Mensch, Manu!

So war das nicht geplant
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 372 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-7239-6 (ISBN)
 
Liebeskummer, Mauerfall und andere Katastrophen

"Es ging schließlich um nicht mehr und nicht weniger als mein Leben. Das musste mit Siebzehn ja endlich einmal anfangen, oder etwa nicht?"

September 1988. Eine idyllische Kleinstadt am See vor den Toren Berlins, der Hauptstadt der DDR: Strausberg. Ein Mikrokosmos, genannt Hauptstadt der NVA, in dem die Wende für viele erst mit dem Mauerfall begann. Manuela Busch - Manu - jüngste Tochter eines Offiziers und einer Lehrerin, kommt an die Penne und ist fest entschlossen, Aufregendes zu erleben. Sie ist fast siebzehn und heiß auf die erste Liebe. Leider muss Manu einen aussichtsreichen Kandidaten nach dem anderen von ihrer Liste streichen. Doch da ist auch noch der interessante Kreuzworträtseltyp . . .
Er ist der Richtige. Manu vertraut auf ihr einzigartiges Gefühl, bis eine unerwartete Nachricht im Sommer 1989 alle Pläne über den Haufen wirft . . .

"Mensch, Manu!" ist eine heitere, emotionale, und - vor dem Hintergrund der Veränderungen in Manuelas Land - besondere Geschichte vom Erwachsenwerden.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,58 MB
978-3-7504-7239-6 (9783750472396)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Anke Krügel, 1972 in Strausberg bei Berlin geboren, studierte an der Humboldt-Universität Berlin Betriebswirtschaftslehre und arbeitete zunächst als Bankerin in Leipzig, bevor sie kreatives Schreiben zum Beruf machte. Seit 2001 lebt sie in Italien und arbeitet als Marketing-Texterin in der Schweiz. In ihrer Freizeit schreibt, übersetzt und lektoriert sie.
"Mensch, Manu!" ist ihr zweiter eigener Roman. Die fiktive Geschichte, autobiografisch inspiriert, spielt in ihrem Geburts- und damaligem Heimatort in den Jahren 1988/89 und erscheint zum 30. Jahrestag des Mauerfalls.
Teil 2

NEUES JAHR, NEUES GLÜCK. Und in diesem Jahr bin ich die Hauptdarstellerin!

So wie heute in der Hofpause. Da stand plötzlich Nico neben mir. Ich zögerte nicht lange und ließ Dani allein zurück, die mir verdattert hinterherguckte. Das kennt sie nicht, sie steht sonst immer im Mittelpunkt.

Nico verwickelte mich in ein mindestens fünfeinhalbminütiges Gespräch. So in der Art, wie mir die Silvesterfeier gefallen hätte und ob er mir nicht zu nahegekommen wäre. Dann wolle er sich dafür entschuldigen.

Wie bitte? War er in der Nacht der Nächte denn so blau gewesen? Küsschen und Händchenhalten waren, so fand ich, kein bisschen aufdringlich gewesen.

"Schon in Ordnung."

Mutig sah ich ihm direkt in die Augen und fügte hinzu: "Hatte nichts dagegen."

Das konnte er jetzt interpretieren wie er wollte. Hoffentlich positiv. Und siehe da: Als wir uns bereits verabschiedet hatten, drehte er sich noch einmal um: "Vielleicht gibt's bald wieder so eine Gelegenheit für uns beide. Und nicht erst zu Silvester."

Warm ums Herz und hochzufrieden kehrte ich zu den anderen aus meiner Klasse zurück.

Aber das Schärfste kam erst noch: Am Zaun gegenüber standen ein paar Leute der 11/A. Und einer guckte, diesmal eindeutig, zu mir rüber. Mein Essengeldkassierer! Hatte er etwa beobachtet, wie ich mich mit Nico unterhalten hatte? Mir konnte es recht sein. Und da schließlich 1989 war, mein Jahr, warf ich ihm einen Blick zurück, der irgendwo zwischen Triumph und Provokation angesiedelt werden konnte. Das war ein innerer Vorbeimarsch, kann ich euch sagen.

Wen ich will, den krieg ich auch. Wenn nicht heute, dann irgendwann später.

Wie ging gleich dieser Song, der mir jetzt neuerdings immer im Kopf umherträllerte? Stand Up For Your Love Rights. Genau. Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, ich würde mich blind dem Erstbesten an den Hals werfen. Oder andere wichtige Dinge im Leben vernachlässigen. Nein, also bitte! Es kommt nur darauf an, bereit zu sein und keine Chance zu verpassen. Vorausgesetzt, es handelt sich um einen interessanten Kandidaten.

So eine Chance bot sich gleich ein paar Tage später in der zweiten Januarwoche, zunächst in Gestalt von Carsten, der mich auf dem Schulflur ansprach. Die Situation war wie folgt: 11/B kam aus dem Raum raus, 11/C musste rein.

"Mensch Manu, da bist du ja."

"Ja . ich mein, wo soll ich denn sonst sein?"

"Nico lässt ausrichten, also ich soll dich fragen, ob du diesen Sonnabend schon was vorhast?"

Und warum fragt Nico nicht selbst? Aber ich wollte ja nicht mehr so kompliziert sein.

"Ähm, lass mich überlegen . Nein, sieht nicht so aus."

"Gut. Dann kannst du ja zu der Geburtstagsfeier nach Fredersdorf mitkommen."

Ich zog die Augenbrauen hoch.

"Geburtstagsfeier? Von wem denn?"

Carsten schlug sich an die Stirn.

"Wie blöd von mir. Das kannst du ja nicht wissen."

"Eben."

"Die Babette feiert ihren Achtzehnten. Du hast sie auf der Silvesterfete kennengelernt."

Auf der waren so einige. Ich zuckte mit den Schultern.

"Na, die mit den krausen Haaren, die große."

Ich kramte in meinem Gesichtskarteikasten. Der war in der geistigen Ablage fein säuberlich getrennt vom Namenskarteikasten, so dass ich immer Schwierigkeiten hatte, beide Karteikarten zusammenzubringen.

"Ach ja, ich glaub ich weiß, wen du meinst."

Das war gelogen.

Nun muss man sagen, dass wir beide etwas ungünstig standen und den Ein- und Ausgang aus dem Klassenzimmer blockierten. Ein dicklicher Typ aus der 11/B wies uns netterweise darauf hin, indem er uns mit seiner Schultasche anrempelte.

"Immer sachte, Sportsfreund", rempelte Carsten zurück. Wir wichen ein paar Schritte zur Seite.

"Und wer geht da sonst noch hin, wahrscheinlich kenne ich gar keinen .", wandte ich ein, um aufs Thema zurückzukommen.

"Sind wir etwa Keine? Du hast Nico und mich!"

Carsten schaute erst mich herausfordernd an und gleich darauf ungeduldig auf die Uhr. Ich wusste selbst, dass wir hier nicht ewig Zeit zum Labern hatten. In weniger als fünf Minuten ging es mit der nächsten Stunde weiter.

"Ich überleg es mir, wir sehen uns nachher beim Essen."

"Okay, wie du meinst."

Carsten hob die Hand zum Gruß und stakste auf seinen langen Beinen, die in einer Art Turnhose steckten, davon. Was den Klamottengeschmack betraf, war Carsten ein wenig seltsam. Ob das der Einfluss seiner Mutter oder eine Art Protestbewegung gegen Popper, Punker und ähnliche vom Westen inspirierte Moden war, blieb unklar.

Und es interessierte mich nur am Rande. Mein Problem in diesem Moment war: Was bedeutete es, dass er mir diesen Vorschlag von Nico ausrichtete? Konnte Nico mich nicht selbst fragen? Oder war alles nur getürkt, und es war Carsten, der wollte, dass ich mitkäme?

Aber nein, Nico hatte schließlich gerade erst sein Interesse an weiteren gemeinsamen Unternehmungen zum Ausdruck gebracht. Da konnte es mir schnurz pieps egal sein, wer einlud. Vielleicht war Nico heute gar nicht in der Schule?

In der Mittagspause würde ich mehr erfahren. Die beiden aßen immer zusammen.

"Macht mal bisschen Platz hier, Leute", krakeelte ein optisch unscheinbarer, kurzgewachsener Typ und drängelte sich zu uns auf die Couch. Mir war es recht, so rückte ich unabsichtlich noch ein Stück näher an Nico heran. Der war auch nicht böse und legte mir den Arm um die Schulter. Sein Atem roch süß und männlich nach Cola und Weinbrand, oder was das für ein Gemisch war, das er da trank. Ich hielt mich lieber an den leckeren Rosenthaler Kadarka. Von dem hatte ich schon gut getankt. Oder lag mein wohlig-leichter Schwebezustand nur an der Hitze im Raum und der aufregenden Nähe zu meinem Sitznachbarn?

Ich hätte gern getanzt, aber Nico schien sich nicht viel daraus zu machen und ich wollte die gute Couch-Konstellation nicht aufs Spiel setzen. Allerdings war mir nicht entgangen, dass Carsten, während er mit einer Freundin von dieser Babette tanzte, nach jeder Runde zu uns rüber schielte. Ich kuschelte mich noch ein wenig näher an Nico. Unsere Oberschenkel klebten zusammen und waren nicht mehr zwei, sondern ein einziger, wie zusammengewachsen. Nicos Hand rutschte meinen Rücken runter und schwupps, lag sie auf meinem Knie. Dagegen hätte ich nichts gehabt, wenn Nico sich nicht derweil mit seiner Sitznachbarin zur anderen Seite angeregt unterhielte.

Kurzentschlossen sprang ich auf und lief auf die Tanzfläche. Wollen wir mal sehen, wer hier wen eifersüchtig macht! Ich tippte Carsten auf den Rücken, der drehte sich zu mir um, strahlte über alle Backen und ließ glatt seine Tussi stehen, um mit mir zu tanzen. Richtig eng, der ließ nichts anbrennen. War ich jetzt vom Regen in die Traufe geraten? Carsten war mir so schüchtern vorgekommen. Verzweifelt suchte mein Blick nach Nico auf der Couch. Aber die war leer, wenn man den unscheinbaren, kurzgewachsenen Typen nicht mitrechnete, der die Gelegenheit genutzt und sich breit hingefläzt hatte. Während Carstens Lippen meinen Hals erkundeten, verrenkte ich mir ebendiesen, um Nico wieder ins Visier zu bekommen. Wenn er ausgerechnet jetzt draußen war, um eine zu rauchen? Das hieße, die ganze Aktion war nach hinten losgegangen.

Ich entwand mich dem Klammergriff meines Tänzers und lief hinaus vors Haus. Dort standen ein paar Leute und qualmten, aber Nico war nicht dabei. Ein unangenehmer Verdacht braute sich in meinem Oberstübchen zusammen. Und wenn er jetzt mit der von der anderen Seite .

"Fräulein Busch", rief jemand von weitem, "worin sehen Sie denn die politische Notwendigkeit der Bodenreform begründet?"

Die was?

Kerstin starrte mich ungläubig an. Dass ich so lange um eine Antwort verlegen war, kam ihr verdächtig vor. Angestrengt suchte ich im Kopf nach einem Aufhänger, worum es gerade ging, aber fand dort rein gar nichts. Ich war tatsächlich bei der bevorstehenden Fete, und mit keinem einzigen meiner Neuronen bei der Geschichtsstunde gewesen.

Bedauernd zuckte ich mit den Schultern.

"Hab gerade nicht aufgepasst."

"Soso, na dann empfehle ich Ihnen sehr, den gesamten Stoff im Lehrbuch nachzuarbeiten, nächste Woche gibt es eine Klassenarbeit."

Frau Mehnert schüttelte noch einmal in Zeitlupe den Kopf und richtete ihren stechenden Blick ins gesamte Klassenkollektiv: "Das gilt für alle."

Auf dem Weg in den Speisesaal war ich mir nicht mehr sicher, ob ich zur Geburtstagsfeier dieser sogenannten Babette gehen sollte oder nicht. Hatten meine Fantasien eine Verbindung ins Unterbewusstsein, in dem womöglich begründete Zweifel lauerten?

Na, wenn schon, sei es drum.

Ich stand in der Schlange nach dem Essen an, als Nico mit seinem Teller vorbeimarschierte und mir zuraunte: "Du kommst also mit, hab schon gehört."

Ein verschwörerisches Augenzwinkern von ihm, und von meinen Bedenken war keine Spur mehr.

Es war schon halb...

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