Tochter des Nordens

Historischer Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2011
  • |
  • 560 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1054-9 (ISBN)
 
Gegen ihren Willen muss Runa ihre norwegische Heimat verlassen und mit ihrem Vater in die Normandie aufbrechen, wo sich dieser Reichtum und eigenes Land erhofft. Als er kurz vor der Ankunft unerwartet stirbt, ist Runa in der Fremde ganz auf sich allein gestellt. Das Schicksal führt sie mit der fränkischen Prinzessin Gisla zusammen, als diese in höchster Gefahr schwebt. Runa gelingt es, Gisla zu retten, und diese bietet ihr einen Pakt an: Wenn Runa sie sicher und unentdeckt zu ihrer Mutter geleiten kann, wird sie in ihre Heimat zurückkehren können. Die beiden wissen nicht, dass verborgene Feinde ihnen beiden derweil nach dem Leben trachten ¿
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 1,44 MB
978-3-8387-1054-9 (9783838710549)
3838710541 (3838710541)
weitere Ausgaben werden ermittelt
XII. NORDMÄNNERLAND HERBST 912 (S. 317-318)

Runa hatte Wasser erhitzt, Gisla gewaschen und versorgt. Das Kind war eingeschlafen, nachdem Gisla es an ihrer Brust genährt hatte, obwohl sie vor Fieber glühte. Runa wusste nicht, wie lange die Milch reichen, ob das winzige Wesen, das viel zu früh geboren worden war, überleben konnte, und ob Gisla das Fieber überstehen würde. Aber jetzt schlief auch sie, und der Schlaf tat den beiden gewiss gut. Runa mochte nicht daran denken, was sie jetzt tun musste, aber es führte kein Weg daran vorbei.

Sie vermied es, in die Gesichter der Toten zu sehen, vor allem in das von Thure, presste die Augen zu Schlitzen, um nur unscharfe Konturen zu erkennen, und machte sich daran, die Leichen nach draußen zu schleppen. Plötzlich nahm sie einen Schatten wahr. Runa zuckte zusammen, glaubte kurz schreckerstarrt, dass einer, den sie für tot gehalten hatte, noch lebte und sich nun rächen wollte. Doch dann erkannte sie, dass der, der da stand, keinen Durst nach Rache mehr hatte. Es war kein anderer als Taurin, der zurückgekommen war. »Du bist noch hier ...«, stellte sie fest. Er sagte nichts, half ihr schweigend, die Männer in den Wald zu schleifen.

Die Arbeit war schweißtreibend und anstrengend wie jede andere harte Arbeit auch, aber er war wie sie - er tat, was getan werden musste. Sie hatte versucht, Thures Leichnam zu ignorieren, doch irgendwann konnte Runa sich nicht länger blind stellen und überwand sich, ihn zu betrachten. Es bereitete ihr weniger Ekel als vielmehr Triumph, ihn so zu sehen und sicher zu sein, dass er ihr nie wieder schaden konnte. Noch im Tod war sein Mund zu einem Lächeln verzerrt, und sie fragte sich unwillkürlich, wo er jetzt war. Im dunklen Reich Hels? In Walhall, weil er im Krieg gestorben war? In jener Höhle, wo Loki gefangen saß?

Sie begannen, ein Loch zu graben, und es wurde Abend, bis es tief genug war, um die Leichen zu verscharren. Die Luft kühlte ab, aber sie schwitzten immer noch. Sie schwiegen, während sie gruben, und waren sich auch ohne Worte nah wie nie zuvor. Das Verscharren der Toten schien sie mehr zu einen als die Monate in der Hütte, der Tag, da er von Lutetia erzählte hatte, oder der gemeinsame Kampf gegen die fränkischen Krieger. Als die Arbeit endlich getan war, wandte Runa sich ab, ging durch den Wald, kletterte über die Klippe und erreichte den Strand.

Die Wellen waren ungewohnt schweigsam. Das Wasser umspülte ihre Füße, aber das war ihr zu wenig Abkühlung. Sie riss sich ungeduldig die verschmutzte Kleidung vom Leib, watete tiefer ins Wasser, tauchte erst bis zum Hals hinein und ließ dann die Fluten auch über ihrem Kopf zusammenschlagen. Als sie prustend wieder auftauchte und zum Ufer blickte, stand Taurin dort. Sie sah, dass er begann, sich seinerseits auszukleiden, nicht ruhelos wie sie, sondern langsam, fast bedächtig. Sie wandte sich ab, versank wieder im Wasser. Als sie auftauchte, sah sie, dass Taurin ihr ins Wasser gefolgt war. Sie schwamm ein Stück weg, dann auf ihn zu, kam ihm jedoch nicht nahe genug, um seinen Körper zu spüren, der im schwindenden Licht so dunkel schien.

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