Im Rausch der Gefühle

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. April 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-08969-6 (ISBN)
 
Spritzig, spannend, leidenschaftlich - eine heiße Mischung!

Clare Lancaster hat sich damit abgefunden, dass sie niemals einen passenden Mann finden wird. Mit ihrem untrüglichen Sinn für Unwahrheiten deckt sie jede noch so charmante Lüge sofort auf - auch die von Jake Salter, dem neuen undurchsichtigen »Geschäftsberater« ihres Vaters. Aber nur mit seiner Hilfe kann Clare das Netz von Verschwörung und Mord entwirren, in das ihre Familie sich verstrickt zu haben scheint. In einem wilden Strudel von Geheimnissen, Lügen und heißem Verlangen kommen Clare und Jake sich während ihrer Ermittlungen immer näher .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,64 MB
978-3-641-08969-6 (9783641089696)
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1. KAPITEL

Jake Salter stand in einer dunklen Ecke der langen Veranda, sämtliche Sinne weit geöffnet für die Wüstennacht. Er spürte, wie sich seine Nackenhaare sträubten – die erste Warnung, dass irgendetwas seine sorgfältig ausgeklügelte Strategie gefährden könnte.

Der Jäger in ihm wusste, dass er gut daran tat, dieses beunruhigende Zeichen nicht zu ignorieren. Und als kurz darauf ein unauffälliger Kleinwagen in die total zugeparkte Auffahrt des großen Anwesens der Glazebrooks einbog, verstärkte sich sein Unbehagen.

Hier kam etwas Gefährliches, sagte ihm sein Gefühl. Oder etwas sehr, sehr Interessantes. Seiner Erfahrung nach tauchte beides oft in einer Gestalt auf.

»Wer kommt denn da noch so spät?«, wunderte sich Myra Glazebrook. »Alle Gäste, die wir eingeladen haben, müssten eigentlich schon da sein. Oder sie haben abgesagt.«

Jake verfolgte aufmerksam den sich langsam nähernden Kleinwagen. Der Fahrer hielt offensichtlich zwischen all den Luxuskarossen nach einer Parklücke Ausschau. Wie ein Kaninchen, das sich einem Wasserloch in der Wüste nähert, um das sich bereits jede Menge Berglöwen scharen, dachte Jake unwillkürlich.

Na dann viel Glück.

Auf dem großen, kreisförmigen Platz vor dem imposanten Haus war nichts mehr frei. Wie immer wenn die Glazebrooks eine Einladung im großen Stil gaben. An diesem Abend handelte es sich um die alljährliche »Wüstenrattenparty«, wie Archer und Myra dieses Fest gerne nannten, das als einer der Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens von Stone Canyon galt, wo die Superreichen von Arizona residierten. Niemand ließ sich dieses Ereignis entgehen – es sei denn, er war vor der erbarmungslosen Julihitze in kühlere Gefilde geflohen.

»Sollte es sich um einen verspäteten Lieferanten handeln?« Mit wachsender Missbilligung beobachtete Myra den Kleinwagen, der nach wie vor auf der Suche nach einer Parkmöglichkeit hartnäckig seine Runden drehte. »Eigentlich sind die Catering-Leute angewiesen, beim Hintereingang zu parken. Der Platz vor dem Haus ist den Gästen vorbehalten.«

»Na, vielleicht hat dieser Bursche das nicht mitgekriegt.« Jake klang nicht wirklich überzeugt. Etwas war merkwürdig mit diesem Auto, das jetzt erneut in ihre Richtung fuhr. Ganz offensichtlich hatte der Fahrer nicht die Absicht, das Feld zu räumen.

Sehr seltsam, dachte er.

»Er müsste doch längst eingesehen haben, dass sein Herumfahren zwecklos ist«, sagte Myra. »Warum fährt er nicht endlich nach hinten?«

Jake schüttelte den Kopf. Er war sich völlig sicher, dass der Mann am Steuer nicht aufgeben würde. Dazu wirkte er viel zu entschlossen. Als der Wagen abrupt direkt hinter einem silbergrauen BMW anhielt, wirkte es zudem fast trotzig.

Unter allen hier parkenden Wagen musst du ausgerechnet diesen blockieren, dachte Jake. Ein Zufall?

Jener Teil seines Wesens, den er vor der Welt verbarg, reagierte zunehmend alarmiert. Jake nahm nämlich seine Umgebung nicht nur mit den normalen Sinnen wahr – ihn überfiel bisweilen eine Flut parasensorischer Eindrücke und lieferte ihm Informationen, die normalen Menschen verborgen blieben. So auch jetzt. Die Antennen auf die wilden, berauschenden Düfte und die verborgenen Geräusche der Wüstennacht gerichtet, empfing er Signale, die seinen Jagdinstinkt weckten.

»Hier kann er keinesfalls parken«, sagte Myra scharf. Sie blickte die Veranda entlang. »Wo ist der Kerl, der als Parkplatzwärter angeheuert wurde?«

»Vor einer Weile habe ich ihn hinters Haus gehen sehen«, sagte Jake. »Ich schaue gerne für Sie nach und kläre die Geschichte.«

»Nein, schon gut, ich kümmere mich selbst darum«, widersprach Myra. »Nicht dass es jemand ist, den wir bei unseren Einladungen vergessen haben. Ich gehe mal zum Parkplatz und frage nach. Entschuldigen Sie mich, Jake.«

Myras elegante, hochhackige Sandaletten klapperten auf den Marmorfliesen, als sie die Veranda hinuntereilte.

Jake drosselte seine paranormalen Sinne. Inzwischen beherrschte er das ganz gut, und das war von Vorteil. Im Laufe der Jahre hatte er nämlich gemerkt, dass manche sensible Menschen nervös auf ihn reagierten. Sie ahnten oder spürten wohl seine verborgene Begabung. Und sogar die große Mehrheit, die schlichtweg die Existenz paranormaler Phänomene leugnete, schien in seiner Gegenwart ein diffuses Unbehagen zu empfinden. Zumindest dann, wenn er diese speziellen Antennen ausfuhr. Deshalb war es wichtig, sich in Gesellschaft möglichst unauffällig und ganz normal zu verhalten.

Er lehnte sich an die Brüstung und schwenkte geistesabwesend sein Glas mit dem Bourbon, den er bislang noch nicht angerührt hatte. Mit gutem Grund. Schließlich war er nicht da, um entspannt Gastfreundschaft und geselliges Beisammensein zu genießen, sondern um mit allen Sinnen Informationen zu sammeln. Und um sich später auf die Jagd zu begeben.

Die Tür des Kleinwagens wurde geöffnet, und der Fahrer entpuppte sich als Frau. Sobald sie ausgestiegen war, erkannte Jake, dass sie bestimmt nicht zum Servicepersonal gehörte. Sie trug ein strenges schwarzes Kostüm, dazu schwarze Pumps mit hohen Absätzen und eine überdimensionale Schultertasche. Eindeutig eine Fremde – in Arizona würde sich in dieser heißen Jahreszeit niemand so kleiden, schon gar nicht bei einer Einladung, die unter dem Motto »Wüstenrattenparty« stand.

Langsam ging Jake ein paar Meter die Veranda entlang, blieb im tiefen Schatten neben einer der Säulen, die das überhängende Dach trugen, stehen. Dort lehnte er sich gegen den kühlen Stein und wartete, dass die Ereignisse ins Rollen kämen.

Die Absätze klapperten flott über das Pflaster der Auffahrt, als die Frau zielstrebig auf den Haupteingang zuging, wo Myra sie bereits erwartete. Jake konnte jetzt Einzelheiten ihrer Figur erkennen: kleine, feste Brüste, die sich unter der eng geschnittenen Kostümjacke abzeichneten, eine schmale Taille und im Vergleich dazu ziemlich üppige Hüften. Trotzdem gefiel ihm, was er sah. Sie war der Typ Frau, den man zweimal anschaute, obwohl es sich nicht um eine wirkliche Schönheit handelte. Aber sie hatte das gewisse Etwas. Vermutlich verdiente sie sogar einen dritten Blick, entschied er und musterte sie genauer. Ihre großen, wissenden Augen, die stolze Nase und das entschlossene Kinn – alles wirkte auf unkonventionelle Weise äußerst reizvoll. Die Lichter der Veranda ließen ihr dunkles Haar glänzen, das sie zu einem elegant geschlungenen Knoten trug.

Doch es war nicht allein ihr Aussehen, das seine Aufmerksamkeit fesselte. Sie besaß noch etwas anderes, das ihn für sie einnahm – etwas, das nicht von äußerer Attraktivität abhing. Es war die Art, wie sie sich hielt. Sie besaß Haltung in jeder Hinsicht. Innerlich wie äußerlich. Jede Menge davon. Es wäre ein Fehler, diese Frau zu unterschätzen.

Wie immer, wenn seine Jagdinstinkte sich regten, katalogisierte und analysierte er automatisch die Daten, die seine Sinne sammelten. Obwohl sie nicht seine Beute war, ganz und gar nicht. Nein, sie war etwas viel Interessanteres. Sie stellte für ihn eine Herausforderung dar. Eine Frau wie sie ließ sich bestimmt nicht ins Bett locken. Die Entscheidung würde von ihr ausgehen – nach Kriterien, die sie festsetzte. Es würde Scharmützel geben, Diskussionen, vermutlich ein paar Kraftproben.

Er spürte, wie sein Blut in Wallung geriet.

Myra trat der Frau in den Weg. Er sah, dass sie die Maske der anmutigen Gastgeberin fallen gelassen hatte. Es bedurfte keiner paranormalen Sensitivität, um ihre Anspannung und ihre geschärfte Wachsamkeit zu spüren. Die ersten Worte aus ihrem Mund verrieten ihm, dass sich große Probleme anbahnten.

»Was wollen Sie hier, Clare?«

Ach, verdammt. Jake durchforstete im Geist die Unterlagen, die man ihm vor zwei Wochen zum Durchlesen gegeben hatte, ehe man ihn nach Stone Canyon schickte. Irrtum ausgeschlossen. Alter, Geschlecht und das richtige Ausmaß an Feindseligkeit vonseiten Myras. Es konnte sich nur um Clare Lancaster handeln, Archers im Rahmen einer kurzen, außerehelichen Affäre gezeugten Tochter.

Da war sie nun, obwohl die Wahrscheinlichkeitsanalysten von Jones & Jones – jener Firma, die ihn für diesen Job engagiert hatte – zu einem ganz anderen Resultat gekommen waren. Unter zehn Prozent liege das Risiko, dass sie während seines verdeckten Einsatzes hier auftauchen werde, lautete die Prognose. Was nur bewies, dass auch psychologisch und parapsychologisch geschulte Ermittler mit einem Faible für Wahrscheinlichkeitstheorien weibliche Verhaltensweisen so gut wie gar nicht voraussehen konnten. Gutes altes Raten hätte bessere Ergebnisse geliefert.

Jake wusste, dass er auf der Hut sein sollte. Clares Auftauchen bedeutete nichts als Ärger und unnötige Komplikationen. Schenkte man den Gerüchten über ihre Person Glauben, so war sie womöglich imstande, seine Tarnung auffliegen zu lassen. Und zwar gründlich. Außer ihr vermochte das niemand sonst in Stone Canyon.

Auf der sogenannten Jones-Skala, die die psychische Stärke eines Menschen maß, stand sie auf Stufe zehn. Höchstes Level. Die Skala ging zurück auf das späte 19. Jahrhundert und war von der Arcane Society erstellt worden, die sich mit psychischen und paranormalen Phänomenen befasste. Damals glaubten viele Menschen an Übersinnliches – das Zeitalter war eine Blütezeit für Séancen, Medien und Geisterseher, bei denen es sich allerdings zumeist um Scharlatane und Betrüger handelte.

Nicht so die Arcane Society, die damals bereits seit zweihundert Jahren existierte und ihre Mitglieder sorgfältig prüfte....

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