Ostfriesische Lösung. Ostfrieslandkrimi

 
 
Klarant (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. Februar 2020
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96586-144-2 (ISBN)
 
Der Polizist Ferdi Morthorst traut seinen Augen kaum, als er bei einer Hausbesichtigung in Pewsum über eine Frauenleiche stolpert. Völlig unverhofft haben die Krummhörn-Cops einen neuen Fall! Zeuge des Funds ist der Immobilienmakler Klaus Pelzer, das Feindbild der ganzen Krummhörn. Manch einer fordert gar die »ostfriesische Lösung«, sprich: den Mann ins Watt zu schicken, der sich für den drohenden Ausverkauf der Heimat verantwortlich zeichnet. Die Tote wiederum ist ausgerechnet Katja, die radikalste Gegnerin des Maklers. Hat er seine erbitterte Widersacherin aus dem Weg geräumt und alles genau so eingefädelt? Die Kommissare ermitteln in alle Richtungen und nehmen auch Katjas privates Umfeld ins Visier, denn durch ihre direkte Art hat sich die Einheimische nicht nur Freunde gemacht. Doch als plötzlich eine zweite Leiche auftaucht, erscheint der Fall in einem neuen Licht...
Die gebürtige Ostfriesin, Sina Jorritsma, aus der Krummhörn studierte in Hamburg Germanistik und Philosophie, bevor sie wieder in ihre Heimat zurückkehrte. Sie veröffentlicht unter Pseudonym, weil sie ihre Umgebung genau beobachtet und Ereignisse aus ihrem Leben in ihre Geschichten einfließen. Das Romaneschreiben ist ihr kleines Geheimnis, das nur wenige Menschen kennen. Bei einer großen Kanne Ostfriesentee mit Sahne und Kluntjes kann sie halbe Nächte durchschreiben, tagsüber hält sie sich mit Joggen fit. Sina Jorritsma lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort bei Emden.

Kapitel 2


Ostfriesen-SYNDIKAT

Am selben Tag. Früher Abend.

 

»Ik höör blod Fremd-Scheiß«, näselte Oma Schwidden und wurde sogleich im Chor verbessert:

»Dat heet Franchise.«

»Segg ik doch: Frömd-Schiet.« Die alte Dame kicherte leise vor sich hin.

»Ach, Oma Schwidden«, lachend winkte Oke Tammena, der Wirt vom Dorfkrug in Pewsum, mit seiner riesengroßen Hand ab. Der Zweimetermann saß neben der über Neunzigjährigen auf dem Sofa und beteiligte sich rege an der Diskussion über dieses moderne Geschäftssystem mit dem französisch klingenden Namen, das in der Krummhörn mit Klaus Pelzer Einzug gehalten hatte.

»Wat hett se seggt?«, wollte die Metzgersfrau Albertine Ortgies wissen. Sie saß im Sessel gegenüber und kaute Chips.

»Se hett dat in 't verkehrte Halsgatt kregen«, antwortete der Wirt.

»Wat denn?« Albertine Ortgies hörte alles, verstand jedoch nichts. Schien ihr aber auch nicht wichtig zu sein, sie griff wieder zu den Chips, die sie krachend in ihrem Mund verschwinden ließ.

»Habt ihr alle noch genug zu trinken?«, erkundigte sich die Gastgeberin Katja Randahl-Jost, als sie mit einem weiteren Sechserträger Bier und zwei Flaschen Wasser erschien.

Vereinzelt hörte sie »Jou«, das allgemeine Gebrabbel deutete sie als momentane Zufriedenheit. Sie stellte die Getränke auf dem Couchtisch ab und schenkte sich selbst einen Wein ein. Sollte zugreifen, wer mochte. Sie nippte ein, zwei Mal an ihrem Glas.

Ihr Mann Martin erklärte den gemeinsamen Freunden Jette und Jobst Janssen, die sich etwas verspätet hatten, was das Besondere am Franchise war und wie sich dieser Klaus Pelzer von anderen Immobilienmaklern in der Region unterschied.

Katja, die neunundvierzigjährige, blond gelockte Lehrerin, sah in die Runde und zählte im Geiste durch. Es waren längst nicht alle erschienen, die sie eingeladen hatte. Das tat der Bewegung aber keinen Abbruch, einig war man sich eh in der Krummhörn. Einig darüber, was mit Klaus Pelzer geschehen sollte.

»Leute«, rief Katja mit erhobener Stimme, »hört ihr mir mal einen Augenblick zu!« Nachdem die Gespräche verstummt waren, fuhr sie fort: »Ich danke euch für euer zahlreiches Erscheinen.«

»Sind denn alle da?«

»Nicht alle, Oma Schwidden«, entgegnete Katja, »mit einigen habe ich bereits telefoniert. Denen passte der Termin heute Abend nicht, sie schließen sich unserer Bewegung aber an.«

»Bewegung tut ja allgemein gut«, meinte Albertine Ortgies erst neulich in der Apotheken-Umschau gelesen zu haben.

Oke Tammena wusste vor Lachen wieder nicht wohin mit seinen großen Händen. Einfach unter die Achseln stopfen, entschied er, da waren sie gut aufgehoben.

»Hoffentlich macht deine Randale-Katja nicht wieder so viel Krawall«, flüsterte Jette Janssen ihrem Mann Jobst süffisant ins Ohr. Mit ihrer Bemerkung spielte die achtundvierzigjährige Verwaltungsfachangestellte auf Katjas Vergangenheit an. Ihr Spitzname Randale-Katja, der sich von ihrem Nachnamen ableitete, war schon zu Studentenzeiten Programm gewesen. Darüber hinaus legte sie ihren Finger in eine weitere Wunde.

»Lass sie doch«, erwiderte er leise und sah seine Frau mit den Augen rollen. Er ergänzte: »Katja lässt sich eben auch heute noch gerne der linksradikalen Szene zuordnen und nimmt jede sich bietende Gelegenheit wahr, gegen etwas zu demonstrieren.«

Jobst, ebenfalls Lehrer und Kollege von Katja, durfte den Vertretungsunterricht für Katja übernehmen, wenn die mal wieder auf einer Demo war.

»Sind wir denn überhaupt beschlussfähig?«, warf die Ortgies schmatzend in die Runde.

»Ach, Albertine!«, stieß Katja aus, »komm mir doch nicht so. Wir waren uns doch schon vorher einig. Außerdem wollen wir keinen Verein gründen. Dennoch, wir alle haben dasselbe Ziel: Die Pelzlaus Klaus Pelzer muss weg. Und ich habe auch schon eine Idee, wie wir das hinkriegen.«

»Bitte nichts Radikales, Schatz«, bat Martin Jost.

Gelächter brach aus. Wutentbrannt leerte Katja ihr Glas und füllte es sich gleich wieder auf.

»Das ist mal wieder typisch Soz-Päd!«, blökte Katja ihren Mann an. Wobei sie ganz genau wusste, wie sehr ihn, den studierten Sozialpädagogen, dieses Kürzel verletzte.

»Nun sei doch nicht so kratzbürstig, Katja!«, versuchte Oma Schwidden zwischen den Eheleuten zu vermitteln.

Jobst Janssen grinste, was ihm seine Frau mit einem Boxhieb in die Seite quittierte. »Dann geh doch wieder zu der«, presste sie durch eine fast geschlossene Zahnreihe.

Jobsts Gesichtszüge wurden ernst.

»Wie lautet denn deine Idee?«, warf Jette fragend in die Runde und sorgte dafür, dass alle Augenpaare auf sie gerichtet waren. »Ich finde, ein aggressives oder gar radikales Vorgehen ist nicht nötig. Natürlich halte auch ich nichts von diesem Pelzer, aber uns gegen ihn aufzuhetzen, finde ich nicht okay. Wir sollten mit ihm reden und zu einer vernünftigen Lösung kommen.«

»Reden hilft«, kam es von Albertine Ortgies.

Nachdem Oke Tammena dem zugestimmt hatte, ging die Diskussion von vorne los.

»Und wollen wir wetten, dass sich Katja nachher noch selbst zur Anführerin erklärt?«, flüsterte Jette ihrem Mann zu.

»Ruhe jetzt!« Katjas durchdringende Stimme erreichte schnell ihr Ziel. »Ich fass es ja nicht, danke, Jette!«

Die Angesprochene warf der Gastgeberin ein gespieltes Lächeln hinüber, während Jobst seine Arme vor der Brust verschränkte.

»Was ist los mit euch?«, fauchte Katja. »Einerseits ärgert ihr euch über die Pelzlaus und dessen penetrante Werbung. Und andererseits wollt ihr ihn mit Samthandschuhen anpacken. Geht's noch?«

»Ich finde, Katja hat recht«, bezog Jobst Janssen eindeutig Stellung und erntete sofort einen bösen Blick seiner Frau. Er ließ sich nicht beirren und fuhr fort: »Überall, wo man hinguckt, lacht einen die Grinsefresse Pelzer an. Der plakatiert mehr als alle Politiker sämtlicher Parteien im Wahlkampf zusammen.«

»Genau!« Schnell war sich die Masse wieder einig.

»Und dann will der noch mehr Auswärtige in die Krummhörn holen, als eh schon hier wohnen. Feriengäste sind ja okay, aber der will auch die Häuser an die Westfalen verhökern.« Oke, der Wirt, sah zu Otto Cohrs, dem einbeinigen Geschäftsmann, hinüber. Auch der eigenwillige Cowboyhutträger war ein zugezogener Westfale. »Nix für ungut, Flamingo, aber du hast dich über die Jahre gut integriert. Du gehörst mittlerweile zu uns!«

»Ich hab das Ostfriesenabitur«, war die Antwort des Einbeinigen, der sich in seinem Sessel zurücklehnte und seine getönte Brille auf die Nasenwurzel schob. »Katja, gib Gas! Stell uns deinen Plan vor!«

Katja konnte sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.

»Jetzt mach sie doch nicht gleich zur Anführerin, Otto!« Martin wusste, dass er sich dafür noch etwas anhören durfte. Später, nachdem alle gegangen waren. Dann las ihm Katja im besoffenen Kopf die Leviten. Er war die ewigen Streitigkeiten so leid.

»Wieso? Deine Katja ist doch der geborene Leader.«

»Lieder? Singen wir jetzt Lieder?«, fragte Oma Schwidden ganz irritiert. Als niemand eine Antwort gab, verfiel sie wieder in ihren Ruhemodus.

Katja hätte sich über die Anführerin mehr als über den Leader gefreut, wollte aber angesichts ihrer Ernennung auf eine Genderdebatte gern verzichten. So dankte sie Flamingo, nippte am Wein und ging über zu Punkt zwei der Tagesordnung, nachdem sie Punkt eins - öffentliche Krönung - für sich abhaken konnte. »Seit Wochen penetriert uns Klaus Pelzer mit seiner aufdringlichen Werbung. Das wollen wir nicht länger hinnehmen, wir werden uns zur Wehr setzen!«

Zustimmendes Grölen in Randahl-Josts guter Stube. Katja nippte erneut an ihrem Wein und verlieh den folgenden Worten etwas Heroisches: »Heute sind wir, die Hauseigentümer in der Krummhörn, zusammengekommen, um den Schulterschluss zu suchen. Wir sind stolze Ostfriesen, wir entscheiden selbst, wen wir in unserer Mitte aufnehmen und wen nicht. Unsere Häuser kriegen wir auch selbst verkauft, dazu brauchen wir keinen Utwärtigen. Das Watt hat schon oft eine Lösung gefunden. Und so fordere ich euch auf, Mitglied im ostfriesischen Syndikat für Eigenheimbesitzer zu werden!«

Stille. Verstohlene Blicke machten die Runde.

»Hett se d' Mors schon vull?«

Gelächter brach aus. Besonders bei Otto Cohrs, der Oma Schwidden daraufhin mehrere Kusshände zuwarf. »Syndikat«, wiederholte er in Bezug auf Katjas Rede und befand: »Herrlich! Ich wollte schon immer mal der Mafia angehören. Ich bin dabei! Aber sowas von!«

Es dauerte einen Augenblick, bis Katjas Antwort...

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