Elefanten im Garten

Roman
 
 
Ullstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Februar 2017
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1403-7 (ISBN)
 
»Ein Buch, das klüger und einfühlsamer macht.«Susanne Jäggi, Buchhandlung Librium
Fünfzehn Jahre nachdem sie mit ihrer Familie aus dem Kosovo in die Schweiz migriert ist, stirbt der Vater der jungen Erzählerin völlig unerwartet. Sie verliert den Boden unter den Füßen und fühlt sich isolierter als je zuvor. Auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt besucht sie die Orte ihres bisherigen Lebens und versucht so, ihrer Identität auf die Spur zu kommen.
Elefanten im Garten ist ein wunderbarer Roman über ein von Migration geprägtes Leben, über Herkunft und Entfremdung, Verlust und Beharren, aber auch über Neubeginn und Rettung.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,92 MB
978-3-8437-1403-7 (9783843714037)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Meral Kureyshi, geboren 1983 in Prizren im ehemaligen Jugoslawien, lebt seit 1992 in Bern. Nach Abschluss des Studiums am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel gründete sie das Lyrikatelier in Bern.

Kapitel 2

»Danke, dass Sie so schnell gekommen sind.« Drea schirmte ihre Augen gegen die blendenden Blau- und Rotlichter der zwei Polizeiautos ab. Zum Teufel mit den Drohungen. Sie fühlte sich sicherer mit der Polizei an ihrer Seite, als wenn sie auf sich allein gestellt blieb.

Und wenn sie sie beobachteten . Dann war das halt so.

Die Polizeibeamten hatten ihre Waffen gezogen und stellten sich schnell vor.

»Ich bin Officer Fletcher. Ist der Eindringling immer noch da?« Ein junger Polizist kam auf sie zu, die Waffe auf den Boden gerichtet. Auch die anderen Polizisten hielten ihre Waffen Richtung Boden.

Sie verneinte kopfschüttelnd. »Ich habe die Hintertür abgeschlossen, als sie rausgegangen sind. Geflüchtet sind. Was auch immer.«

Officer Fletcher schickte eine zweite Einheit um das Gebäude herum, um den Bereich hinter dem Café zu überprüfen. Er führte Drea vom José's weg.

»Bitte bleiben Sie mit Officer Shelton hier, während wir uns drinnen umsehen.«

»Natürlich«, antwortete sie.

»Kein Strom?«

Drea schüttelte den Kopf.

Fletcher hob die Waffe und leuchtete mit einer kleinen Taschenlampe den Bereich vor sich aus.

Drea blieb im Schutz des Polizeiautos stehen und konnte durch das Fenster mitverfolgen, wie die Beamten den Gästeraum absuchten, bevor sie durch die Schwingtüren nach hinten Richtung Toiletten, Küche, Büro und Personalraum verschwanden.

Kaffee. Vielleicht würden sich die Officers über einen Kaffee freuen? Und Gebäck. Oder war das nur ein Klischee? Moment mal. Es gab keinen Strom. Da half alles nichts, ohne Strom lief die Kaffemaschine nicht, und selbst wenn es gegangen wäre, hätte sie sich beim Kaffeemachen verbrüht, so wie ihre Hände zitterten. Und dass sie Selbstgespräche führte, als hätte sie den Verstand verloren, machte die Sache auch nicht besser.

Die Zeit verging nur schleppend. Die Übelkeit, die sie zuvor verspürt hatte, war wieder verschwunden. Sie fragte sich, wie sicher es wohl war, auf der Straße herumzustehen, und trat nervös näher ans Café heran.

»Entwarnung«, meldete Fletcher, als die Polizisten aus dem Café herauskamen. »Das ist Officer Tyler. Wir können jetzt reingehen, wenn Sie möchten.«

Cookies hatte sie im Angebot. Sie ging hinter den Tresen und stand den Silhouetten der beiden Polizisten gegenüber. Josés berühmte, selbstgemachte Chocolate-Chip-Cookies erschienen ihr im Augenblick sebst sehr verlockend, auch wenn sie einen doppelten Jack Daniels noch reizvoller gefunden hätte. Aber so was gab es hier nicht.

Ein weiterer Wagen hielt vor dem Café. »Das ist Detective Carter«, erklärte Tyler ihr.

Fletcher und Tyler gingen hinaus, um dem Detective Bericht zu erstatten, und kamen nach ein paar Minuten wieder zurück. Drea hatte die Zeit genutzt, um etwas zu essen, Servietten und Wasserflaschen bereitzustellen.

»Ms Caron, bitte setzen Sie sich doch.« Fletcher zeigte auf einen Stuhl am Fenster, wo etwas Licht von der Straße hereinschien. »Detective Carter möchte mit Ihnen sprechen.«

»Ich bin Andrea.« Sie sah Detective Carter an. »Bitte nennen Sie mich Drea.« Sie öffnete das Cookie-Glas mit einem Ploppen. »Bitte bedienen Sie sich. Das geht aufs Haus.«

»Es tut mir leid, dass wir uns unter diesen Umständen kennenlernen, Drea«, sagte Carter und schüttelte zur Begrüßung ihre Hand. »Gibt es Überwachungskameras im Café?«

Drea setzte sich. »Ja, aber das Licht ging aus, bevor sie reingekommen sind. Ich nehme an, dass sie den Strom ganz abgeschaltet haben.«

Carter wandte sich einem seiner Kollegen zu. »Tyler?«

»Ich bin dran. Und rufe gleich den Stromkonzern an, damit die uns so schnell wie möglich jemanden schicken.«

»Drea!« José stürmte zur Tür herein, sein Haar stand in alle Richtungen ab, und auch die Kombination aus seinem zerknitterten Pyjama-Oberteil und der Jeanshose bot einen interessanten Anblick. Das Café öffnete um sieben Uhr morgens, und José übernahm gern die frühe Schicht. Er fing um 4.30 Uhr an zu backen und war immer spätestens gegen 20 Uhr im Bett. »Geht's dir gut?«

»Sir. Warten Sie. Sie können hier nicht einfach so reinplatzen.«

»Lassen Sie mich los. Dieses Mädchen ist wie eine Tochter für mich.« José schüttelte den Arm des Officers ab und hastete zu Drea.

Er umarmte sie und trat dann, ohne sie loszulassen, einen Schritt zurück. »Im Ernst, geht's dir gut?«

»Das Geld. Ich hab noch nicht in der Kasse nachgeschaut, José.« Die Kasse stand zwar nicht auf, das bedeutete aber nicht unbedingt, dass das Geld noch drin war. Heute war viel los gewesen, es konnte alo eine Menge Geld gestohlen worden sein. »Was, wenn sie das Geld mitgenommen haben?« Sie wollte sofort in der Kasse nachschauen, aber José hielt sie zurück. Sie nahm seine Hand und kämpfte mit den Tränen, die jetzt erst zeigten, wie viel Angst sie gehabt hatte und ehrlich gesagt immer noch hatte.

»Glaubst du wirklich, mich interessiert die Kohle, Drea? Du bist ja wohl verrückt. Das ist mir völlig egal. Hauptsache dir geht's gut.«

José legte einen Arm um ihre Schultern, und Drea ließ sich von ihm trösten. Er war der einzige Mann in ihrem Leben, auf den sie sich verlassen konnte. Sie liebte ihn wie einen Vater. Wenn er ihr den Job nicht gegeben hätte, würde es um sie und ihre Mutter weitaus schlimmer stehen.

»Sir, sind Sie der Inhaber?«, fragte Carter.

»Ja, dieses Café ist seit Jahrzehnten im Besitz meiner Familie.«

José setzte sich neben Drea.

»Können Sie uns genau erklären, was geschehen ist, Drea?«, fragte Detective Carter.

»Das Café sollte bald schließen, und ich war dabei, alles vorzubereiten. Marco war gerade gegangen, und nur diese Frau und ich waren noch da.«

Drea erklärte den Officers Schritt für Schritt, was passiert war, eine schmerzhafte Angelegenheit.

»Sie haben also eigentlich gar nicht gesehen, dass die Frau entführt wurde?«

»Nein.« Drea ärgerte sich sehr darüber. »Ich habe ihre Silhouette erkannt, als sie an mir vorbeigerannt ist. Eine größere Person, die ich für einen Mann hielt, folgte ihr. Der Hinterausgang befindet sich in einer Linie mit den Schwingtüren, und wir haben eine Leuchtanzeige draußen, ich vermute also, dass sie sehen konnte, wohin sie lief. Es war sehr dunkel.«

»Haben Sie eine dieser Personen danach noch mal gesehen?« Carter kritzelte eine weitere Notiz in sein Büchlein.

Drea verneinte kopfschüttelnd. »Es kam keiner mehr zurück ins Café.«

»In Ordnung. Wir werden jetzt ein paar Leute reinschicken, die sich das Ganze genauer angucken. Den Becher der Frau tüten wir ein. Kann einer von Ihnen bleiben, bis die Leute vom Stromanbieter kommen?«

»Ich bleibe, Drea. Du solltest nach Hause gehen und dich ausruhen.«

Ein Polizist nahm Dreas Kontaktdaten auf und begleitete sie bis zu ihrem Auto.

Sie drehte den Zündschlüssel herum, der Motor stotterte, bevor er wieder ausging. »Komm schon«, redete sie ihrem Auto gut zu und warf dem Officer einen Blick zu, der am Bordstein darauf wartete, dass sie wegfuhr. Sie versuchte es noch einmal. Diesmal sprang der Motor an.

Auch wenn sie ein schäbiges Zuhause hatte, fühlte sie sich dort am sichersten.

*

Cujo stand in der Schlange und beobachtete Drea, die immer wieder Blicke zu dem Tisch in der hinteren Ecke des Cafés warf. Eine junge Familie war gerade dabei, sich haufenweise Leckereien einzuverleiben, und der kleine Junge hatte sich mit Glasur vollgeschmiert. Drea war normalerweise sehr konzentriert bei der Arbeit, und Cujo fragte sich, was sie heute so ablenkte.

Sogar am Abend war das Café gut besucht. Samstags war in Miami immer viel los, weil es jede Menge Wochenend-Touristen gab. Im Second Circle hatte immer noch der Mob getobt, als er gegangen war. Er hatte noch überlegt, länger zu bleiben, aber er hatte den Laden geöffnet und schon gute zehn Stunden Arbeit hinter sich. Als er ganz vorn stand und dran war, erkannte Drea ihn und sah ihn überrascht an.

»Hey, Drea, machst du mir bitte einen Gibraltar?« Er lächelte sie an, als hätte er den normalsten Kaffee der Welt bestellt.

»Einen Gibraltar?«, fragte sie und sah ihn verwirrt an. Ihre dunklen Augenringe machten ihn kurz stutzig.

Niemals hätte er zugegeben, dass er das im Internet recherchiert hatte, um sie aus der Fassung zu bringen. Er hatte seit zwei Tagen nichts mehr von ihr gehört, und sie mussten die Feier fertig durchplanen. Wenn der Berg also nicht zum Propheten kam oder so, oder war es doch der Elefant, der .? Wie dem auch sei. Er musste sie sehen.

»Bist du sicher? Ich hätte dich eher für einen Cortado-Typen gehalten. Größer als ein Macchiato, aber kleiner als ein Latte. Ein Gibraltar hat nur zwölf Zentiliter, und ich hätte gedacht, dass du zu...

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