Der Bergdoktor 2011 - Heimatroman

Notruf aus der Gondel
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9165-7 (ISBN)
 
Was tut man nicht alles, wenn das Eheglück der besten Freundin in Gefahr ist? Romy schickt das Ehepaar kurzerhand in einen Versöhnungsurlaub und verspricht ihnen, sich in dieser um ihre Tochter und den Berghof zu kümmern. Damit die kleine Leonie ihre Eltern nicht allzu sehr vermisst, überlegt sich Romy jeden Tag ein neues Erlebnis. An diesem Sonntag soll es mit der Gondel zum Feldkopf hinaufgehen. Staunend presst Leonie ihr Näschen an die Scheibe, als die Gondel über die Schluchten schwebt. Da gibt es plötzlich einen Ruck - und es geht nicht mehr weiter. Auch Stunden später, als es längst dunkel geworden ist, sitzen Romy und Leonie fest. Zudem klagt Leonie auch noch über heftiges Kopfweh und Sehstörungen ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,24 MB
978-3-7325-9165-7 (9783732591657)

Notruf aus der Gondel

Kann Dr. Burger die Tragödie verhindern?

Von Andreas Kufsteiner

Was tut man nicht alles, wenn das Eheglück der besten Freundin in Gefahr ist? Romy schickt das kriselnde Ehepaar kurzerhand in einen Versöhnungsurlaub und verspricht ihnen, sich in dieser Zeit um ihre Tochter und den Berghof zu kümmern.

Damit die kleine Leonie ihre Eltern nicht allzu sehr vermisst, überlegt sich Romy jeden Tag ein neues Erlebnis. An diesem Sonntag soll es mit der Gondel zum Feldkopf hinaufgehen. Staunend presst Leonie ihr Näschen an die Scheibe, während die Gondel über die Schluchten schwebt. Da gibt es plötzlich einen Ruck - und es geht nicht mehr weiter.

Auch Stunden später, als es längst dunkel geworden ist, sitzen Romy und Leonie fest. Zudem klagt Leonie auch noch über heftiges Kopfweh und Sehstörungen .

Ein bitterkalter Wind fauchte durch das tief verschneite Zillertal. Er wirbelte weiße Schwaden über den Hängen auf und zerrte an den Kiefern, sodass sie sich ächzend unter seiner Macht neigten. Am nachtdunklen Himmel wirkte die Milchstraße wie ein fein gewebter Schal aus seidigem Licht.

In einem hoch gelegenen Seitenarm des Zillertals schmiegte sich ein Dorf an die Berge: St. Christoph. Der kleine Ort bestand aus gepflegten Bauernhöfen, die sich um eine weiße Kirche mit einem Zwiebelturm scharten. Es gab ein Hotel und ein Barockschlössl, das Reiseführer gern für einen Abstecher empfahlen. Sechs Bergspitzen ragten hoch über dem Dorf auf.

Nur eine einzige Straße schlängelte sich vom Tal hierherauf, schmal genug, um im Winter selbst den ortskundigen Autofahrern den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Meterhohe Schneewälle türmten sich links und rechts von der Fahrbahn auf, aufgehäuft vom Räumdienst. Die weißen Wände ließen gerade genug Raum, dass zwei Fahrzeuge aneinander vorbeikamen, aber wenn ein Bus die Serpentinenstraße nutzte, wurde es eng. Sehr eng sogar.

Die abgelegene Lage des Dorfes tat seiner Beliebtheit jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil. Im Winter kamen gern Skifahrer hierher, die das herrliche Winterwetter nutzten und von früh bis spät auf den Brettln standen.

Am Ende der Kirchgasse, nur einen Steinwurf vom Wald entfernt, stand das Doktorhaus. Hier lebte und arbeitete Dr. Burger. So spät am Tag war seine Praxis bereits geschlossen. Die Fenster des Wohnhauses hingegen waren hell erleuchtet und warfen Lichtpfützen heraus in den Schnee.

"Du, Papa, was ist eigentlich dieses Mumiensystem?" Tessa saß neben ihrem Bruder am Küchentisch und knabberte auf ihrem Federhalter herum. Vor ihr lag ein aufgeschlagenes Schulheft.

"Was für ein System?" Martin Burger blickte von der medizinischen Fachzeitschrift hoch, in der er gerade einen Artikel über die heilende Wirkung von Kälte bei rheumatischen Erkrankungen las.

"Das Mumiensystem. Das macht, dass wir net krank werden."

"Das Immunsystem, meinst du?"

"Genau! Für die Schule soll ich etwas über den Winter schreiben. Du sagst doch immer, man soll das Mumiensystem stärken, damit man net krank wird. Schmarrn, das Immunsystem, mein ich", verbesserte sie sich hastig.

"So ist es. Das Immunsystem unseres Körpers wehrt Krankheiten ab. Es ist teilweile angeboren und teilweise erworben. Angeboren ist, zum Beispiel, unsere Haut. Sie ist leicht sauer und verhindert damit das Eindringen von fremden Keimen. Unsere Tränen enthalten Enzyme, welche Bakterien abtöten. Und unsere Magensäure enthält Salzsäure, die viele Bakterien vernichtet, ehe sie uns krank machen können."

"Echt praktisch." Tessa kritzelte eifrig mit.

"Das erworbene Immunsystem tragen wir in unseren weißen Blutzellen. Davon gibt es ganz verschiedene Arten, und jede erfüllt einen Auftrag. Die T-Zellen krallen sich an Krankheitserregern fest. Dann rasen sie zu einer B-Zelle. Die wiederum bildet Antikörper gegen den Eindringling. Und die Makrophagen schließlich fressen den Krankheitserreger auf, ehe er Schaden anrichten kann."

"Wow." Tessa hielt kurz beim Schreiben inne. "Ganz schön kompliziert." Sie beugte sich tiefer über ihr Heft.

Die Küche des Doktorhauses war hell beleuchtet und mollig warm. Neben Tessa saß Filli und malte ein Mandala aus. Beide Kinder hatten einen Becher mit Kakao vor sich stehen. Auf der Eckbank hatte sich Klein-Laura mit Poldi zusammengerollt. Kind und Rauhaardackel schlummerten friedlich.

Dr. Burger tauschte einen innigen Blick mit seiner Frau. Sabine schrieb einen Brief an eine Freundin, schenkte ihm nun jedoch ein Lächeln, das ihm das Herz weit machte.

Seine Frau hatte sein Haus mit Liebe und Leben erfüllt, als er schon geglaubt hatte, für immer alleine zu bleiben. Sie war sein Ein und Alles, und er achtete sorgfältig darauf, neben seiner anstrengenden Arbeit auch immer Zeit für seine Familie zu haben.

An der Anrichte bestrich Zenzi gerade die Plätzchen auf einem Backblech mit Eigelb. Plötzlich hielt die Wirtschafterin inne und drehte das Radio lauter.

". erwarten wir für morgen weitere Schneefälle und Temperaturen von minus fünf bis minus acht Grad. Der Wind wird stärker. Im Zillertal besteht sogar die Gefahr von Orkanböen."

"Na servus", murmelte Zenzi. "Da werden die Straßen wieder zum Abenteuer. Womöglich gibt es sogar einen Stromausfall. Wär' ja net das erste Mal heuer."

"Au ja. Dann machen wie ein Lagerfeuer und rösten Brot an Stöcken." Filli strahlte. "Und wir gehen rodeln."

"Net im Schneesturm", bremste der Vater seinen Übermut. Unwillkürlich wanderte sein Blick aus dem Fenster. In der Ferne schimmerten die Lampen einer Kabinenbahn. Wie ein Band zogen sie sich den Feldkopf hinauf. In dieser Nacht war das Wetter klar und kalt, aber wenn es wirklich einen Schneesturm gab, wurde es gefährlich!

Mitten in seine Gedanken hinein klingelte jemand an der Haustür Sturm.

"Na, na, wer veranstaltet denn so einen Lärm am Abend?", brummelte Zenzi.

"Ich werde nachsehen." Dr. Burger legte seine Zeitschrift zur Seite und eilte in den Flur.

Als er die Haustür öffnete, wehte ihm ein Schwall bitterkalter Winterluft entgegen. Alarmiert weiteten sich seine Augen, als er den Besucher erkannte: Es war Ludwig Sirch.

Der Gendarm des Dorfes war ein untersetzter Mann mit einem buschigen schwarzen Schnurrbart und braunen Augen, denen kein Detail zu entgehen schien. Sein energisches Kinn warnte, dass man sich besser nicht mit ihm anlegte, aber das freundliche Funkeln in seinen Augen verriet, dass er herzensgut war und half, wo er konnte.

An diesem Abend trug er nicht seine Uniform, sondern eine warme wattierte Jacke und Jeans. Die waren an den Oberschenkeln zerrissen und klebten ihm dunkel vor Blut an den Beinen. Obendrein breitete sich nicht nur unter ihm im Schnee eine blutrote Lache aus, nein, auch der Schnee auf dem Weg vom Gartentor hierher war rot gesprenkelt!

"Tut mir leid, dass ich so spät noch bei Ihnen hereinplatze", ächzte er, "aber ich könnte Hilfe gebrauchen."

"Natürlich! Komm bitte rein, Ludwig." Dr. Burger führte seinen Patienten in den Praxisanbau. Hier schaltete er sämtliche Lichter ein und deutete auf die Behandlungsliege. "Rasch, leg dich da hin", bat er und streifte sich Handschuhe über. "Was ist denn passiert?"

"Ich hab zufällig jemanden gesehen, der um den Brandl-Hof herumgeschlichen ist. Schwarz gekleidet und mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze. Das kam mir verdächtig vor. Eigentlich war ich nimmer im Dienst, aber bei so was kann ich net wegschauen. Also bin ich zu ihm hingegangen und hab ihn angesprochen und gefragt, was er da macht."

"Und dann?", fragte der Bergdoktor gespannt.

"Plötzlich ist er herumgewirbelt und mit einer Schneeschaufel auf mich losgegangen! Keine Ahnung, wo er die so schnell hergenommen hat. Jedenfalls hat er mir damit die Beine weggeschlagen. Bevor ich mich umschauen konnte, lag ich schon im Schnee und hab geblutet wie ein waidwunder Hirsch."

"Hast du den Mann erkannt?"

"Leider net. Es ging alles so schnell, und er hatte sich den Schal über Mund und Nase gezogen. Dazu die Kapuze . Ich könnt net sagen, wer es war." Der Gendarm schüttelte den Kopf.

"Die Hose ist vermutlich nimmer zu retten. Ich muss sie aufschneiden und mir die Verletzungen genauer ansehen."

"Machen Sie ruhig. Ich fürchte nur, ich hab Ihnen schon den ganzen Fußboden vollgeblutet."

"Darum kümmern wir uns später." Martin Burger griff zur Schere und legte die Verletzungen frei. Sie waren tief und bluteten. Die metallene Stoßkante der Schneeschaufel hatte dem Gendarmen klaffende Wunden an den Oberschenkeln zugefügt.

Behutsam untersuchte er ihn.

"Du hattest Glück, die Knochen sind net verletzt. Ich muss die Verletzungen säubern und nähen. Vorher bekommst du etwas gegen die Schmerzen von mir."

"Das hört sich gut an", erwiderte der Gendarm schnaufend, dem trotz der Kälte der Schweiß...

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