Einfach schreiben im Beruf

Wie Sie sich und Ihrem Leser eine Freude machen
 
 
Haufe Lexware (Verlag)
  • erschienen am 10. Februar 2017
  • |
  • 196 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-648-09474-7 (ISBN)
 
Was haben der Bau einer merkwürdigen Kirche bei Madrid, die Erfindung des Lollis und die Wiedergeburt des Loopings mit dem Schreiben zu tun? Mehr, als Sie denken. Ob Projektbericht oder Fachartikel, ob in der Korrespondenz, bei Texten fürs Internet oder bei anderen Formaten: Anhand von 13 Beispielen aus der Praxis zeigt Ihnen Hannes Külz, wie Sie Ihren Text aufbauen, ihn dem Leser schmackhaft machen und ihn in Fahrt bringen. Wer einfach schreiben will, bekommt mit diesem Buch die richtige Grundhaltung und das nötige Handwerkszeug.

Inhalte:

- Techniken für präzise und anschauliche Texte
- Strategien gegen bürokratisches und umständliches Deutsch
- Die Komposition von Wörtern und Sätzen
- Methoden für effizientes Schreiben
- Lösen von Schreibblockaden
- Konstruktive und systematische Textkritik
1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • 1,42 MB
978-3-648-09474-7 (9783648094747)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Hannes Külz ist Schreibcoach für Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen, Verbänden und Organisationen sowie Journalist für die "Welt am Sonntag", den Focus und Spiegel-Online. Darüber hinaus ist er Leiter der Abteilung Print&Online des Medientrainings-Instituts Intomedia in Wien (intomedia.at) und lehrt Public Relations und Krisenkommunikation an der Handelshochschule Leipzig (HHL).
Statt eines Vorworts: Schaffen Sie Kneipenwissen!Die zwei Geschwindigkeiten des Lesens Einfach selbstbewusst: Die GeisteshaltungSeien Sie unabhängig wie die Ente! Der Text als Ausdruck Ihrer PersönlichkeitNehmen Sie sich kein Beispiel am Notenbankchef! Die zehn Grundsätze des SchreibensEinfach solide: Das HandwerkFliegen Sie mit Johannes Kepler auf den Mond! Standpunkt und EinstiegBohren Sie in die richtige Tiefe! Präzision und AufklärungSchmieren Sie Feigenmarmelade auf Ihren Text! Bilder, Gefühle und ErinnerungBauen Sie Texte wie eine Achterbahn! Die Konstruktion der SätzeRingen Sie um jeden Begriff! Die Auslese der besten WörterEinfach fertig: Der ProzessErrichten Sie Ihre Kathedrale nach Plan! Methodisch und effizient schreibenSchaffen Sie keinen Edsel! Die systematische TextkritikEinfach gelungen: Die FormateStecken Sie ein Stäbchen ins Bonbon! Die KorrespondenzSetzen Sie sich einen Heiligenschein auf! Schreiben fürs InternetSeien Sie glaubwürdig wie ein Eskimo-Dichter! Journalistische Texte im JobNachwortEinfach schreiben zum Kopieren für die PinnwandDer AutorLiteraturverzeichnis

2   Einfach solide: Das Handwerk


Drei Hamburger Psychologen unterhielten sich Anfang der 1980er Jahre darüber, dass sie viele Texte nicht verstehen.2 Sie glaubten, es läge an ihnen oder zumindest könnten die Texte nichts dafür - weil sich komplizierte Dinge eben nicht einfacher erklären ließen. Als sie aber feststellten, dass sie sogar mit den Schulbüchern ihrer Kinder Mühe hatten, dachten sie um. Wenigstens die müssten doch verständlich sein! Warum ist es offenbar so schwierig, einfach und verständlich zu schreiben?

Sie kamen zum Schluss: Ist ein Text schwer zu verstehen, so liegt es selten an seinem Inhalt. Das Problem liege vielmehr in der umständlichen Ausdrucksweise. Die Psychologen fanden folgende vier Kriterien für eine gute Verständlichkeit:

 

  1. Die Einfachheit bezieht sich auf die Zahl und Art der Wörter sowie auf den Satzbau. Verständlich sei ein Text dann, wenn geläufige und anschauliche Wörter zu kurzen, einfachen Sätzen zusammengefügt seien. Fremdwörter und Fachausdrücke sollten vermieden oder zumindest erklärt werden.

  2. Mit der Gliederung und Ordnung meinen sie zum einen die "äußere Gliederung", also den sichtbaren Aufbau des Textes. Verständlich sei er, wenn zusammengehörige Teile etwa durch Absätze und Zwischenüberschriften übersichtlich gruppiert sind und Wichtiges hervorgehoben wird. Zum anderen sprechen sie von einer "inneren Ordnung" eines Textes: So sollen die Sätze in einer sinnvollen Reihenfolge stehen und sich aufeinander beziehen.

  3. Das Kriterium Kürze und Prägnanz fragt, ob die Länge des Textes in angemessenem Verhältnis zu seinem Ziel steht. Der Telegrammstil bilde dabei das eine Extrem, die Weitschweifigkeit das andere. Um sie zu vermeiden, dürfe der Autor Unwichtiges nicht auswalzen und keine Füllwörter oder Phrasen verwenden.

  4. Unter anregenden Zusätzen verstehen die Psychologen etwa Ausrufe, wörtliche Rede, Reizwörter, rhetorische Fragen und lebensnahe Beispiele. Weil diese Zusätze den Text zwangsläufig länger machen, stehen sie im Widerspruch zur Forderung nach Kürze und Prägnanz. Hier müsse der Autor eine Balance finden, das Anregende müsse gut gewählt und wohl dosiert sein.

Es fällt leicht, dem Modell zuzustimmen. Sie sagen sich sicher: "Klar, so muss man's machen". In diesem Kapitel zeige ich Ihnen, wie Sie es machen. Um die "Kürze und Prägnanz" und die "anregenden Zusätze" auszubalancieren, müssen Sie den Standpunkt Ihres Lesers einnehmen. Um ihm zu signalisieren, dass der Text einfach zu verstehen ist, sollten Sie einen einfachen Einstieg wählen.

2.1   Fliegen Sie mit Johannes Kepler auf den Mond!


Standpunkt und Einstieg

 

Der Theologiestudent Johannes Kepler ist ein gläubiger Mann. Gott, denkt Kepler, hatte unzählige Ideen, als er die Erde und den Kosmos schuf. Doch er versteckte diese Ideen, sodass sie nicht sofort sichtbar sind. Dem Menschen gab Gott die Aufgabe, die Ideen in der Schöpfung zu finden, ihn so zu erkennen und ihn zu preisen. Johannes Kepler sieht sich als "Priester am Buch der Natur". Aus religiösem Pflichtgefühl widmet er sich der Astronomie.

Zu seiner Zeit, Ende des 16. Jahrhunderts, ist das geozentrische Weltbild noch unantastbar: Die Kirche sieht den Menschen als Krone der Schöpfung und die Erde im Mittelpunkt des Universums. Sonne und Planeten kreisen um sie herum. Eine unabhängige Wissenschaft gibt es noch nicht. Wer den Himmel und die Planeten beobachtet, tut es nur, um Beweise für dieses Weltbild zu sammeln.

Bis auf Nikolaus Kopernikus. Der hatte ein halbes Jahrhundert zuvor das heliozentrische Weltbild mit der Sonne als Mittelpunkt entworfen. Kirche und Wissenschaft halten das zu Keplers Zeiten noch immer für ein Hirngespinst. Würde sich die Erde bewegen, müsste man doch den Fahrtwind spüren! Fällt etwas herunter, müsste es doch schräg fallen! Auch Martin Luther steuert ein Gegenargument bei. So steht doch im Buch Josua, dass Gott die Sonne für einen Tag angehalten hat. Das zeige eindeutig, so Luther, dass sich die Sonne ansonsten bewegt.

Johannes Kepler hingegen ist offen für Kopernikus' Weltbild. Bekräftigt fühlt er sich, als er die Laufbahn des Mars beobachtet. Der Planet beschreibt einen Zickzack-Kurs. Steht die Erde tatsächlich im Mittelpunkt, so lässt sich dieser Kurs nicht erklären. Kepler kombiniert mit kühlem Verstand: "Ich sehe einen Zickzack-Kurs, weil ich auf der Erde stehe - und diese sich ebenfalls bewegt! Ich sehe den Mars also jede Nacht von einer anderen Position!"

Kepler wird klar: Kopernikus hat Recht. Die Erde bewegt sich, auch wenn wir ihre Bewegung nicht spüren. Mit dieser Überzeugung entwickelt er die "Keplerschen Gesetze" über die Laufbahn der Planeten. Einen Widerspruch zu Gottes Willen sieht er nicht. Im Gegenteil. In seinen Gesetzen sieht er eine göttliche Idee: Die Schöpfung in perfekter Harmonie.

Doch wie soll er das seinen Vorgesetzten in der Kirche erklären? Aufstehen und laut sagen, dass die Erde nicht im Mittelpunkt steht, sondern sich bewegt? Das ist für Johannes Kepler keine Option. Aber wie kann er Verständnis für seine Überzeugung wecken?

Kepler greift zur Feder und schreibt die erste Science-Fiction-Erzählung der Welt: "Somnium", der Traum. Sein Held träumt, er fliege zum Mond. Und wie wir von der Erde aus meinen, sie stünde fest und der Mond kreise um uns, so denkt Keplers Träumer auf dem Mond, er stünde fest und die Erde kreise um ihn.

Keplers Essenz: Was immer wir sehen, was immer wir glauben und denken, hängt davon ab, wo wir stehen. Um Gottes Ideen wirklich zu erkennen, müssen wir immer wieder unseren Standpunkt und damit unsere Perspektive wechseln.

Es ist ein kluger Schachzug, die Geschichte in der Traumwelt spielen zu lassen. So kann ihm niemand vorwerfen, er stelle das geozentrische Weltbild infrage. Er behauptet ja nicht, die Erde bewege sich. Es ist ja nur ein Traum!

Und was, wenn die Kirche seine Erzählung dennoch ketzerisch findet? Mit dieser Gefahr hat Kepler seinen Frieden gefunden. "Verjagt man uns von der Erde", schreibt er an einen Freund, "so wird mein Buch als Führer den Auswanderern und Pilgern zum Monde nützlich sein."

Johannes Kepler wird nicht verjagt. Der Perspektiven-Wechsler stirbt 1630 in Regensburg - vier Jahre bevor sein Sohn den Traum veröffentlicht.

2.1.1   Die drei Perspektiven eines Textes: Wir, Sie und Es


Berufstätige verbringen meist mehr Zeit mit ihren Kollegen als mit ihrer Familie. Egal, ob bei einem Arbeitgeberverband, einer Pharmafirma oder bei einem Autokonzern. Mit ihren Kollegen teilen sie Meinungen ("Gewerkschaften sind realitätsfremd"), haben eine gemeinsame Sicht von sich und der Außenwelt ("wir gelten zu Unrecht als Ärztebestecher") und begeistern sich für die selben Dinge ("ein Wahnsinn, dieses 8-Gang-Automatikgetriebe"). Auch wenn nicht alle Kollegen exakt gleich ticken, ticken sie zumindest ähnlich - und haben ein weitgehend gleiches Weltbild.

Mitarbeiter, die von außen dazu kommen, verinnerlichen es nach und nach, entwickeln dieselben Interessen und Meinungen. Täglich pflegen sie ihr Weltbild, immer wieder finden sie es bestätigt. Nicht immer haben die Mitarbeiter von Firmen und Organisationen es klar vor Augen. Das müssen sie auch nicht - bis sie Texte für Leser schreiben, die in einer anderen Kultur zu Hause sind, die ein anderes Weltbild haben. Dann müssen sie deren Perspektive einnehmen. Ansonsten schreiben sie an den Lesern vorbei.

Um beim Schreiben den Standpunkt zu wechseln, müssen Sie sich nicht auf den Mond träumen. Es gibt eine einfachere Methode: Sie schauen zunächst aus drei Perspektiven auf den Text. Und zwar aus der Wir-, der Sie- und der Es-Perspektive. Ich stelle sie Ihnen kurz vor und zeige Ihnen anschließend mit einem Beispiel, wie Sie die Methode in der Praxis einsetzen können.

Die Wir-Perspektive: Wo stehen wir, was ist uns wichtig, was ist unsere Botschaft? Die Antwort liegt für den Autor meist auf der Hand. Er lebt ja mit dem Weltbild seiner Firma oder seiner Organisation. Und deren Botschaften sind klar. Im Fall des Arbeitgeberverbands und der Pharmafirma sind es vielleicht deren Standardargumente ("Überhöhte Lohnforderungen würgen die Wirtschaft ab", "Bei der Forschung müssen wir mit Ärzten zusammenarbeiten"). Beim Autokonzern geht es womöglich um eine Werbebotschaft ("Das 8-Gang-Automatikgetriebe ist technisch faszinierend"). Die Botschaften der Wir-Perspektive bedienen das Eigeninteresse. Das ist völlig legitim.

Die Sie-Perspektive: Wo stehen die Leser, was ist ihnen wichtig? Was sind ihre Bedürfnisse? Diese Frage ist für den Autor oft nicht sofort zu beantworten. Er muss seine eigenen Meinungen und Interessen zurückstellen und sich folgende Fragen beantworten:

Welches Interesse haben sie? Sind sie auch Experten, sind sie Halb-Experten oder Laien? Häufig überschätzen Autoren das Interesse und das Vorwissen ihrer Leser. Selbst innerhalb eines Unternehmens ist das Wissensgefälle zwischen den Abteilungen oft groß. Begriffe, mit denen die einen täglich hantieren, sind schon ein Stockwerk höher unbekannt oder bedeuten etwas anderes.

Die...

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