Rügenträume und Strandgeflüster

Ostsee-Roman
 
 
Zeilenfluss (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Juni 2021
  • |
  • 394 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96714-144-3 (ISBN)
 
Emmas gewohntes Leben gerät völlig aus den Fugen - doch Rügen wäre nicht Rügen, könnten hier nicht die kühnsten Träume in Erfüllung gehen.

Mit vielen verrückten Ideen und einer Portion Glück hat es Emma geschafft, der Pension Strandkieker den dringend notwendigen Aufwind zu verschaffen - nicht zuletzt dank ihres neuen Standcafés, in dem sie ihre Gäste mit leckeren Cheesecakes verzaubert.
Als sie zu einem Backwettbewerb eingeladen wird, könnte es nicht besser laufen. Tatkräftig greifen Schwester Hanna und Kollegin Fine Emma unter die Arme. Auch der charmante Segler Arne hilft Emma, und zwischen den beiden knistert es gewaltig. Als kurz darauf Emmas Ex David bei ihr auftaucht, stehen Emmas Gefühle endgültig Kopf.
Doch Emmas Erfolg ruft auch Neider auf den Plan, die ihr einen Sieg um jeden Preis streitig machen wollen.
Zwischen Kuchenchaos und Herzenswirrungen bemerkt Emma eines Morgens eine Übelkeit, die nur auf eines hindeuten kann, und sie muss herausfinden, für wen ihr Herz wirklich schlägt.

"Rügenträume und Strandgeflüster" ist der zweite Teil der Reihe "Inselträume" und der Folgeband zum Erfolgsroman "Rügenträume und Meeresrauschen".
Beide Bücher sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 2,65 MB
978-3-96714-144-3 (9783967141443)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1


 

 

Mit forschendem Blick durchstöberte Emma die Erdbeerschüssel vor sich und pickte schließlich ein besonders schön anzusehendes Exemplar heraus. Sorgfältig und mit ruhiger Hand platzierte sie die Frucht neben den beiden bereits arrangierten. Dann trat sie einen Schritt zurück und betrachtete aus der Ferne ihr Werk. Ein zufriedenes Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Dieser Erdbeercheesecake war ihr wirklich hervorragend gelungen. Die weiße Vollmilchganache auf seiner Oberfläche schimmerte wie frisch gefallener Schnee. Und die Kombination mit den roten Beeren erinnerte sie einen winzigen Moment an die Einleitung aus Schneewittchen: >Weiß wie Schnee und rot wie Blut.< Das Farbspiel war wieder einmal perfekt geraten und der Geschmack sowieso. Das wusste sie schon jetzt.

Emma wischte ihre Hände an der Schürze ab, nahm ihr Handy vom Fensterbrett und schoss einige Bilder. Diese würde sie später auf ihrer Instagram-Seite platzieren. Sie wusste, ihre Fanschar wurde immer größer, und die Menschen warteten jeden Tag auf neue Fotos.

Bevor die Torte morgen ihren Weg Richtung Café antreten würde, wanderte sie zunächst einmal in den großen neuen Kühlschrank in ihrer Speisekammer und zu den dort bereits wartenden Kameraden. Auf dem Holzbrett gleich daneben standen noch zwei weitere Kuchen. Emmas berühmter Quarkkuchen nach dem Rezept ihrer Urgroßmutter Hanni und ein einfacher Pflaumenkuchen, der es in sich hatte. Genauer gesagt eine reichliche Menge Alkohol, die für den perfekten Geschmack sorgte. Für morgen war genug getan, diese Kuchen mussten reichen.

Als Emma vor anderthalb Jahren, aus einer dringenden finanziellen Notlage heraus, ihrer Schwester Hanna den Vorschlag gemacht hatte, ein Café als zusätzliche Einnahmequelle zur Pension Strandkieker zu eröffnen, hätte sie niemals mit diesem durchschlagenden Erfolg gerechnet. Die Leute rannten ihr im wahrsten Sinne des Wortes die Bude ein. Was aus einer Laune begonnen hatte, war inzwischen eine feste Institution in Glowe geworden. Das hatte anfangs nicht allen gefallen, und mancher fürchtete die Konkurrenz der Hobbybäckerin mit ihren verrückten Kreationen, doch inzwischen hatten sich die Gemüter weitestgehend beruhigt.

Die Idee war gewesen, den tagsüber leerstehenden Frühstücksraum ihrer Pension zu nutzen. Die war das Kerngeschäft des alten Hauses am Meer. Doch etwas in die Jahre gekommen und unmodern geworden, waren irgendwann die Buchungen ausgeblieben. Jahrelang hatte ihre Schwester Hanna sich mit vielen Sorgen allein herumschlagen müssen. Denn Emma war beruflich, als Gästemanagerin einer großen Hotelkette, in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Erst als Vater Wilhelm einen Schlaganfall erlitten hatte, war sie zurückgekommen und auf Rügen geblieben. Zu groß waren die Sorgen gewesen, die auf ihrer Schwester gelastet hatten. Nach anfänglichen Problemen hatten sich die beiden ungleichen Zwillinge zusammengerauft und gemeinsam die Wende im Strandkieker eingeleitet.

Doch dann hatte Hanna endlich die Liebe ihres Lebens gefunden, und Emma war es gewesen, die sie beschworen hatte, ihrem Glück zu folgen. Seitdem hatte sie das Ruder hier fest in der Hand. Dank kleinerer, aber wirkungsvoller Modernisierungen, einem knallharten Sparkurs und steigender Einnahmen ging es allmählich aufwärts im Strandkieker. Und das stimmte nicht nur die beiden Schwestern froh, sondern auch deren Eltern.

Dieses Stück Land am Meer, bebaut mit der Pension und ihrem Elternhaus, war schon seit langen Zeiten in Familienbesitz. Ihr Urgroßvater hatte den Strandkieker damals neben dem Hauptgebäude errichtet, als Gästehaus für reichere Städter, die eine Auszeit am Meer brauchten. Seitdem standen die beiden Reetdachhäuser wie Geschwister nebeneinander, und jede Generation hatte ihnen ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Und auch sie hatte das getan und eine weitere Wendung Richtung Moderne vollzogen.

 

Emma kehrte in die Küche zurück und verstaute alle Backmaterialien in den entsprechenden Schränken. Nebenbei schaute sie aus dem Fenster. Einige Tische des Cafés Strandkieker waren noch immer besetzt. Ihr Blick schweifte zur Uhr. Es war schon nach sieben. Für gewöhnlich schlossen sie um sechs. Aber wer wollte es den Gästen schon verdenken, dass sie ein wenig länger sitzen blieben und die tolle Aussicht auf Strand und Meer genossen. Noch dazu, da Emma kuschelige Decken bereitgelegt hatte, die an kühlen Abenden Wärme spendeten.

Als Letztes bestückte sie den Geschirrspüler und drückte auf die Start-Taste. Ein beruhigendes Brummen ertönte. Einen Moment blieb Emma stehen, presste die Faust ans untere Ende ihrer Wirbelsäule und massierte einen imaginären Punkt. Der stechende Schmerz ließ langsam nach. Was hatte die Physiotherapeutin gleich nochmal zu ihr gesagt? >Machen Sie täglich Ihre Übungen! Sonst wird es immer schlimmer.<

Doch dafür war meist keine Zeit. Zeit, das war einer der Faktoren, der Emma am meisten Probleme bereitete. Manchmal wünschte sie sich, ihr Tag hätte achtundvierzig Stunden. Denn so viel war zu tun.

Da war die Pension, in der Frühstück zubereitet und Zimmer gereinigt werden mussten. Dazwischen kam so mancher kleine Schwatz mit den Gästen, der einfach dazugehörte.

Dann war da das Café, für das Kuchen gebacken und Besorgungen gemacht werden mussten. Seit die Temperaturen stiegen und die Tage lauer wurden, konnten die Gäste nicht nur im Inneren sitzen, sondern Emma hatte den Sommergarten mit ein paar zusätzlichen Tischen eröffnet. Diese standen neben dem alten Haus auf einer gepflasterten Fläche, die mit Blumentöpfen, Strandholz und Steinen rustikal geschmückt war. Doch mehr Tische bedeuteten natürlich mehr Arbeit.

Zwar hatte sie inzwischen Personal eingestellt, doch Emma hielt es mit den Worten ihres Vaters: >Der Chef muss alles im Blick haben, dafür ist er der Chef.< Und dabei wusste sie, dass sie sich auf ihre Mitarbeiter blind verlassen konnte.

Dann waren da noch ihre Eltern, die seit dem Schlaganfall von Vater Wilhelm in einer kleinen Wohnung in Bergen lebten. Hatte Emma am Anfang befürchtet, dass ihr Vater dort niemals heimisch werden würde, durfte sie inzwischen feststellen, dass ihre Eltern sich sehr wohlfühlten. Sie hatten Nachbarn, mit denen man einen Schwatz halten konnte, und das Gebiet um den Rugard, was zu Spaziergängen einlud. Von Zeit zu Zeit schauten sie im Strandkieker vorbei und hatten sogar zweimal wieder in ihrem ehemaligen Schlafzimmer, was jetzt ein Gästezimmer war, übernachtet. Auch Vater Wilhelms Alzheimererkrankung schien ein wenig zum Stillstand gekommen zu sein, doch diese Einschätzung konnte täuschen. Schließlich sah Emma ihren Vater nur ab und zu, und ihre Mutter wollte sie nicht noch zusätzlich mit weiteren Sorgen belasten und hielt so manche Dinge bestimmt von ihr fern.

Und so schleppte Emma ein schlechtes Gewissen mit sich herum, denn sie besuchte ihre Eltern viel zu selten. Vorn, neben der Küchentür hing ihre To-do-Liste, und darauf standen ganz oben Fahrten nach Bergen und regelmäßige Telefonate mit Schwester Hanna. Dann stellte Emma fest, dass wieder eine Woche vergangen war, während der sie nichts von beidem geschafft hatte. Da war das Gefühl, sich zerteilen zu müssen, und sosehr sie ihre neue Aufgabe liebte, gab es Momente, in denen Emma sich nach Australien zurückwünschte.

Abends lag sie manchmal in ihrem Bett und starrte das leere Kissen auf der anderen Seite an, auf dem nur ihr Kuschelbär lag. Ein Kuschelbär war kein Typ, und sie sehnte sich nach einem Typen. Doch vor einiger Zeit hatte Emma eine Entscheidung getroffen.

Männer konnten ihr den Buckel runterrutschen und waren maximal für eine heiße Nacht ohne die geringsten Verbindlichkeiten und für Frühstück am nächsten Morgen gut. Diesen Plan zog Emma durch, denn er war purer Selbstschutz. Nie wieder wollte sie so verletzt werden wie in ihrer letzten Beziehung. Und so hatte es den einen oder anderen One-Night-Stand gegeben. Es waren oberflächliche Geschichten gewesen, die sich verflüchtigt hatten wie eine Wolke auf dem Weg nach Hiddensee.

Doch auch diese kleinen Abenteuer hatte sie vor einiger Zeit eingestellt. Kein Wunder, wo sollte sie einen Typen kennenlernen, zwischen Kuchen backen und Zimmer putzen? Emma redete sich mantramäßig ein, bestens allein klarzukommen. Und so bewachte seit einigen Monaten nur noch Teddybär ihren Schlaf.

 

Seufzend machte Emma sich auf den Weg quer über den Hof zur Pension. Sie betrat die kleine Küche des Cafés und stieß als Erstes auf ihre Mitarbeiterin Fine. Fine war ihr größtes Glück, und sie gratulierte sich jeden Tag zu der Entscheidung, der jungen Frau, die sich damals ohne Zeugnisse bei ihr vorgestellt hatte, eine Chance gegeben zu haben.

Denn Fine war ein Goldstück, das hatten inzwischen sogar ihre Eltern eingesehen. Die waren anfangs von der jungen Kellnerin mit den bunten Haaren und den vielen Ringen in Nase, Ohren und Augenbrauen nicht gerade begeistert gewesen. Der Norm, wenn es denn eine gab, entsprach Fine nicht. Im Gegenteil, sie war jung, flippig und ziemlich verrückt. Unzählige Ausbildungen hatte sie begonnen und nach kurzer Zeit wieder abgebrochen. Durch irgendeinen Typen war sie damals hier auf Rügen gestrandet und hatte einen Job für den Sommer gesucht.

Bei ihrer ersten Begegnung hatte Emma geglaubt, irgendetwas in ihren Augen wahrzunehmen, und ihr Gespür hatte sie nicht getäuscht. Denn hinter dem schrillen Aussehen steckte eine fleißige, freundliche Frau, die mit den...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen