Der Bergdoktor 1986 - Heimatroman

Wenn du nicht gewesen wärst ...
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. August 2019
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8357-7 (ISBN)
 
Wenn du nicht gewesen wärst ... An seiner Seite schöpft sie wieder Hoffnung Von Andreas Kufsteiner So schonend wie irgend möglich bringt Dr. Burger seiner Patientin die Diagnose bei, dennoch ist es ein Schock: Meike Kerber hat einen inoperablen Hirntumor. Chemotherapie und Bestrahlung können der jungen Frau nur etwas mehr Lebenszeit verschaffen - mehr nicht. Ihr Mann hat sie vor eineinhalb Jahren verlassen und St. Christoph den Rücken gekehrt. Jetzt trägt Meike die alleinige Verantwortung für ihren kleinen Buben. Und in dieser schier ausweglosen Situation steht Erik plötzlich vor ihr und bittet sie um die Scheidung. Das zieht Meike nun gänzlich den Boden unter den Füßen weg, doch sie willigt ein, stellt ihm aber eine Bedingung ...
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,35 MB
978-3-7325-8357-7 (9783732583577)

Wenn du nicht gewesen wärst .

An seiner Seite schöpft sie wieder Hoffnung

Von Andreas Kufsteiner

So schonend wie irgend möglich bringt Dr. Burger seiner Patientin die Diagnose bei, dennoch ist es ein Schock: Meike Kerber hat einen inoperablen Hirntumor. Chemotherapie und Bestrahlung können der jungen Frau nur etwas mehr Lebenszeit verschaffen - mehr nicht.

Ihr Mann hat sie vor eineinhalb Jahren verlassen und St. Christoph den Rücken gekehrt. Jetzt trägt Meike die alleinige Verantwortung für ihren kleinen Buben. Und in dieser schier ausweglosen Situation steht Erik plötzlich vor ihr und bittet sie um die Scheidung. Das zieht Meike nun gänzlich den Boden unter den Füßen weg, doch sie willigt ein, stellt ihm aber eine Bedingung .

"Das werd ich mir nie verzeihen. Nie!" Irina Roth rang die Hände. Tränen schimmerten in den Augen der Mittvierzigerin und hafteten an ihren getuschten Wimpern. "Meine arme Kleine!"

Dr. Erik Kerber biss die Zähne zusammen. Den Tierarzt lagen etliche Vorwürfe auf der Zunge, aber er brauchte alle Konzentration, um seine vierbeinige Patientin zu versorgen.

Die Cocker-Spaniel-Hündin sträubte sich gegen jede Berührung und fiepte herzzerreißend. Ein Wunder war das nicht: Sie wies großflächige Abschürfungen am rechten und linken Vorderlauf auf. Fell und Haut waren regelrecht weggeschürft, und sie blutete stark.

Behutsam legte Dr. Kerber einen venösen Zugang und führte der Hündin Flüssigkeit und ein Schmerzmittel zu. Außerdem eine großzügig bemessene Menge Antibiotika. Während er Atmung und Herzschlag im Blick behielt, untersuchte er die Verletzungen vorsichtig. Seine Patientin schlug mit der Rute auf den metallenen Behandlungstisch, blieb jedoch liegen.

"Braves Tier. Du weißt, dass ich dir nur helfen will, nicht wahr?", murmelte Erik Kerber.

Mimi war eine junge Hündin. Ihr Kreislauf war stabil, und das war ein Segen. Allerdings würden die Wunden lange und schmerzhafte Monate benötigen, um zu verheilen.

Wie konnte das nur geschehen?

"Ich hatte Mimi an der Anhängerkupplung meines Autos festgebunden", jammerte Frau Roth. "Danach bin ich noch einmal ins Haus zurück, um meinen Einkaufskorb zu holen. Mein Mann rief an, deshalb habe ich vergessen, dass Mimi festgebunden war. Ich bin eingestiegen und losgefahren. Erst nach fünfhundert Metern ist mir aufgefallen, dass sie net auf der Rückbank sitzt. Ich hab sie die ganze Strecke mitgeschleift!"

Dr. Kerber arbeitete schweigend. Was hätten Vorwürfe auch genutzt? Die machte Frau Roth sich selbst schon genug. Er musste sich erst einmal um die Folgen ihres Versäumnisses kümmern.

Großflächig rasierte er das Fell um die verletzten Hautpartien weg und spülte die Wunden mit steriler Kochsalzlösung.

Das Schmerzmittel wirkte. Mimi ließ ihn ruhig gewähren.

Er entfernte Schmutz und kleine Steine, begutachtete die Verletzungen erneut und prüfte die Durchblutung. Alles gut so weit.

Abschließend legte er Mimi Verbände und eine Halskrause an und blickte hoch.

"Die Wundauflagen müssen in der ersten Woche zweimal täglich gewechselt werden. Können Sie Mimi hier in der Praxis lassen?"

"Oh, das möchte ich net."

"Sie muss mehrmals täglich versorgt werden, Frau Roth."

"Ich verspreche, sie herzubringen, aber ich nehme sie wieder mit nach Hause, Doktor Kerber. Es ist meine Schuld, dass es ihr schlecht geht, deshalb will ich sie versorgen."

"Also gut. Bringen Sie Mimi bitte sofort zu mir, wenn sie Fieber bekommt oder die Wunden nässen. Und kommen Sie mit ihr zum Verbandwechsel her."

"Natürlich." Die Mittvierzigerin nickte lebhaft, sodass ihre aufgetürmten blonden Haare wippten. "Ich werde alles tun. Wie lange wird es dauern, bis Mimi wieder gesund ist?"

"Monate. Auf jeden Fall Monate."

"So lange? Aber wir wollen in zwei Wochen mit ihr nach Sankt Peter Ording fahren. Glauben Sie net, dass Mimi dann wieder fit ist?"

"Ausgeschlossen. Die Wunden sind tief und schmerzhaft. Es wird viel Zeit brauchen, bis sich Mimi wie früher bewegen kann."

"Oh." Irina Roth legte eine Hand mit rot lackierten Fingernägeln an ihren Mund.

Erik Kerber hätte ihr gern etwas anderes gesagt, aber die Hündin hatte eine lange Zeit der Genesung vor sich. Das Versehen ihrer Besitzerin hatte tiefe Wunden gerissen.

Frau Roth setzte Mimi in den Korb und verabschiedete sich.

Als die Tür des Sprechzimmers hinter ihr zufiel, schüttelte Eriks Sprechstundenhilfe den Kopf. Annie hatte sich bis jetzt zurückgehalten und ihm schweigend assistiert.

"Manche Leute sollten keine Haustiere halten", murmelte sie nun wütend.

"Frau Roth hat das net absichtlich gemacht."

"Aber sie kreiselt völlig um sich selbst. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie die arme Mimi wieder irgendwo vergisst. Das nächste Mal vielleicht im heißen Auto in der Sonne."

"Das wollen wir net hoffen." Erik streifte die Einmalhandschuhe ab und überließ es Annie, den Behandlungstisch zu säubern und desinfizieren. Mimi war seine letzte Patientin für diesen Tag gewesen. Er freute sich auf den Feierabend.

Draußen rauschte der Verkehr von einer der Hauptstraßen Innsbrucks wie der Puls einer Schlagader.

In der Praxis wurden überwiegend Kleintiere behandelt. Hin und wieder gab es eine Kuh oder ein Pferd zu versorgen.

Erik war einer von drei Tierärzten, die sich um die vierbeinigen Patienten kümmerten. Er liebte seine Arbeit und hätte sich nichts anderes vorstellen können. Schon als Kind hatte er Tiere gepflegt und heimlich in den Fachbüchern seines Vaters geschmökert, der ebenfalls Veterinär gewesen war.

Mit einem Mal hörte er Stimmen im Vorzimmer, dann schwang die Tür auf, und seine Freundin wirbelte herein. Sie trug ein gelbes Sommerkleid, das ihre schmale Taille betonte. Der lange Rock war geschlitzt und ließ bei jeder Bewegung ihre schlanken gebräunten Beine sehen. Der passende Hut vervollständigte das Ensemble. Kristina arbeitete in einer Boutique in der Innenstadt und liebte es, sich modisch und unverwechselbar zu kleiden.

"Schwester Jasmin sagt, du wärst für heute fertig." Sie strahlte ihn an. "Wollen wir los?"

"Ich hab nichts dagegen." Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss, den sie feurig erwiderte. Sie wollten zusammen ins Freilufttheater. An diesem Abend wurde "Der Name der Rose" aufgeführt. "Heute ging es wieder turbulent in der Praxis zu. Ich bin zu keiner Pause gekommen. Vor der Vorstellung muss ich unbedingt noch rasch einen Happen essen."

"Und duschen." Kristina rümpfte die Nase. "Der Tag hat seine Spuren hinterlassen. Wie du das nur aushältst, mit dem Unrat und den Exkrementen kranker Tiere zu hantieren! Und das Tag für Tag!"

"Das gehört genauso zu meiner Arbeit wie der dankbare Ausdruck in den Augen eines Tieres, wenn es ihm besser geht. Dafür lohnt sich das alles."

Kristina verzog das Gesicht.

"Als angestellter Tierarzt wirst du den Gestank niemals los. Du solltest über eine Stelle in der Forschung nachdenken. Weniger Schmutz, mehr Freizeit. Wäre das nichts?"

"Ich könnte niemals auf den direkten Kontakt zu den Tieren verzichten." Erik schüttelte bedächtig den Kopf. "Dafür habe ich studiert. Ich möchte helfen, wo ich kann."

"Wie du meinst. Denk wenigstens einmal darüber nach. Vielleicht auf unserem Ausflug am Wochenende."

"Was für ein Ausflug?"

"Sag net, du hast es vergessen!"

"Was denn vergessen? Oh, der Chiemsee. Ist das wirklich schon an diesem Wochenende? Ich wollte eigentlich am Freitagnachmittag nach Hause fahren und Finn besuchen."

"Tu mir das net an. Ich hab mich schon so auf unser Wochenende gefreut. Frische Luft, schwimmen und die Seele baumeln lassen. Wir haben das schon ewig geplant."

Und er hatte es vergessen. Verflixt. Erik war hin- und hergerissen. Er mochte seine Freundin nicht enttäuschen, aber er hatte seinen Sohn schon lange nicht mehr gesehen. Mindestens sieben oder acht Wochen nicht. Finn würde noch ganz vergessen, wie sein Vater aussah, wenn er sich nicht bald einmal wieder daheim blicken ließ.

Ja, er sollte wirklich heimfahren. Genauer gesagt, in sein früheres Zuhause, denn er lebte schon seit anderthalb Jahren nicht mehr in St. Christoph. Inzwischen war sein Lebensmittelpunkt in Innsbruck - fern von seinem Haus in den Bergen und von seiner Familie. Es nagte an ihm, dass er seinen Sohn so selten sah, aber der Alltag hielt ihn in Atem. Es gab so vieles zu tun. Immer und immerzu.

Stumm fuhr er sich durch die braunen Haare.

Er war Kristina vor einem Jahr hier in Innsbruck begegnet. Sie hatte das Ende seiner Ehe nicht herbeigeführt, ihm jedoch gezeigt, dass er der Liebe noch nicht abgeschworen hatte. Seit einiger Zeit drängte sie ihn, klare Verhältnisse zu schaffen.

"Du solltest die Scheidung...

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