Es ist nie zu spät!

Gedanken eines Lebens
 
 
Frick Verlag GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Mai 2020
  • |
  • 172 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-939862-66-6 (ISBN)
 
Aufbruch zu einem neuen Bewusstsein im
21. Jahrhundert.
So könnte man das Anliegen dieses Buches beschreiben. Der Autor zeigt darin die Sinuslinie seines eigenen Lebens auf. Die Gedanken, die er sich im Laufe seines Lebens gemacht hat, beinhalten ihren eigenen Kosmos. Er spricht über die Geburt genauso wie über den Tod und den Sinn des Lebens. Obwohl von einem unerschütterlichen Glauben beseelt, setzt er sich doch kritisch mit Religionen und Gesellschaft auseinander. Sein Credo: Sieh Dich um in Vergangenheit und Gegenwart, hinterfrage und überlege, wie Du die Zukunft (mit-) gestalten möchtest.
Krankheiten bis hin zu Schlaganfällen, Nah-Tod-Erlebnisse, aber auch die Beschäftigung mit der Natur haben den Autor geprägt. Er ist immer wieder aufgestanden, hat nie aufgegeben und so manchen Neuanfang gewagt. Die unterschiedlichsten Thematiken regen den geneigten Leser an, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Vielleicht gehört die Frage dazu: Wie kann ich meinen bescheidenen Teil beitragen, um die Welt freudvoller und friedlicher zu gestalten?
  • Deutsch
  • 2,34 MB
978-3-939862-66-6 (9783939862666)
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Janko Kojucharov wurde am 17. 04. 1930 in Bulgarien geboren, wo er 37 Jahre gelebt hat.
Nach seinem Studium hatte er als Dipl.-Maschinenbau-Ingenieur die Leitung der Abt. Baumaschinen in der Forschung am Institut für Bauwesen inne. Am Ministerium für Bauwesen war er Mitglied einer fünfköpfigen Kommission von Spezialisten.
Das Schicksal verschlug ihn im März 1967 nach Deutschland, wo er sein weiteres Leben verbracht hat. Er starb am 12.4.2020.

Liebe Leserin und lieber Leser

In den siebziger Jahren hat mir eine alte Dame einmal folgendes erzählt:

"Mein Mann lag sterbenskrank im Bett. Eines Tages eröffnete er mir: "Ich möchte dir sagen, ich habe dich nicht geliebt." Kurz danach starb er. Und sein Geheimnis nahm er mit sich.

So hat mir meine Bekannte ihr Geheimnis anvertraut.

Ich habe mir lange Zeit Gedanken darüber gemacht, warum ihr Mann so etwas am Sterbebett gesagt haben könnte.

Deshalb fasste ich den Entschluss, diese Geschichte weiterzudenken und so entstand: "Es ist nie zu spät!"

Möglicherweise kommen Ihnen beim Lesen andere Gedanken in den Sinn. Dann schreiben Sie sie doch ganz einfach auf.

18. 5. 2003

Es ist nie zu spät!

Es sind jetzt fünfzig Jahre vergangen.

Robi, mein Mann, schläft heute in einer Liege auf der Terrasse. Das ist sein Lieblingsplatz, von dort hin öffnet sich ein herrlicher Blick zum See und der Kampenwand, wo wir beiden ungezählte Male gewandert und geklettert sind. Er genießt dieses malerische, bunte oder schneebedeckte Panorama.

Auf einem Stuhl daneben sitzend halte ich mit meinen beiden Händen seine rechte Hand, weich und warm, wie immer. Eine plötzliche Erinnerung versetzte mich in Erregung: Warum hat er mir seine Hände nie gereicht? Nur einmal, an diesem Abend! Immer nahm ich zuerst seine Hand. Warum tut er das, fragte ich mich.

Ich spüre den Schlag seines Herzens, manchmal ist er impulsiv und sprunghaft, manchmal verändert und sehr schwach, welch eine Beängstigung! Ich mache mir große Sorge um ihn. Früher hatte er deshalb nur gelegentliche Beschwerden, jetzt aber treten sie heftig auf. Die Ärzte diagnostizieren es so: Der Grund liegt bei seinem starken Rauchen und dem Alter. Es ist nicht ratsam etwas zu operieren. Wir haben schon einige konsultiert, jeder vertritt seine Thesen, einer verschreibt nur wenige Medikamente, der andere sehr viele, ich meine zu viel. Wem sollten wir vertrauen?

Ich wollte seine Haare, die bis heute ihre natürliche dunkelbraune Farben erhalten haben, am Kopf ein wenig zärtlich streicheln. Immer wenn ich dies tue, räkelt er sich wohlig wie unsere Katze, aber er schläft jetzt ganz tief, und ich verzichte darauf, ich lasse ihn deshalb in Ruhe weiterschlafen.

Gestern habe ich seine Lieblingstorte, die Sachertorte, gemacht. Sie ist im Kühlschrank. Wenn er aufwacht, feiern wir beide unseren Hochzeitstag, den goldenen.

Es fühlt sich fast wie damals an.

Ich war damals 19, ein verzärteltes Mädel, das soeben das Gymnasium beendet hatte. Und er hieß Robi oder richtig Robert? Manche Schüler haben ihn Robi genannt, das hat mir gut gefallen, und ich habe diesen Kosenamen übernommen. Unsere Jungen beneideten uns ganz schön und waren fast schon eifersüchtig, weil wir, die Mädchen, ihn sehr verehrten. Es gab fast keine von uns, die nicht von ihm schwärmte. Einige waren insgeheim in ihn verliebt, eine wollte sich vor der Liebe sogar umbringen. Und er war mein Lehrer, Klassenlehrer dazu. Gleich bei dem Abiturball schnappte er mich unter dem Schutz der Dunkelheit auf dem Balkon der Stadthalle: "Liebe Rosi, darf ich deine Hand nehmen?" Bevor ich erfassen konnte, was das bedeutete und ihm antworten konnte, nahm er meine Hand und küsste sie. Ich spürte, mein Blut begann beinahe zu kochen, eine bis jetzt unbekannte, aber sehr angenehme Wärme überfiel meinen Körper, meinen Kopf und mein Gesicht färbte sich rot wie eine Rose. Gott sei Dank, dass es dunkel war und niemand es bemerken konnte. Als ich seine Worte "Ich will dich heiraten, liebe Rosi. Willst du meine Frau werden?" hörte, ergriff mich eine komische Panik, mein Herz raste wie ein Radrenner, ich fand keine Antwort. Mir ist nichts anderes eingefallen als: "Ich muss aber meine Eltern fragen."

Also habe ich weder ja noch nein gesagt. "Nein, liebe Rosi, ich will dich heiraten und nicht deine Eltern. Lange Zeit habe ich darauf gewartet, du bist jetzt nicht mehr meine Schülerin. Ich liebe dich Rosi". Bevor ich etwas dagegen oder dafür tun konnte, umarmte er mich, küsste meinen Mund, seine Lippen waren heiß. Langsam öffnete ich auch meine, seine Zunge berührte meine, und ich umarmte ihn auch und presste mich an ihn. Unsere Lippen waren so heiß, wurden wie verschweißt, und wir konnten uns lange nicht trennen. Das war unsere unvergessliche, einmalige und für uns ewige Begebenheit. So war dieser Abend, unser gemeinsamer Lebensanfang.

Schon einen Monat später heirateten wir. Meine Eltern opponierten zwar zuerst, haben aber dann doch nachgegeben. Er war 27, ein gut aussehender, geachteter Lehrer und Bürger in unserer kleinen Provinzstadt. Ich schwebte im siebten Himmel vor Glückseligkeit. Er hat sich einen guten und gesicherten Platz in meinem Herzen erobert, aber auch ich bei ihm.

Aber heute? Was ist heute von dem großen Glück und der brennenden Liebe übrig geblieben?, fragte ich mich selber. Ehetreue, Familiensinn, schönes Haus einrichten, Kindererziehung und Sorgen, dass der Kontostand stimmt - sind alle diese Dinge nur wie Luftballons? Unsere Kinder, Tochter und Sohn, haben schon eigene Kinder. Bald kommt die Zeit, wo diese Kinder auch Kinder bekommen könnten. Na, ja, noch vergessen sie den Muttertag nicht. Ab und zu kommen sie kurz im Urlaub zu uns. Weihnachten ist ein Familienfest, sagt man, aber sie blieben bei ihren Familien. So ist es im Leben.

Warum verblasst die Liebe?, frage ich mich weiter: Sie kommt und glüht für ein paar Jahre und verweht schnell, wie der Föhn über die Alpen. Ist die Liebe heute nur purer Sex? Existiert die Liebe nur bei einer Sonntagspredigt in der Kirche? Unsere Gutenachtküsse gehören schon längst der Vergangenheit an. Das Umarmen und Kuscheln seien Kinderspiele, sagt man. Sie sind nur noch Erinnerungen aus jüngeren Jahren.

Am Tage vorher erklärte mir dazu noch mein Mann Robi:

"Meine liebe Rosi, ich muss dir heute gestehen, dass ich dich nicht geliebt habe."

"Was hast du gesagt, Robi?", konnte ich nur aus meinem Munde herausbringen.

" Ach nichts, vergiss es." Seine Stimme klang verdrossen.

Ich kann es ganz einfach nicht begreifen. Seine Worte habe ich wohl verstanden, aber was soll das bedeuten? Nach 50 Jahren? Warum hat er mir dies gesagt und darüber dann nicht mehr sprechen? Oder wollte er mich nur wieder necken?

Meine Grübelei wurde durch sein Erwachen unterbrochen und ich wollte unsere Feier auch nicht verderben.

Nun ging es an den Verzehr unsrer "goldenen" Hochzeitstorte. Robi war jetzt sehr launisch, er zeigte sich nicht sehr gesellig. Seine Gedanken schweiften ab, das merke ich bei ihm sofort.

"Rosi, kann ich noch ein Stück Torte bekommen? Du kochst immer fabelhaft, aber diese Torte ist fantastisch, einmalig. Du hast es noch nicht verlernt." Das waren seine einzigen Worte zu unserem Jubiläum.

"Du magst doch die Sachertorte sehr gerne, sie ist für unseren Hochzeitstag." Mir fiel nur diese Antwort ein. Heute will ich ihn nicht ärgern, da er in einer Woche ins Krankenhaus gehen muss. Solche Herausforderungen in der Ehe mit ihm habe ich immer mit Ruhe und Gelassenheit bewältigt.

Nach zwei Monaten Aufenthalt im Krankenhaus kam Robi wohl und gut erholt nach Hause. Er beginnt den Garten zu pflegen, liest die Zeitungen, geht allein in die Stadt spazieren, besucht die Spiele unseres Fußballclubs, wo er als Junge gespielt hatte. Er ist in erstaunlicher Weise wieder lebenstüchtig geworden.

Heute Früh hat er mir eine Überraschung vorbereitet:

"Liebe Rosi, wir haben vor Kurzem unsere goldene Hochzeit gefeiert. Damals konnte ich dir keine 50 roten Rosen bringen, du weißt es. Statt dessen machen wir eine Reise. Seit Langem haben wir keine mehr unternommen. Morgen fahren wir ab. Pack den Koffer, Rosi. Einverstanden?".

So ist mein Robi. Er hat eine natürliche Begabung für solche spontanen Ideen. Ich habe ihm nie widersprochen und jetzt auch nicht. Ich lasse mich von ihm führen, wie damals bei dem Ball. Robi macht es aber auch gut so. Ich freue mich darüber. Er genießt Unternehmungen dieser Art.

Wir fuhren nach Süden. Er lenkte das Auto sicher und ich kümmerte mich überhaupt nicht, wohin. Auf einmal landeten wir vor dem Berghotel "Blauer Enzian", ganz oben über Madonna di Campiglio. "Das kommt mir doch bekannt vor", dachte ich mir, ah ja, gleich kam es mir wieder in den Sinn. Ich habe das Hotel sofort wieder erkannt, wohin wir vor 50 Jahren unsere Hochzeitsreise gemacht haben. Ich umarmte meinen Robi und küsste ihn so heiß, wie ich es in diesem Maße seit langer Zeit nicht mehr getan habe. Robi hat mir die richtige Überraschung beschert.

Die damaligen Wirte sind schon längst in den Ruhestand gegangen, die Jungen haben das Hotel übernommen. Sie haben uns sehr herzlich empfangen, als sie unsere Geschichte erfuhren. Wir hatten gar keine Eile. Wie es unsere Kräfte zuließen, wanderten wir tagsüber oder lagen in der Sonne, fuhren mit der Gondelbahn zu dem Gipfel Cima del Grostè hin und übernachteten dort in der Hütte. Wir genossen ganz einfach unsere...

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