Spiele für den Herz- und Alterssport

 
 
Meyer & Meyer Fachverlag
  • 6. Auflage
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  • erschienen am 28. April 2011
  • |
  • 264 Seiten
 
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978-3-8403-2764-3 (ISBN)
 
Der Behindertensport macht Menschen mit Behinderung Mut. Ihn gibt es in knapp 1.056 Vereinen zwischen Rhein und Weser, zusammengeschlossen zum Behinderten-Sportverband NW (BSNW). 125.000 Mitglieder treiben gemeinsam Sport. Knapp 6.000 ausgebildete Übungsleiter helfen und trainieren. Über 2.000 Vereinsärzte stehen zur Seite. Das Vereinsleben im BSNW ist nicht langweilig: dafür sorgen 40 Sportarten und Spiele, Veranstaltungen, Wettkämpfe, Freizeiteinrichtungen.Im Herzsport wurden die rehabilitativen Möglichkeiten, die in sportlichen und spielerischen Bewegungen angelegt sind, wohl zuerst systematisch genutzt und führten zum Aufbau von ambulanten Sportgruppen. Obwohl in den letzten Jahren vielfältige soziale und psychische Einflussfaktoren, die an der Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sind, entdeckt wurden, dominiert in der Bewegungstherapie derzeit noch ein von der medizinisch-körperlichen Perspektive bestimmter funktionsorientierter Ansatz. Ausgehend von einer Darstellung der komplexen Einflüsse, die an der Genese des Herzinfarkts beteiligt sind, wird in der vorliegenden Veröffentlichung die Perspektive einer spielorientierten Bewegungstherapie entwickelt, die nicht nur auf körperliche Anpassungsprozesse ausgerichtet ist, sondern die Persönlichkeiten der Herzpatienten in positiver Weise beeinflussen will. Die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten werden an einer großen Anzahl von Spielformen mit vielfältigen Variationsmöglichkeiten demonstriert, die ein bestimmtes Verständnis des Herz- und Alterssports skizzieren und aufzeigen.
6., überarb. Aufl.
  • Deutsch
  • Aachen
  • |
  • Deutschland
  • 6,23 MB
978-3-8403-2764-3 (9783840327643)
3840327644 (3840327644)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Dr. Michael Kolb ist Hochschullehrer für Bewegungs- und Sportpädagogik an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation durch Bewegung, die Sportgeragogik, Methoden der Leibwahrnehmung und der Entspannung sowie die Didaktik von Spiel und Sportspiel.
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2 Die Perspektive einer spielorientierten Bewegungstherapie


2.1 Die komplexe Zielstellung der Rehabilitation und der Bewegungstherapie

Zur Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit müssen die Menschen über bestimmte Fähigkeiten zur Bewältigung von Anforderungen des alltäglichen Lebens verfügen. "Körperliche, seelische und soziale Gesundheit in diesem umfassenden Verständnis ist nur möglich, wenn eine Person konstruktive Sozialbeziehungen aufbauen kann, sozial integriert ist, die eigene Lebensgestaltung an die wechselhaften Belastungen des Lebensumfeldes anpassen und dabei die persönlichen Bedürfnisse ausdrücken und Sinnerfüllung finden kann, und wenn alles dies im Einklang mit den biogenetischen und physiologischen Potentialen und den körperlichen Möglichkeiten geschieht" (Hurrelmann, 1991, S. 164). Wie aufgezeigt, werden bei der Genese des Herzinfarkts die Potenziale des Menschen durch die Anforderungen der Lebenswelt längere Zeit überfordert. Die Erkrankung auf der körperlichen Ebene ist nur die anatomische Manifestation eines langfristig ablaufenden Prozesses. Für die Rehabilitation stellt sich demgemäß die Aufgabe, die Fähigkeiten der Menschen unter Berücksichtigung der neu gegebenen, eingeschränkten körperlichen Belastungsfähigkeit so weit zu stärken und zu beeinflussen, dass sie zu einer persönlich befriedigenden Lebensführung finden können. Unter dieser Perspektive dürfen sich rehabilitative Maßnahmen nicht darin erschöpfen, einzelne Risikofaktoren isoliert zu bekämpfen, sondern sie müssen die Menschen dazu befähigen, eine neue Balance zwischen den Anforderungen, die das Leben an sie stellt, und den eigenen Möglichkeiten zu finden. Man muss ihre personalen und sozialen Bewältigungsressourcen stärken und darf nicht nur bestimmte Körperfunktionen verändern bzw. konkrete Verhaltensweisen vorgeben, die befolgt werden müssen.

Der Herzinfarkt geht für die Betroffenen mit dem Erlebnis eines massiven Verlusts ihres von unbegrenzt erscheinender Leistungsfähigkeit geprägten Selbstbildes und mit Einschränkungen in Beruf und Freizeit einher. Die Bewegungstherapie kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Herzpatient/innen in sozialer und emotionaler Hinsicht gefestigt werden und lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Nach Langosch (1992c, S. 219f.) trägt allerdings weniger die durch das Bewegungstraining erhöhte physische Leistungsfähigkeit zur Stabilisierung der Persönlichkeit von Herzinfarktpatient/innen bei, sondern mehr die damit verbundenen, positiven Körper- bzw. Selbsterfahrungen. Die Bewegungstherapie darf deshalb nicht nur aus einem körperlichen Training bestehen, sondern in ihr muss der Initiierung positiver Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Körper, der Bewegung, der Umwelt und anderen Menschen zumindest ebenso große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Für Langosch (1988a, S. 38) kann dabei die Bewegung nur dann psychotherapeutisch erfolgreich sein, wenn "sie sich nicht auf das Ziel, 'Verbesserung der physischen Kondition' beschränkt, sondern die Veränderung der Selbsttheorie vermittels neuer, positiv erlebter Körpererfahrung verfolgt".

Langosch (vgl. 1988a, S. 40) verbindet mit dieser erweiterten Zielsetzung für die Bewegungstherapie die Forderung, dass sie gezielt in ein psychosomatisches Behandlungskonzept eingebunden werden muss, das weitere psychotherapeutische Maßnahmen mit umfasst. Dieser Anspruch kann natürlich nur im Rahmen der klinischen Rehabilitation realisiert werden, wo ein Team von Expert/innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammenarbeitet. Gleichzeitig sind die Patient/innen in der Klinik relativ kurze Zeit nach dem einschneidenden Ereignis des Infarkts offener für eine Behandlung, die eine tief greifendere Veränderung ihres Selbstkonzepts und die Initiierung einer schonenden Lebensführung zum Ziel hat.

Das bedeutet nun aber nicht, dass in der Bewegungstherapie im Rahmen der ambulanten Rehabilitation, wo die Herzgruppenbetreuer/innen normalerweise auf sich allein gestellt sind, keine Möglichkeit zur Beeinflussung der Teilnehmenden mehr besteht. Die Leiterinnen und Leiter von Herzgruppen können und sollen natürlich nicht die Aufgabe von Psychotherapeut/innen übernehmen, aber über entsprechend gestaltete Bewegungsangebote können sie durchaus gezielt auf die Herzpatient/innen einwirken. Die ambulanten Herzgruppen haben zudem den großen Vorteil, dass die Patient/innen über einen längeren Zeitraum teilnehmen und dadurch zu einer festen Gruppe werden. Ambulante Herzgruppen tragen charakteristische Züge von Selbsthilfegruppen, in denen sich Menschen mit gleichartigen Krankheiten, Beschwerden und Ängsten sowie ähnlichen Problemlagen treffen und miteinander austauschen. Das schafft die Möglichkeit, dass die Teilnehmenden sich aneinander gewöhnen, sich kennen lernen und dauerhafte soziale Kontakte untereinander und zum Leiter bzw. zur Leiterin der Gruppe aufbauen. Erst wenn sich eine Gemeinschaft etabliert hat, eröffnet sich auf der Basis des gegenseitigen Vertrauens die Möglichkeit der Initiierung verschiedener Bewegungs- und Erfahrungssituationen, die mit einer Ansammlung von Menschen, die sich nur flüchtig kennen, kaum durchführbar sind.

In der ambulanten Rehabilitation lassen sich auf Grund der längerfristigen Perspektive Veränderungen der Persönlichkeitsstrukturen auf lange Sicht anbahnen.

Die Bewegungstherapie im Rahmen der klinischen und ambulanten Rehabilitation kann einen sinnvollen Beitrag zum Erreichen einer befriedigenden Lebensqualität leisten, wenn sie den Aufbau von Bewältigungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen verfolgt. Auf der körperlichen Ebene wird durch die Initiierung von physiologischen Anpassungsprozessen, der Ökonomisierung der Herz-Kreislauf-Funktionen und positiven Veränderungen von Stoffwechselprozessen eine ausreichende Funktionsfähigkeit zur Bewältigung der alltäglichen Aufgaben und der beruflichen Anforderungen wiederhergestellt. Auf der psychischen Ebene muss die Entwicklung einer reflexiven Persönlichkeit mit der Fähigkeit zur variablen Wahrnehmung des eigenen Körpers sowie des eigenen Verhaltens und einer realistischen Einschätzung der Anforderungen der Welt unterstützt werden. Auf der sozialen Ebene sollte innerhalb der Gruppe soziale Unterstützung vermittelt und die Fähigkeit zur Gestaltung sozialer Beziehungen und persönlicher Bewältigungsverhaltensweisen gestärkt werden, mit denen schwierige Lebenssituationen zu bewältigen sind. Alle Maßnahmen zielen letztlich darauf ab, die Herzpatient/innen dazu zu befähigen, unter Berücksichtigung ihrer Krankheit eine persönlich akzeptable Lebensführung zu erreichen und für sich selbst wieder Zukunftsperspektiven aufzubauen (vgl. Langosch, 1992a, S. 174).

Dazu müssen die Herzpatient/innen vor allem mehr über sich selbst und ihren Körper lernen und ihm mehr Beachtung schenken. Wenn sie die oft beobachtbaren Defizite im eigenen Spüren und Wahrnehmen abbauen, so wachsen sie gleichsam wieder in ihren eigenen Körper hinein. Sie erlangen einen sensibleren, aufmerksameren Zugang zu sich selbst und können einen realistischeren bzw. nicht überfordernden Umgang mit dem eigenen Körper entwickeln. Neben einem verbesserten Gefühl für körperliche Spannungs- und Entspannungszustände, einer realistischeren Selbstwahrnehmung und der Fähigkeit zu intensivem Erleben und zum Ausdruck eigener Befindlichkeiten, muss die Wahrnehmungsfähigkeit für soziale Beziehungen und für das eigene Verhalten in Interaktionssituationen entwickelt werden. Insbesondere sollen die Herzpatient/innen Erfahrungen damit machen, sich auf soziale Beziehungen einzulassen und auf die Zeichen anderer zu achten, ohne in Interaktionssituationen zu dominieren. Die Patient/innen sollen "'Bewegt Werden und Bewegt Sein' - im Sinne eines Spürens und Empfindens für die eigene Körperlichkeit bzw. Persönlichkeit". Sie können so insgesamt "'in Bewegung kommen' - im Sinne eines Überdenkens der eigenen Einstellungs- und Verhaltensebene" (Fischer, 1988b, S. 58f.). Dazu gilt es, sie anzuregen, eigene Lösungen und Möglichkeiten zu suchen, neue Wege zu erproben und miteinander zu vergleichen, festgefahrene Verhaltensstrategien in sozialen Situationen aufzugeben, eigene Maßstäbe für ihr Handeln zu entwickeln und sich nicht unreflektiert äußeren Leistungsnormen zu unterwerfen. Das entscheidende Ziel besteht aber wohl darin, die risikoreichen Persönlichkeitsmuster der Patient/innen zu öffnen und bislang vernachlässigte Dimensionen des Erlebens zugänglich zu machen, sodass sie in ihren Umgangsmöglichkeiten flexibler werden.

2.2 Zur Umsetzung der Rehabilitationsziele: die Perspektive einer spielorientierten Bewegungstherapie

Um eine derartige Zielsetzung zu erreichen, müssen in der Bewegungstherapie Erfahrungsräume geschaffen werden, in denen sich die Herzpatient/innen in der Bewegung und in der Interaktion mit anderen in vielfältiger Hinsicht selbst erleben können. Die meist älteren Patient/innen haben in ihrer Lebensgeschichte feste, gewachsene Einstellungen und Verhaltensweisen entwickelt. Appelle, die sich an ihre Einsicht richten und zu Veränderungen in der Lebensführung aufrufen, haben nur geringe Aussicht auf Erfolg. Fischer (1987, S. 108) plädiert deshalb für erlebnisorientierte Angebote, die den Patient/innen die Möglichkeit geben sollen, in "für sie völlig neuen Bewegungssituationen ihren Körper anders zu entdecken, neue Erfahrungen zu sammeln ..., ohne an Leistung, Wettbewerb oder Perfektion zu denken". Allerdings bereiten den Herzpatient/innen Situationen, in denen sie andere, als die verinnerlichten, leistungsorientierten Verhaltensmuster benötigen, oft große Probleme. Meist sind sie auf ein genaues Einhalten der Regeln...

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