... und was machen Sie sonst so beruflich?

Schräge Anekdoten aus dem Leben einer Musikerin
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. März 2021
  • |
  • 180 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-5041-4 (ISBN)
 
Schräge Anekdoten aus dem Leben einer Musikerin

"... und was machen Sie sonst so beruflich?" - diesen und manch andere Fragen bekommt wohl jede/r Berufsmusiker/in immer mal wieder zu hören. Vielleicht wäre die richtige Antwort manchmal "Katastrophenabwehr". Denn wenn bei diversen Auftritten auf Konzerten oder Hochzeiten auch noch eine übermotivierte Schwiegermutter, ein zickendes Örgelchen oder ein verschwundenes Brautpaar mitmischen, dann entstehen die herrlich schrägen Anekdoten, von denen Organistin, Pianistin und Sängerin Sonja Kühler in diesem Buch erzählt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,32 MB
978-3-7534-5041-4 (9783753450414)
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Die 1975 geborene Musikerin und Autorin studierte nach dem Abitur Kirchenmusik und Musikpädagogik mit Klavier und Violoncello in Regensburg. Zurück im heimatlichen Chiemgau arbeitet sie seitdem als Kirchenmusikerin sowie als freiberufliche Musikerin und Musiklehrerin. Nach einer Weiterbildung zur Jazz- und Popchorleiterin ist sie auch vermehrt im modernen Musikgenre unterwegs. Zudem arbeitet sie an mehreren Schulen als Musikerzieherin und Musikerin.
Nach einem skurrilen Erlebnis bei einer Beerdigung begann die Autorin, ihre Geschichten aufzuschreiben, die sie nun in diesem Buch erstmals veröffentlicht.
Sonja Kühler lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und einer Katze im Chiemgau.

Schwarz


Bei jedem Konzert gibt es einen Dresscode für die Musiker, damit das Konzert auch optisch ein Highlight für die Zuschauer wird.

Man stelle sich eine Aufführung von Mozarts Requiem vor. Die Sopransolistin glänzt dabei in einem pinkfarbenen Kleid neben der Altsolistin im roten Hosenanzug, während der Tenorsolist im lila geblümten Hemd dem Basssolist mit den italienischen handgenähten Schuhen in hellbraun die Show zu stehlen versucht.

Vermutlich wäre dann die Musik absolut zweitrangig und der geneigte Zuschauer hätte wahrlich Mühe, die notwendige Ernsthaftigkeit aufzubringen und sich nicht an der Farbenfreude der Solisten zu stören.

Deshalb dominiert bei Kirchenkonzerten meist schwarze Kleidung, die Frauen erscheinen also komplett in schwarz gekleidet, die Herren entweder auch in schwarz oder mit schwarzer Hose, weißem Hemd und schwarzem Sakko. Jeder Musiker hat derlei Kombinationen in mehrfacher Ausfertigung im Schrank und selbst im Zweifelsfall, bei fehlender Anweisung des Konzertmeisters etwa, ist man mit schwarz immer richtig angezogen.

Bei gewöhnlichen Sonntagsgottesdiensten gibt es selten einen Dresscode. Man riskiert sonst als Chorleiter, dass der Hintergugelhapfinger Kirchenchor erst einmal stundenlang darüber diskutiert, welche Farbe denn nun angemessen sei und ob die Farbe Flieder noch ins Farbspektrum von rot passe.

Angefacht wird die Diskussion auf der einen Seite von den Argumenten der Damen, die mal wieder einen Grund für eine ausgiebige Shoppingtour sehen.

Auf der anderen Seite finden sich die Herren, die aus Angst um ihre Kreditkarte grundsätzlich gegen einen Dresscode sind. Das Argument, der Kleiderschrank der Damen quelle ohnehin über und es stünden somit genügend schicke Kleidungsstücke in allen möglichen Varianten zur Verfügung dementieren die Damen aufs heftigste. Den wahren Grund hierfür zu nennen, nämlich die zwischenzeitlich etwas gewachsene Leibesfülle, wird dabei natürlich tunlichst vermieden.

Also gilt dann meist der gemeinsame Entschluss (in Wirklichkeit ist es das Machtwort des Chorleiters, der nach 20 Minuten Diskussion einfach die Nase voll hat und der Demokratie ein Ende setzt): festliche Kleidung, Farbe egal.

Als Chorleiter erwähnt man dann noch gerne, dass die Damen sich vielleicht nicht ins Dirndl schnüren sollten, das ihnen zur Firmung gepasst hatte, inzwischen aber eventuell eingelaufen war. Dermaßen eingeengt ist es einfach nicht möglich, mehr als fünf Töne hintereinander zu singen, da nur ein Zehntel des Lungenvolumens aufgrund massiver Quetschung vorhanden ist.

Auch ist von extremen Highheels abzuraten, mit denen jede Erdung auf ein Minimum reduziert ist und die Sängerin zwangsläufig mehr mit der notwendigen Bodenhaftung beschäftigt ist als mit der korrekten Wiedergabe der eingeübten Töne. Im übrigen ist es nicht besonders sinnvoll, nachdem man in den Chorproben vor dem Konzert stundenlang über die richtige Platzordnung diskutiert hat. Die ist nämlich in dem Fall hinfällig, weil der 1,75 Meter große Tenor nun aufgrund der 15 Zentimeter Highheels der Sopranistin, die genau vor ihm steht, nur mehr in ihre aufgebauschte Haarpracht singt, den Dirigenten dort vorne aber nur mehr erahnen kann.

Alles in allem ist die Kleidung also bei klassischen Konzerten oder Gottesdiensten sinnvollerweise nicht dem Zwang der Mode unterworfen, sondern dem praktischen Nutzen und dem Gemeinschaftsgefüge.

Manchem Chorleiter scheint das zu trist und zu ernst und er versucht ein wenig Schwung durch die Anschaffung von verschiedenfarbigen Tüchern in den Chor zu bringen.

Der Schwung entsteht aber meist nicht wirklich optisch, sondern vom heftigen Geschlenkere und Gezupelle der Damen, die den in der zweiten Reihe stehenden Herren immer wieder die Tücher um die Nase schwenken, sehr zur Freude der Zuschauer, die den Kampf Tuch gegen Frau und Nebenmann in verschiedenster Ausführung gerne verfolgen.

Aber auch ich sollte meine Erfahrungen mit diversen Dresscodes machen.

Nach dem Abitur freute ich mich, nun endlich den ganzen Tag meiner Leidenschaft nachgehen zu dürfen und mich nur mehr mit Musik beschäftigen zu dürfen.

Auf meine erste Studienwoche fieberte ich seit Monaten hin, die Aufnahmeprüfung hatte ich im Juni bestanden, im September startete das erste Semester.

Sorgfältig hatte ich alles eingepackt, denn nun verbrachte ich die Woche in Regensburg, nur am Wochenende würde ich nach Hause zurückkehren. Nach 19 Jahren bei den Eltern zuhause ein erster Schritt in die Unabhängigkeit, auf den ich mich sehr freute.

Die Begrüßung an der Musikhochschule verlief jedoch anders als erwartet: der langjährige frühere Direktor der Musikhochschule war gestorben und sollte am Ende der Woche beerdigt werden, der Chor der Schule sollte selbstverständlich auf der Beerdigung singen.

Für die älteren Semester schien das nicht weiter überraschend, sie waren derlei kurzfristige Auftritte gewohnt, für uns Neulinge war das der Sprung ins kalte Wasser. Wir kannten bisher keine Menschenseele, waren nicht vertraut mit den Örtlichkeiten und hatten natürlich auch keines der Stücke gesungen.

Man erklärte uns noch, dass der Dresscode schwarz laute und betonte, dass man nicht - wie in vielen Dorfpfarreien - wie die Pinguine herumlaufen wollte, also mit schwarzer Hose und weißem Hemd oder Bluse, sondern komplett in schwarz, die Damen nach Möglichkeit im Rock.

Einige meiner neuen Mitstudenten waren darauf schon vorbereitet und hatten Konzertkleidung eingepackt, ich nicht!

Das lag vermutlich auch daran, dass ich tatsächlich aus einer Dorfpfarrei komme, wo man sich im Konzert wie die Pinguine präsentiert. Bis dahin hatte mich das auch nicht weiter gestört, dann jedoch wurde ich das Bild der Pinguine nie mehr los, wenn ich doch mal wieder in schwarz-weiss-Kombination ein Konzert bestreiten musste.

Im Geiste durchforstete ich also meinen Koffer und stellte mit Erschrecken fest, dass ich nur eine alte schwarze Jeans dabei hatte und eine schwarze Bluse.

Zur allergrößten Not würde das gehen, aber als Erstsemesterstudentin wollte ich mich nicht gleich beim ersten Auftritt blamieren. Einkaufen gehen fiel auch ins Wasser, denn man hatte uns von Haus aus einen vollgepackten Stundenplan präsentiert, der zudem durch die kurzfristig anberaumten Chorproben bis zur letzten Minute gefüllt war.

Ich bat also meine Mutter, mir von Zuhause einen schwarzen Rock zu schicken, mit etwas Glück müsste dieser in zwei Tagen in Regensburg ankommen. Zudem instruierte ich die Damen an der Pforte, mir sofort Bescheid zu geben wenn das Päckchen eintreffen sollte.

Wir bereiteten also die Beerdigung vor, während für uns die ersten Tage an der Hochschule begannen, eine überaus spannende und arbeitsreiche Woche.

Am Tag vor der Beerdigung wartete ich schon sehnsüchtig auf mein Päckchen, die Post hatte aber beschlossen, ein wenig langsamer zu arbeiten und mein Päckchen noch zu behalten.

Meine letzte Chance war nun am Tag der Beerdigung, denn der Postbote kam meist am Spätvormittag an die Hochschule, zum Requiem mussten wir erst mittags.

Mehrmals stündlich fragte ich also an der Pforte nach, ob denn mein Rock schon angekommen sei, erhielt aber stets nur ein Kopfschütteln.

Meine Verzweiflung wuchs, denn ich wollte mich auf keinen Fall gleich beim ersten gemeinsamen Auftritt blamieren und das würde ich. Meine Mitstudenten hatten mir ihre Konzertroben gezeigt, die sie in der Edelboutique erstanden hatten, während ich bestenfalls mit einem schlichten schwarzen Faltenrock aufwarten konnte - oder eben mit der alten schwarzen Jeans, wie peinlich.

Meine Aufregung stieg immer weiter, wobei ich nicht mehr unterscheiden konnte, ob es nun wegen des fehlenden Rockes war oder auch wegen des Singens. Als Neuling waren die Chorstücke doch recht anspruchsvoll zu singen. Der Termin der Abfahrt rückte näher und ich schickte ein Stoßgebet Richtung Himmel, dass doch endlich der Postbote mit meinem Rock kommen solle.

Vorsichtshalber hatte ich schon die schwarze Jeans angezogen, rechnete aber fest damit, dass jeden Augenblick mein Rock eintreffen würde. Aber nichts dergleichen geschah.

Die Damen an der Pforte zeigten sich schon genervt von meinen minütlichen Nachfragen und versprachen, mich umgehend zu informieren.

Beim letzten Aufruf zur Abfahrt war immer noch kein Rock eingetroffen und ich stieg mit gemischten Gefühlen in den Bus. Einerseits freute ich mich sehr darauf, im großen Dom in Regensburg singen zu dürfen, andererseits fühlte ich mich völlig underdressed ohne Rock, nur in Hose und Bluse und weder elegant, noch der Situation angemessen gekleidet.

Alle würden nun bemerken, dass ich ein Dorfmädchen war und nicht aus einer noblen Künstlerfamilie stammte, wie viele andere hier.

Ich betete, dass es mir gelingen würde, mich in die zweite Reihe zu mogeln, wo man mich weniger sehen würde und der Professor vielleicht gar nicht bemerken würde, dass ich eine Hose anstatt eines Rocks trug. Obwohl ich andererseits natürlich auch gerne in der ersten Reihe stehen wollte, um dem Professor gleich mal bekannt zu...

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