Der Bergdoktor 2025 - Heimatroman

Rache für den toten Freund
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Mai 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9768-0 (ISBN)
 
Bei der Anprobe ihres Brautkleides erkennt Lisa gerade noch rechtzeitig: Sie ist drauf und dran, den Falschen zu heiraten! Nichts kann sie Stefan recht machen. Ständig mäkelt an ihr herum. Und Trost erfährt sie von ihm gleich gar nicht. Während ihre Hausärztin noch rätselt, woher ihre ständigen Schmerzen und Fieberschübe kommen, hat er sie schon als Simulantin abgestempelt. Fluchtartig verlässt Lisa München und strandet mit einer Autopanne in St. Christoph. Am abgelegenen Gehöft von Veit Hölzl bittet sie um ein Quartier für die Nacht, bis ihr Auto morgens repariert werden kann. Der wortkarge Landwirt ist nicht erfreut über ihr Auftauchen, denn er kann eine Zeugin für das, was er vorhat, nicht gebrauchen ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,25 MB
978-3-7325-9768-0 (9783732597680)

Rache für den toten Freund

Ein Mann findet keinen Frieden

Von Andreas Kufsteiner

Über ein Jahr ist inzwischen vergangen, seitdem Veit Zeuge eines schrecklichen Dramas in den Bergen von St. Christoph wurde. Allerdings war er viel zu weit entfernt, um eingreifen und so das Schlimmste verhindern zu können.

Geschehen war folgendes: Bei einem Rundgang durch den Wald bemerkte er auf einer höher gelegenen Hügelkuppe plötzlich zwei Männer, die miteinander kämpften. Den einen der beiden konnte er an der auffälligen orangefarbenen Jacke mit den silbernen Streifen erkennen. Sie gehörte eindeutig seinem besten Freund Lukas! Da zerriss plötzlich ein schriller Schrei die Stille. Und dann stürzte Lukas in die tiefe Schlucht und fand dort den Tod. Sein Gegner konnte unerkannt entkommen.

Über ein Jahr ist inzwischen vergangen, doch Tag und Nacht quält Veit seitdem die Frage, wer seinen besten Freund auf dem Gewissen hat .

Mei, dieser verflixte Winter nahm in diesem Jahr gar kein Ende!

Veit Hölzl stemmte seine Skistöcke in den Schnee und schritt kräftig aus. Mit einem leisen Rauschen glitten seine Brettln dahin und trugen ihn tiefer in das einsame Seitental hinein.

Im Sommer traf man hier zahlreiche Wanderer, die zu einer der beiden Almhütten unterwegs waren. Jetzt ruhte der Weg durch das Tal unter einer Schneedecke. Die Hütten würden erst im Frühjahr wieder öffnen.

Die felsigen Hänge, die links und rechts aufragten, waren weiß von Schnee und Eis und glitzerten in der Sonne, als wären sie mit winzigen Diamanten bestäubt. Der Weg führte leicht bergan. Die Kälte biss in die Atemwege wie Nadelstiche. Unwillkürlich beschleunigte der junge Landwirt sein Tempo.

Er brachte eine Kehre hinter sich, und mit einem Mal öffnete sich vor ihm der Blick auf den Bach, der sich durch das Tal schlängelte. Verschneite Halme ragten über das kristallklare Wasser, das sich plätschernd seinen Weg bahnte.

Veit blieb stehen, schob seine Schneebrille über seine Wollmütze und nahm den Ausblick in sich auf. Hier gab es nichts als einen tiefen Einklang mit der Natur.

Wie er die Berge liebte! Er kannte jeden Pfad und jeden Pass, und er hätte sich nicht vorstellen können, irgendwo anders zu leben. Nein, das kam für ihn nicht infrage, auch wenn die abgelegene Lage seines Heimatdorfes in dieser Jahreszeit mitunter zu Beeinträchtigungen führte.

St. Christoph war nur über eine einzige steile Bergstraße erreichbar. Im Winter war sie oft genug von Schnee und umgestürzten Bäumen versperrt. Dann war das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten.

Heute hoffentlich net, ging es ihm durch den Sinn. Er wollte sich mit Lukas später einen Film in Mayrhofen anschauen. Wenn es dann schneite, würde die Rückfahrt wieder ein Abenteuer werden.

Lukas und er waren zusammen aufgewachsen. Sein Freund hatte lange mit sich gerungen, welchen beruflichen Weg er einschlagen wollte. Vor drei Monaten hatte er eine Ausbildung zum Fahrlehrer begonnen. Lukas träumte davon, eines Tages seine eigene Fahrschule zu leiten. Die Ausbildung finanzierte er sich, indem er als Knecht überall da einsprang, wo fleißige Hände gebraucht wurden. Und in jeder freien Minute lernte er.

Veits Lebensplan hatte schon früh festgestanden: Er gehörte in die Landwirtschaft. Seine Eltern und Großeltern waren Bauern, und er würde ihnen folgen. Er liebte die Landwirtschaft und hatte etliche Pläne für die Zukunft. Was ihm noch fehlte, war ein Madel. Manchmal war es arg einsam bei ihnen heroben. Ihr Hof lag am Fuß des Hexensteins. Ringsum gab es nichts als Kiefernwälder und Bergwiesen.

Veit packte seine Skistöcke fester und fuhr weiter.

Es hatte frisch geschneit in der Nacht. Seine Hündin sauste vor ihm her. Elli war ein gutmütiger goldbrauner Labrador. Sie liebte Schnee und blieb immer wieder stehen, um so wild zu buddeln, dass der Schnee nach allen Seiten stob.

Elli stürmte weiter, und Veit folgte ihr auf seinen Skiern. Sein Ziel war der Wasserfall weiter hinten im Tal. In der Nähe sollte in der Nacht eine Lawine niedergegangen sein. Das wusste er vom Leiter der Bergwacht.

Manchmal wurden Gämsen von den Schneemassen mitgerissen. Veit hoffte auf einen solchen Fund. Schießen mochte er die lebhaften Tiere nicht, aber er brauchte die Haare. Sein Großvater fertigte daraus prächtige Gamsbärte, die eine Zierde für jeden Hut waren.

Die dafür nötigen Haare wuchsen jedoch nicht, wie der Name suggerierte, am Kinn der Gämsen, sondern an ihrem Rücken, im Bereich zwischen Genick und Wedel. Auf die dunklen Grannenhaare mit den hellen Spitzen hatte Veit es abgesehen. Je heller diese waren, umso schöner und wertvoller war später der Gamsbart.

Unbewusst lauschte der junge Landwirt auf ein verräterisches Knirschen am Berg, das eine nachfolgende Lawine ankündigte, aber alles blieb still. Unwillkürlich stieß er den Atem aus. Es war immer ein Risiko, in ein Lawinengebiet vorzudringen.

Vor ihm blieb Elli plötzlich stehen, als wäre sie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen. Sie reckte den Kopf in die Höhe und schien Witterung aufzunehmen. Hatte sie einen Hasen entdeckt?

Unvermittelt gellte ein schriller Schrei durch die Schlucht.

Jäh hielt Veit inne, stemmte seine Skistöcke in den Schnee und schaute sich um. Sein Blick blieb an zwei Gestalten hängen, die hoch über ihm auf der Hügelkuppe standen. Oder . nein, sie standen da nicht nur, sie rangen miteinander!

Eiskalt rieselte es ihm den Rücken hinunter. Da oben kämpften zwei Männer miteinander! Sie waren von kräftiger Statur. Ihre Gesichter konnte er nicht erkennen, dafür waren sie zu weit entfernt.

Einer der beiden war schwarz gekleidet, der andere trug eine orangefarbene Jacke mit silbernen Streifen. Diese Jacke kannte er doch! Seinem besten Freund gehörte genauso eine Jacke!

Veit hatte Lukas schon damit aufgezogen, dass man ihn damit vermutlich sogar vom Weltraum aus erkennen konnte. Lukas hatte nur gegrinst und gemeint, genau das wäre sein Plan. Immerhin wolle er bei den Madeln auffallen.

"Lukas!" Wie gelähmt vor Entsetzen beobachtete Veit, dass sich die Kämpfenden dem Abhang näherten. Er wollte seinem Freund helfen, aber er stand viel zu weit weg!

Mit einem Mal lösten sich die Kämpfenden voneinander. Der Mann in der orangefarbenen Jacke taumelte rückwärts. Er breitete die Arme aus, um sich noch zu fangen. Zu spät!

Mit einem Schrei stürzte er über die Felskante in die Tiefe!

"Neeein!" Veit packte seine Skistöcke und stieß sich ab. Er fuhr, so schnell er es vermochte, in das Tal hinein. Hinter seiner Stirn wirbelten die Gedanken wie aufgescheuchte Spatzen. Ich muss ihm helfen. Wenn es bloß net zu spät ist!

Er reckte den Kopf nach oben. Auf dem verschneiten Felsen war der schwarz gekleidete Mann inzwischen verschwunden.

Fast so, als wäre er nie da gewesen.

***

Vierzehn Monate später

Neununddreißig Komma eins Grad. Als wäre diese Zahl nicht alarmierend genug, leuchtete obendrein ein rotes Warnlämpchen neben der Anzeige auf.

Lisa Stangl hielt das Fieberthermometer so vorsichtig zwischen ihren Fingern, als könnte es nach ihr schnappen.

Da war er also, der nächste Fieberschub, dachte sie niedergeschlagen. Was sollte sie jetzt nur machen? Stefan würde das nicht gefallen. Bis zu ihrer Hochzeit mussten noch ungeheuer viele Dinge erledigt werden. Lisas Liste mit Erledigungen war endlos lang. Fieber konnte sie wirklich nicht gebrauchen.

"Lisa?" Vor dem Vorhang der Umkleidekabine waren Schritte zu vernehmen. "Bist du noch da drin? Oder schon heimlich mit deinem Liebsten durchgebrannt?" Ein Lächeln schwang in der Stimme ihrer Freundin mit.

Hastig schob Lisa das Thermometer zurück in die Verpackung. Sie hatte es vor ihrem Besuch im Brautmodenladen neu gekauft und gehofft, dass ihr altes Thermometer kaputt war und falsche Werte angezeigt hatte. Das war offenbar nicht der Fall.

Sie hatte tatsächlich Fieber. Schon wieder.

Ihre Knie waren weich wie Butter, in ihren Ohren rauschte es, und ihre Wangen glühten. Lisa hatte die Symptome auf ihre Nervosität geschoben, aber daran lag es anscheinend nicht.

Ihre Temperatur sagte deutlich, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Sie musste sich später darum kümmern.

Jetzt schob sie den Vorhang zur Seite und trat aus der Umkleidekabine.

"Wow!" Anika stellte hastig ihr Glas Prosecco fort und wiederholte: "Wow! Wer sind Sie, und was haben Sie mit meiner besten Freundin gemacht?"

"Wie findest du es?" Unsicher blickte Lisa an sich hinunter. Das Brautkleid floss in einer Fülle aus Seide und Perlenstickereien an ihr hinunter und raschelte bei jeder Bewegung. Es war so steif, dass sie sich kaum bewegen konnte.

"Du siehst unglaublich aus. Wie eine Prinzessin."

"Gefällt es dir?"

"Es raubt einem den Atem. Wie fühlst du dich damit?"

"Verkleidet." Lisa hob die Schultern und ließ sie wieder sinken. "Um ehrlich zu sein, traue ich mich net, tief Luft zu holen, aus Angst, das Kleid zu beschädigen. Es kostet ein...

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