Überleben im Darsteller-Dschungel

Wegweiser für freischaffende SchauspielerInnen
 
 
Schüren Verlag GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Februar 2020
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7410-0104-8 (ISBN)
 
Jahr für Jahr strömen sie aus den Schauspielschulen, die angehenden Stars und KünstlerInnen, und in der Regel wissen sie nicht genau, wo es hingehen soll. Theater? Film? Fernsehen? Synchron? Alles zusammen, oder nichts davon? Gibt es abseits von Drehen und Stadttheater noch andere lukrative Arbeitsfelder für mich? Wie bin ich versichert? Habe ich steuerliche Vorteile? Gibt es in Gastverträgen an freien Theatern so etwas wie Gehaltstarife? Was steht mir als Gage bei einem Fernseh-Dreh zu? Wie gehe ich meine Film-Karriere an? Wie sieht ein gutes Demoband, ein gutes Schauspieler-Porträt aus? Wie bewerbe ich mich um Fördergelder für mein eigenes Projekt, und gibt es Tricks, wie ich sie am besten erhalte? Wie mache ich generell auf mich aufmerksam? Und schlichtweg: Wie überlebe ich?
Dieses Buch bietet durch Gespräche mit nahezu 50 ExpertInnen einen Wegweiser für alle SchauspielerInnen, die sich auf "den freien Markt" werfen. Es beleuchtet die Palette diverser Arbeits- und Problemfelder, die die Schauspielertätigkeit von heute ausmacht. Es zeigt, wohin dieser wunderschöne, aber brutale Beruf in den kommenden Jahren geht und gehen kann, und ist ein Angebot für Menschen, denen Spielen das Leben bedeutet, sich mit diesen vielen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.
"Kopetzki gefällt mir: Er denkt, fragt und schreibt mit offenem Visier - frisch und fast forward!" Jan Josef Liefers
  • Deutsch
  • Marburg
  • |
  • Deutschland
  • 0,65 MB
978-3-7410-0104-8 (9783741001048)
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Mahias Kopetzki wurde 1973 in Osnabrück geboren. Schauspielstudium am Salzburger Mozarteum. Mathias Kopetzki kennt viele Facetten des Berufs, er hatte Engagements an verschiedenen Theatern, spielt in deutschen Fernsehserien (Alarm für Cobra 11, Soko Köln) und internationalen Filmen. Daneben arbeitet er als Synchronsprecher und Schauspieldozent und veranstaltet Lesungen.
Er ist Autor einiger autobiographischer Romane u.a. Teheran im Bauch (2011) und Bombenstimmung (2017).

Der ZAV-Verantwortliche


JÖRG BRÜCKNER


«Es gibt viele interessante Arbeitsfelder außerhalb der klassischen»


Die ZAV wird durch kunsterfahrene MitarbeiterInnen betreut. Einer von ihnen ist Jörg Brückner. Eigentlich ist Brückner Kunsthistoriker und Kulturmanager, hat in dieser Funktion für unterschiedliche Institutionen gearbeitet (zum Beispiel für die Babelsberger Studios oder einem Varieté-Zirkus, für den er als Tour-Manager in den 1990er-Jahren quer durch die ganze Welt reiste. Doch irgendwann wurde die Sehnsucht nach Sicherheit und Beständigkeit größer, sodass er sich bei der ZAV bewarb.

2007 wurde die Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit neu aufgestellt. Die ehemalige ZBF (Film- und Fernsehvermittlung) und der sogenannte KD (Künstlerdienst) wurden als vormals zwei eigenständige Bereiche zusammengelegt. Es wurden neue Leitungsfunktionen frei, von denen Brückner seitdem eine bekleidet. Er fungiert als Teamleiter im Bereich Musiktheater/Schauspiel/Bühne/Film/Fernsehen.

JÖRG BRÜCKNER über Karriere-Begleitung, proaktive Mitarbeit und warum es für Schauspieler leichter geworden ist, aufzufallen

Herr Brückner, was kann ich als Schauspieler von der ZAV erwarten?

Wir machen Karriere-Coaching, Karriere-Begleitung. Wir haben Kontakte zu allen wichtigen Arbeitgebern im Bereich Schauspiel. Das sind über Film- und Fernsehproduktionen hinaus, die Theater und die freien Gruppen. Ständig kommen aber mehr potenzielle Arbeitgeber dazu, selbst welche, an die möglicherweise vor einigen Jahren noch gar nicht gedacht wurde. Deswegen sagen wir unseren Kunden: «Wenn es nicht sofort in einer tollen Serie klappt, dann schaut doch mal, was es eventuell an Schulungsfilmen oder Werbevideos gibt, die wir auch vermitteln!» Die Künstler können heute viel selbstbestimmter arbeiten, als noch vor 10 Jahren, wo es die Möglichkeiten, die beispielsweise Social Media bietet, noch nicht gab. Wie man sich bestmöglich im Netz präsentiert, erfahren die Schauspieler in unserer «Social-Media-Beratung». Die Fragen, die wir da gemeinsam stellen, und möglichst beantworten, lauten: Wie stelle ich mich auf? Welche Kanäle nutze ich? Wie streue ich mich, dass ich möglicherweise den richtigen Arbeitgebern damit auffalle? Wir haben zum Beispiel das Format Selfmade Short Stories, kurz SMS, etabliert: Das sind kleine, zwei- bis dreiminütige Szenen, mit dem Handy aufgenommen, die ins Netz gestellt werden können. SMS sind nichts anderes als Bewerbungsfilmchen. Wenn das «Shorty» gut gemacht ist, erreicht man unter Umständen viel mehr Auftraggeber als über eine Hochglanz-Fotostrecke. Es ist für Schauspieler einfacher geworden, aufzufallen!

Was relativ neu ist, weil es das erst seit zwei Jahren gibt: Wenn eine Künstlerbiografie sich dem Ende zuneigt, aus verschiedenen Gründen (sei es das Alter, seien es andere Gründe, die mich zwingen, über Plan B nachzudenken), gibt es jetzt ein «Transition Team». Dieses kann den oft sehr schmerzhaften Prozess des Loslassens begleiten, bis zur Überführung in die Bundesagentur für Arbeit, die dann entsprechende Angebote vorbereitet. Diese Angebote enthalten Arbeitgeberkontakte, die sich auf die Gruppe der Künstler fokussiert haben, da diese Skills mitbringen, mit denen viele Arbeitgeber zunehmend gerne arbeiten.

Das sind die Punkte, für die die ZAV Künstlervermittlung steht, und dies eben für alle darstellenden Genres. Wir sind nicht wirtschaftlich orientiert, sondern können neutral unterwegs sein. Uns geht es ausschließlich um die Vermittlung in Engagements und Projekte. Wir sind eine sogenannte «besondere Dienststelle» der Bundesagentur, das heißt, wir unterscheiden uns insoweit von anderen Bundesagenturen für Arbeit, dass wir mit Transferleistungen sehr wenig, bis gar nichts zu tun haben. Wir unterstützen ausschließlich fachlich.

Die ZAV ist also nicht verantwortlich für Geldleistungen?

Nur insoweit, dass wir ein kleines Vermittlungsbudget besitzen. Wir können, und das ist immer eine Einzelfallentscheidung, Fotokosten fördern und Reisekosten ebenfalls. Wer diese in Anspruch nehmen möchte, fordert einen entsprechenden Antrag, aber bitte vor einer Vorsprechreise oder Fotosession bei uns an - das gilt für die Agentur für Arbeit genauso. Diese Leistungen stehen immer im Zusammenhang mit der konkreten Anbahnung eines Engagements. Ansonsten haben wir mit Leistungsbezug nichts zu tun. Das hängt auch damit zusammen, dass die Kollegen, die hier arbeiten, nicht verwaltungssozialisiert sind. Sie kommen nicht aus der Bundesagentur, sondern aus dem Bereich, in dem sie jetzt auch vermitteln. Das sind ehemalige Dramaturgen, Schauspieldirektoren oder Manager aus allen Bereichen der darstellenden Künste. Die wissen, worum es geht, haben den sogenannten «Stallgeruch». Das ist auch entscheidend, da wir - auch das ist besonders an der ZAV - der einzige Bereich in der Bundesagentur für Arbeit sind, die beide Kundengruppen betreuen: die Arbeitnehmer und eben auch die Arbeitgeber. In der Agenturwelt ist das ansonsten getrennt. Davon kann man halten, was man will: In unserem speziellen Fokus ist unsere Variante, beide Gruppen zu betreuen, die beste Wahl.

Wer darf alles in die ZAV?

Für unseren Kontext brauchen wir konsistente Aufnahmekriterien im Zielberuf Schauspiel, und das ist zum Beispiel und vor allen Dingen die abgeschlossene Schauspielschulausbildung, egal ob privat oder Hochschule. Wir gehen in die privaten Schulen, genauso wie in die staatlichen, und die Studierenden, dann Absolvierenden, werden von uns, zunächst einmal für zwei Jahre, aufgenommen. Alle Absolventen haben einen Rechtsanspruch, in die Vermittlungsleistung der ZAV einbezogen zu werden. Der kann allerdings auf ein paar Jahre befristet sein, wenn wir merken, dass jemand nicht vermittelbar ist. Oder die Zusammenarbeit kann aus anderen Gründen beendet werden.

Nehmen Sie auch Leute auf, die nicht auf der Schauspielschule waren?

Natürlich gibt es immer Ausnahmetalente, aber die finden ihren Weg auch ohne uns. Wir haben im Einzelfall auch schon Schauspieler aufgenommen, die ohne Schauspielausbildung jahrelang in Serien oder am Theater tätig gewesen sind und dort sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Letzter Punkt ist uns wichtig, weil wir aus Beitragskosten finanziert werden und vornehmlich in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermitteln.

Vornehmlich? Also nicht ausschließlich?

Wir vermitteln in alle Beschäftigungen, die den Künstlern ein Einkommen sichern, mit denen sie ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Im Großen und Ganzen werden wir natürlich durch unsere Finanzierung an den sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten gemessen, die wir vermitteln, weil wir eben aus Arbeitslosenversicherungsbeiträgen finanziert werden.

Gibt es Angebote, die Sie nicht vermitteln?

Wir vermitteln natürlich nicht alles, was uns zur Vermittlung angeboten wird: Wir achten darauf, dass es nicht sittenwidrig ist und schauen in anderen Fällen danach, ob es eine tarifliche Bindung gibt. Wir versuchen, auf widrige Arbeitsverhältnisse ein Auge zu haben und diese gegebenenfalls auch in den unterschiedlichen Arbeitgeberverbänden anzusprechen, in denen wir aktiv sind - zum Beispiel in der Produzentenallianz oder im Deutschen Kulturrat.

Wie kann sich ein junger Schauspieler bestenfalls für diesen schwierigen Beruf wappnen?

Gerade am Anfang sind die Absolventen noch so gefragt, dass sie sich eventuell sogar aussuchen können, ob sie eine Bühnenkarriere anstreben oder eine bei Film und Fernsehen. Trotzdem sollte man auch schon früh immer im Auge behalten: Wie sieht der Fächer meines Berufes aus? Was kann ich eventuell sonst noch machen? Es gibt in der Karriere immer mal wieder Phasen, in denen man nicht so gut gebucht ist oder dass sich Familie und Beruf nicht miteinander vereinbaren lassen. Und da sollte man sich überlegen, was man denn sonst an beruflichen Möglichkeiten hat.

Natürlich schaut man als Schauspieler vor allen Dingen in Richtung der klassischen Arbeitsmöglichkeiten, Bühne und Film, derentwegen ist man schließlich Schauspieler geworden. Man sollte aber auch immer reflektieren und sich fragen: «Was sind meine Skills, die eventuell auch in anderen Bereichen tragen können?» Und, ohne diese Brücken überqueren zu müssen, hilft es, diese Brücken überhaupt erst einmal zu kennen!

Also bereits am Anfang der Laufbahn über Plan B nachdenken?

Das hören die Absolventen natürlich nicht so gerne. Aber es ist trotzdem Teil der Lebenswirklichkeit. Wir wissen einfach um die Zahl derjenigen Schauspieler, die nicht gut von diesem Beruf leben können. Nur ein einstelliger Prozentsatz kann ordentlich davon existieren. Die Masse aber knappst herum, hat immer wieder richtige Durchhänger...

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