Der Bergdoktor 2033 - Heimatroman

Zu jung für ihn
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Juli 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9872-4 (ISBN)
 
Liebe macht vor niemandem halt, egal, ob alt oder jung - das sollte jeder wissen, der sich für "unantastbar" hält! Auch wer nach einer schweren Krise die Liebe aus seinem Leben verbannt hat und damit als "abgeklärt" gilt, kann plötzlich von leidenschaftlichen Gefühlen überwältigt werden. Als Julian Huber, der Bauer vom Riedhof, dies begreift, ist er schockiert. Denn Sina, die einen Sommer lang auf seiner Alm als Sennerin verbringen will, ist nicht nur viel zu jung für ihn - sie ahnt vor allem nichts von der Tragödie, die seit einigen Jahren sein Leben überschattet ...

Zu jung für ihn

Zwei Seelen, zwei Herzen und eine große Liebe

Von Andreas Kufsteiner

Liebe macht vor niemandem halt, egal, ob alt oder jung - das sollte jeder wissen, der sich für "unantastbar" hält! Auch wer nach einer schweren Krise die Liebe aus seinem Leben verbannt hat und damit als "abgeklärt" gilt, kann plötzlich von leidenschaftlichen Gefühlen überwältigt werden.

Als Julian Huber, der Bauer vom Riedhof, dies begreift, ist er schockiert. Denn Sina, die einen Sommer lang auf seiner Alm als Sennerin verbringen will, ist nicht nur viel zu jung für ihn - sie ahnt vor allem nichts von der Tragödie, die seit einigen Jahren sein Leben überschattet .

"Du hast doch keine Ahnung, auf was du dich da einlässt. Tut mir leid, dass ich dir jetzt mal schonungslos die Meinung sagen muss, Sina. Aber ich finde, dass du total unvernünftig bist", regte sich Hajo Wittmer auf. "Dein Plan ist nichts weiter als ein kindischer Traum von heiler Bergwelt, glücklichen Almkühen und Alpenrosen. Wobei man von Kühen eigentlich gar nicht träumen kann. Jedenfalls wüsste ich nicht, was an diesen vierbeinigen Milchlieferanten so faszinierend ist, dass du als Sennerin auf eine Alm gehen willst!"

Sina lachte. Das war wohl auch das Beste, was sie tun konnte. Sie hatte während der anderthalb Jahre, die sie mit Hajo verbracht hatte - sie waren nicht ständig, aber doch regelmäßig zusammen gewesen - ziemlich klar erkannt, dass ihre Meinungen oft ziemlich weit auseinander gingen.

Wenn ihr, zum Beispiel, ein rotes Kleid gefiel, fand Hajo es "zu knallig" und hob die Vorzüge von Hellblau oder Lindgrün hervor. Während Sina die Natur liebte, hielt er sich lieber in der Stadt auf. Sogar kleinere Ausflüge in den nahen Wienerwald lehnte er ab, Spaziergänge hielt er für reine Zeitverschwendung. Wenn man sich schon draußen aufhielt, dann nur, um etwas zu erleben. Hajo mochte es, wenn irgendetwas "lief". Bitte keine Langeweile!

Warum sollte man durch Tannenwälder tigern oder Eichkatzerln beobachten? Stattdessen konnte man lieber Tennis spielen - oder auch Golf. Hajo Wittmer war Mitglied in zwei einschlägigen Wiener Sportclubs, abends wurde auch gern die eine oder andere Party gefeiert, natürlich stilvoll.

Es durfte ruhig vom Feinsten sein. Das war nicht ganz billig, aber er konnte es sich leisten. Und falls ausnahmsweise doch mal Ebbe auf dem Privatkonto herrschte, sprangen seine Eltern ein. Die Logistik-Firma Wittmer hatte noch nie finanzielle Probleme gehabt.

Hin und wieder durfte es aber auch ein bisschen bodenständig zugehen. In die schöne Stadt Wien gehörten nicht nur die schöne blaue Donau, Walzerklänge und der Prater mit dem in aller Welt beliebten Riesenrad, sondern auch Schrammelmusik und Wein.

Gegen einen Abend in Grinzing - zum Beispiel in einem zünftigen Heurigenlokal - hatte Hajo nichts einzuwenden. Vor allem dann nicht, wenn man mit Freunden dort war und zu vorgerückter Stunden den Alltag vergaß, frei nach dem bekannten Motto: "Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein".

Theater, Opernabende oder andere kulturelle Veranstaltungen besuchte er zwar gern, aber nur im Spätherbst und im Winter, wenn die Zeit der Gartenpartys vorbei war.

Laue Abende in den sommerlichen Gärten seiner Freunde waren ganz nach Hajos Geschmack, er selbst galt ebenfalls als einfallsreicher Gastgeber. Seine Gartenfeste waren legendär. An diesen Abenden hielt er sich gern im Freien auf. Schlug Sina aber im Sommer ein Freiluftkonzert vor, für das sie sogar schon Karten hatte, lehnte er ab.

"Geh, Patscherl, so was mag ich nicht. Draußen in einer Menschenmenge wie eine Ölsardine eingequetscht zu werden, das ist doch total primitiv. Ohne mich."

Blieb die Frage, was Sina Kronacher und Hajo Wittmer eigentlich miteinander verband, wenn es allem Anschein nach so viele Unterschiede zwischen ihnen gab. Die ausgebildete Diplom-Pädagogin Sina liebte Kinder, sie stand derzeit in Verhandlungen mit dem Vermieter einer Vorstadtvilla mit großem Garten, um dort einen Privatkindergarten einzurichten.

Hajo sah dieses Vorhaben skeptisch.

"Bist du dir sicher, dass Eltern Unsummen von Geld bezahlen wollen, um ihre Kinder in einer privaten Einrichtung unterzubringen?"

Sie hatte nicht vor, "Unsummen" zu verlangen. Aber Sina wusste, dass es Kinder gab, die mehr Zuwendung benötigten als andere und auf die man besonders eingehen musste. Genau für diese Kinder sollte der "Zaubergarten" bestimmt sein.

Aber noch war alles in der Schwebe. Wenn das Projekt irgendwann im Herbst verwirklicht werden konnte, dann war das ein großer Erfolg.

"Du und deine Ideen", murrte Hajo auch jetzt zum x-ten Mal. "Na ja. Ich rege mich auf, und du lachst nur. Aber was soll ich machen? Du gibst ja eh nicht nach. Also muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und den Sommer allein in Wien absitzen, während du auf der Alm im Butterfass rührst."

"Einmal im Leben möchte ich einen Sommer im Gebirge erleben", gestand Sina. "Schau, du warst mit deinen Freunden segeln. Und dann habt ihr euch irgendwo in Südfrankreich amüsiert. Ich hab es dir gegönnt. Du warst vier Wochen regelrecht abgetaucht."

"Aber du wirst länger weg sein, Sina. Und außerdem hatte ich diese Auszeit nötig."

"Klar. Jedem das Seine. Ich brauche keinen Segeltörn und muss auch nicht in Nizza an Bord einer Jacht feiern." Sina wurde ernst. "Wir müssen uns darüber einig werden, was wir wollen. Ob wir unser Leben gemeinsam verbringen oder ob wir uns trennen. Ich werde darüber nachdenken, wenn ich in den Bergen bin."

Hajo runzelte die Stirn. "Ich denke, dass wir keine Bedenkzeit mehr brauchen. Wir raufen uns sicher noch zusammen, Patscherl. Ich will nicht, dass wir auseinander gehen. Manches an dir versteh ich nicht, aber das muss ja auch nicht sein. Umgekehrt schüttelst du auch oft den Kopf über mich. Und trotzdem ."

Er hatte recht. Trotz aller Unterschiede und Gegensätzlichkeiten konnten sich die beiden nicht vorstellen, ihre Beziehung zu beenden.

Nicht immer stimmte der Satz "Gegensätze ziehen sich an". Aber bei Sina und Hajo schien dieser Spruch den Nagel auf den Kopf zu treffen. Jedenfalls bis jetzt.

Was eines Tages aus ihnen beiden wurde - vielleicht ein Ehepaar - wussten sie heute noch nicht. Nur, dass sie sich gegenseitig erst einmal von der Leine lassen mussten.

Wenige Tage später erfuhr Sina, dass sie auf der Grundl-Alm oberhalb von St. Christoph im Zillertal als Sennerin anfangen konnte. Franz Huber, dem der Grundl-Hof im Tal gehörte, schrieb ihr einen etwas ungelenken Brief:

"Grüß Gott aus St. Christoph. Ein tüchtiges Madel für unsere Alm wäre uns sehr willkommen, ich habe die Anzeige im Internet gelesen und will sofort darauf antworten.

Eine Wienerin passt gut hierher. Die Wiener haben das Herz auf dem rechten Fleck. Meine Frau und ich, wir haben vor zwanzig Jahren unsere Hochzeitsreise nach Wien gemacht, das vergessen wir bis heute nicht.

Der Arbeitsbeginn wäre in zehn Tagen, die Saison geht bis Ende September. Madel, schreib einfach, ob du herkommen willst, oder ruf an. Die Almhütte ist ordentlich hergerichtet. Über den Verdienst lässt sich reden, wir sind net geizig, und wenn du tüchtig bist, kann man immer noch etwas drauflegen. Es grüßen dich aus dem Zillertal Franz und Marie Huber."

Diesem schlichten, grundehrlichen Brief konnte Sina einfach nicht widerstehen. Noch am Abend teilte sie der Familie Huber mit, dass sie in wenigen Tagen eintreffen würde.

Sie erzählte Hajo davon: "Ich bin fast schon unterwegs in die Berge!"

Er machte ein langes Gesicht. "Was? Jetzt schon?"

"Natürlich. Es ist Ende Mai. Höchste Zeit, auf die Alm zu gehen. Es wird eine Menge Arbeit für mich geben."

"Dass du dich damit so gut auskennst!" Immer, wenn er sie so ansah wie jetzt, mit diesem Blick mitten ins Herz, fühlte sich Sina schuldbewusst und fast ein bisschen rücksichtslos. Dann vergaß sie sogar, dass Hajo meistens nur das tat, was er für richtig hielt.

"Falls es mir nicht gefällt, dann könnte ich das Unternehmen ja abbrechen", überlegte sie, "aber das wäre mir dann sehr peinlich. Sieh mich net so an, sonst heule ich gleich. Ich meine es doch nicht böse, Hajo. Wir bleiben ständig in Kontakt, und falls du nachkommen willst ."

"Nachkommen? Auf eine Kuhweide in irgendein verfallenes Almhüttchen?" Er holte tief Luft. "Also, ich weiß nicht. Du kennst mich doch. Ich hab Schwierigkeiten mit dem Landleben. Bauernhöfe und Milchkannen sind einfach nicht mein Ding. Aber du wirst mir fehlen, Sina. Leider begreifst du ja nicht, wie viel du mir bedeutest."

Er brachte es nicht fertig, ihr zu sagen, dass er sie liebte. Vielleicht war es ja auch gar nicht die große Liebe. An manchen Tagen fragte sich Sina mit leisem Zweifel, ob sie mit Hajo auf Dauer...

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