Die sieben Leben des Felix Kannmacher

Roman
 
Jan Koneffke (Autor)
 
DuMont Buchverlag
1. Auflage | erschienen am 18. August 2011 | 510 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8321-8570-1 (ISBN)
 
In einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, wen er vor sich hat, ist sich der Held dieses Romans nicht sicher, wer er selbst ist: Felix Kannmacher oder Johann Gottwald.
Im Herbst 1934 wird Felix Kannmacher vom Pianisten Victor Marcu aus dem Deutschen Reich geschmuggelt und erhält in Bukarest eine neue Identität. Als Johann Gottwald wird er die >Kinderfrau< von Marcus Tochter Virginia, bei der er sich schnell als großer Geschichtenerzähler beliebt macht. Als die Freundschaft zwischen beiden enger wird, entlässt ihn der eifersüchtige Vater, und plötzlich ist Kannmacher ganz allein in einem fremden Land. Und so schlägt er sich unter falschem Namen durch: als Kellner im größten Kasino von Bukarest, er arbeitet als Sekretär für die Nazis und versteckt sich in einem Kloster im Karpatenland. Doch in jeder Identität, die sein Schicksal ihm gerade aufbürdet, immer bleibt die Verbindung zwischen ihm und Virginia bestehen, die bald zu einer berühmten Schauspielerin heranwächst.
>Die sieben Leben des Felix Kannmacher< ist ein historisches Schelmenstück, ein Hohelied auf die Liebe und ein berührendes Künstlerepos zugleich.
Deutsch
1,84 MB
978-3-8321-8570-1 (9783832185701)
3832185704 (3832185704)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jan Koneffke wurde 1960 in Darmstadt geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik in Berlin und verbrachte nach einem Villa-Massimo-Stipendium sieben Jahre in Rom. Heute lebt er als Schriftsteller, Publizist und Übersetzer in Wien und Bukarest. Er erhielt unter anderem den Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik, den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis und den Offenbacher Literaturpreis. Bei DuMont erschienen der Gedichtband >Was rauchte ich Schwaden zum Mond< (2001) und die >Abschiedsnovelle< (2006) sowie die Romane >Paul Schatz im Uhrenkasten" (2000), >Eine Liebe am Tiber< (2004), und >Eine nie vergessene Geschichte< (2008). Ebenfalls 2008 erschien sein Jugendroman >Die Sache mit Zwille<. 2011 erschien der Roman >Die sieben Leben des Felix Kannmacher<.

Weitere Veröffentlichungen:

Vor der Premiere. Erzählung (1988)
Gelbes Dienstrad. Gedichte (1989)
Bergers Fall. Roman (1991)
Gulliver in Bulgarien. Prosaminiaturen (1999)
Nick mit den stechenden Augen. Gruselgeschichte für Kinder (2004)
Die Schlittenfahrt (Mit Bildern von Jacky Gleich, 2005)
Der dritte Tod (S. 251-252)

Heute kommt es mir vor, als sei meine Erinnerung eine erfundene Geschichte. Oder der Traum eines anderen. Ein beklemmender Traum, in dem man nicht vom Fleck kommt, um der Gefahr auszuweichen, die einen zermalmen wird. Es verging eine Reihe von Tagen, bis ich zur Besinnung kam und mir wieder vor Augen stand, was ich erlebt hatte, in weißen, das Dunkel aufsprengenden Blitzen:

Meine Flucht aus der Wohnung auf die Straße, auf der ich besinnungslos zitternd im Regen stand (und nicht im geringsten bemerkte, zu frieren und nackt zu sein), von Menschen umringt, die den Schutthaufen anstarrten, der mein Zuhause gewesen war, nichts als eine Halde aus Steinen und felsgroßen Brocken, verbogenen Gittern und Gips (bis aufs Dachgeschoß, das auf dem Haus, als es in sich zusammenfiel, seitlich zur Straße gerutscht war), und die mir eine Decke umlegten; sie machten den zwei Kompanien Soldaten Platz (deutschen Soldaten in Hakenkreuzuniformen), die als erste vorm formlosen Buckel auftauchten, halb verborgen von dunstiger Nachtluft und Staub, Steine wegrollten, mit Spaten im Schutt gruben und einen Kadaver im Rinnstein ablegten; ich hatte den hageren Landser vor Augen, der auf seinen Armen Jenis Leichnam ins Freie trug, den er mit dem zerfetzten Brokatkleid bedeckt hatte (und das Gesicht mit dem flachen, breitkrempigen Filzhut) und auf einen Holzkarren hievte; er nahm seinen Helm ab, den er mit dem Ellbogen gegen die Taille preßte (als wolle er sich vor der Toten veneigen), und zu seinem Nebenmann sagte er:

»Schauerlich, es war ein Eisenstab, mitten ins Herz. Bohrte sich aus dem Fußboden in die Matratze. Diese Frau steckte regelrecht an einem Spieß«; ich erinnerte mich an zwei dampfende, unwillig scharrende Pferde vorm Holzkarren, auf dem sich die Leichen zu stapeln begannen (sie witterten den sich in Regen und Staubluft verbreitenden Todesgeruch); an Gendarmen, die die Menge ermahnten, mehr Abstand zu halten (»es herrscht Explosionsgefahr, Leute!«);

man schob mich zum Karren und legte zerschmetterte, klumpige, blutig verschmierte Gesichter frei, um zu erfahren, wer mir von den Toten bekannt sei, und als man den Filzhut von Jenis Gesicht nahm, das unversehrt war und entsetzlich verloren wirkte, kippte ich auf den Stapel mit Leichen; schleunigst zog man mich hoch und vermerkte den Namen auf einem Etikett, das man an Jenis Zehen befestigte, und ich taumelte wieder zum Bordstein;

ich erinnerte mich an den Mann mit Melone und milchweißen Handschuhen, der in die Hocke ging und mir seinen Arm um die Schulter schlang, und den ich zu Anfang nicht wiedererkannte; er eilte zu einem der Gendarmen, mit dem er verhandelte, wieder und wieder auf mich zeigend, und als meine Decke zu Boden glitt und ich erneut splitternackt auf dem Bordsteinrand kauerte, durfte Haralamb Vona ins Dachgeschoß klettern, mit der Lampe, die er vom Gendarmen entliehen hatte (ein gelblicher Kegel flog in meinem Zimmer von Mauer zu Mauer, wie eine irrlichternde Seele), das er mit zwei Koffern verließ.

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