügen ertappt worden zu sein.


"Das ist nicht wahr, ich kenne diese Stadt, und bestimmt nicht nur ich", erwiderte sie, wollte aber nicht weiter darauf eingehen. Sein Wohnsitz war letztendlich zweitrangig. "Ich brauche dein Einverständnis, deine Daten einer Freundin mitzuteilen, wenn ich zu dir fahren soll. Ich muss mich absichern und hoffe, du verstehst das", sagte sie.

Damit war er sofort einverstanden, was ihre Vorbehalte vorerst ausräumte.

Nun saß sie im Zug auf dem Weg zu ihrem Urlaub. Auf ein Mal blieb der Zug stehen, es wurde eine Verspätung von zehn Minuten angesagt. Da er sie vom Bahnhof abholen sollte, sendete sie ihm eine SMS. Keine Antwort. Die zehn Minuten waren längst vergangen, der Zug bewegte sich nicht von der Stelle. Laut erneuter Durchsage sollte sich die Weiterfahrt um vierzig Minuten verzögern, es gäbe eine Störung der Oberleitung. Und immer noch keine Antwort von ihm - ihr kamen erste Zweifel.

"Was tue ich hier überhaupt?", fragte sie sich. "Die Prinzipien sind nicht dafür da, um sie über Bord zu werfen: Er hätte zu mir kommen sollen! Jetzt sitze ich in einem Zug irgendwo im nirgendwo und er meldet sich auch nicht. Die Fahrkarte wird ein hübsches kleines Loch in mein ohnehin 'üppiges' Monatsbudget reißen, wenn ich irgendwann den Bahnhof erreichen sollte!"

Er rief doch an, sagte, er wäre unter der Dusche gewesen. Das hatte sie vermutet, berichtete ihm von der Verspätung. Sie haben ausgemacht, dass sie ihn zehn Minuten vor der Ankunft per SMS benachrichtigen wird. Es lief wieder, aber durch die Störung verzögerte sich die Fahrt immer weiter. In diese Situation wäre sie nicht geraten, wenn er zu ihr gefahren wäre. Sie würde bequem zu Hause warten, bis er an Ihrer Tür klingelte und dann herunterkommen.

Endlich war sie am Zielort angelangt. Sie stieg am viergleisigen Bahnhof aus, sah sich um. Er lief gerade die Treppe hoch und trat auf den Bahnsteig. Sie erkannten sich sofort, begrüßten sich mit einem Küsschen auf die Wange und gingen zu seinem Wagen.

Er war selbständiger Versicherungsmakler, seine Agentur befand sich im gleichen Haus, in dem er wohnte. Die Wohnung erstreckte sich über zwei Stockwerke. Als sie hereinkamen, fiel ihr als Erstes die ungewöhnliche Sauberkeit auf. Die kleine Diele führte direkt in die Küche. Sie war nicht groß, aber sehr schön, weiß gekachelt, mit schwarzen Marmorplatten und neuesten glänzenden Geräten ausgestattet. Und vollkommen steril. Der riesige Kühlschrank schimmerte matt-grau.

Er bat Ihr etwas zu trinken an, sie nahm Wasser und einen Kaffee. Komischerweise war ausgerechnet die Kaffeemaschine ganz einfach, passte überhaupt nicht zu der sonstigen hochwertigen Ausstattung. Der Kaffee schmeckte dementsprechend dünn. Sie hatte Hunger, schließlich dauerte die Fahrt viel länger, als die vorgesehene Stunde, sie war beinahe drei Stunden unterwegs. Sie fragte, ob er etwas zu Essen da hätte, er verneinte. Das fand sie seltsam. War das der Mann, der sich acht Tage lang im Ausland um sie kümmern wollte? Und wozu dieser überdimensionale luxuriöse Kühlschrank, wenn nicht um dort etwas Essbares aufzubewahren?

"Dann hätten wir auf dem Weg etwas besorgen sollen", sagte sie und fügte hinzu: "Ich dachte, du wärst auf Besuch eingestellt".



"Es ist Sonntag", antwortete er, "alles ist zu". Tatsächlich schien die Stadt wie ausgestorben.

"Wenigstens irgendeine Pizzeria wird doch geöffnet sein", insistierte sie, obwohl sie normalerweise keine Pizza aß. "Hast du vielleicht eine Tomate, ein Stück Käse und ein paar Oliven im Kühlschrank? Das würde reichen."

Doch, das hatte er, schlug aber vor, zuerst das "Geschäftliche" zu besprechen. Er brachte sein Notebook und sie setzten sich am Tisch im Essbereich des geräumigen Wohnzimmers, das hinter der Küche lag. Sie verfügte über eine gute Menschenkenntnis, ihr Bauchgefühl täuschte sie selten, aber in der Einschätzung seiner Person schwankte sie ständig. Jede Situation förderte eine neue gegensätzliche Verhaltensweise zutage, was zu völlig widersprüchlichen Erkenntnissen führte.

"Dann lass mal sehen, in welchem Hotel wir Urlaub machen werden", sagte sie voller Vorfreude. Sie wollte ihre Aufmerksamkeit auf etwas Anderes als seine Person richten, um Abstand von den ständig wechselnden Endrücken zu gewinnen.

"Eigentlich ist das kein Hotel, sondern ein Campingplatz. Aber wirklich ganz...

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