Individuelle und kollektive Zurechnung im Strafrecht

 
 
Mohr Siebeck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im Februar 2016
  • |
  • XXI, 416 Seiten
 
E-Book | PDF mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-16-154573-3 (ISBN)
 
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Verhältnis von individueller und kollektiver Zurechnung im Strafrecht. Auf der Basis eines a priori individuell verstandenen Zurechnungsmodells wirkt die Verknüpfung mit kollektiven Sinnanteilen auf den ersten Blick widersprüchlich. Über eine Zusammenschau von strafrechtshistorischen Entwicklungen, strafrechtstheoretischen und protostrafrechtlichen Grundlagen sowie über eine Einbeziehung verschiedener Kriminalitätsebenen (Mikro-, Makro- und Mesokriminalität) überprüft Katharina Krämer das Individualstrafrecht hinsichtlich der Integrationsfähigkeit kollektiver Strukturen. Ein ganzheitliches Zurechnungsmodell, verstanden als ein Netzwerk aus mehreren Grundgedanken im Sinne einer Verantwortungsmatrix, die sowohl eine individuelle als auch kollektive Zurechnung ermöglicht, ist danach unumgänglich. Katharina Krämer erhielt für die vorliegende Dissertation den Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte, der ihr am 4. Juli 2017 von Bundesjustizminister Heiko Maas überreicht wurde.
 
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Verhältnis von individueller und kollektiver Zurechnung im Strafrecht. Auf der Basis eines a priori individuell verstandenen Zurechnungsmodells wirkt die Verknüpfung mit kollektiven Sinnanteilen auf den ersten Blick widersprüchlich. Über eine Zusammenschau von strafrechtshistorischen Entwicklungen, strafrechtstheoretischen und protostrafrechtlichen Grundlagen sowie über eine Einbeziehung verschiedener Kriminalitätsebenen (Mikro-, Makro- und Mesokriminalität) überprüft Katharina Krämer das Individualstrafrecht hinsichtlich der Integrationsfähigkeit kollektiver Strukturen. Ein ganzheitliches Zurechnungsmodell, verstanden als ein Netzwerk aus mehreren Grundgedanken im Sinne einer Verantwortungsmatrix, die sowohl eine individuelle als auch kollektive Zurechnung ermöglicht, ist danach unumgänglich.Katharina Krämer erhielt für die vorliegende Dissertation den Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte, der ihr am 4. Juli 2017 von Bundesjustizminister Heiko Maas überreicht wurde.
  • Dissertationsschrift
  • Deutsch
  • Tübingen
  • |
  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • 5,50 MB
978-3-16-154573-3 (9783161545733)
10.1628/978-3-16-154573-3
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  • Cover
  • Vorwort
  • Inhaltsübersicht
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Problemaufriss und Zielsetzung
  • Erster Teil: Propädeutikum zur strafrechtlichen Zurechnungslehre
  • A. Zurechnungs- und Haftungsmodalitäten im Spiegel der Strafrechtsgeschichte
  • I. Private Unrechtsfolgen der Missetat bei den Germanen
  • 1. Sippe, Rache und Sühneleistung
  • 2. Erfolgshaftung
  • 3. Die Sippe als Haftungssubjekt
  • 4. Haftung für fremde Missetaten
  • II. Entwicklung eines öffentlichen Strafrechts
  • 1. Ausprägungen eines öffentlichen Strafanspruches
  • 2. Ausgangspunkte der Individualisierung und Subjektivierung
  • III. Weiterentwicklung des Strafrechts durch die Wissenschaft
  • 1. Ausbildung eines gemeinen deutschen Strafrechts
  • 2. Säkularisierung, Rationalisierung und Humanisierung - Herausbildung der individualistischen Strafrechtsauffassung
  • 3. Rechtspositivismus und Strafrechtsdogmatik
  • 4. Ausdifferenzierung von Schuldbegriffen
  • IV. Strafrechtliche Haftung in Herrschaftssystemen des 19. und 20. Jahrhunderts
  • 1. Strafrechtliche Maßnahmen in deutschen Kolonien und Schutzgebieten
  • 2. Sanktionspraxis während der nationalsozialistischen Zeit
  • 3. Strafrechtliche Bestimmungen in der Deutschen Demokratischen Republik
  • V. Zusammenfassung der historischen Entwicklung - von kollektiver zu individueller Zurechnung?
  • B. Protostrafrechtliche und strafrechtstheoretische Grundlagen
  • I. Semantisch-funktionelle Betrachtung von Zurechnung, Verantwortung und Schuld
  • 1. Der Begriff der Zurechnung
  • a. Zurechnung in Abgrenzung zur Zuordnung und Zuschreibung
  • b. Zurechnung als externer Wertungsprozess
  • 2. Der Begriff der Verantwortung
  • a. Verantwortung im Kontext der Relationen
  • b. Prospektive und retrospektive Verantwortung
  • c. Zurechnung von Verantwortung
  • 3. Der Begriff der Schuld
  • a. Schuld als Verpflichtung
  • b. Schuld als Ursache eines Ereignisses
  • c. Schuld als Verfehlung und als Folge der Verfehlung
  • 4. Erkenntnisse aus der semantisch-funktionellen Betrachtung
  • II. Begründung der Zurechnungs- und Verantwortungserfordernisse über die Aufgabe des Strafrechts
  • III. Individualstrafrecht und kollektive Verantwortlichkeit - ein Widerspruch in sich?
  • 1. Individuum und individuelle strafrechtliche Verantwortung
  • 2. Strafrechtlicher Verantwortungsbegriff
  • 3. Kollektive Akteure und kollektive Verantwortung
  • a. Kollektive Akteure in der modernen Gesellschaft
  • b. Kooperative Verantwortung in Kollektiven
  • c. Korporative Verantwortung der Kollektive
  • d. Kollektive strafrechtliche Verantwortlichkeit de lege lata
  • 4. Dilemma der Unvereinbarkeit von kollektiver strafrechtlicher Verantwortung im Individualstrafrecht?
  • Zweiter Teil: Individuelle Zurechnung und deren Modifikationen in kollektiven Kontexten - eine Mehrebenenbetrachtung über Mikro-, Makro- und Mesokriminalität
  • A. Mehrpersonenkonstellationen im mikrokriminellen Kontext
  • I. Einführung
  • 1. Beteiligung mehrerer an einer strafbaren Handlung
  • 2. Kooperative Verantwortung im mikrokriminellen Kontext
  • II. Mehrpersonenverhältnisse bei der Verwirklichung von Einzeltäterdelikten
  • 1. Zurechnungsstruktur der akzessorischen Teilnahme am Individualdelikt
  • 2. Vertikal-einseitige Zurechnungsstruktur der mittelbaren Täterschaft
  • 3. Horizontal-wechselseitige Zurechnungsstruktur der Mittäterschaft
  • III. Unrechtssteigerung durch kollektive Tatverwirklichung
  • 1. Gemeinschaftliche Tatbegehung
  • 2. Bandenmäßige Tatbegehung
  • IV. Unrechtsbegründung durch die Bildung von oder die Partizipation an Kollektiven
  • 1. Bildung bewaffneter Gruppen nach § 127 StGB
  • 2. Bildung von kriminellen und terroristischen Vereinigungen gemäß §§ 129, 129 a StGB
  • 3. Beteiligung an widerrechtlichen Handlungen von Menschenmengen gemäß §§ 124, 125 StGB
  • 4. Beteiligung an einer Schlägerei, an einem Angriff mehrerer gemäß § 231 StGB
  • V. Zusammenfassung zu den individuellen Zurechnungsstrukturen in kollektiven mikrokriminellen Konstellationen
  • 1. Kollektive Anteile in der individuellen Zurechnung
  • 2. Modifikationen der individuellen Zurechnungsregeln
  • B. Zurechnung im makrokriminellen Kontext
  • I. Makrokrimineller Kontext
  • II. Vorüberlegungen zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit von Organisationsangehörigen nach nationalem Recht
  • III. Grenzen und Modifikationen individueller Verantwortlichkeit von führenden Organisationsangehörigen
  • 1. Individuelle Zurechnung bei sogenannten "Schreibtischtätern und -beteiligten"
  • a. Rechtsprechungsanalyse anhand von Verfahren zu NS-Verbrechen
  • b. Kriterien der Rechtspraxis in den Verfahren zu NS-Verbrechen
  • 2. Modifikationen individueller Zurechnung bei sogenannten "Schreibtischtätern und -beteiligten"
  • a. Vertikale Zurechnung in Form der mittelbaren Täterschaft kraft Organisationsherrschaft
  • b. Vertikale Zurechnung in Form der Mittäterschaft
  • c. Strafrechtliche Bewältigung von NS-Verbrechen nach Fritz Bauer
  • 3. Zusammenfassung zur individuellen Verantwortlichkeit von sogenannten "Schreibtischtätern und -beteiligten"
  • IV. Grenzen und Modifikationen individueller Verantwortlichkeit von ausführenden Organisationsangehörigen
  • 1. Individuelle Zurechnung bei sogenannten "tatnahen Tätern und Beteiligten"
  • a. Rechtsprechungsanalyse anhand von Verfahren zu NS-Verbrechen
  • b. Kriterien der Rechtspraxis in den Verfahren zu NS-Verbrechen
  • 2. Aktuelle Rechtspraxis im Umgang mit ehemaligen ausführenden Organisationsangehörigen
  • a. LG München II im Verfahren gegen John Demjanjuk - ehemaligem Helfer im Vernichtungslager Sobibór
  • b. LG Ellwangen zum Verfahren von Hans Lipschis - ehemaligem SS-Angehörigen im Vernichtungslager Auschwitz
  • c. Kritische Stellungnahme zur aktuellen Rechtspraxis
  • 3. Ergebnis der vergleichenden Analyse zur Bewältigung von NS-Verbrechen
  • V. Modifikationen individueller Zurechnung durch völkerstrafrechtliche Regelungen
  • 1. Grundsätzliches zum Völkerstrafrecht
  • 2. Formen individueller strafrechtlicher Verantwortlichkeit nach dem IStGH-Statut
  • a. Mittelbare Täterschaft ("through another person")
  • b. Mittäterschaft, insbesondere die Erweiterung über die Konzeption "Joint Criminal Enterprise" ("jointly with another")
  • c. Kombinierte Formen der gemeinschaftlichen Begehung - Mittelbare Mittäterschaft und mittelbare Täterschaft in Mittäterschaft - als Fortentwicklung einer isolierten Betrachtung
  • d. Weitere Beteiligungsformen
  • 3. Ausweitung der herkömmlichen individuellen Zurechnungsfiguren über die Vorgesetztenverantwortlichkeit
  • a. Explizite Verantwortlichkeit militärischer Befehlshaber und anderer Vorgesetzter gemäß Art. 28 IStGH-Statut
  • b. Explizite Verantwortlichkeit militärischer Befehlshaber und anderer Vorgesetzter gemäß §§ 4, 13, 14 VStGB
  • 4. Stellungnahme zu den Modifikationen der individuellen Zurechnungsregeln im Völkerstrafrecht
  • VI. Integration kollektiver Anteile in eine erweiterte individuelle Zurechnungslehre
  • 1. Korporative Verantwortlichkeit von Staaten
  • 2. Kollektive Verantwortlichkeit aller Beteiligten aufgrund einer Organisationszugehörigkeit
  • 3. Kontextuale individuelle Verantwortung in Bezug auf den kollektiven Gesamtzusammenhang
  • VII. Ergebnis der Zurechnungsanalyse im makrokriminellen Kontext
  • C. Zurechnung im mesokriminellen Kontext
  • I. Wirtschaftliche Organisationen als potentielle mesokriminelle Bezugsrahmen
  • 1. Strukturen und Zielsetzungen wirtschaftlicher Organisationen
  • 2. Mesokrimineller Kontext
  • II. Grenzen individueller Zurechnung im Rahmen wirtschaftlicher Organisationen
  • III. Modifikationen tradierter individueller Zurechnungsregeln
  • 1. Verantwortlichkeit leitender Organisationsangehöriger unter Erweiterung der Rechtsfiguren der mittelbaren Täterschaft und Mittäterschaft
  • a. Vertikale Zurechnung in Form der mittelbaren Täterschaft kraft Organisationsherrschaft
  • b. Vertikale Zurechnung in Form der Mittäterschaft
  • c. Horizontale Zurechnung in Form der Mittäterschaft im Rahmen von Gremienentscheidungen
  • d. Kritische Würdigung
  • 2. Ausdehnung der Garantenhaftung im Rahmen wirtschaftlicher Organisationen
  • a. Verantwortung aufgrund einer besonderen Pflichtenstellung zum Schutz von Rechtsgütern Dritter
  • b. Verantwortung aufgrund der Überwachung einer Gefahrenquelle, die sogenannte Produktverantwortung
  • c. Verantwortung für nachgeordnete Mitarbeiter, die sogenannte Geschäftsherrenhaftung
  • d. Verantwortung aufgrund der Übernahme eines Pflichtenkreises unterhalb der Führungsebene von sogenannten Compliance Officers
  • e. Kritische Würdigung
  • 3. Verantwortung Einzelner für die Organisation infolge der Pflichtenstellung gemäß § 14 StGB
  • 4. Stellungnahme zu den Modifikationen der tradierten individuellen Zurechnungsregeln
  • IV. Integration kollektiver Anteile in eine erweiterte individuelle Zurechnungslehre
  • 1. Korporative Verantwortlichkeit wirtschaftlicher Organisationen
  • 2. Korporative Verantwortlichkeit von wirtschaftlichen Organisationen nach dem Entwurf des Verbandsstrafgesetzbuches (VerbStrG-E)
  • 3. Kontextuale individuelle Verantwortung in Bezug auf den kollektiven Gesamtzusammenhang
  • V. Zurechnungsmatrix im mesokriminellen Kontext als Ergebnis der Analyse
  • Dritter Teil: Ganzheitliches Zurechnungskonzept im Spannungsfeld individueller und kollektiver Zurechnungs- und Verantwortungsstrukturen
  • A. Kollektive Elemente in der individuellen Zurechnungslehre
  • I. Individualismen und Kollektivismen in der mikrokriminellen individuellen Zurechnungslehre
  • II. Kontextuale Erweiterung der mikrokriminellen Zurechnungslehre in meso- und makrokriminellen Verbrechensbereichen
  • B. Ganzheitliches Zurechnungs- und Verantwortungsmodell - eine Mehrebenenerfassung von Mikro-, Makro- und Mesokriminalität
  • C. Netzwerk aus mehreren Grundgedanken - Verantwortungsmatrix
  • Literaturverzeichnis
  • Register
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