Wie lange ist bald?

 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. April 2021
  • |
  • 321 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7531-8604-7 (ISBN)
 
Während all ihre Freundinnen ans Familiegründen denken, muss Finja zusehen, wie ihre langjährige Beziehung in die Brüche geht... Eines Tages bekommt sie eine einmalige Karrierechance in New York. Dabei lernt sie Sam kennen, der ihr hilft, sich in der großen Stadt zurecht zu finden. Im Laufe der Zeit entsteht zwischen ihnen mehr als Freundschaft. Doch das vermeintliche Glück hält nicht lange an...
  • Deutsch
  • 0,48 MB
978-3-7531-8604-7 (9783753186047)
Sonja Krenn wohnt mit ihrem Partner in einer beschaulichen Kleinstadt Nähe Regensburg in Bayern. An diesem Ort arbeitet sie als Erzieherin in einem Kindergarten. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in der Natur. Der Roman "Wie lange ist bald?" ist ihre dritte Veröffentlichung.

Kapitel 5


 

"Sie sind also Frau Mühlheimer!", begrüßte mich mein neuer Chef, dessen braungebrannter Teint passend zum durchtrainierten Körper einem Fotomodell nah kam. Er holte mich an meinem ersten Arbeitstag zurück auf den Boden der Tatsachen, heraus aus der Traumwelt und hinein in das Arbeitsleben. "Ich lege viel Wert auf Präzision. Sollten Sie beweisen, dass Sie etwas auf dem Kasten haben, können wir über ein eigenes Büro sprechen. Für den Anfang sollte ein Platz im Großraumbüro reichen. Im Moment sieht das wohl eher nicht nach Aufstieg aus."

Zugegeben, mein Gesicht glich dem von Frankenstein und wach und motiviert konnte man meinen Zustand nicht beschreiben, aber er hätte dennoch freundlicher zu mir sein können. Die Büros der Firma befanden sich im dritten Stock eines Gebäudes inmitten anderer Unternehmen, zum Teil unbekannte Start-ups, die sich erst beweisen mussten. Die irreführende Beschilderung an der Haustüre führte zu einem Marathonlauf im Treppenhaus. Nach einigen Fehllandungen fand ich letztendlich die richtige Türe. Aber, nachdem es keinen Aufzug gab, musste ich jede Stufe zu Fuß laufen. Folglich kam ich schwitzend, keuchend und völlig übermüdet zwanzig Minuten nach neun am Ziel an. Aber wieso wunderte ich mich eigentlich über seine schroffe Art? Bei der Gestaltung des Raumes hätte ich längst seine Herzlosigkeit erahnen können. Keine Dekoration, keine Bilderrahmen. Nichts.

"Guten Morgen! Danke, dass ich hier sein darf!", brachte ich mühevoll heraus. Er reagierte gar nicht, stattdessen drehte er sich um und stapfte voraus. Ich watschelte ihm wie ein Entenkind hinterher. Im Großraumbüro angekommen, traf mich der Schlag. Darin arbeiteten gleichzeitig zehn andere Mitarbeiter. Keine Zeit darüber nachzudenken, ich musste ihm zu meinem vorübergehenden Arbeitsplatz folgen, der mich vollkommen aus meinen Socken haute. Nicht vor Begeisterung wohlgemerkt! Nach dem Luxus im Hotel hätte ich zumindest einen sauberen Drehstuhl erwartet, aber dieser strotzte vor Flecken und an einigen Stellen riss der Stoff sogar ein. Das allerdings übertraf der Holztisch, der bei einem leichten Windstoß wackelte. Immerhin organisierten sie mir einen neuwertigen Laptop, welcher die benötigten Programme abspielen konnte. Einen Computer von 1990 hätte ich ihnen bei Anblick des Mobiliars ebenfalls zugetraut, demzufolge konnte ich mich über den Laptop nicht beschweren. Die anderen saßen an Hightech-Tischen, dessen Höhe man elektronisch - ja mit einem Knopfdruck - verstellen konnte. Dazu hatten diese Mitarbeiter ergonomische Stühle, die von Weitem überaus bequem aussahen. Gewiss beneidete ich sie dafür. Die anderen warfen kritische Blicke auf mich, ich stand regelrecht am Pranger. Dank meines Luxusplatzes wussten alle, dass ich "die Neue" war.

"Kleines Geheimnis unter uns. Ich hätte dir gerne einen anderen Platz geboten, aber auf dich wartet sowieso der beste in unserer Liegenschaft", versicherte mir Max. "Bis dahin bekommst du genügend zu tun, so dass dir keine Sekunde langweilig ist."

Er sprach in Rätseln. Und wieso flüsterte er das? Es musste meine Schlaflosigkeit der letzten Nacht sein, die mit meiner Einbildungskraft spielte. Und wieso war er auf einmal so nett? Ich dachte, er sei ein Stinkstiefel?!

"Was ist meine erste Aufgabe?", erkundigte ich mich zurückhaltend. Wortlos ging er zu einem riesigen Büroschrank und holte Akten heraus, die er auf meinem Tisch stapelte: "Du sortierst das ein!"

"Ich glaube, das entspricht weniger dem Sinn meiner Reise!", piepste ich mit eingezogenem Kopf. Ich wollte keinen Ärger, aber ich hatte ein Recht auf meinen Kompetenzen entsprechenden Tätigkeiten.

"Mach es besser, sonst bist du den ersten und letzten Tag hier! Tu dir und mir den Gefallen und mache für den Anfang diese unlieben Aufgaben."

Ich nickte und wandte mich widerwillig meiner Arbeit zu. Er war doch ein Stinkstiefel, zumindest verhielt er sich so. Und überraschenderweise forderte mich meine Arbeit mehr, als ich zuvor erwartete. Neben deutschen Akten mischten sich amerikanische, was natürlich aufgrund der Lage der Liegenschaft nachvollziehbar war. Schließlich übte ich diese Tätigkeit für eine deutsche Firma mitten in New York aus. Sinn machte es meiner Meinung nach weniger. Warum sollte ich mich jeden Arbeitstag in weiße Blusen und enge, unbequeme Bleistiftröcke quetschen, wenn ich nur einen Praktikantenjob nachging? In dieser businesstauglichen Kleidung fühlte ich mich verkleidet und unwohl und der straffe Dutt brachte mir Kopfschmerzen ein. Der einzige Vorteil war, dass ich meinem jugendlichen Look einen Erwachsenentouch verlieh.

 

"Weit bist du noch nicht gekommen!", ermahnte mich mein Vorgesetzter. "Streng dich bitte mehr an. Es kommt uns beiden zu Gute." Er machte regelmäßig Kontrollgänge, die einen wahnsinnigen Druck in mir auslösten. Bestimmt musste er dies tun, schließlich entsprach es seinem Job als Chef dieser Zweigstelle und Herr Branger prüfte bestimmt des Öfteren, ob in Amerika alles am Laufen sei. Doch ich wünschte, er hätte seine Kontrollgänge unterlassen. Meine Konzentration litt ohnedies unter den ständigen Telefonaten der Kollegen. Andere blätterten in Ordnern oder tippten auf ihren Tastaturen. Die vielen Geräusche brachten mein Gehirn innerlich zum Zerbersten. Und dann noch das Englisch, das fernab von dem war, was ich je in der Schule lernte. Ich sehnte mich nach Kopfhörern mit aufheiternder Musik. Mir hätten auch Ohrstöpsel gereicht. Hauptsache, ich könnte dem Lärm entschwinden.

Da gesellte sich eine Frau, mindestens zehn Jahre älter als ich, zu mir und stellte sich demonstrativ mit gekreuzten Armen neben den Schreibtisch. Erst beobachtete sie mich eine Weile, dann meinte sie: "Na schlechter Tag?"

Ich ignorierte sie und sortierte akribisch weiter. Es roch nach Pöbelei und ich wusste, dass jedes Wort in einem unangebrachten Tonfall aus mir platzen würde.

"Hey, du, sprichst du nicht? Du bist doch die Deutsche?"

Damit sie endlich verschwinden würde, beantwortete ich die Fragen: "Ja und nein und ja!"

"Interessant, ist das ein Code, den ich entziffern muss?"

Ich rief mir ins Bewusstsein, mich mit meinen Kollegen gut stellen zu wollen, also schluckte ich meine innere Unzufriedenheit runter, atmete tief und setzte mit meiner übertrieben freundlichen Stimme erneut an: "Hey, mein Name ist Finja Mühlbach. Einen Monat lang sammle ich hier Erfahrungen und kehre anschließend zurück nach Deutschland, es sei denn ich darf länger bleiben. Und sie sind?" Mein Grinsen gehörte in die Kiste mit der Aufschrift "Heuchelei", ihres zog sie garantiert aus derselben.

"Mira Martens, begonnen in Deutschland, großer Karrieresprung in New York."

"Gratuliere!", äußerte ich gespielt. Wäre mir bewusst gewesen, wen ich vor mir hatte, hätte ich vermutlich anders reagiert.

"Ja nur leider wartet ein neuer Lebensabschnitt auf mich. Solltest du dich bewähren, hast du die Chance auf eine hoch dotierte Stelle und dazu bekommst du mein Büro. Möchtest du es sehen?"

Ich verstand allmählich die Zusammenhänge. "Ach, dies meinte wohl Max heute Morgen. Ich würde dein, ich meine ihr Büro bekommen?!"

Mira nickte. "Richtig, also hast du Interesse? Folge mir. Achja, "du" ist völlig in Ordnung."

Diese Verlockung juckte mich unter den Fingernägeln, allein der Gedanke fünf Minuten meiner niederträchtigen Aufgabe zu entfliehen, imponierte mir, aber dennoch quälte fühlte ich dieses unbehagene Gefühl m Bauch. "Ich weiß nicht! Diese Akten warten auf mich!"

"Finja, du siehst dir kurz mein Büro an und kehrst in wenigen Minuten zurück. Daran ist nichts auszusetzen!"

Sie hatte mich überzeugt. Vorbei an den Kollegen schlich ich hinter Mira nach. Am Gang saugte ich die verhältnismäßig frische Luft und die völlige Ruhe ein. Meine Kollegin wartete bereits in der Türe ihres Büros. "Kommst du?", hetzte sie mich und klopfte mit ihrer Schuhspitze auf den Boden. Ihr Arbeitsplatz erfüllte meinen Traum eines Büros: lichtdurchflutet, hochwertige Möbel, ein richtiger Chefsessel und vollkommene Alleinherrschaft über das Öffnen und Schließen der Fenster. Auf dem Aktenregal blubberte ein Zimmerbrunnen, wodurch mich das Raumklima an die frische Luft, die man bei einem Waldspaziergang einatmete, erinnerte. Es kam meinem Büro in Deutschland ganz nah, nur besaß ich eben nicht so einen tollen Brunnen.

"Ähm, blöde Frage. Sie sind in welcher Position?"

"Ich bin die Leitung im Fachbereich des Mediendesigns..."

"Und wer ist dann, tut mir leid, ich weiß seinen Namen nicht."

"Max ist der Junior Chef, mein . Egal. Er ist der Sohn von Herr Branger. Die Idee weltweit einen Fußabdruck dieser Firma zu hinterlassen, stammt aus seiner Feder."

"Max ist der Sohn.", wiederholte ich leise und gleichzeitig lenkte mich das Geplätscher ihres Brunnens ab und mein Handy vibrierte andauernd in der Tasche meines Rocks. Mein Gehirn drohte heute wegen Überlastung sich selbst zu zerstören.

"Glaube mir, ich würde gerne bleiben. Mein Job ist der beste, den man haben kann. Und den Junior Chef, also Max mag ich richtig gerne!" hochschätzte sie ihre Arbeit. Sollte ich mir um sie Sorgen machen? Lief da etwas zwischen den beiden? Fragen über Fragen durchströmten meine Gehirnzellen. Ja, es könnte wirklich passieren, dass mein Gehirn in Kürze implodierte.

"Und ich würde wirklich deinen Job übernehmen?"

"Schätzchen, den musst du dir verdienen. Max hat hohe Erwartungen. Aber ich glaube du entsprichst diesen!" Dabei prüfte sie mich...

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