Hypnotherapie bei Tinnitus

Ein Praxisleitfaden
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Oktober 2017
  • |
  • 292 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8409-2767-6 (ISBN)
 
Fast ein Prozent der Bevölkerung leidet an lästigen Ohrgeräuschen. Häufig gehen diese mit weiteren Problemen einher, wie z.?B. Ängsten, Stress und Schlafstörungen. In chronischen Fällen ist daher eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Die Hypnotherapie stellt eine Reihe von Techniken zur Verfügung, mit denen eine erfolgreiche Therapie des Tinnitusproblems möglich ist. Sie kann sowohl verhaltenstherapeutische als auch psychodynamische Therapieangebote ergänzen. Das Buch liefert Psychotherapeuten das notwendige Hintergrundwissen und "Handwerkszeug" für eine erfolgreiche hypnotherapeutische Behandlung von Patienten mit einem Tinnitusleiden.
Der einführende Teil des Buches beinhaltet einen kurzen Abriss zur Geschichte der Hypnotherapie, vermittelt basale medizinische Kenntnisse zur Entstehung eines Tinnitusleidens und informiert über die Diagnostik und Therapieplanung bei der Anwendung hypnotherapeutischer Methoden. Ausführlich wird anschließend das hypnotherapeutische Vorgehen beschrieben. Von der Gestaltung des Rapports zum Patienten über hypnotische Strategien des Zugangs zum Problem mithilfe von direkten Suggestionen bis hin zu indirekten und symbolischen Suggestionen wird in die symptom- und problemorientierte Methodik der Hypnotherapie eingeführt. Die einzelnen Module können individuell angepasst werden und ermöglichen sowohl die Bearbeitung monofokaler Themen, wie z.?B. die Aufmerksamkeitslenkung, Entspannung, Stress, als auch die Bearbeitung komplexerer Ursachen des Tinnitusleidens, wie z.B. das Erkennen von Zusammenhängen und Ursachen sowie die Veränderungsarbeit. Die beiliegende CD-ROM stellt umfangreiches Arbeitsmaterial wie Induktionstexte, Informationsmaterialien
zur Psychoedukation sowie eine PowerPoint-Präsentation und Audiodateien mit Ausschnitten aus Therapiesitzungen zur Verfügung, welches die Umsetzung der beschriebenen Methoden in der klinischen Praxis unterstützt.
1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten, Hypnotherapeuten, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, HNO-Ärzte, Klinische Psychologen, Psychologische Berater, Studierende und Lehrende in der psychotherapeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung.
  • 5,31 MB
978-3-8409-2767-6 (9783840927676)
3840927676 (3840927676)
10.1026/02767-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Hypnotherapie bei Tinnitus [Seite 1]
1.1 - Inhaltsverzeichnis [Seite 11]
2 - Einführung [Seite 15]
3 - 1 Historie und Wissenschaftlichkeit der Hypnotherapie [Seite 18]
3.1 - 1.1 Von der traditionellen zur modernen Hypnose [Seite 18]
3.2 - 1.2 Wissenschaft und Hypnose: Theorie, Physiologie und nachgewiesene Wirksamkeit [Seite 20]
3.3 - 1.3 Hypnotherapie bei Tinnitus [Seite 26]
4 - 2 Was Hypnotherapeuten über das Leiden am Tinnitus wissen sollten - notwendiges basales medizinisches Grundwissen [Seite 29]
4.1 - 2.1 Tinnitus: Was ist das? [Seite 29]
4.2 - 2.2 Wie kann es zum Leiden am Tinnitus kommen? [Seite 29]
4.3 - 2.3 Symptomorientierte Diagnostik [Seite 35]
4.4 - 2.4 Therapieansätze [Seite 36]
4.5 - 2.5 Tinnitus in der ICD-10 [Seite 41]
5 - 3Einstieg in die Tinnitusbehandlung - Exploration, Indikation und Kontraindikationen [Seite 43]
5.1 - 3.1 Wie kann es aus hypnotherapeutischer Sicht zum Tinnitusleiden kommen? [Seite 44]
5.2 - 3.2Vorgehen bei der Exploration [Seite 45]
5.3 - 3.3Kontraindikationen [Seite 48]
6 - 4 Behandlungsziele und Therapieplanung bei einem Tinnitusleiden aus hypnotherapeutischer Sicht [Seite 49]
6.1 - 4.1 Kennzeichen des hypnotherapeutischen Vorgehens bei Tinnitus [Seite 49]
6.2 - 4.2 Hypnotherapeutische Behandlungsansätze und -ziele bei einem Tinnitusleiden [Seite 51]
7 - 5 Ablauf, Grundlagen, Voraussetzungen und Methoden der Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden [Seite 56]
7.1 - 5.1 Ablauf einer hypnotherapeutischen Therapiesitzung und Grundprinzipien der therapeutischen Arbeit [Seite 56]
7.2 - 5.2Grundlagen für die Anwendung moderner Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden [Seite 59]
7.3 - 5.3 Voraussetzungen für die Anwendung hypno­therapeutischer Methoden und Besonderheiten der Tranceinduktion bei einem Tinnitusleiden [Seite 63]
7.4 - 5.4Methoden - direkte und/oder indirekte Induktion [Seite 64]
7.5 - 5.5Was ist bei der Induktion einer Trance wichtig? [Seite 67]
7.6 - 5.6Funktion und Prinzipien der Trancesprache [Seite 69]
7.7 - 5.7Mögliche Probleme [Seite 70]
7.8 - 5.8Hinweise zur Arbeit mit den vorgestellten hypnotherapeutischen Methoden [Seite 72]
8 - 6 Symptomorientierte Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden [Seite 75]
8.1 - 6.1Lieblingsplatz?/?Wohlfühlort [Seite 76]
8.2 - 6.2Tinnitus als Bild - Sinneskanäle wechselnund Submodalitäten verändern [Seite 81]
8.3 - 6.3Tinnitus als Skala - Sinneskanäle wechselnund Submodalitäten verändern [Seite 88]
8.4 - 6.4Tinnitus als Bild an einem Ort "maskieren" [Seite 95]
8.5 - 6.5Umlenkung der Aufmerksamkeit [Seite 101]
8.6 - 6.6Ressourcen ankern [Seite 106]
8.7 - 6.7Ressourcen aktivieren - Altersregression [Seite 114]
8.8 - 6.8Ankern und Anker kollabieren [Seite 119]
9 - 7Problem- und konfliktorientierte Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden [Seite 128]
9.1 - 7.1Arbeit mit Metaphern I - Stellvertretertechnik [Seite 130]
9.2 - 7.2Arbeit mit Metaphern II -Tinnitus als Landschaft oder Lebewesen [Seite 138]
9.3 - 7.3Arbeit mit Metaphern III -Tinnitus als ungebetener Hausgast [Seite 147]
9.4 - 7.4Arbeit mit Metaphern IV - Tinnitus als Person, Gegenstand oder Symbol [Seite 154]
9.5 - 7.5Reframing I - Die positive Absicht des Tinnitus [Seite 161]
9.6 - 7.6Reframing II - Die positive Absicht des Tinnitus [Seite 174]
9.7 - 7.7Arbeit mit dem inneren Heiler [Seite 181]
9.8 - 7.8Change History-Technik [Seite 186]
9.9 - 7.9Zeitprogression [Seite 192]
9.10 - 7.10Umgang mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen [Seite 197]
10 - 8Selbsthypnose [Seite 206]
10.1 - 8.1 Selbsthypnose 1 - Fixation, Atemregulierung und Treppe hinabsteigen [Seite 208]
10.2 - 8.2Selbsthypnose 2 - 5, 4, 3, 2, 1-Methode [Seite 210]
10.3 - 8.3Selbsthypnose 3 - Ateminduktion [Seite 211]
10.4 - 8.4Selbsthypnose 4 - Visualisierung [Seite 212]
10.5 - 8.5 Selbsthypnose 5 - Suggestionen zur Veränderung des Ohrgeräuschs ("Durchsichtiger Ball", in Anlehnung an Schildt, 1998) [Seite 214]
11 - 9Narrative Hypnotherapie bei Tinnitusleiden [Seite 217]
12 - Literatur [Seite 230]
13 - Anhang [Seite 235]
13.1 - Glossar [Seite 237]
13.2 - Arbeitsblätter [Seite 241]
3 Einstieg in die Tinnitusbehandlung - Exploration, Indikation und Kontraindikationen (S. 41-42)

Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben.
Hermann Hesse

Die moderne Hypnose im Sinne Milton H. Ericksons (1901 - 1980) arbeitet lösungs- und ressourcenorientiert und geht von der Annahme aus, dass ein Patient bereits alle Ressourcen in sich trägt, die es ihm ermöglichen, sein Problem zu lösen (vgl. hierzu auch die Ausführungen im Arbeitsblatt 6). Diese Ressourcen scheinen ihm allerdings nicht bewusst zugänglich zu sein. Das bewusste Denken als Ergebnis unserer lebensgeschichtlich bedingten Lern- und Sozialisationserfahrungen, so Erickson (1997) und Erickson & Rossi (1993), verhindere oft beispielsweise durch Ängste, Verdrängungen, Blockaden und andere Ereignisse neue Lösungen und Einsichten.

In der Hypnose sollen in einer Trance durch das Medium Sprache mithilfe von Suggestionen und speziellen Sprachmustern (Metamodell der Sprache, Milton- Modell) Such- und Neuordnungsprozesse angeregt werden, die zur Lösung der Problematik und Linderung der Beschwerden beitragen können. Ausgehend von der Annahme, dass der Patient über alle Ressourcen und Fertigkeiten zur Veränderung und Bewältigung von Problemen und/oder Beschwerden verfügt, werden vor allen diese unbewussten Selbstregulierungskräfte des Patienten angesprochen. Hypnose soll nicht "willenlos" machen, sondern erschließt eigene, oft unbewusste Potenziale.

Die Hypnosetherapie nach Erickson orientiert sich an der Einzigartigkeit des Patienten und seinen Lebensumständen. Gefördert werden sollen die Anteile, Ressourcen und Fertigkeiten, die zur Gesundung beitragen. Angenommen wird, dass das Unbewusste "klüger" ist als das bewusste Denken, also eine Art "innere, unbewusste" Intelligenz verkörpert, die über Probleme, Konflikte, Schwierigkeiten und Lösungen des Patienten besser Bescheid weiß als sein Bewusstsein. Dementsprechend werden unbewusste körperliche Regungen und Denkprozesse gefördert und ermuntert, sich zu äußern und zu entfalten ("Was will der Tinnitus/ das Symptom/das Gefühl mir sagen?").

Hypnotherapie ist sowohl integrierbar in Ansätze der kognitiven Verhaltenstherapie als auch in psychodynamische Verfahren.

Tinnitus ist aus hypnotherapeutischer Sicht keine Krankheit, sondern ein Symptom (Schaaf & Hesse, 2011, S. 9; Hallam, 1994, S. 1). Ohrgeräusche können sowohl als Begleiterscheinungen verschiedener Formen von Schwerhörigkeit oder anderen organischer Schädigungen als auch als Folge akuter oder chronischer psychosozialer Belastungen und inadäquater Bewältigungsstrategien auftreten.

Aus hypnotherapeutischer Sicht kann das Leiden unter einem Tinnitus als Trancezustand verstanden werden, der sich auf dem Hintergrund unwillentlicher, selbstständiger Tranceinduktionen des Patienten beschreiben lässt. Hypnotherapeutisch ist die Enthypnotisierung und Überführung der Symptom- oder Problemtrance in eine Lösungstrance durch den Kontakt und die Nutzung der Ressourcen und Fähigkeiten des Patienten ein Ziel.

Die hohe Sensibilität und Aufmerksamkeit, die der Tinnitusbetroffene für sich und seine innere Beobachtung zeigt, wird dabei nicht als Defizit verstanden, sondern als wertzuschätzende Komponente, die sich in der therapeutischen Arbeit mit Hypnose gesundheitsförderlich nutzen lässt (Utilisation).

3.1 Wie kann es aus hypnotherapeutischer Sicht zum Tinnitusleiden kommen?

Die Wahrnehmung eines störenden Tinnitus mit seinen umfangreichen Auswirkungen auf die Lebensqualität des Patienten ist zuerst einmal als ein Ergebnis unbewusster, unwillkürlicher Prozesse auf den Ebenen des auditiven und des limbischen Systems mit seinen Verbindungen zum autonomen Nervensystem zu interpretieren. Belastende Symptome und Beschwerden sieht Erickson als unbewusste, "unangemessene", inadäquate, häufig selbstschädigende Lösungsversuche, weil der Patient aktuell bewusst über keine angemessene Bewältigungsstrategie verfügt und meint (meistens unbewusst), nur auf diese eine Weise sein Problem lösen zu können ("Symptom als Problemlösungsversuch", Erickson, 1997; Erickson & Rossi, 1993).

Die Mehrzahl der Patienten, die unter einem Tinnitus leiden, entwickelt beim Umgang mit dem Tinnitus einen Teufelskreis (vgl. Kap. 2, Abb. 2, S. 29). Die Bewertung des Tinnitus als bedrohlich und schädigend führt zu einer verstärkten, angstbesetzten und meist durchgehenden Aufmerksamkeitsfokussierung auf das Ohrgeräusch. Der unter Tinnitus Leidende lebt in einer dauerhaften Alarmsituation mit hohem Stresspegel und erheblicher emotionaler Belastung. Durch die starken Emotionen wird der Tinnitus vom Gehirn als ein relevanter Reiz interpretiert, der "unter Beobachtung" bleiben muss. Aus hypnotherapeutischer Sicht wirkt diese (übermäßig) starke Fokussierung auf das Ohrgeräusch sowohl stabilisierend als auch chronifizierend für das Leiden unter einem Tinnitus.

Tinnituspatienten erleben häufig das Phänomen, dass sie trotz hinreichender Aufklärung und Information die Verhaltensverschreibung, die Aufmerksamkeit vom Tinnitus weg auf andere Dinge zu lenken, nicht befolgen können. Das Symptom "Tinnitus" hat sich auf einer unbewussten Ebene etabliert, ein Bekämpfen führt eher zur Symptomverstärkung.

Dateiformat: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie zum Lesen die kostenlose Software Adobe Reader, Adobe Digital Editions oder einen anderen PDF-Viewer Ihrer Wahl (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die kostenlose App Adobe Digital Editions oder eine andere Lese-App für E-Books (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nur bedingt: Kindle)

Das Dateiformat PDF zeigt auf jeder Hardware eine Buchseite stets identisch an. Daher ist eine PDF auch für ein komplexes Layout geeignet, wie es bei Lehr- und Fachbüchern verwendet wird (Bilder, Tabellen, Spalten, Fußnoten). Bei kleinen Displays von E-Readern oder Smartphones sind PDF leider eher nervig, weil zu viel Scrollen notwendig ist. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

35,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
PDF mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok